Umbau schickt Basler Sinfonieorchester auf Reisen

Wegen des Umbaus des Stadtcasinos müssen sich die Basler Sinfonieorchester nach anderen Auftrittsorten umsehen. Das Basler Sinfonieorchester will diese logistische Herausforderung mit speziellen Programmausflügen verbinden.

Die ersten Baugerüste stehen bereits beim Stadtcasino Basel.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Wegen des Umbaus des Stadtcasinos müssen sich die Basler Sinfonieorchester nach anderen Auftrittsorten umsehen. Das Basler Sinfonieorchester will diese logistische Herausforderung mit speziellen Programmausflügen verbinden.

Seit Anfang Woche künden die ersten Gerüste an der Längsfassade des Stadtcasinos am Steinenberg vom bevorstehenden Um- und Ausbau des Basler Zentrums für klassische Konzerte. Vorerst ist der Kopfbau aus den 1940er-Jahren dran, im Sommer werden dann die Tore zum grossen Musiksaal für drei Jahre geschlossen.

Die Casino-Gesellschaft sorgt als Hüterin des Basler Konzerttempels bis zu seiner Wiedereröffnung 2019 zwar für Ersatz: Für jeweils acht Monate pro Jahr hat sie das Musical Theater Basel gemietet, das sie den Konzertveranstaltern und Orchestern «zu gewohnt moderaten Konditionen» zur Verfügung stellen wird, wie die Casino-Gesellschaft schreibt. Doch mehrere der regelmässigen Casino-Nutzer wollen sich während dieser Übergangszeit nicht auf diesen einen Ersatzstandort beschränken.

Basel Sinfonietta in der Messehalle

Basel Sinfonietta hat mit der Messehalle 3 bereits einen neuen Spielort ausprobiert.

Basel Sinfonietta hat mit der Messehalle 3 bereits einen neuen Spielort ausprobiert. (Bild: sinfonietta basel)


Bereits ein halbes Jahr vor dem Umbau hat das selbstverwaltete Orchester Basel Sinfonietta seine Fühler nach neuen Auftrittsorten ausgestreckt. Ende Januar wagte sich das Orchester für ein Konzert mit zeitgenössischen Werken in die alte Messehalle 3, die an das Musical Theater grenzt. Es war ein akkustisches Experiment, das bestens glückte und das Publikum entsprechend begeisterte.

Auch das Sinfonieorchester Basel hat nach weiteren Ersatzstandorten Ausschau gehalten. Für die Abonnementskonzerte wird es nicht nur im Musical Theater, sondern auch im Theater Basel und im Basler Münster auftreten. Dazu kommen Konzerte im Römertheater Augusta Raurica, in der Eventhalle der Messe Basel, im Hof des Museums der Kulturen und an weiteren Orten.

Dreifache Herausforderung

«Uns stehen grosse Herausforderungen bevor», sagte die Präsidentin der Orchesterstiftung, Barbara Schneider, an einer Medienkonferenz, an der das Sinfonieorchester frühzeitig das Programm für die Saison 2016/17 vorstellte. Da ist erstens einmal die Frage, ob das – wie die Verantwortlichen mehrmals betonten – verjüngte Publikum mit auf die Reise gehen wird. Dann die Tatsache, dass das Orchester mit weniger Subventionen auskommen muss. Und drittens der Antritt des neuen Chefdirigenten Ivor Bolton, der gleich zu Beginn auf eine Ausnahmesituation treffen wird.



Die Oberen des Sinfonieorchesters Basel (von links): Geschäftsleiter Franziskus Theurillat, der designierte Chefdirigent Ivor Bolton, der Leiter künstlerische Planung Hans-Georg Hofmann und Stiftungsratspräsidentin Barbara Schneider

Die Oberen des Sinfonieorchesters Basel (von links): Geschäftsleiter Franziskus Theurillat, der designierte Chefdirigent Ivor Bolton, der Leiter künstlerische Planung Hans-Georg Hofmann und Stiftungsratspräsidentin Barbara Schneider (Bild: Dominique Spirgi)

Das Sinfonieorchester möchte seine Reise von einem Konzertort zum andern auch mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten verbinden, die es auf diese unterschiedlichen Umgebungen ausrichten wird:

  • Das Programm im Musical Theater könnte man (was das Sinfonieorchester aber nicht tut) mit «Classic goes Pop» überschreiben: Der TV-Zaubergeiger David Garrett wird sein Instrument mit Tschaikowskis Violinkonzert zum Glühen bringen, und das virtuose Musik-Komikerduo Igudesman & Joo wird «Big Nightmare Music» präsentieren. Mit britischem Understatement bezeichnet der designierte Chefdirigent Bolton den Solisten Garrett, den er übrigens nicht begleiten wird, als «phantastic player and a great communicator».
  • Als Gegenpol dazu könnte man das Programm im Basler Münster nennen. Bolton selber wird dort unter anderem mit Werken Bruckners für feierliche Ernsthaftigkeit sorgen.
  • Auf der Grossen Bühne des Theaters Basel schliesslich wird ortsspezifisch unter anderem theatrale Musik zu erleben sein, beispielsweise mit Bühnenmusikwerken von Strawinski, Prokofiew und Offenbach.

Mit Steward Copeland im Römertheater

Ein weiterer populärer Höhepunkt der Konzertsaison wird Ende August 2016 im Römertheater Augusta Raurica stattfinden: Dort wird das Sinfonieorchester unter der Leitung von Robert Emery den ehemaligen Police-Schlagzeuger Steward Copeland begleiten. Auf dem Programm steht eine Komposition für Orchester und Schlagzeug zu Fred Niblos Stummfilmversion von «Ben Hur» aus dem Jahr 1925.

Und am 25. September wird der neue Chefdirigent in der Eventhalle der Messe Basel seinen Einstand dirigieren. Mit Beethovens 7. Sinfonie, Edgar Elgars  «In the South (Alassio)» und Arien aus Mozart-Opern, gesungen von Erwin Schrott, stehen überaus populäre Highlights aus dem Klassik-Repertoire auf dem Programm.

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