Basler Kantonalbank beichtet und gelobt Besserung

Die Miteigentümerversammlung der Basler Kantonalbank war geprägt von Beichten und Gelübden: Die Bank trennte sich von der Hälfte der Vermögensverwalter, stellt 100 Millionen Franken zurück und will bis Ende 2015 nur noch versteuertes Vermögen verwalten.

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Die Basler Kantonalbank lud zur PS-Versammlung und versprach Besserung: Nach dem ASE-Betrugsfall habe sie sich von jedem zweiten externen Vermögensverwalter getrennt. Und nachdem die Bank in den Fokus der amerikanischen Steuerfahnder geriet, stellt sie jetzt 100 Millionen Franken zurück und will bis Ende 2015 nur noch versteuertes Vermögen verwalten.

Die Miteigentümerversammlung der Basler Kantonalbank fand in der neuen Eventhalle der Messe statt, hätte aber besser in eine Kirche gepasst. Denn die Verantwortlichen der Bank wurden nicht müde, zu beichten, sie hätten Fehler gemacht, gelobten aber umgehend Besserung. «Was da passiert ist, das darf es nie wieder geben», sagte der neue Direktionspräsident Guy Lachappelle.

Und «passiert» ist der Bank so einiges: Zum einen spannte die BKB mit dem externen Vermögensverwalter ASE-Investment zusammen, die sich als mutmassliche Betrüger entpuppte mit einer Schadenssumme von rund 100 Millionen Franken. Zum anderen verwaltete die Zürcher Filiale der BKB Vermögen von amerikanischen Steuerflüchtlingen von rund einer halben Milliarde Franken.

Beides kommt die Bank jetzt teuer zu stehen: Für einen Vergleich mit den ASE-Opfern stellt sie 50 Millionen Franken zurück. Wie hoch die Rechnung der amerikanischen Justizbehörden für die Steuerflüchtlinge sein wird, ist zwar noch offen, doch deuten die Zeichen darauf hin, dass hier noch einmal ein zwei- bis dreistelliger Millionenbetrag fällig wird. Die Bank hat zu Lasten der Reserven für allgemeine Bankrisiken vergangenes Jahr hundert Millionen Franken zurückgestellt. Aus denselben Reserven entschädigt sie die ASE-Betrugsopfer. Hundert Millionen Franken entsprächen auch den in den Medien kolportierten zwanzig bis vierzig Prozent der verwalteten unversteuerten Vermögen, welche die amerikanischen Justizbehörden von Banken einforderten.

Eva Herzog sieht keine Alternative

Regierungsrätin Eva Herzog betonte denn auch, der Betrugsfall und der Steuerstreit mit den USA habe das Vertrauen der Kundinnen und Kunden in die Bank belastet: Dies zeige sich auch darin, dass die Kundengelder abgenommen hätten. Herzog macht sich für die von Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf am Mittwoch präsentierte Lösung im Steuerstreit stark. Herzog sagte, sie habe grosses Verständnis für den Unmut von Parlamentariern, die jetzt so rasch die gesetzlichen Grundlagen absegnen müssten, um den Banken zu ermöglichen, sich mit den US-Justizbehörden über Bussen zu einigen. «Es bleibt aber nicht viel anderes übrig, als saubere Grundlagen für diese Deals zu schaffen. Ich sehe keine bessere Alternative», sagte sie.

BKB-Direktionspräsident Guy Lachappelle nutzte die Plattform vor den mehreren Tausend Inhaberinnen und Inhabern von Partizipationsscheinen (PS). Nach dem ASE-Betrugsfall habe sich die Bank in Zürich von jedem zweiten – in Basel von jedem dritten – externen Vermögensverwalter getrennt, weil diese den neuen Ansprüchen nicht mehr genügt hätten. Und die Bank verlange von all ihren Kunden eine Selbstdeklaration, dass die von der Bank verwalteten Vermögen versteuert seien. Bei Zweifel prüfe die Bank nach.

Bodenständigkeit zelebriert

Zwischen Referaten und Diskussionsrunde war die BKB sichtlich bemüht, ihre Bodenständigkeit zu unterstreichen. Sie liess die Basler Polizeimusik aufspielen und zeigte in einem Film Mitarbeiter, die im Rahmen einer speziellen Aktion Kunden das Tanzen beibrachten, sie zum Reiten ausführten, an der Fasnacht mit auf den Wagen oder auf eine Spritzfahrt mit dem Töff nahmen.

Bankratspräsident Andreas Albrecht bekannte, der Betrugsfall und der Steuerstreit habe die BKB in ihrem Selbstverständnis getroffen. Denn auch Mitarbeiter der BKB hätten Fehler gemacht. Jetzt habe die Bank aber ihre Lehren gezogen und wolle das verlorene Vertrauen wieder herstellen. Die dazu passenden Botschaften: Die BKB kehre zu ihren Wurzeln zurück und fokussiere sich auf die Region Basel. Der Fokus werde klar auf dem Schweizer Geschäft liegen. Allerdings will die BKB auch weiterhin ausländische Kunden betreuen, sich aber auch hier auf Kernmärkte beschränken: auf die Nachbarländer und die Niederlande. Bei aller Fokussierung blieb unklar, ob damit Vermögen von Kundinnen und Kunden aus bestimmten Ländern künftig nicht mehr verwaltet werden.

Gradmesser zeigt: BKB verliert Vertrauen

Direktionspräsident Lachappelle erklärte, bis Ende Jahr wolle die Bank den ASE-Betrugsfall und die Verhandlungen mit den US-Justizbehörden abschliessen. Ob sich die Inhaberinnen und Inhaber von Partizipationsscheinen davon überzeugen liessen und den Gelübden zur Besserung auch glaubten, blieb offen: Die Bank liess keine Voten aus dem Publikum zu.

Und so bekundeten Vereinzelte ihren Unmut, als sie am Pressetisch in Richtung Buffet vorbeimarschierten: «Glauben Sie ja nicht alles, was da gesagt wurde», sagte einer. Das mögen Einzelstimmen sein, doch selbst der Gradmesser, den Direktionspräsident als solchen für das Vertrauen in die BKB bezeichnete, brach letztes Jahr um über 22 Prozent ein: der Kurs des BKB-Paritizipationsscheins.

Die Basler Kantonalbank reagiert auf den Bericht der TagesWoche mit folgender Präzisierung:

«Die BKB hat bislang keine spezifischen Rückstellungen im US-Steuerstreit gebildet. Es kann derzeit noch nicht beurteilt werden, ob, wann und gegebenenfalls in welcher Höhe finanzielle Leistungen der BKB im Zusammenhang mit dem US-Steuerstreit anfallen werden. Gestern diskutiert worden ist eine mögliche Finanzierung einer allfälligen Zahlungsverpflichtung aus den Reserven für allgemeine Bankrisiken, welche derzeit 1,7 Mrd. CHF betragen. Diese Reserven werden, wie der Name sagt, für allgemeine Bankrisiken gebildet. Diese wurden in den vergangenen Jahren mit durchschnittlich rund 100 Mio. CHF pro Jahr gespiesen.»

Konversation

  1. und nun ist sie tief im Boden begraben.
    Die BKB ist wohl auch so ein Gebilde, dass sich mit Steuergeldern absichert, und dann meint, sie könne machen, was sie wolle. Hätte ich ein Konto dort, und nicht bei der UBS, hätte ich die Bank sofort gewechselt.

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  2. Man streite alle Vorwürfe ab oder ignoriere sie schlichtwegs, und wenn man seinen Kopf nicht mehr aus der Schlinge ziehen kann, steht man doch noch zu seinen Fehlern (Gemeint ist: Man schiebt die Verantwortung auf die tieferen Angestellten ab).
    Und das nennt man dann beichten und lobt die mutigen Herren für diesen Kniefall?

    Zu beichten gäbe es da noch einiges was bisher von allen Seiten gedeckt wurde:
    – Die Spekulation mit Nahrungsmitteln
    – Die Geschäftstätigkeit mit sonstigen zukunftsfeindlichen Firmen wie BASF, Nestlé, Transocean und Händlern von Minenprodukten und fossilen Brennstoffen.
    – Die nachwievor massiven Eigenkäufe, grösstenteils getätigt bei Kursen von 110-140 Fr/PS. Man rechne 30 Fr. Verlust pro PS (vorsichtig gerechnet) mal 2 Millionen PS (auch vorsichtig gerechnet). Insbesondere könnte man in dem Zusammenhang beichten wie diese Stützkäufe später korrigiert werden sollen.
    – Das Risiko BKB Finance Ltd in der Steueroase Guernsey
    – …

    Wenn all diese Punkte weiterhin verschwiegen oder verharmlost werden, dann ist einfach nur naiv, wer da trotzdem noch an Besserung glaubt. Der glaubt in ein paar Jahren dann auch, dass die neuen Skandale nicht voraussehbar gewesen seien.

    Die Manager braucht das alles nicht zu kümmern, die kriegen ihre hohen Löhne auch so.

    Genau darum ist es JETZT an der Zeit zu handeln und ins neue Bankgesetz der BKB zu schreiben was die BKB sein soll: Eine für den Kanton tragbare Bank ohne all diese Risiken welche das „fair-banking“ nicht nur auf die Fassade gemalt hat, sondern für eine lebenswerte Zukunft schaut!

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  3. Entweder bringen wir die BKB nun sofort zu ihrem ursprpünglichen Zweck und Auftrag in Sinne der BürgerInnen und der Volkswirtschaft zurück oder wir entlassen sie tatsächlich – dem bürgerlichen Anliegen folgend – in den grossen Sumpf der längst entarteten und dekadenten „privaten Finanzindustrie“.
    Ein Zwischending ist halt einfach nicht mehr möglich! Nachdem nun auch noch Postfinance zur privaten AG kaputt-politisiert wurde, wäre das Bedürfnis einer bürgernahen und vertrauenswürdigen Finanzinstitution sicher gegeben. Wenig erstaunlicherweise wird dieser „Markt“ nicht herbeiargumentiert, wenn es um die Interessen der risikounfreundigen, ganz normalen Lohnabhängigen geht, die einfach nur ganz normale Dienstleistungen eines seriösen, staatlich abgesicherten Finanzinstitutes in Anspruch nehmen wollen, resp. müssen.

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