Aufstand im Paradies

Wieder einmal übt sich das Bruderholz in zivilem Ungehorsam. Diesmal gilt es zu verhindern: die Schulreform Harmos. 

Jaguar vor Haus: Willkommen auf dem Bruderholz. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Wieder einmal übt sich das Bruderholz in zivilem Ungehorsam. Diesmal gilt es zu verhindern: die Schulreform Harmos. 

Für die Mitarbeiter des Basler Erziehungsdepartments (ED) wird es wieder so einen Abend geben, den man niemandem wünscht, aber am wenigsten sich selbst. Aber sie müssen jetzt da durch. Das bringt die Beamtenpflicht mit sich.

Am kommenden Dienstag, 27. März, fahren sie zum wiederholten Mal rauf auf den Berg. Elternorientierung im Bruderholzschulhaus. Es wird zur Sache gehen, das steht fest. Die Eltern werden die Beamten stur nennen, selbstherrlich, vielleicht auch herzlos und fundamentalistisch. Doch ihr Vorgesetzer Pierre Felder, Leiter Volksschulen beim ED, hat sich etwas ausgedacht, um die Wut zu dämpfen. Die Eltern sollen das Gefühl haben, mitbestimmen zu können.

Nadine Gautschi verwirft die Hände: «Das ist eine Alibiübung, das ED möchte Entscheidungen zu Klasseneinteilungen auf die Eltern abschieben.» Gautschi ist Elternrätin ebendieses Primarschulhauses und Wortführerin des Widerstands gegen die Umsetzung der grossen Schulreform Harmos auf dem Bruderholz.

Runter vom gelobten Hügel

Seit bald zwei Jahren setzt Gautschis Hausfrauenguerilla dem ED zu. Mit allen rechtsstaatlich zulässigen Mitteln wehren sie sich dagegen, dass ab dem nächsten Schuljahr Kinder aus dem Bruderholzschulhaus in das am Fuss des Hügels gelegene Brunnmattschulhaus verlegt werden – eine Folge von Harmos. Da die Primarschule künftig sechs Jahre lang dauert, hat es im Bruderholzschulhaus nicht mehr genügend Platz. Im Brunnmatt hat es davon reichlich.

Doch obwohl die Schulen nur ein paar Strassenzüge voneinander getrennt sind, scheinen sie anderen Welten zugehörig. «Das Bruderholzschulhaus ist eine Idylle», erzählt eine besorgte Mutter, die nicht mit Namen genannt werden will. Als sie schwanger wurde vor ein paar Jahren, seien sie und ihr Mann raufgezogen. Sie hatten sich das Quartier gut angeschaut, das Schulhaus besonders genau: Einzelne Pavillons wechseln sich mit Spielwiesen ab. Platziert zwischen Schrebergärten, inmitten der letzten Basler Glückseligkeit. Ein unschuldiger Flecken Stadt.

Ganz anders das Brunnmattschulhaus, ein massiger Betonkasten, wo die Bruderholz-Kids nicht mehr unter sich wären, sondern in gemischte Klassen mit Kindern aus dem Ausländerviertel Gundeli kommen: «Ich will meine Kinder nicht den Einflüssen fremder Kulturen entziehen», sagt die Mutter, aber es sei doch noch viel zu früh.

Von Idylle versteht Volksschulleiter Felder nicht allzu viel. Darum können sich andere kümmern, Privatschulen beispielsweise. Felders Metier ist ein anderes: Seine Volksschule ist eine, die sich der undankbaren Aufgabe verschrieben hat, die riesige Chancenungleichheit in der Stadt so weit zu bekämpfen, dass jedes Kind später auf eigenen Füssen stehen kann.

Felders Beamte sollen mit den Eltern nun am 27. März besprechen, ob Klassen im Verbund runter sollen oder nur jene Schüler mit dem kürzesten Schulweg. Aber er weiss auch, dass damit der Kern des Problems nicht getroffen wird. Die Diskussion um zerrissene Klassen oder um das Verkehrsaufkommen am neuen Schulweg hält er für «teilweise vorgeschoben». Dahinter stecke «die Furcht vor fremden kulturellen Vorstellungen, mit denen die Kinder konfrontiert werden könnten». Vielen Eltern auf dem Bruderholz, die aus einem bildungsnahen Milieu stammen, falle es schwer, sich diese Ängste einzugestehen.

Elternratspräsidentin Gautschi hat einen anderen Blick auf die Sache: «Die Mehrheit der Chefbeamten im ED sind politisch links zu finden, unsere Bedürfnisse haben für sie keine Priorität.» Allerdings ist Felders Vorgesetzter Christoph Eymann bei der LDP und auch nicht zugänglicher. Obwohl es anfangs den Anschein machte.

Eymanns Fehlgriff

Am 7. Juni 2011 fuhr Eymann aufs Bruderholz, wie es Basler Regierungsräte gerne tun, wenn sie Neuerungen auf ihre Akzeptanz abklopfen lassen wollen. Eymann stellte den Planungsstand und die Konsequenzen der Bildungsrefom vor. Es wurde laut im Saal. Aufgebrachte Eltern machten ihrem Ärger Luft. Eymann beschwichtigte. «Es ist nichts in Stein gemeisselt», waren seine Worte, die man sich auf dem Bruderholz notierte und dick unterstrich.

Zurück in der eigenen Behörde musste sich dann Eymann von den eigenen Leuten belehren lassen, dass es diesen Spielraum nicht gibt. Seither traut er sich nicht mehr, in den Konflikt einzugreifen. «Es ist nicht so, dass das Bruderholz von Harmos besonders hart getroffen würde», sagt Chefplaner Felder. «Die Situation ist an vielen Orten der Stadt vergleichbar.»
Über Eymanns Wortbruch empört, wurde auf dem Bruderholz der Neutrale Quartierverein (NQVB) eingeschaltet. Präsident dieser Kampfgenossenschaft ist Conrad Jauslin, ein Mann, dem man den Revoluzzer nicht ansieht. Jauslin ist Bauingenieur und wohnt an der Arabienstrasse. Als die Eltern zu ihm kamen, taten Jauslin und sein Vorstand, was sie in den letzten Jahren oft getan haben: Sie setzten Himmel und Hölle in Bewegung, um Nachteile für ihr Quartier zu verhindern.

Netzwerk von guten Freunden

Der NQVB aktivierte sein weitverzweigtes Netzwerk von guten Freunden. Architekten reichten Ausbaupläne ein für das Bruderholzschulhaus, das unter Denkmalschutz steht und nicht verändert werden darf. Bauplaner suchten Ausweichstandorte, Juristen fahndeten nach Lücken in den Reglementen. Zeitgleich wurde auf der Ebene Regierung versucht, Einfluss zu nehmen. «Das ist einer der Vorzüge der direkten Demokratie», sagt Jauslin, «wir verfügen über Kontakte und nutzen die auch.»

Weil all das nicht fruchtete, reichte der NQVB eine Petition ein. Zugleich platzierte der dem Netzwerk zugehörige FDP-Grossrat Christian Egeler eine Anfrage bei der Regierung. Mit einem letzten Kniff versuchte Egeler, das ED auszutricksen und Guy Morins Präsidialdepartement in die Affäre mitreinzuziehen, indem er die Umsetzung von Harmos mit den Zielen der Stadtentwicklung kollidieren liess. Morin, selber auf dem Bruderholz zuhause, roch den Braten und schob das Geschäft zum gebeutelten Kollegen Eymann.

Sonderwünsche

Die Drückerkolonne vom Wasserturm lief auf. Die Methoden, mit denen in der Vergangenheit noch Kompromisse zu erzwingen waren – als sich das Bruderholz von der Parkraumbewirtschaftung ausnehmen lassen wollte oder bei der Zonenplanrevision –, kamen in der Verwaltung nicht mehr so gut an wie in der Vergangenheit, als sich Baudirektor Hans-Peter Wessels nach einer ausgefochtenen Auseinandersetzung mit einem Briefchen für die «sympathische Hartnäckigkeit» des NQVB bedankte.

Sympathisch hartnäckig geht es auch im Kampf gegen Harmos weiter. Viele Eltern hätten laut NQVB gedroht, wegzuziehen oder ihre Kinder auf eine Privatschule zu schicken. Elternsprachrohr Gautschi sagt, sie könne sich das nicht leisten. Ihr bleibt nur noch etwas übrig: Sie will ihre Kinder, wenn nötig, jeden Tag mit dem Auto ins Brunnmatt fahren. Dies sei zwar nicht verboten, aber bei der Schulleitung äusserst unerwünscht. Der zivile Ungehorsam auf dem Bruderholz, er geht weiter.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 23.03.12

Konversation

  1. ….die Zeiten sind vorbei, als Feudalherren noch auf den Hügeln wohnten und auf das biedere Volk herniederschauten und machten was sie wollten. Falls ihr es noch nicht gemerkt habt, Demokratie ist eingezogen, man hat sich an Gegebenheiten zu halten, gilt auch für Neureiche. Wollen wir lichtenstienische Verhältnisse, wo die „hoch oben“ denen „weit unten“ sagen wollen wo’s lang geht. Ratschlag: Gründet eigene Schulen, bezahlt die Lehrer aus dem Sack, evtl. wohnt ihr dann bald wieder im Gundeli unten.

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  2. Diese ominöse Grenze von der Sie sprechen, die es anderorts nicht gibt, gibts halt eben nur vom Bruderholz in die Stadt, weil das Bruderholz das einzige Quartier ist, das noch ländlich strukturiert ist. Wie ich auf der Karte gesehen habe, ist das Brunnmattschulhaus am Rande des Hügels und nicht ganz unten im Gundeli. Stellen Sie sich mal vor, was die Kinder im Gundeli für gefährliche Schulwege haben. Vielleicht haben ihre beiden Töchter einen Rekordhöhendifferenz zu überwinden. Allerdings bewältigen den gesunde Kinder problemlos und eigentlich für die Gesundheit förderlich, haben dann doch Ihre Kinder auf sicher genug Bewegung, was vielen anderen mangelt. Heute haben noch viele Kinder (ich spreche nicht von den Bergen) mehr Höhenmeter zu bezwingen und längere Schulwege.
    Als Kind habe ich gehört, was für einen Schulweg meine Grossmutter hatte, von der ersten Klasse an. Die Höhendifferenz war etwas über 200 m, die Strecke eine Stunde strammen Marsches, im Winter hoher Schnee, kein Pflug kam da vorbei, nur bis zum Ende des Dorfes. Ich beneidete sie, weil ich dachte, dass das sehr spannend gewesen sein musste. Das Dorf ist im Mittelland, nicht in den Bergen.
    Ich frage sie mal: Haben sie als Kind nicht auch die Schulwegstrecke als Freiheit genossen, zwischen Schule und Elternhaus mit den Gspändli.
    Die Kultur kommt nicht vom Schulhaus, sondern von den LehrerInnen, die darin unterrichten. Deshalb wünsche ich Ihren Kindern als erstes engagierte und einfühlsame Lehrkräfte. Die innere Kultur ist für die Kinder viel bedeutender, als die äussere.

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  3. Wenn Ihre „Hidden Agenda“ nur beinhaltet, die Reichen da oben wollen nicht mit den Fremden da unten…dann ist die ziemlich leer, anscheinend, Ihre Hidden Agenda. Hätten Sie sich doch besser auf das klassische Dafür und Dagegen entschieden. Die Bruderholz-Bewohner wehren sich dagegen, dass man Sie in Punkto Tages- und Schulhausplätzen übergeht. Da haben diese nun mal schon ein bisschen recht. Nur weil man vermutet, die Damen und Herren da oben seien reicher als andere, kann man ihnen das Recht sich zu wehren doch nicht verwehren. Diskriminierung funktioniert nicht nur abwärts. Sie reden sich heraus! Und weil ich auch auf Ihren Artikel zuerst empört reagiert habe, ärgert mich dies besonders. Aber ich weiss es ja nun, dank der engagierten Kommentare besser. Es täte Ihnen gut, diese auch etwas genauer zu lesen. Und nehmen sie sich diese zu Verstand. Es gibt keinen Grund die einen ernster zu nehmen als die anderen. Auch nicht um des vermutlichen Geldes wegen.

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  4. Der Artikel hat ganz offensichtlich eine muntere Debatte aufgetan. Das find ich sehr schön. Es bestätigt mir, dass hier einiges auf dem Spiel steht.

    Natürlich hätte ich den Konflikt auch anders schildern können, so hätte ich recht klassisch, die Argumentationslinie der Brunnmatt-Gegner jener des ED gegenüberstellen können.
    Die Aufgabe eines Journalisten, der sich nicht als Verlautbarungsverstärker versteht und der nicht beim Staat angestellt ist, ist indes eine andere. Der sollte bei Gelegenheit versuchen, den Subtext – die „Hidden Agenda“- freizulegen sowie die Mechanik hinter politischen Prozessen aufzuzeigen.
    Im Ergebnis ist das mitunter schmerzhaft. Als politischer Akteur, dazu zählen im vorliegenden Fall das ED und seine Vertreter wie auch die Elternvertreter und deren Fürsprecher, darf man sich das aber gefallen lassen.
    Einigen Aspekten hätte ich übrigens mehr Platz einräumen können. Etwa dem: Das Verkehrsdepartement hat auf die Befürchtungen reagiert, der neue Schulweg könnte gefährlich sein. Es hat unlängst erklärt, es prüfe Massnahmen, um den Schulweg sicherer zu gestalten. Für die Brunnmatt-Gegner steht schon fest: „Unbefriedigend!“
    Oder auch diesem: Die Kinder im primarschulpflichtigen Alter in meinem schönen Quartier hinterm Musical Theater überqueren Tag für Tag eine ganze Reihe an Strassen, die deutlich mehr Verkehr führen dürften als der Gundeldingerrain. Ihre Vorgänger haben das so getan und ihre Nachfolger werden mutmasslich auch nicht von Mama hin gefahren werden.
    Ich hätte auch darüber schreiben können. Aber eben, dann wären wir doch nur wieder auf der Oberfläche rumgekurvt.

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  5. @Hawu, auf dem Bruderholz vollzieht sich ein demographischer Wandel. Viele junge Familien ziehen in Dein „Paradies“. Gleichzeitig schwindet die Infrastruktur. Die Post ging letztes Jahr zu, die Metzgerei vor etwa zwei Jahren. Jetzt findet sich an dessen Statt der auf dem einen Foto als Bruderholz-prototypisch hervorgehobene Sicherheits-Dienst. Dass der örtliche Coop überhaupt noch besteht, grenzt wohl an ein Wunder.
    Das Bild des Bruderholz als der „Bonzenhügel“ stimmt vorallem für den hinteren Teil, in dem auch das Bild von der Garageneinfahrt geschossen wurde. Dieser hintere Teil ist aber von der Allokation ins Brunnhattschulhaus gar nicht betroffen. Das Bild ist also nicht nur unrepräsentativ, sondern steht auch ausserhalb des Kontext. Weltwoche-Journalismus erster Güte! Die Fotografen hätten gerne den sehr unschmucken Eingang des von uns bewohnten Hauses aus Symbolbild verwenden dürfen, sie wären aber wohl über das viele Spielzeug gestolpert und sie hätten jetzt die Hosenbeine voll mit Strassenmalkreide.

    Ja, das Bruderholz ist trotzdem ein Idyll. Ein Dorf in der Stadt, es herrscht wenig Verkehr, man grüsst sich. Sicher mit ein Grund, weshalb es immer mehr junge Familien anzieht, auch ausländische – wohl zum grossen Erstaunen der Tageswoche-Klientel. Beim Krippenspiel des Bruderholz-Kindergartens vor drei Monaten wurde die Maria von einem Mädchen mit türkischen Eltern gespielt. Eine schöne, tolerante, multikulturelle Entwicklung, die man aber nur sieht, wenn man die Augen öffnet.

    Aber darf dieses Idyllische denn als Argument herhalten, um das Bruderholzschulhaus bei jeder Zukunftsplanung zu vernachlässigen und die Kinder über die wohl einzige gefährliche Strasse im gesamten Quartier zu jagen? Ich hab auf dem steilen Gundeldingerrain sogar mit dem Velo an die 50 km/h auf Höhe des Brunnmattschulhauses drauf. Und die Geschichte mit dem Bremsweg bei abschüssigen Strassen sollte auch jedem bekannt sein. Und dort soll unsere dann fünfjährige Tochter ab dem nächsten Jahr jeden Tag durch, ohne „Geleitschutz“ durch ältere, erfahrenere SchülerInnen? Wer würde als Eltern zu so einen Entscheid vorbehaltslos zustimmen? Das Argument, woanders sei es auch gefährlich und der Schulweg noch länger und deshalb solle man das Bruderholzschulhaus gerne noch mehr vernachlässigen und dafür das Brunnmattschulhaus ausbauen und die Eltern der Bruderholzschüler sollen die sonst üblichen Tagesstrukturen gefälligst auch noch selber organisieren, das ist doch nur daneben und zeugt von Unverständnis/Desinteresse für die Sachlage. Man will wohl „denen da oben“ einfach eins auswischen, ohne zu wissen, wer „die da oben“ überhaupt sind und wie es „da oben“ überhaupt ausschaut. Um das zu erfahren schaut man einfach Bildli an in der Welt-, ehhh Tageswoche an.
    Unsere beiden Töchter werden übrigens den unübertreffbaren Stadtrekord bezüglich des Schulwegs halten: 62 Meter Höhendifferenz (gemäss Google Earth). Die Eltern aus dem Gundeli würden genauso zu „Hausfrauenguerillieros“, wenn ihre fünfjährigen Kinder neu 62 Meter hoch und runter in einen Betonklotz zur Schule gehen müssten anstatt in die Schule, die die Kinder von ihrem Kinderzimmerfenster aus sehen, und wegen der die Eltern die Wohnlage ausgesucht hatten. Ich stelle mir die Mittagspause für unsere Kinder künftig ziemlich stressig vor. Auch die meisten Schulgschpänli wohnen dann 62 Höhenmeter entfernt. Aber ja, „Wer im Paradies haust, muss hin und wieder in den sauren Apfel beissen.“

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  6. Was für eine Glanzleistung. Im negativen Sinne.
    Da wurden Aussagen verschiedener Personen auf eine zusammengeschrumpft. Dies ist nicht Journalismus, sondern billige Meinungsmache. Sie stellt den Ruf dieser jungen Zeitung in ein schlechtes Licht. Guerilla… und Kampf…, nur zwei Beispiele, hätte man wenigstens in Anführungszeichen schreiben können.
    Differenzierter gefiele mir dieser Beitrag besser als lang.

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  7. Ich hab mich selten so amüsiert wie hier, grandios geschrieben, hübsch zugespitzt und die Kommentatoren geben noch einen drauf, endlich mal ein Bazvergleich und als Krönung die Abokündigung. @Beck: Bitte nochmals. @Hügelbewohner: Wer im Paradies haust, muss hin und wieder in den sauren Apfel beissen.

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  8. Dank den Herren giogio, gautschi und mathis, weiss ich nun, worum es den Bruderhölzlern geht.
    Merci für die Aufklärung. Auf der Webseite des NQVB ist dies leider gar nicht ersichtlich.
    Das Einzige, was dort ins Auge sticht, ist der längere Schulweg. Nicht sehr überzeugend für mich.
    Schade. Es kommt wohl nicht sehr gut an bei uns hier unten im Gundeli, wenn die oben an uns
    sich über längere Schulwege beklagen. Gut, dass wir es nun besser wissen.
    Da können wir doch dem Beck jetzt ein Kränzchen winden, weil er die von oben denen von unten näher gebracht hat, mit seinem zugegebenermassen voll danebenem Artikel.
    Ich habe leider mit dem ED persönlich ganz schlechte Erfahrungen gemacht, und die Aussage, dass diesem Departement die Anliegen irgendeiner Bevölkerungsgruppe am Dings vorbeigeht, ist für mich so klar wie das Amen in der Kirche. So wundere ich mich um so mehr, wie Herr Beck diesen Artikel schreiben und verantworten kann. Ich hoffe, er wird dazu Stellung nehmen. Und ich hoffe, die Tageswoche distanziert sich in Zukunft von solchen schlecht recherchierten Artikeln. Wenn ich meine Meinung machen lassen will, kann ich die Baz lesen.
    Allerdings, liebe Bruderhölzler, wegen eines Ausschrutschers muss man nicht gleich die ganze Zeitung verteufeln. Dabeibleiben und mitreden. Ohne eure Kommentare wüsst ich ja auch nicht um was es geht.
    Dem Fotografen würde ich noch gerne sagen: Die Bilder sind sehr schön, aber man sollte doch überlegen in welchem Zusammenhang man diese publiziert, nicht war?

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  9. Der aktuelle Harmos-Plan sieht vor, dass nächstes Jahr zwei Erstklassen (Alter der SchülerInnen: sechs Jahre) vom Bruderholz in einen sonst menschenleeren Block des Brunnmattschulhauses einziehen. Keine höhere Klassen, keine Schulkultur. Die Angst besteht also eher vor „Nullkulti“ denn vor „Multikulti“. In den anderen Blöcken dafür die „ganz grossen“. Dass alle Primarschüler erst in die geografisch nähere Schule und dann z.B. erst in der fünften Klasse über den längeren Schulweg durch Wald und über den kurvigen, unübersichtlichen und rasant befahrenen Gundeldingerrain zur Schule geschickt werden, sei gemäss Erziehungsdepartement „nicht Harmos-kompatibel“. Dieser uns allen unverständliche Entscheid hatte aber offensichtlich keinen Platz in diesem Artikel. Oder Herr Beck wurde eine andere Version zugetragen, denn die Planung ist ja schliesslich „nicht in Stein gemeisselt“.

    Herr Beck hatte meine Frau („eine besorgte Mutter, die nicht mit Namen genannt werden will“) zum Interview überredet mit der Aussage, er wolle das Engagement von QuartierbewohnerInnen in Basler Quartieren anhand der aktuellen Harmos-Diskussion in einem Artikel dokumentieren.
    Meine Frau wollte ihm also mehrere interessante Projekte schmackhaft machen, u.A. den von „Hausfrauenguerillieros“ in Eigenregie organisierten Mittagstisch. Doch sie stiess damit auf taube Ohren. Herr Beck hatte sich nur für die „Ausländerfrage“ interessiert, und seine Suggestivfragen auch auf ein ganz bestimmtes Ziel ausgerichtet. Die Auskunft meiner Frau, dass wir unsere Kinder im Gundeli zur Spielgruppe bringen, eben genau wegen den verschiedenen Kulturen, wurde sehr frei uminterpretiert:
    „«Ich will meine Kinder nicht den Einflüssen fremder Kulturen entziehen», sagt die Mutter, aber es sei doch noch viel zu früh.“

    Wie meine Frau den Tageswoche-Journalisten schon am Telefon erklärt hat, war Bruderholz für uns zum Zeitpunkt der ersten Schwangerschaft bei der Wohnungssuche der ideale Kompromiss zwischen dem von mir/uns lange selbst bewohnten und noch immer geliebten Gundeli und dem Dorfleben, das meine Frau von ihrer Kindheit her kennt.

    Nun finden sich ihre einseitig gekürzten und auch deutlich verfälschten Aussagen direkt neben dem in übergrossen Lettern gedruckten Teaser „Die Eltern fürchten sich vor den Einflüssen fremder Kulturen“ (nur in der Print-Ausgabe). Wir sind also faktisch einem Xenophobie-Vorwurf ausgesetzt, nur weil wir unsere Kinder gerne in die Schule schicken würden, auf die sie von ihrem Kinderzimmer aus blicken können?

    Die Bildsprache in der Online-Version dieses Artikels spricht auch Bände: Ein Sicherheitsdienst, leere Strassen mit Luxusautos, ein leeres Schulhaus, ein aufgestuhltes Klassenzimmer… Bilder, die am Sonntagmorgen genausogut in jedem anderen Quartier hätten aufgenommen worden sein können. Was will uns die Tageswoche mit dieser Bildsprache vermitteln? Ich wäre ganz bestimmt nie in ein solch steriles Quartier gezogen wie diese Bilder es vermitteln. Hier wird offensichtlich in Wort und Bild in einer Art ein Feindbild aufgebaut, wie ich es sonst nur von der Weltwoche her kenne. Punktabzug für die Tageswoche!

    Der Tageswoche-Journalist hatte meiner Frau versichert, ihr den Artikel vor Veröffentlichung vorzulegen und ihr Einverständnis einzuholen. Doch hatte ich schon beim Interview das Gefühl, dass er ihr ein Ei legen wird und sie deshalb ermahnt darauf zu bestehen, dass ihr Namen nicht erwähnt werden dürfe (wenigstens daran hat er sich dann gehalten). Wie recht ich doch mit meinem Misstrauen hatte…

    Auch ich hatte vor, die Tageswoche durch ein Abo zu unterstützen, weil ich die zugrundeliedenden Gedanken („Rettet Basel“, etc) grundsätzlich mittragen will. Es wäre das erste Zeitungsabo meines Lebens gewesen, doch nach dieser Leseprobe kommt das nicht mehr in Frage. Basel braucht augenscheinlich bereits schon eine Alternative zur BaZ-Alternative!

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