Während andere Galerien schliessen, macht Dominik Müller eine auf

Vom Museum in den Kunsthandel: Der junge Basler Kunsthistoriker Dominik Müller hat eine eigene Galerie eröffnet. Ein Sprung ins kalte Wasser, aber die Lust auf Ausstellungen war stärker als alle Vorbehalte. 

Galerist Dominik Müller vor Werken des amerikanischen Künstlers Nicholas Krushenick.

Wer die Basler Galerie Mueller sucht, kommt erst mal auf den Hund. «Hundesalon Alfi» verkündet ein gelber Schriftzug auf dem Schaufenster des Hauses an der Rebgasse 46, das mit Plüsch- und Porzellanhunden gefüllt ist. Lediglich ein kleines Klingelschild mit der Aufschrift «Galerie» weist darauf hin, dass, wer den Hundesalon hinter sich lässt, auf Kunst trifft.

«Ich weiss, ich muss einen deutlicheren Hinweis platzieren», sagt Dominik Müller. Doch dazu ist er noch nicht gekommen. Ende August hat der Basler mit Jahrgang 1981 seine Galerie eröffnet. In seiner ersten Ausstellung in Kooperation mit der Galerie Ziegler in Zürich zeigt er abstrakte Werke von drei amerikanischen Künstlern, die sich Mitte des 20. Jahrhunderts einen Namen machten: Al Held, Nicholas Krushenick und Kimber Smith.

Die Lust war stärker als der Respekt vor dem Risiko

Dass sich Müller in die drei Räume im Hinterhaus verliebt hat, wie er selber sagt, ist nachvollziehbar. Sie scheinen geradezu ideal für eine Galerie, die sowohl Ölgemälde als auch sensible Papierarbeiten zeigen möchte. Der langgezogene Eingangsbereich grenzt an den Hinterhof. In der Mitte liegt ein zweiter, fensterloser Raum. Und an diesen schliesst sich der grösste Raum an, der mit Oberlicht ausgestattet ist.

Es gibt in Basel einige Beispiele von Galerien, die ihre Tore nicht lange nach der Eröffnung wieder schliessen mussten. Das Vorhaben, als junger Mensch eine Galerie zu eröffnen, ist also riskant.

Dominik Müller: «Auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst fühle ich mich noch zu unsicher.»

Das weiss Müller natürlich, aber abschrecken liess er sich nicht. «Ich habe mehrere Jahre als Assistent, Kurator und Fundraising-Verantwortlicher in Museen gearbeitet. Jetzt hatte ich Lust, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen», sagt er. Und fügt mit einem verschmitzten Lächeln hinzu: «Um meine Wunsch-Altersstelle als Kurator für die Klassische Moderne und die Kunst des 20. Jahrhunderts im Kunstmuseum Basel kann ich mich später noch immer bewerben.»

Müller hat in Basel und Wien Kunstgeschichte studiert, mit dem Spezialgebiet Kunst der Renaissance. Danach kamen Jobs im Museum Tinguely und zuletzt im Kunstmuseum Luzern.

2015 verfasste er eine lesenswerte Künstlerbiografie mit dem Titel «Jean Tinguely – Motor der Kunst», herausgegeben vom Christoph Merian Verlag. Über Tinguely als Performancekünstler möchte er eine Dissertation verfassen. «Das ist ein Langzeitprojekt, ich habe bis jetzt leider noch nicht die Zeit gefunden, sie zu schreiben», sagt er.

Von null auf hundert

Im Moment ist es die Neupositionierung als Galerist, die seine ganze Energie in Anspruch nimmt – zumal er sie als Einmann-Betrieb führt. «Als ich im Frühling die Zusage für die Galerieräume erhielt, musste ich von null auf hundert sofort loslegen», sagt er. Neben der Galerie möchte er noch Zeit mit seinen Kindern verbringen: Das erste ist zweieinhalb Jahre alt, das zweite wird in wenigen Wochen zur Welt kommen.

Dass Müller bei seiner Arbeit in Museen viel Erfahrung als Ausstellungsmacher gesammelt hat, ist in den Galerieräumen spürbar. Ihm ist es gelungen, so unterschiedliche Werke – die wilden Malereien von Smith, die sich stark an den abstrakten Expressionismus anlehnen, und die präzis komponierten abstrakten Pop-Art-Werke von Krushenick (von Held hängt nur ein kleines Bild) – zu einem stimmigen Ganzen zusammenzufügen.

«Three Americans», so der Titel, ist eine sehenswerte Ausstellung, auch wenn man sich keines der für Normalverdiener noch einigermassen bezahlbaren Prints oder ungleich teureren musealen Ölbilder kaufen möchte.

«Ich lasse mich im Moment noch zu einem guten Teil von der grossen Lust, Ausstellungen zu machen, antreiben», sagt Müller. «Die richtigen Kniffe des Kunsthandels muss ich erst noch erlernen.»

Er bringt zwar eine grosse, wissenschaftlich fundierte Affinität zur Kunst mit, seine Kundschaft muss er aber erst noch aufbauen. «Ich habe Freunde und Bekannte, die nicht abgeneigt sind, auch mal Kunst zu kaufen, aber darüber hinaus bin ich noch recht heftig am hausieren», sagt er.

Blick in die Ausstellungsräume mit Werken von Nicholas Krushenick (rechts) und Kimber Smith.

Das grosse Geschäft hat er in den ersten Wochen nach der Eröffnung der Galerie entsprechend noch nicht gemacht: ein paar Reservierungen, zwei bis drei verkaufte Werke.

Ideen für die Zukunft hat er schon einige. An die junge zeitgenössische Kunst wagt er sich aber noch nicht heran. Auf dem Gebiet fühle er sich noch zu unsicher. Vielleicht wird sich dies ja ändern, wenn der Newcomer Erfahrungen mit den ersten Ausstellungen gesammelt hat. Schliesslich ist er Mitglied der Kommission der Kunsthalle Basel.

Amerikanische Kunst mit Basel-Bezug

Wichtig ist ihm aber, dass die Kunst, die er ausstellt, einen Bezug zu Basel hat. Das mag bei den gegenwärtig gezeigten Amerikanern auf den ersten Blick weit hergeholt wirken. Doch Müller verweist darauf, dass die Kunsthalle und das Kunstmuseum in Europa Pionierarbeit mit dem Sammeln und Ausstellen der amerikanischen Moderne geleistet haben.

Und er erwähnt seine Galeristen-Vorbilder Felix Handschin und Ernst Beyeler, die beide ebenfalls früh amerikanische Kunst nach Basel brachten – unter anderem Werke der Namen, die nun in der Galerie Müller zu sehen sind.

Für die nächste Ausstellung will Müller das Rad der Zeit noch etwas weiter zurückdrehen. Geplant ist eine Schau mit Werken von Künstlern aus der Dada-Gruppierung «Das neue Leben», die vor hundert Jahren bei einer Ausstellung in der Kunsthalle Basel für einen kleinen Skandal gesorgt hatte. «Weil kein Museum dieses Jubiläum aufgreift, wage ich mich an dieses Projekt heran», sagt Müller.

Die Gruppe ist mittlerweile in Vergessenheit geraten, keineswegs aber die Namen der Künstler, die vor hundert Jahren dabei waren: Neben Sophie Taeuber-Arp und Francis Picabia auch die Basler Künstlerpersönlichkeiten Niklaus Stoecklin und Alexander Zschokke. Verkäufliche Werke zum Beispiel von Sophie Taeuber-Arp dürften schwer oder gar nicht aufzutreiben sein. Müller lässt sich davon aber nicht abschrecken. Es scheint vielmehr Triebfeder zu sein, es erst recht zu versuchen.

«Three Americans»: Galerie Mueller, im Hinterhaus an der Rebgasse 46, Basel . Bis 28. Oktober 2018.

Konversation

  1. Qualität, Qualität, Qualität – das sagten die bekanntesten Kunstsammler immer. Auch sollte das Gemälde einen dabei mind. 2 Jahre ansprechen. Bei Kimber Smith sehe ich leider keine Qualität und wenig Ansprechendes – aber was verstehe ich schon davon……………. Hauptsache made in USA.

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  2. Kunst ist wie eine Aktie. Man muss beim Kauf immer von einem Totalverlust ausgehen. Aber das weiss man ja. Wozu braucht man heute in dieser o.e. Liga noch einen Galeristen, der eine Marge von 50 – 60 Prozent hat? Ich kaufe direkt beim Künstler günstig ein. Ich will ihn direkt unterstützen, weil ich ihn kenne – Entwicklungshilfe halt ohne Payback.

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  3. Toll! Das ist spannend. Ich wünsche ihm, dass er durchhalten kann und dabei sich selber treu bleiben kann. Der Kunsthandel ist nicht nur ein edles Geschäft.

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    1. Kunsthandel gehört zu kriminellsten Geschäften überhaupt. Fängt bei Urkundenfälschungen resp. Falsch-Deklarationen an und hört spätestens bei Geldwäscherei auf.

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  4. Kunstmarkt ist oft Geldwäsche im oberen Segment.
    Leider sind regionale Künstler mittlerweile keinen
    Pfifferling mehr wert.
    Von Christ- Zurkinden. Total Verlust.
    Tinguely Grafik Werk z. B. Hannibal sfr. 4000.00 ( 1997 )
    Heute nicht einmal mehr 300 sfr.
    Der dunkle Kunstmarkt treibt Blüten.
    Eine Galerie zu eröffnen braucht Mut.

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  5. Ich wünsche ihm viel Glück. Er bewegt sich in einem Markt, der halbwegs noch funktioniert. Der Kunstmarkt der zeitgenössischen Kunst hingegen ist in freiem Fall, obwohl weiterhin gehandelt wird, aber fehlender Zukunftsglaube respektive sich geändertes Sammelverhalten versprechen nicht gerade einen expandieren Markt. Aber wie so oft muss man diese Erkenntnis selbst gewinnen, denn die Marktteilnehmer wollen ja immer als positive Akteure erscheinen und keinerlei negative Stimmung aufkommen lassen.

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