Über Grenzen

Schülerinnen
 und
 Schüler 
der 
Gymnasien
 Bäumlihof,
 Leonhard, 
Münsterplatz,
 Muttenz 
und 
Oberwil nahmen im Vorfeld der BuchBasel an einem Schreibwettbewerb zum Festivalthema «Über Grenzen» teil. Wir präsentieren die prämierten Texte
. Den Anfang macht Noëmi Hauri (18) vom Gymnasium Oberwil.

Wurde mit dem dritten Platz ausgezeichnet: Noëmi Hauri vom Gym Oberwil. (Bild: zVg)

Schülerinnen
 und
 Schüler 
der 
Gymnasien
 Bäumlihof,
 Leonhard, 
Münsterplatz,
 Muttenz 
und 
Oberwil nahmen im Vorfeld der BuchBasel an einem Schreibwettbewerb zum Festivalthema «Über Grenzen» teil. Wir präsentieren die prämierten Texte
. Den Anfang macht Noëmi Hauri (18) vom Gymnasium Oberwil.

Zu sagen, an dem Tag, an dem wir zusammenkamen, veränderte sich alles, wäre falsch; denn ist es nicht so, dass wir uns gegenseitig verändern, Stück für Stück, jeden Tag?

Es hat geregnet; und die Tropfen, die dir stumm über die Lippen rollen, hallen in meinem Kopf nach wie Trommelwirbel. Ich versuche mich verzweifelt aus deinem Griff zu lösen und stelle plötzlich fest, dass es nicht deine Hände sind, die mich zurückhalten. Bin es wirklich ich, die sich festhält wie eine Ertrinkende? Wessen Hände sind es, die unter dem weichen Stoff deines T-Shirts auf deinem Bauch liegen? Oder ist es mein T-Shirt, mein Bauch?

Grenzen verschwimmen zwischen dir und mir. Plötzlich fühle ich, wie sich mein Herzschlag verdoppelt, doch es ist nicht mein steigender Puls, der diese Töne hervorruft. Es ist der gleiche Herzschlag wie zuvor, nur intensiver, irgendwie fremd.

Mir kommt der Gedanke, dass dies vielleicht gar nicht richtig ist. Darf man sich denn berühren, ohne sich in die Augen zu sehen? Darf man an Stellen fassen, die man noch nie gesehen, bloss erahnt hat? Und was ist mit dieser Fremde, die trotz der alles vertreibenden Wärme immer noch Platz findet?

Wo lassen sich all diese Empfindungen einordnen? Und welches sind meine und von welchen habe ich lediglich sonst schon irgendwo gehört?

Plötzlich wünsche ich mir meine Grenzen zurück; Grenzen gemacht vom Tageslicht und der Klarheit, denn hier ist alles anders. Es ist Herbst, wir sind in der verblassenden Sonne, die uns mehr Wärme gibt, als dass wir während einem heissen Sommertag aufnehmen könnten. Hier gibt es keine Gesetze, nichts, was mich hält.

Und so halte ich mich an dir und füge mich dem Rhythmus der Trommeln, während Grenzen auftauchen und wieder verschwinden, sich um uns ziehen. Es sind viele Grenzen, die sich überwinden lassen, unbemerkt, im Rausch eines Gefühls; und manche, denen wir eine Weile folgen, und die dann vorüberziehen.

Die Schülerinnen und Schüler hatten die Aufgabe, in ihren Texten Bezug zum Festivalthema der BuchBasel («Über die Grenze») herzustellen. Die Texte durften maximal 5000 Zeichen lang. Eine Jury bestehend aus Autorin Irena 
Brežná,
 dem
 Literaturkritiker
 und
 ‐vermittler
 Urs
 Heinz
 Aerni,
 dem
 Germanisten 
und 
ehemaligen 
Lehrer 
Markus
 Fink 
sowie 
zwei Gymnasiasten. Wir von der TagesWoche publizieren die drei Siegertexte und gratulieren herzlich.

 

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