Arbeitet diese Beiz sauber oder nicht?

Was Konsumenten schon lange fordern, unterstützt jetzt auch offiziell das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt: dass Restaurants und Lebensmittelläden dazu verpflichtet werden, die Ergebnisse der erfolgten Inspektionen sichtbar zu machen.

In dänischen Restaurants zeigen Smilies, wie die letzten Inspektionen ausgefallen sind. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Was Konsumenten schon lange fordern, unterstützt jetzt auch offiziell das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt: dass Restaurants und Lebensmittelläden dazu verpflichtet werden, die Ergebnisse der erfolgten Inspektionen sichtbar zu machen.

Um es vorwegzunehmen: Die Anforderungen an die Hygiene für Beizen und Lebensmittelläden sind in der Schweiz hoch, sehr hoch. Wahrscheinlich würden bei einer Inspektion nur wenige private Haushalte mit einer guten Note abschneiden. Insofern kann man das, was uns hierzulande vorgesetzt wird, bedenkenlos geniessen. In der Regel. Denn ein paar schwarze Schafe, respektive ein paar Grüsel, macht der Inspektor immer wieder mal aus. Zahlen dazu präsentierte heute Dienstag der Kantonschemiker des Kantons Basel-Stadt, Philipp Hübner, den Medien: Von den total 2657 Betrieben, die der Lebensmittelgesetzgebung unterstehen, erfüllten im vergangenen Jahr 2441 die hygienischen Anforderungen.

Für Anne Lévy, Leiterin des Bereichs Gesundheitschutz, ist das «insgesamt ein zufriedenstellendes Resultat. Aber: Bei 208 Betrieben wurde die Gefahrenstufe als «gross», bei acht sogar als «sehr gross» beurteilt. Zwei Betriebe seien geschlossen worden, elf mussten Teilbereiche schliessen. Die Konsequenz für alle, bei denen jeweils gröbere Mängel festgestellt werden, ist, dass sie so lange und in kurzen Zeitabständen nachkontrolliert werden, bis diese Mängel beseitigt sind. Und diese Kontrollen sind kostenpflichtig, das Interesse des Unternehmers, möglichst schnell eine gute Note zu erzielen, dürfte damit gegeben sein.

Zeitpunkt bewusst gewählt

Doch der Konsument erfährt nie, ob zum Beispiel sein Lieblings-Pizzastand um die Ecke davon betroffen ist oder nicht. Gemäss dem eidgenössischen Lebensmittelgesetz (siehe Hintergrund des Artikels) gilt für Lebensmittelkontrolleure die Schweigepflicht. Das heisst, sie dürfen die Namen der beanstandeten Betriebe nicht bekannt geben. Schon lange fordern deshalb Konsumentenorganisationen eine Änderung dieser Regelung. Der Konsument habe ein Recht darauf, zu erfahren, ob in einem Restaurant sauber oder unsauber gearbeitet werde, so ihr Argument. Nun stellt sich auch das Gesundheitsdepartement des Kantons Basel-Stadt hinter diese Forderung.

Wie die Zahlen der letzten Jahre zeigten, so Lévy, verstosse zwar nur ein kleiner Anteil aller Betriebe gegen die Hygienevorschriften, aber dieser sei konstant. Wenn man die Beanstandungsquote weiter senken wolle, so Lévy, brauche es mehr als das jetzt geltende Recht zulasse. «Dafür bedarf es der Einführung des aktiven Öffentlichkeitsprinzips.» Beispiele aus anderen Ländern führten vor, wie positiv sich die Offenlegung der Kontrollergebnisse auswirke. Nicht nur auf die Hygiene, betonte Anne Lévy, sondern auch auf das Geschäftsergebnis – weil ein Wirt mit guten Noten auch mehr Gäste anzieht.

Dass das Basler Gesundheitsdepartement diese Forderung gerade jetzt öffentlich macht, ist nicht zufällig. Denn derzeit diskutiert in Bern die Kommission für Gesundheit und soziale Sicherheit die Revision des aus dem Jahr 1992 stammenden Lebensmittelgesetzes, und die Einführung des Öffentlichkeitsprinzips ist ein wichtiger Teil dieser Diskussion. Und weiterhin sehr umstritten. Bei den für die Kontrolle zuständigen Ämtern in der Kantonen sei die Haltung etwa halb-halb, sagte der Basler Kantonschemiker Philipp Hübner.

Verschiedene Interessen

Wie eine Nachfrage in der anderen Basler Kantonshälfte ergab, outet sich sein Kollege zwar nicht gerade als Gegner des aktiven Öffentlichkeitsprinzips, aber doch zurückhaltend. «Ob Offenlegung oder Schweigepflicht, wir können prinzipiell mit beiden Regelungen leben», meinte der Baselbieter Kantonschemiker Peter Wenk. Die Kontrollen blieben wichtigster Bestandteil für eine gute Hygiene. Er habe keine Vorbehalte gegen das aktive Öffentlichkeitsprinzip, so Wenk, darüber habe ohnehin die Politik zu entscheiden, er wolle nur zu bedenken geben, dass die Rahmenbedingungen für alle stimmen müssten. «Es geht einerseits um das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit, aber auch um das Interesse des Unternehmers.» Immerhin handle es sich bei den gröber beanstandeteten Betrieben um einen kleinen Prozentsatz. Von den 2012 im Kanton Baselland 461 kontrollierten Betrieben habe man sechs nachkontrollieren müssen.

Umgehend nach der Medienkonferenz des Basler Gesundheitsamts meldete sich der Wirteverband Basel-Stadt mit einem Communiqué zu Wort. Und unmissverständlich gab der Verband gleich mit dem Titel seine Haltung gegenüber der geforderten Deklarationspflicht der Inspektionsergebnisse bekannt: «Hygiene-Pranger: Ein Schritt zurück ins Mittelalter.» Lebensmittelkontrollen seien stets Momentaufnahmen, Fehler passierten überall, wo Menschen arbeiteten. Deswegen ein Restaurant öffentlich zu brandmarken und dauerhaft zu schädigen sei unverhältnismässig und unnötig. Man darf gespannt sein, wie die Diskussion weitergeht und wohin sie letztlich führt.

Konversation

  1. @langen: es mag ihnen vielleicht egal sein, wenn der koch nach gesundem(?) stuhlgang seine haende nicht waescht und ihr (im wahrsten sinne des wortes) „gemischter“ salat voller faekalbakterien ist. mir nicht! ich erwarte nicht nur im spital saubers „besteck“, sondern auch in der beiz. wo die selbstkontrolle nicht funktioniert, ist eben fremdkontrolle noetig.

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  2. In einer Zeit, wo sich Leser allenfalls an Schlagzeilen erinnern können, ist ein Pranger für Kneipen und Lebensmittel-Buden, die sich einmal in 2 Jahren vielleicht mal einen Lapsus geleistet haben, absurd und gemeingefährlich.

    In einer Zeit, wo z.Bsp. Marktfrauen frisch gestochenen Salat direkt ab dem Feld laut Gesetz mit Plastikhandschuhen verkaufen müssen, ist die Forderung nach einem Pranger idiotisch.

    In einer Zeit, wo wir nicht wissen dürfen, welche Lebensmittel uns vergiften oder töten, weil die Deklarationspflicht ungesunder Designer-Food-Fallen von Nestle und Konsorten verhindert werden, ist der einseitige Pranger für die exponiertesten Klein-Unternehmen im Lebensmittel-Bereich ein ruinöser Witz.

    In einer Zeit, wo unser Essen mit Schadstoffen aller Art belastet ist, sollen ausgerechnet Kneipen und Lebensmittel-Läden an den Pranger gestellt werden, nur weil der Koch oder die Verkäuferin nach einem gesunden Stuhlgang einmal vergessen haben, die Hände nach dem Waschen auch noch stundenlang in Lauge zu tunken ? Dumm.

    Bin gespannt, was unausgelasteten Behörden noch so alles einfällt…

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  3. Jedes Restaurant wird jährlich einmal kontrolliert und erhält eine. Dieses Dokument muss klar sichtbar am Eingangsbereich angebracht werden.
    Hart aber effektiv, denn eine Schlechte Note verdirbt das Geschäft aber nicht mehr meinen Magen.
    Wer schon mal in NYC war kennt die netten A,B und C an den Türen 😉

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  4. Jede Fluggesellschaft mit ihren Leistung auch im Verpflegungsbereich wird bewertet und dies veröffentlicht, warum als auch nicht die hiesige Gastronomie. Welche Bewerteung ist denn langfristig besser, diejenige die hinter vorgehaltener Hand weitergegeben wird und sich dementsprechend hartnäckig hält oder diejenige welche offiziell vergeben wird und auch dementsprechend vom Wirt im positiven Sinn abgeändert werden kann. Somit könnte dann auch ein Wirtewechsel in einer gastronomisch verruffenen Beiz ehern wieder auf die positive Seite wechseln, als eben durch die Mund-zu-Mund Propaganda

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  5. „In einer freien Marktwirtschaft ist es nicht die Aufgabe des Staates, für eine bestimmte Qualität zu sorgen“, schreiben Sie da. Herr Ebneter – diese Auffassung als Vorstandsmitglied des Wirteverbands macht mir Sorgen. Selbstverständlich ist es die Aufgabe des Staates, für Qualität in gesundheitsrelevanten Bereichen verantwortlich zu sein.
    Ein paar Beispiele gefällig? Lebensmittelkontrolle, Spitalhygiene, Medikamentenuzulassungen, ja sogar Motorfahrzeugkontrollen, gewisse Berufszulassungen usw. usw..
    Ihr Verband steht bei uns Kunden zwar sowieso nicht im Verdacht, besonders innovativ zu sein. Sonst hätten Sie schon lange ein eigenes Hygienezertiifikat entwickelt, um dem Staat zuvor zu kommen (Stichwort: marktorientiertes Unternehmertum). Aber dass Sie noch nicht einmal den Vorteil einer positiven, sichtbaren Zertifizierung erkennen, befremdet mich sehr.
    In der Industrie gibts als Pendant die ISO-Zertifizierungen – sicherlich nicht immer optimal, aber für die Kunden zumindest eine Indikation, wie man es zum Beispiel mit der Qualitätskontrolle, der Weiterbildung oder dem Umweltauflagen im Betrieb so hält. Die meisten unserer internationalen Neukunden verlangen bereits bei der ersten Kontaktaufnahme eine Kopie des ISO-Zertifikats; kein Problem, wir akzeptieren Qualitätstransparenz als Marktbedürfnis. Es wird Zeit, dass die Gastronomie dasselbe tut, anstatt über Kundenabwanderungen Richtung Südbaden und Elsass oder über das böse Bierkartell zu klagen.
    Zu Ihrem Argument der Momentaufnahme: Falls eine Beiz negativ beurteilt wird, gibts ja eine Behebungsfrist. Erfüllt der Wirt innerhalb dieser Frist die Auflagen, steht einer neuen, positiven Beurteilung nichts im Wege.
    Wo genau liegt also das Problem des Wirteverbands und seiner Mitglieder? In der unerwünschten Transparenz?

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  6. es gibt wohl keine firma, die nicht stolz auf ihre zertifizierung ist. mit einem guetesiegel fuer restaurants waere wohl das schicksal einiger dieser lokale besiegelt, da fuer diese, mangels qualitaet, auch die laufkundschaft wegfallen wuerde (zb touristen). fuemoars in basel kaemen natuerlich ganz schlecht weg dabei. ein zusaetzlicher hinweis zum signet (zb hier essen kann toedlich sein) waere zwingend. von wegen momentaufnahme bei inspektion: wenn beim besuch eines inspektors gerade ein paar kakerlaken in der kueche ein formel-1-rennen veanstalten, dann kann man davon ausgehen, dass sich diese seit laengerer zeit dort haeuslich eingerichtet haben…

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  7. Die Hygienesituation eines Betriebs kann sich sehr schnell verändern. Damit ein Label eine gewisse Aussagekraft hätte, müssten die Kontrollen mehrmals pro Jahr erfolgen.

    Allerdings müsste der Mitarbeiterbestand des Kantonalen Laboratoriums massiv erhöht werden. Diese Mehrkosten stehen in keinem Verhältnis zu einem möglichen Nutzen, ist der Hygienestandard in der Schweiz im internationalen Vergleich doch bereits sehr hoch.

    In einer freien Marktwirtschaft ist es nicht die Aufgabe des Staates, für eine bestimmte Qualität zu sorgen. Hingegen ist es seine Aufgabe, die Volksgesundheit zu schützen: Deshalb müssen Betriebe, die die Gesundheit gefährden, geschlossen werden!

    Um den (kleinen) Sockel von Problembetrieben zu verringern, braucht es ein hartes Vorgehen gegen Lokale mit unhaltbaren Zuständen: Hohe Bussen, Benützungsverbote, Betriebsschliessungen und rasche, regelmässige Nachkontrollen.

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  8. Ich bin schon lange dafür, dass die Grüselbeizen auf einer Liste genannt werden! Damit sind alle sauberen Betriebe über jeden Verdacht erhaben! Das hat nichts mit Mittelalter zu tun, sondern mit Anstand dem Gast und Kunden gegenüber! Und jeder Grüselbeizer hat die Möglichkeit, sich von der Grüselliste zu verabschieden. Übrigens, die Smilies gefallen mir echt gut!

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