Auf der Jagd nach einer guten Mahlzeit in Porto

Porto ist ein wunderbares Städtchen. Wenn nur die Sache mit dem Essen nicht wär.

(Bild: Matthias Oppliger)

Porto ist ein wunderbares Städtchen. Wenn nur die Sache mit dem Essen nicht wär.

Im Wein liegt der Trost, sagen wir uns und bestellen gleich eine ganze Flasche roten Douro. Es ist unser zweiter Abend in Porto und wir sind etwas betrübt. 

Es ist nicht etwa die Stadt, die uns auf die Stimmung gedrückt hat, denn Porto ist ausnehmend hübsch und charmant. Das Wort «pittoresk» wurde erfunden, um auf die Rückseite von Postkarten aus Porto geschrieben zu werden. Behaupte ich jetzt einfach.

Und eine Stadt, in der sich drei Feuerwehrmänner besenstielschwingend in Gefahr begeben, um ein kleines Kätzchen vor der hungrigen Möwenschar zu retten, kann so schlecht nicht sein.

Save the cat, Porto

Save the cat, Porto (Bild: Matthias Oppliger)

Nein, das Stimmungstief ist profaneren Ursprungs. Wir sind hungrig. Zwei Tage Porto, zwei Tage schlechtes Essen. Das setzt dem ausgeglichensten Städtereisenden zu.

Dabei waren wir vorgewarnt. Ein Freund gab uns drei Regeln mit auf den Weg: «Fleisch können sie gar nicht. Nehmt euch vor bebilderten Speisekarten in Acht. Fragt die Locals.» Diese Hinweise im Hinterkopf machten wir uns auf in die oft engen und steilen Gässchen Portos, vorbei an romantisch zerfallenen, einst herrschaftlichen Häusern, an liebevoll bemalten Wänden und an reich befrachteten Fruchtständen.

Schönes Konzept, mediokre Küche

Am ersten Abend befolgten wir Regel Nummer drei und fragten die Rezeptionistin in der Pension um Rat, wo es denn ein Restaurant mit «typisch portugiesischer» Küche gebe. Sie empfahl uns das «Comme ça», ein etwas dunkler Raum, den man zu Dekorationszwecken bis unter die Decke mit ausrangierten Küchenutensilien vollgestopft hat. Dicht an dicht sassen auch die amerikanischen Touristen, eigentlich ein alarmierendes Zeichen, doch wir waren zu ausgehungert, um uns nach Alternativen umsehen zu können. Die Karte im Comme ça folgt einer hübschen Idee: Alle Gerichte sind für mindestens zwei Personen ausgelegt. Wer dort isst, der teilt.

Eine junge Kellnerin brachte uns eine grosse Platte. Darauf: bestenfalls mediokres Essen. Eine Art Blätterteigpastete mit Bacalhau an einer Rahmsauce und Gemüse. Der Wein war gut. Fürs Dessert gingen wir weiter.

Der nächste Tag brachte einen Ausflug zum Serralves, ein Museum für zeitgenössische Kunst und Architekturinteressierte (gebaut vom portugiesischen Überarchitekten Álvaro Siza Vieira). Museumsrestaurant und -café sollte man weiträumig umgehen, im prächtigen Park gibt es eine Teestube, die zwar lausiges Gebäck auftischt, dies jedoch in besonders schöner Atmosphäre.



Die wunderhübsche Teestube im Park beim Museum Serralves. Hier lässt es sich bestens entspannen nach dem anregenden Museumsbesuch.

Die wunderhübsche Teestube im Park beim Museum Serralves. Hier lässt es sich bestens entspannen nach dem anregenden Museumsbesuch. (Bild: Matthias Oppliger)

Regeln eins und zwei sollen es am zweiten Abend richten. Wir bestellen Fisch im «O Caraças», einem Restaurant ohne Speisekarte, wo die Chefin höchstpersönlich am Tisch die beiden Gerichte des Tages vorstellt. Was dann folgt, ist für alle Beteiligten höchst unangenehm.

Die Köchin knallt uns zwei Teller auf den Tisch. Auf einem liegen verkochte Kartoffeln und traurige Bohnen, auf dem anderen eine kulinarisch misshandelte Seezunge. Trocken und angekokelt, das Fleisch lässt sich kaum von den Gräten lösen, ist kalt und zäh. Nach zwei Bissen wenden wir uns den Kartoffeln zu. Der Wein ist gut.

Die Köchin, eine ältere Dame mit Kopftuch und Schürze, steht aufgebracht bei uns am Tisch und redet auf Portugiesisch auf uns ein. Wir verstehen nicht, was sie sagt. Können es uns aber denken. Aus der Küche dringt Geschrei, dann steht plötzlich die Chefin am Tisch. Wir versuchen es mit der Wahrheit und sagen, der Fisch sei ungeniessbar. Sie meint, dass Seezunge wohl nicht so unser Ding sei. Die andere Chefin kommt dazu und beschliesst, uns den Fleischgang zu bringen. Keine Widerworte. Dieses Gericht, eine Art gefülltes und gerolltes Kalbssteak, ist immerhin essbar. Wir müssen also nicht hungrig ins Bett.

Endlich: Das Happy End

Zur Versöhnung kommt es erst am Schluss der Reise. Recht unoriginell folgen wir einer Restaurant-Empfehlungen im Lonely Planet. Im «Camafeu» werden wir endlich glücklich. Das Lokal ist klein und versteckt. Bloss eine kleine Plakette an einer Türe weist auf die feine Stube im ersten Stock einer ziemlich gewöhnlichen Altstadtliegenschaft hin. Hier ist alles gepflegt: Interieur, Service, Speisekarte.

Die Küche im Camafeu setzt typisch portugiesische Gerichte sehr untypisch um. Aus der allgegenwärtigen gegrillten Chouriço wird hier eine kräftige Sauce, aus den verkochten Kartoffeln ein luftiges Püree, aus dem meist zu Tode gekochten Kalbsplätzchen ein auf den Punkt gegartes Steak. Nach dem Dessert bringt uns der junge Kellner eine Degustationsauswahl seiner Portweine. Die Gläser sind so voll, dass wir eigentlich längst genug hätten. Doch der Kellner offeriert uns noch zwei Gläser. Als ob wir uns Porto nach diesem Abend noch schöntrinken müssten.

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Hier isst man gut:

  • Camafeu, hervorragendes, etwas teureres Restaurant. Kleine, saisonale Karte, grosse Weinauswahl. Unbedingt reservieren.
  • Mercearia das Flores, kleines Café mit eigenem Laden. Hier gibts feine Salate, Sandwiches und Häppchen (Schinken, Sardinen, eingelegtes Gemüse). Alles bio, alles regional.

Hier schläft man gut:

  • Pensao Favorita, hübsche Pension in einer schön renovierten Altstadtliegenschaft. Die Zimmer sind gross und geschmackvoll, das ganz ordentliche Frühstück kann im Garten genossen werden.

Das sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen:

  • Auch wenns super touristisch klingt: Auf keine Weise lässt sich Porto besser erkunden als mit dem Bus. Bei verschiedenen Anbietern kann man 24-Stunden-Tickets kaufen und damit den ganzen Tag durch die Stadt kutschieren und jederzeit ein- und aussteigen.

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