Auf digitalem Streifzug durch Basels jüdische Geschichte

Wer genug hat von Münster und Co. kann sich seit Kurzem auf neue historische Pfade in Basel begeben – ganz bequem per Smartphone.

Alles auf einen Blick: Die Stadtkarte mit GPS-Funktion führt Besucher an unerwartete Orte mit jüdischer Geschichte.

Die «Bâleph»-App ermöglicht einen Stadtrundgang ohne Guide und Geschichtsbuch und erzählt spielerisch vom Judentum in Basel.

Judentum in Basel? Viel mehr als das jüdische Viertel und die schöne Synagoge an der Eulerstrasse lässt sich da nicht aufzählen. Das wollen die Kulturvermittlerinnen Isabel Schlerkmann und Sabina Lutz nun ändern: Sie haben eine App herausgegeben, die Stadtbesuchern und -bewohnern einen vielseitigen und unterhaltsamen Einblick in Basels jüdische Geschichte gibt. «Bâleph» (zusammengesetzt aus «bâle» und «aleph», dem ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets) lässt sich in kurzer Zeit aufs Smartphone laden und jederzeit aufrufen.   

Sie wollten eine zeitgenössische Form der Geschichtsvermittlung finden, meint Lutz: «Jüdisches Leben in Basel lässt sich 800 Jahre zurückverfolgen – ein spannendes Thema, das sich auch anders als durch die üblichen Stadtführungen vermitteln lässt.» In Zukunft, so Lutz, würden rund Dreiviertel der Schweizer Bevölkerung ein Smartphone besitzen – da erfordere es Projekte, die dieser Entwicklung Rechnung tragen würden.

Einfach zu bedienen, spannend zu erlaufen

Die App erfüllt, was sich Lutz und Schlerkmann vorgenommen haben: Einfach zu bedienen und mit ansprechender Grafik leitet sie durch 13 historische Stationen, die sich per Zeitstrahl, Stadtkarte mit GPS-Funktion oder Tour (wo man die Stationen mit Ohrstöpseln ablaufen kann und die Infos direkt vorgelesen bekommt) abrufen lassen. Die Texte zu den Stationen stammen von Historikern, die sich eingehend mit den Themen befassten und Beiträge für die App lieferten. 

Eine Herausforderung für Schlerkman und Lutz war unter anderem die Bestimmung der Standorte: «Viele Orte sehen heute nicht mehr so aus wie früher – da ist es schwierig, sich darunter etwas vorzustellen.» Die erste Synagoge in Basel war beispielsweise an der unteren Gerbergasse angesiedelt, ungefähr da, wo heute «Ochsner Shoes» steht und nichts mehr an das mittelalterliche Basel erinnert. Also schicken sie die Zuhörer ein paar Meter weiter hinauf in die Grünpfahlgasse, wo die Umgebung besser zum Inhalt des Erzählten passt.

Unerwartete Stationen

Andere Standpunkte sind einfacher festzumachen, wie zum Beispiel das Stadtcasino, wo 1897 der erste Zionistenkongress abgehalten wurde. Oder der Münsterberg-Brunnen, wo während des Sechstagekriegs eine Solidaritätsbekundung der Basler für Israel stattfand, bei der der Brunnen mit einer Israel-Flagge geschmückt wurde und man das ganze Wasser abliess, damit die Menschen eine Spende einwerfen konnten.  

Lutz und Schlerkmann haben bewusst auch solch unerwartete Stationen gewählt, um grossflächigen Themen wie in diesem Falle dem Sympathisieren der Schweiz mit Israel in den 60er Jahren eine Plattform zu geben. Auch unbekannte Themengebiete wie die Situation der jüdischen Migranten aus Osteuropa um 1900, die sich im Hegenheimquartier oder im unteren Kleinbasel niederliessen und kleine Zentren ostjüdischen Lebens mit eigenen Gebetslokalen gründeten.

Vom Badischen Bahnhof bis zum Sommercasino

Zu den leicht verständlichen, kurz gehaltenen Texten gesellt sich eine Vielzahl von Abbildungen: Lutz und Schlerkmann haben Archive und Bibliotheken nach Postkarten, Zeitungsausschnitten, Teilnehmerkarten und Ansichten der besprochenen Gebäude durchsucht. Zu jeder Station wurde eine Bildergalerie angelegt, die von der Postkarte zum 5. Zionistenkongress bis zur Abbildung einer geschnitzten «Judensau» reicht, die bis in die Neunzigerjahre hinein im Münster vorzufinden war.

Alle Standorte sind einfach zu finden und innerhalb kurzer Zeit in der Stadt zu erreichen, nur zwei Standorte befinden sich etwas ausserhalb: Der Badische Bahnhof, an dessen Turm ab 1933 lange Zeit eine Hakenkreuzfahne hing, oder das Sommercasino, das 1938 bis 1946 als Auffanglager für jüdische Flüchtlinge diente.

Alles andere befindet sich in Gehdistanz zueinander. Und wer keine Lust hat, braucht nicht einmal einen Fuss vor die Tür zu setzen: Die App funktioniert auch bestens vom Sofa aus.

  • Bâleph / Ein Streifzug durch Basels jüdische Geschichte.
    Vernissage: Zentrum Unternehmen Mitte, Dienstag 26. August, 19.30 Uhr
     
  • Ausserdem bieten Isabel Schlerkmann und Sabina Lutz einen Kurs zur App an der Volkhochschule Basel an. Weitere Infos hier.

Konversation

  1. Die Sommerresidenz ist zwar ein sehr toller Ort aber es ist wohl eher das Sommercasino, das von 1938 und 1945 als Auffanglager für jüdische Flüchtlinge diente.

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