Basler ÖV-Programm 2018–2021: Der Margarethenstich lässt auf sich warten

Die Basler Regierung schickt das ÖV-Programm 2018–2021 in die Vernehmlassung. Darin enthalten sind altbekannte Projekte wie der Margarethenstich, der auf sich warten lässt, aber auch Sofortmassnahmen wie eine neue direkte Busverbindung vom Roche-Areal zum Bahnhof SBB.

Grenzüberschreitende Planungen erschweren den Ausbau des Öffentlichen Verkehrs in Basel.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die Basler Regierung schickt das ÖV-Programm 2018–2021 in die Vernehmlassung. Darin enthalten sind altbekannte Projekte wie der Margarethenstich, der auf sich warten lässt, aber auch Sofortmassnahmen wie eine neue direkte Busverbindung vom Roche-Areal zum Bahnhof SBB.

Wenn es mal losgehen kann, dann geht es schnell. Benno Jurt, Leiter Mobilitätsplanung im Basler Amt für Mobilität, nennt als Beispiel den Ausbau der Tramlinie 3 über die Landesgrenze bis zum Bahnhof Saint-Louis. Bis zum Entscheid der französischen Behörden sei viel Zeit vergangen, als der Beschluss dann da war, ging es rasch vorwärts. Im Juni 2014 bewilligte der Grosse Rat den Ausbaukredit, im Herbst 2015 erteilte der Bund die Baugenehmigung, Ende 2015 war Baubeginn und im Dezember 2017 soll der neue Dreier in Betrieb gehen.

Der neue Dreier befindet sich also auf bestem Weg. Dennoch hat er Eingang in die ÖV-Planung 2018–2021 («Weiterentwicklung des Tram- und Busangebots») gefunden, das die Basler Regierung am Mittwoch, 18. Mai, in die Vernehmlassung schickt. Zu beschliessen gibt es in dieser speziellen Sache aber nichts mehr.

Margarethenstich als partnerschaftliches Geknorze

Ebensowenig wie bei einem weiteren grösseren Ausbauprojekt, das im Vernehmlassungsentwurf aufgeführt ist: der Margarethenstich, der künftig die Tramlinie 17 aus dem Leimental ohne Umweg durch die Innenstadt zum Bahnhof SBB führen soll. Der Basler Grosse Rat hat den Baukredit von 11,4 Millionen Franken bereits im Januar 2015 bewilligt. Der Entscheid des Landrats steht aber noch aus. War ursprünglich von einem Baubeginn im Jahr 2016 die Rede, hofft man jetzt, Mitte 2018 mit den Arbeiten beginnen zu können. In Betrieb gehen würde die neue Abkürzung frühestens 2020.

«Das Problem beim Margarethenstich liegt bei der asymmetrischen Beschlussfassung in den beiden Kantonen», sagt Jurt. Die Neubaustrecke von wenigen Hundert Metern Länge bot und bietet aber noch weitere Hürden. Es begann mit dem Streit zwischen BVB und BLT, wer die neue Strecke bedienen darf. Die Aussicht darauf, dass bei den Bauarbeiten archäologische Fundstücke auftauchen werden und bedrohte Kleintiere geschützt werden müssen, wird für weitere Schwierigkeiten sorgen.

Sofortmassnahmen bei Buslinien



Eine Sofortmassnahme zur Entlastung des Wettsteinquartiers: Der neue Direktbus vom Roche-Areal zum Bahnhof SBB ab Dezember 2016.

Eine Sofortmassnahme zur Entlastung des Wettsteinquartiers: Der neue Direktbus vom Roche-Areal zum Bahnhof SBB ab Dezember 2016. (Bild: BVD)

Bei Buslinien, die innerhalb des Kantonsgebiets verkehren, ist die Planung einfacher. So will die Basler Regierung bereits ab Dezember 2016 zur Hauptverkehrszeit einen neuen Direktbus von Bettingen über das Roche-Areal und die Autobahn bis zum Bahnhof SBB in Betrieb nehmen. Jurt ist zuversichtlich, dass der neue Bus es schaffen wird, die stark belastete Strecke zur Hauptverkehrszeit ohne Verspätungen zu bewältigen. «Die BVB haben mit ersten Testfahrten gute Erfahrungen gemacht», sagt er.



Die neue Linienführung der Buslinie 36 und die neue Buslinie 46 sollen ab 2018 die Anschlüsse des Erlenmatt- und des Schorenquartiers an das ÖV-Netz verbessern.

Die neue Linienführung der Buslinie 36 und die neue Buslinie 46 sollen ab 2018 die Anschlüsse des Erlenmatt- und des Schorenquartiers an das ÖV-Netz verbessern. (Bild: BVD)

Etwas länger auf ein verbessertes Angebot warten müssen die Bewohner des Erlenmatt- und Schorenquartiers. Ab 2018 soll die Buslinie 36 vom Badischen Bahnhof direkt nach Kleinhüningen verkehren. Eine neue Buslinie 46 wird mit einer Schlaufe durch das Schorenquartier und über die Maurerstrasse zum Kleinbasler Kopf der Dreirosenbrücke führen. 

Die grossen Zukunftsprojekte in Abklärung

Zusammen mit einer Takterhöhung bei den Bussen zum EuroAirport sowie «punktuellen Änderungen» des S-Bahn-Fahrplans während den Hauptverkehrszeiten sind das die wesentlichen konkreten Massnahmen, die im ÖV-Programm 2018–2021 aufgeführt sind. Die grossen Projekte unter dem Stichwort «Tramnetz 2020» befinden sich noch in der Abklärungsphase. Oder wie Jurt sich ausdrückt: «Sie haben die Strategiephase überwunden und befinden sich nun auf der Stufe von Vorstudien.»

Einen Rückschlag mussten die Verkehrsplaner einstecken, als die Basler Stimmbevölkerung im Mai 2014 den Neubau einer Tramstrecke vom Badischen Bahnhof zum Erlenmattquartier ablehnte. Dennoch befinden sich vier neue Tramlinien in der mittelfristigen Pipeline:

  • Die Tramverbindung vom Claraplatz durch den Claragraben bis zum Wettsteinplatz.
  • Eine neue Tramverbindung vom Wettsteinplatz durch die Grenzacherstrasse bis zum Badischen Bahnhof.
  • Eine Tramlinie vom Badischen Bahnhof über die Johanniterbrücke bis zum Bahnhof SBB.
  • Eine Tramlinie vom Musicaltheater durch das Klybeckquartier bis Kleinhüningen.

Vorstudie bedeutet laut Jurt, dass die Linienführung konkretisiert und die technische Machbarkeit abgeklärt wird. Ein Zeitplan für diese neuen Tramlinien findet sich im Vernehmlassungentwurf nicht. Mit Ausnahme der neuen Tramverbindung durch die Grenzacherstrasse. Hier heisst es: «Ein entsprechendes Verkehrskonzept zeigt auf, dass eine Tramlinie in der Grenzacherstrasse anzustreben und ab 2022 zu realisieren ist.»

Bleibt mit dem S-Bahn-Herzstück die ganz grosse Kiste. Die Regierung spricht von einem Zeithorizont bis 2030 bis zur Realisierung. Basel-Stadt hat bekanntlich beschlossen, das Projekt vorzufinanzieren. 2019 sollen detaillierte Aussagen zur Linienführung und zu den neuen Stationen möglich sein. Das Projekt steht oder fällt aber letztlich damit, ob der Bund es in das «strategische Entwicklungsprogramm Bahninfrastruktur» aufnehmen wird. 

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