Alt SP-Präsident erwartet Protest von ganz oben

In einem offenen Brief fordert der ehemalige Basler SP-Präsident Roland Stark von den «höchsten Vertetern des Kantons» eine Antwort auf den beleidigenden BaZ-Artikel über Regierungsrätin Eva Herzog. Doch diese mögen nicht reagieren.

Der Basler alt SP-Präsident Roland Stark fordert Konsequenzen im Fall BaZ–Herzog. (Bild: Nils Fisch, Hans-Jörg Walter)

In einem offenen Brief fordert der ehemalige Basler SP-Präsident Roland Stark von den «höchsten Vertetern des Kantons» eine Antwort auf den beleidigenden BaZ-Artikel über Regierungsrätin Eva Herzog. Doch diese mögen nicht reagieren.

Der in Politik- und Medienkreisen heftig diskutierte und kritisierte Artikel der «Basler Zeitung» über Regierungsrätin Eva Herzog zieht weitere Kreise. In einem offenen Brief an Regierungspräsident Guy Morin und Grossratspräsident Daniel Goepfert fordert der ehemalige Basler SP-Präsident Roland Stark die «höchsten Vertreter unseres Kantons» auf, endlich «ein deutliches Wort» zu sprechen. Der «widerliche Text» stehe «fast einmalig in der journalistischen Landschaft der Schweiz», so Stark, der selber regelmässig Gastbeiträge für die «Basler Zeitung» verfasst. Selten sei eine vom Volk gewählte Repräsentantin derart beleidigt und in ihrer Würde verletzt worden wie die Basler Finanzdirektorin.

Ohne mit Eva Herzog gesprochen zu haben, hatte die BaZ vor zehn Tagen anzügliche sexuelle Anspielungen und Gerüchte über Herzog verbreitet – und damit viele empörte Leserreaktionen provoziert.

Boykott kommt für die SP nicht in Frage

Konsequenzen fordert Stark auch von der SP Basel: «Meiner Partei habe ich empfohlen, bis zum Eintreffen einer öffentlichen Entschuldigung der BaZ jeden Kontakt zu dieser Zeitung abzubrechen.» Eine Idee, für die sich der aktuelle Basler SP-Präsident nicht erwärmen kann. «Roland Stark ist tatsächlich mit dieser Empfehlung an uns gelangt», sagt Martin Lüchinger. Für ihn komme aber ein solches Vorgehen nicht in Frage: «Die SP hat als Partei einen politischen Auftrag zu erfüllen. Wir würden uns ins eigene Fleisch schneiden, wenn wir ein Medium boykottieren würden.»

Auch bei den «höchsten Kantonsvertretern» stossen Starks Forderungen auf Zurückhaltung. Auf eine Anfrage der TagesWoche veröffentlichte Guy Morin am Mittwoch Starks offenen Brief auf seiner persönlichen Facebook-Seite – und rezyklierte einen Kommentar zur Sorgfaltspflicht der Medien vom 19. November 2011. Vor einem Jahr hatte Morin die Chefredaktoren der Basler Medien zur Einführung von «Journalisten-Qualitätszirkeln» aufgerufen, um die lokale Berichterstattung zu verbessern. Stein des Anstosses war unter anderem ein Telebasel-Bericht über Hans-Peter Wessels, in dem der Baudirektor die Zunge aus dem Mund herausgestreckt hatte, sowie ein giftiger BaZ-Kommentar zur «Zungen-Affäre».  

Skeptisch gegenüber Starks Vorstoss ist auch Daniel Goepfert: «Ich kann als Grossratspräsident nicht im Namen des ganzen Parlaments öffentlich gegen die Berichterstattung in der BaZ protestieren.» Er habe aber der «Basler Zeitung» in dieser Sache einen persönlichen Leserbrief geschickt, sagt Goepfert, dieser sei bislang noch nicht abgedruckt worden (mehr zu Goepferts Brief in der Artikelgeschichte auf der Rückseite dieses Beitrags).

Artikelgeschichte

Einen Tag nach erscheinen dieses Beitrags veröffentlichte die BaZ Daniel Goepferts Leserbrief. Hier im Wortlaut:

 

Minimum an Anstand und Respekt

Vor einer Woche erschien in der Basler Zeitung ein Artikel, in dem die basel-städtische Finanzdirektorin verunglimpft wurde. Im Artikel von Michael Bahnerth traten Fantasien an die Stelle von Fakten, Verunglimpfungen an die Stelle von Beurteilungen. Es ist unverständlich, dass der BaZ-Chefredaktor, Markus Somm, bis jetzt nicht auf diese Entgleisung reagierte. Von einem einmaligen Ausrutscher kann nicht gesprochen werden. Einige Wochen zuvor hätte eine als Recherche bezeichnete Verleumdungskampagne dem basel-städtischen Erziehungsdirektor Christoph Eymann beinahe das Amt gekostet. Wir Politikerinnen und Politiker warten nicht darauf, wer als Nächstes an der Reihe ist, sondern wir stehen ­zusammen und wehren uns entschieden gegen jede Form von Verleumdungs­journalismus. Wir verlangen keine Schonung, wohl aber ein Minimum an Anstand und Respekt. Für einen guten politischen Start ins Jahr 2013 braucht es eine unmissverständliche Stellungnahme von Markus Somm.

Daniel Goepfert, Basel, Präsident des Grossen Rates, SP

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