Das Drehbuch für die Zukunft des Films in Basel schreibt der Grosse Rat

Anfang April fällt für die Basler Filmbranche ein wegweisender Entscheid: Der Grosse Rat entscheidet über eine Verdreifachung der Fördermittel. Einer ersten Werbeaktion der Filmemacher fehlte das Publikum.

Die Basler Filmschaffenden dürfen auf mehr Geld hoffen. Darüber entscheiden wird der Grosse Rat in einem Monat. (Bild: Nils Fisch)

Anfang April fällt für die Basler Filmbranche ein wegweisender Entscheid: Dann muss der Grosse Rat entscheiden, ob er die Fördermittel verdreifachen will. Bei einer ersten Werbeaktion der Filmemacher fehlte das Publikum.

Dienstag kurz nach Feierabend in einem Basler Kinosaal. Vor der Leinwand steht der erfolgreichste aller Basler Dokumentarfilmer, Vadim Jendreyko. In einem Satz erklärt er den Gästen, weshalb sein Unternehmen den Sitz vor einigen Jahren nach Zürich verlegen musste: «Weil das Geld aus der Filmförderung in Basel nicht reicht.»

Beide Basler Halbkantone fördern das Filmschaffen mit einem Bruchteil dessen, was andere Regionen für dieses Metier ausgeben. Doch das könnte sich demnächst ändern. Anfang April entscheidet der Grosse Rat darüber, ob er die Fördermittel von 300’000 auf 900’000 Franken erhöhen will. Mit Beiträgen aus dem Swisslosfonds und von Baselland sollen den Filmschaffenden ab 2016 insgesamt 2,75 Millionen Franken zur Verfügung stehen, fünfmal so viel Geld wie bisher.

Mehr Filme über Themen aus der Region

Für die Branche ist es ein richtungsweisender Entscheid, weshalb der Filmverein «Balimage» alle Grossräte ins Kino eingeladen hat. Unterbrochen von einigen Filmtrailern schildern die anwesenden Filmemacher, wie wichtig eine Erhöhung des Budgets wäre, weshalb es mehr Filme aus und über Basel brauche und wie eine Erhöhung der kantonalen Fördergelder ein Vielfaches an nationalen Geldern anlocken würde.

Doch jene vier Parlamentarier, die der Einladung gefolgt sind, müssen sie nicht mehr überzeugen. Die GLP-Politikerin, der SP-Grossrat und das CVP-Mitglied wollen Anfang April für eine Erhöhung stimmen. Auch der anwesende SVP-Mann hat seine Meinung grösstenteils gemacht und wird wohl gegen eine Erhöhung stimmen. Wer Anfang April der Mehrheit angehören wird, ist offen.

Die Zweifel der Gegner

Die Mitglieder der Kulturkommission diskutierten bereits Anfang des Monats über die Vorlage und konnten sich auf keinen gemeinsamen Beschluss einigen. Sechs Parlamentarier sprachen sich für eine Erhöhung aus, fünf dagegen. Die Gegner fordern, die Politik müsse sich auf einzelne kulturpolitische Schwerpunkte fokussieren. Und sie bezweifeln, dass eine Erhöhung der Fördermittel viel bewirken würde. Im Vergleich zu den heutigen Filmzentren wäre die Filmförderung in Basel immer noch sehr bescheiden.

Schweizweit gesehen täuschen sie sich zumindest im letzten Punkt. So stecken Stadt und Kanton Zürich jährlich acht Millionen Franken in die Filmförderung. Im Kanton Bern sind es drei Millionen, in der Waadt zwei Millionen und in Stadt und Kanton Genf zusammen 4,5 Millionen Franken. Mit der geplanten Erhöhung auf 2,75 Millionen würde die Region Basel zumindest fast auf Augenhöhe gelangen.

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Mehr zum Thema bei den Kollegen der «BZ»: Basel kann es sich nicht leisten, dem Film kein Geld zu geben

Konversation

  1. Gibt es ein „Basler Filmschaffen“?
    Ich schaue mir ja gerne Studiofilme an. Aber „Basler Filmschaffen“? Nie gehört…
    Kann man das nicht unter „Arbeitslosenunterstützung“ buchen? Das wäre juristisch wie auch kulturell betrachtet korrekter.

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    1. Stellen Sie sich vor Herr Tanner, es gibt Menschen, die Arbeiten an Kunst, Musik
      oder Filmprojekten, während sie nebenbei einer gesellschaftskonformen Lohnarbeit nachgehen.
      Wahrscheinlich haben sie eine tolle Lohnarbeitsstelle und konsumieren nach Feierabend genüsslich diverse Kulturprodukte von ihrem Schweineledersofa aus.
      Aber für Kunstschaffende geht nach der Lohnarbeit die Arbeit weiter. Sie versuchen,
      die Gesellschaft mitzugestalten und ihre Kreativität umzusetzen.
      Für Leute wie sie, welche „Seelenlosenunterstützung“ brauchen.

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    2. @Fährmann: Ja, Sie haben recht, auch ich setze mich gerne abends nach getaner Arbeit in mein Alcantara-Sofa. Mit Freuden würde ich mir dabei ein Erzeugnis des von mir bis dato unbemerkten Basler Filmschaffens zur Gemüte führen, wenns denn so etwas gäbe……

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  2. Ich habe schon lange den Eindruck, das subventionierte basler Filmschaffen diene vor allem sich selbst. Mit einem subventionierten Dreispartenhaus wie dem Theater Basel habe ich kein Problem, weil dies die kulturellen Attraktivität unserer Stadt massiv ergänzt.

    Wozu allerdings lokale Filmproduktionen finanziert werden soll, sehe ich nicht ein. Zumal sich offensichtlich ausser den Filmschaffenden selbst keiner dafür interessiert.

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