Der Mann mit den Mangos

Mango, ein Symbol subtropischer Gebiete und eine schmackhafte Frucht. Am besten schmeckt sie direkt vom Baum – oder aber aus den Mangokisten von Michael Bührer. Der Geograf hat eigenhändig ein Hilfsprojekt in Burkina Faso aufgebaut und verkauft die Früchte jetzt in Basel.

Michael Bührer beim Transport der Mangokisten von Burkina Faso nach Deutschland. (Bild: Movement e.V.)

Mango, ein Symbol subtropischer Gebiete und eine schmackhafte Frucht. Am besten schmeckt sie direkt vom Baum – oder aber aus den Mangokisten von Michael Bührer. Der Geograf hat eigenhändig ein Hilfsprojekt in Burkina Faso aufgebaut und verkauft die Früchte jetzt in Basel.

Kennen Sie den Geschmack sonnengereifter Mangos direkt vom Baum? Saftig, fruchtig-süss, das Fruchtfleisch von richtig sattem goldgelb. Also genau so, wie Sie sie nicht im hiesigen Supermarkt kriegen. Nichts gegen deren Früchte, aber die industrielle Importware schmeckt im Vergleich zur frisch geernteten Frucht einfach nach nichts. Und man braucht schon reichlich Expertise, um zwischen den butterweichen und den steinharten Früchten eine zu finden, die man auch tatsächlich geniessen kann.

Nahezu identisch mit dem Geschmackserlebnis der letzten Ferien in Kuba sind jedoch die Mangos aus Burkina Faso, die Michael Bührer zweimal jährlich in der Basler Aktienmühle verkauft. Der 32-jährige Geograf aus Deutschland hat 2007 den Verein «movement» gegründet, dessen Mitglieder gemeinsam mit Menschen aus Burkina Faso Projekte erarbeiten und so deren Lebensbedingungen verbessern: Sie bauen Getreidemühlen, Tonkrüge und exportieren Mangos.



Zwei Frauen betrachten den Tonkrug. Dieser sollte bald als Kühler für Früchte und Gemüse dienen.

Dieser Tonkrug soll als Kühler für Früchte und Gemüse dienen. (Bild: Movement e.V.)

Das Treffen mit Bührer findet auf der Terrasse der Wetterfirma Meteoblue am Basler Claraplatz statt. Es ist sonnig und windig, kein Vergleich zu Burkina Faso, und doch schmeckt die Test-Mango besonders köstlich. Bührer trägt ein einfaches Hemd, eine braune Cordhose und orientalische Pantoffeln mit Schnabelspitze.

Projekt mit viel Eigenregie

Burkina Faso, das ist Bührers Leidenschaft: «Ich war damals in einem studienbegleitenden Praktikum in Afrika und lernte so die oft verborgenen, ländlichen Region des Landes kennen», sagt er. Dort beobachtete er die Frauen beim aufwändigen Mahlen von Getreide und er überlegte, wie er den Menschen die Arbeit erleichtern könnte. 

Bührer hat in Basel studiert, lange in Basel gewohnt und arbeitet heute bei Meteoblue am Claraplatz. Mit dem Aufbau der Organisation und ersten Projekten startete er noch während des Studiums an der Uni Basel.

«Ich habe das Projekt mit viel Eigenregie auf die Beine gestellt», erzählt Bührer mit einem gesunden Selbstbewusstsein: «Zuerst hatte ich einen Projekt-Partner, doch meine Ideen haben ihn nicht wirklich interessiert und so hab ich es alleine durchgezogen.» 

Überhaupt: Bührer tritt als Macher auf. Das braucht es auch, um eine eigene Hilfsorganisation auf die Beine zu stellen – und das kurz nach dem Studium. So sagt Bührer direkt und ehrlich: «Ich bin eine Führungspersönlichkeit.» Die Fähigkeit, Menschen zu führen und sie zu überzeugen, ist schliesslich unabdingbar für Bührers Arbeit. Seine Beharrlichkeit zahlte sich aus. Der Verein movement e.V. umfasst bisher zwar nur rund 70 Mitglieder, hat aber bereits zwei Partnervereine in Burkina Faso selbst und in Frankreich.



Michael Bührer fördert den kulturellen Austausch zwischen Europäern und den Menschen in Burkina Faso.

Michael Bührer fördert den kulturellen Austausch zwischen Europäern und den Menschen in Burkina Faso. (Bild: Movement e.V.)

Direkter Bezug von Produzent, Vertreiber und Konsument

Der ambitionierte Verein setzt unter anderem auf Idealismus als Motivation: «Bei uns arbeiten alle ehrenamtlich», erzählt Bührer. «Somit fliesst das gesamte Einkommen zurück in unser Projekt und wir bezahlen den Arbeitern in Burkina Faso faire Löhne.»

Dieser direkte Bezug zwischen Konsument, Vertreiber und Produzent sei ein Kernanliegen von «movement» und fördere den fairen Handel. «Wir brauchen kein teures Label wie Fairtrade, um faire Arbeit zu machen», sagt Bührer: «Bei fairem Handel geht es mir in erster Linie um Transparenz. Der Schlüssel zwischen einem gesunden Verhältnis von Konsument und Produzent war schon immer das Vertrauen.»

Dieses Vertrauen musste sich Bührer in Burkina Faso über längere Zeit erarbeiten. Dabei war die Fähigkeit, ein paar Wörter der Landessprache «Mooré» zu sprechen, eine grosse Hilfe. «Die Leute sprechen zwar Französisch, doch wenn du ihre Sprache sprichst, verdienst du dir Respekt und Anerkennung», erklärt Bührer.

Engagiert hat sich Bührer seither insbesondere in drei Bereichen: dem Bau von Getreidemühlen, der Kühlung von Tonkrügen und dem Verkauf von Mangos in Europa. Zudem gibt es neu auch verschiedene, handgefertigte Produkte wie Taschen und Seifen zu kaufen. Von den drei Teilprojekten bringt der Mangoverkauf den grössten Ertrag. Er macht rund 50 Prozent der Einnahmen aus. Und das, obwohl Bührer zu Beginn noch skeptisch war.



Mangos, Mangos, Mangos: Am nächsten Wochenende werden diese Kisten in Basel verkauft.

Mangos, Mangos, Mangos: Am nächsten Wochenende werden diese Kisten in Basel verkauft. (Bild: Movement e.V.)

«Am Anfang habe ich nicht so richtig daran geglaubt, dass sich irgendjemand für diese Früchte interessieren würde», sagt Bührer. Zumindest in Deutschland finden die 5-Kilo-Kisten mit Mangos seit drei Jahren reissenden Absatz: «Allein an zwei öffentlichen Verkaufsterminen im Mai und Juni verkaufen wir rund 3000 Kisten.»

Am Wochenende vom 6./7. Juni kommt der Mangoverkauf nach Basel und Bührer hofft auf einen Erfolg in der Stadt, in der er studiert hatte, wo ihn die Lust am Projekt packte und wo er heute arbeitet. «Bislang hat der Verkauf in der Schweiz noch nicht so richtig geklappt», sagt er. «Den Leuten sind die 35 Franken pro Kiste einfach zu teuer. Und das, obwohl wir ihnen mit diesem Preis entgegenkommen.»

Ein Markt also, der erst noch erobert werden will. Doch Bührers Durchsetzungsvermögen und die Qualität der Produkte sind schon mal zwei gute Voraussetzungen, um die burkinische Mango an den Mann und die Frau zu bringen.

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Mango-Kisten können bis Sonntagabend, 31. Mai, online bestellt werden. Abgeholt werden können sie am Wochenende vom 6./7. Juni bei der Aktienmühle Basel. 

 

Konversation

  1. Also ich bestellte auch Mangos aber zuerst wurde die Lieferung verschoben und nun das:
    Ich finde das etwas peinlich dies ist ja nicht die erste Lieferung die sie durchführen…

    „Liebe Mangofreundinnen und Mangofreunde,

    Leider entfällt die Mangoabholung komplett und alle Bestellungen werden storniert.

    Das tut uns leid.

    Leider hat der Zoll am Flughafen in Luxemburg unserer Mangos beschlagnahmt. Die Mangos werden aufgrund von ihrem hohen Reifegrad vernichtet. Dazu gibt es wohl eine EU Regelung, die aus unserer Sicht zu streng ausgelegt wurde. Allerdings sind die genauen Ursachen derzeit noch unklar.
    Wir sind selbst noch etwas schockiert und suchen nach Erklärungen.

    Wir werden Sie in den nächsten Tagen nochmal informieren und eine genaue Begründung nachliefern

    Vielen Dank Ihnen allen für Ihre Unterstützung und Ihr Verständnis.

    Mit besten Grüßen“

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  2. Machen Sie einen Stand auf und verkaufen für Basler die Mangos paarweise.
    Ich kann mit aller Liebe, keine Kiste Mangos verzehren.
    Oder stellen Sie 10 Kisten in die Redaktion und legen den Einzelpreis für eine Mango fest……

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  3. “ Zumindest in Deutschland finden die 5-Kilo-Kisten mit Mangos seit drei Jahren reissenden Absatz: «Allein an zwei öffentlichen Verkaufsterminen im Mai und Juni verkaufen wir rund 3000 Kisten.» “
    zu welchem preis?

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