Das Baselbiet zementiert seine «Ja, aber»-Haltung zur Volluniversität

2020 wird das neugewählte Baselbieter Uniratsmitglied Beat Oberlin neuer Präsident des wichtigen Gremiums. Das Baselbiet hat damit einen Bundesgenossen portiert, der die problematische «Ja, aber»-Beziehung zur gemeinsamen Uni vertiefen will.

«Jede Fakultät sollte sich Gedanken machen, welche Schwerpunkte sie künftig pflegen möchte», liess sich der designierte Uniratspräsident Beat Oberlin im September in den Medien zitieren.

«Wir säen, wo es Sinn macht, auf fruchtbare Böden, wir verschwenden nicht.» Mit solchen Worten löste die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind am Bankett des vergangenen Dies academicus Kopfschütteln aus. Wenige Wochen zuvor hatten die beiden Basler Regierungen die Leistungsvereinbarung bis 2022 unterzeichnet, die von den beiden Kantonsparlamenten – aus bekanntlich unterschiedlichen Gründen – zähneknirschend abgesegnet wurde.

Wie eine Liebesbezeugung zur gemeinsamen Universität klingt das nicht. Eher wie das Stöhnen einer Kassenwartin über das viele Geld, das da ausgegeben werden muss (auch wenn das Globalbudget gekürzt wurde). Bei einem Mediengespräch am 22. Januar klang es ähnlich. Sie sei froh, dass sie die gemeinsame Trägerschaft habe retten können, sagte Gschwind. Und ja: Man sei für eine Volluni, aber nicht um jeden Preis. Richtig auf Distanz zu ihrer FDP, die eben diese Volluni infrage stellt, wollte sie nicht gehen.

Diese Mentalität scheint nun auch Eingang zu finden in die Spitze des Universitätsrats. Ende September 2017 hatte die «Basler Zeitung» publik gemacht, dass Gschwind die von ihr portierten neuen Mitglieder des Unirats einen Mandatsvertrag unterschreiben lässt, der sie dazu verpflichtet, die politischen Interessen des Baselbiets zu vertreten. Wer in den letzten Wochen verfolgt hatte, wie sich die rechtsbürgerliche Mehrheit in der Baselbieter Politik die Zukunft der Uni vorstellt, bei dem müssen die Alarmglocken läuten.

Es stand bereits fest, dass das Präsidium des Universitätsrats 2020 an ein Mitglied aus dem Baselbiet übergehen wird. Am Mediengespräch vom Montag erwähnte Monica Gschwind nun beiläufig, wer der Präsident sein wird: Beat Oberlin, seines Zeichens ehemaliger CEO der Basellandschaftlichen Kantonalbank, in enger Verbundenheit mit der Wirtschaftskammer Baselland und auch sonst auf der gleichen Schiene wie die bürgerlichen Stimmen des Halbkantons.

Bereits im vergangenen September gab Oberlin der «bz Basel» ein Interview, in dem er darüber sprach, wie er sich die künftige Ausrichtung der Uni Basel vorstellt:

«Die Volluniversität ist ein riesiges Asset für unsere Region. Aber ich finde auch: Nicht alle sieben Fakultäten werden künftig alle Disziplinen mit derselben hohen Priorität verfolgen können. Jede Fakultät sollte sich Gedanken machen, welche Schwerpunkte sie künftig pflegen möchte.»

Ganz ähnlich klang es diese Woche bei Monica Gschwind:

«Der Universitätsrat wird bei der Ausarbeitung der neuen Universitätsstrategie 2030 Überlegungen zu einer konsequenten Profilschärfung anstellen, wie dies übrigens auch das neue Hochschulförderungs- und -koordinationsgesetz vorsieht, und eine entsprechende Auslegeordnung vornehmen.»

Weiter sagte Gschwind über die Universität Basel:

«Sie muss sich stärker auf unsere Wirtschaftsregion ausrichten. Der Regierungsrat fordert, dass die Uni von den Trägern unabhängiger werden muss, dass sie Kooperationen suchen, private Finanzquellen erschliessen und noch in verstärktem Mass ökonomisch denken muss.»

Dazu sagte der künftige Unipräsident im September:

«Die Verzahnung der Uni mit aussenstehenden Institutionen wie Stiftungen darf keine Ausnahme bleiben, sondern sollte zur Selbstverständlichkeit werden. Spenden von erfolgreichen Alumni mit begleitenden Anreizen wären auch prüfenswert.»

Das klingt nicht nach einen Plädoyer für ein tertiäres Bildungsinstitut, das durch inhaltliche Exzellenz glänzen soll. Sondern nach wie vor nach Sparen.

Dass mit Oberlin ein ehemaliger Banker zum Präsidenten gewählt wird, passt in dieses Schema. Dass hier jemand an die Spitze eines Gremiums gelangt, der zwar mal an der Uni Basel studiert hatte, darüber hinaus aber keine Erfahrung mit den Interna der Alma Mater mitbringt, ebenfalls. Der Verdacht: Ein solcher Vertreter lässt sich von der Politik besser an der kurzen Leine führen.

Mit Kathrin Amacker wäre eine weitere Baselbieter Kandidatin als Präsidentin zur Verfügung gestanden. Eine, die als Mitglied der Konzernleitung der SBB auch über ein Netzwerk verfügt, das über die Grenzen der Region hinausreicht. Eine, die als ehemalige leitende Mitarbeiterin der Novartis auch eine Brücke zur so wichtigen Life-Sciences-Industrie schlagen kann. Eine, die Kommunikationsprofi ist, und der man die wichtige Distanz zur Politik zutraut. Und die eine Frau ist.

Doch offensichtlich sind der Frau in der Baselbieter Regierung solche Referenzen nicht so wichtig. Schliesslich geht es in erster Linie ums Geld.

Konversation

  1. Monica gschwind steht zur voll uni. Das hat sie erklärt heute deutsch und deutlich. Skehe srf regionaljournal. Schade dass die tageswoche das unterschlägt. Wahrscheinlich weil es ihr nicht genehm. Schade.

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Monica Gschwind sagt je nach Mikrophonhalter etwas anderes, halt ein Fähnlein im Gschwind.

      Ihre unifeindliche Haltung (weil sie halt etwas kostet) hat sie sogar in der Rede vor der gesamten Uni-Körperschaft am Dies Academicus durchschimmern lassen.

      Schade, dass Sie das unterschlagen. Warum eigentlich? Was finden Sie denn an Gschwinds Politik gelungen?

      Danke Empfehlen (4 ) Antworten
    2. Ich sage nicht, dass Gschwinds Politik gelungen ist. Es gibt gute Ansatzpunkte, aber auch weniger gute.
      Ich finde es einfach nicht korrekt, wenn die Tageswoche kampagnenartig gegen die Regierungsrätin schiesst (dabei regt sich die Tageswoche immer über die BaZ Kampagnen auf, macht es aber nicht anders).
      Frau Gschwinds Statement im Regionaljournal ist deutlich – eine klare Bekräftigung zur Volluni. Deshalb habe ich meinen Kommentar verfasst. Sollte sie anderen Medien etwas anderes gesagt haben, ist das sehr merkwürdig.
      Nach ihrer Rede am Dies Academicus fand ich es daher bemerkenswert, wie klar nun ihre Ansage an diesem Anlass war.

      Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. So ist es. Gebt den Bauern die Fachhochschule und übernehmt die Uni wieder ganz. Eine Universität braucht einen städtischen, liberalen, weltoffenen Geist.

      Danke Empfehlen (2 ) Antworten
  2. Die Universität, die nur Dinge beforscht, bearbeitet, wo sie garantiert sicher ist, dass sie da Erfolg haben wird, tja, die könnte sich gleich in ein Museum umbauen: Dort lagern die alten Erkenntnisse und Werkzeuge, von denen man 120% weiss, dass sie funktioniert haben.
    Forschung ist aber eben gerade der Gang in den Nebel der Zukunft, wo es noch keine probate Landkarte gibt, wo jeder Schritt mühsam neu erdacht werden muss.
    Man stelle sich vor, man wisse nicht, ob man da nun eine Waschmaschne oder eine Bombe aufschraubt. Beides kann zur Tarnung sogar gleich aussehen. Man wird dann sehr sehr vorsichtig!

    Das Einzige, was zu diskutieren ist, sind Schwerpunkte.
    Die HSG in St. Gallen in Bezug auf Wirtschaftswissenschaften oder Justiz konkurrenzieren zu wollen, könnte unvernünftig sein, aber trotzdem ist es sinnvoll, auh für Basler Studenten ein entsprechendes Basis-Studium anzubieten, weil dieses Land halt auch diese Akademiker braucht.
    Im Bereich der Medizin pfeifen es ja schon die Spatzen von den ausländischen Dächern, äh. werben die hiesigen Spitäler mit den „schönen Bergen“, weil sie händeringend Personal in Pflege und medizinischer Behandlung suchen, u.a. auch, weil die Schweiz zuwenig Mediziner ausbildet.
    Bezüglich Chemie, Biochemie und Biologie dürfte fast jeder Student hier dankend von der Pharmaindustrie abgenommen werden. Hier zu sparen, würde irgendwann zum „Adieu“ genau dieser Firmen von Basel führen. Dass die entsprechenden Grundlagenforschungen halt auch nötig sind, bedeutet, dass dies an der Universität gemacht werden muss, sonst werden „weniger lukrative Krankheiten“ nämlich nicht mehr beforscht.

    Das Problem bei einer Universität ist das Gleiche wie in der Wirtschaft: Entweder man ist vorne, oder gehört zur Masse der Nachlaufenden. Apple kam nach vorne, weil ihre Produkte auf Anhieb einfach liefen, jeder sie begreifen konnte. Inzwischen haben aber die anderen Betriebssysteme aufgeholt, sodass ….. Android?
    Man kann natürlich sagen, dass man keine Spitzen-Uni braucht, aber, – – dann darf man auch mit der zweiten oder dritten Garnitur der Mitarbeiter, Professoren vorlieb nehmen. Forschung wird dann zum „Nebenerwerb“, Innovation bekommt Seltenheitswert, was dann mit der Zeit zu einer Abwärtsspirale führen wird sowohl bezüglch Mitarbeitern aber auch bei Studenten, die da überhaupt noch studieren wollen. Wer schon einen Lehrer hat, der sich v.a. auf Älteres konzentriert, der kann keinen Forschergeist mehr wecken, davor sollte ein interessierter Student besser fliehen.

    Basel, entscheide selber, ob deine Tradition der ältesten Universität der Schweiz einmal „war mal“ gewesen sein soll!

    Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Es wäre wünschenswert, dass die TaWo-Redaktion zuerst dem ehemaligen BLKB-CEO Beat Oberlin in einem Interview den Puls fühlt, bevor sie ihn als Sparapostel disqualifizieren. Er hat sich als Banquier der alten Schule stets für die Kulturförderung eingesetzt; das Theater Basel konnte davon in allen Sparten profitieren. Bitte dort nachfragen! Er hat es sich nicht nehmen lassen, jahrelang in der Synode der evangelisch-reformierten Landeskirche aktiv mitzuarbeiten. Folglich kennt er sich auch in der theologischen Fakultät aus. – Vielleicht wissen Sie, dass er das Bankgeschäft nicht nur aus regionaler Sicht kennen gelernt hat. Ihre favorisierte Kandidatin Kathrin Amacker ist hingegen durchaus mit der Sparpolitik des Kantons Basel-Landschaft liiert, war sie doch Landrätin und Nationalrätin der CVP wie der Rasenmäher-Sparguru Anton Lauber. Sie hat sich meines Wissens nie von ihrem Parteikollegen distanziert.

    Danke Empfehlen (2 ) Antworten
    1. Naja, Herr Strüby, Herr Oberlin hat sich erst kürzlich dezidiert gegen eine Volluni ausgesprochen. Und das mit ziemlich durchsichtigem Hintergrund.

      Und was er in der Vergangenheit gemacht hat, ist eben das: Vergangenes. Und das könnte womöglich ähnlich vergangen sein, wie die Haltung des früheren Freisinns im Allgemeinen. Die Partei ist nur noch ein dunkler Schatten ihrer selbst.

      Danke Empfehlen (3 ) Antworten
    2. Darum bin ich 2009 nach rund 30 Jahren aus dieser Partei ausgetreten! Der Wirtschaftsfreisinn (Bundesrat Merz) hat die Macht übernommen. Die sog. „Radikalen“ (Linksfreisinn) finden sich noch in der Westschweiz.

      Danke Empfehlen (1 ) Antworten
  4. Äusserst bedauerlich, dass das Baselbiet so immer provinzieller wird und immer weniger den eigenen Blick über die umgebenden Hügelzüge zu heben imstande ist.

    Danke Empfehlen (4 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (11)

Nächster Artikel