Der starke Franken wird in der Region Basel weitere Jobs kosten

Für die Wirtschaftsdirektoren beider Basel ist klar: Die Frankenstärke wirft die Entwicklung in der Region zurück. Thomas Weber und Christoph Brutschin rechnen mit weniger Neuansiedlungen und auch mit dem Wegzug von Firmen.

Jobabbau bei Manor und bei Alu Laufen wegen der Frankenstärke: Weitere dürften folgen. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Für die Wirtschaftsdirektoren beider Basel ist klar: Die Frankenstärke wirft die Entwicklung in der Region zurück. Thomas Weber und Christoph Brutschin rechnen mit weniger Neuansiedlungen und auch mit dem Wegzug von Firmen.

Die Schweizer Unternehmen schneiden ihre Stellen derzeit nicht mit dem Skalpell heraus, sie holzen sie gleich zu Hunderten mit der Axt ab. In Basel wurde vergangene Woche publik, dass Manor 150 Stellen abbaut, im Baselbiet streicht die Alu Laufen 40 bis 50 Stellen.

Sie sind längst nicht die einzigen Firmen in der Schweiz. Die Cablecom streicht 250 Stellen, der Flugzeugtechniker SR Technics ebenfalls, die Bank Julius Bär zieht mit 200 Stellen nach, der Bauausrüster AFG Arbonia Forster baut 150 bis 200 Jobs ab. Im Tessin kam es wegen Stellenabbauten bereits zu Streiks. Alles im Namen der Frankenstärke.

Nach einem Zusammenzug in der «Schweiz am Sonntag» wurde national seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses bereits der Abbau von rund 1700 Stellen angekündigt. Der Grund ist immer derselbe: Der teure Franken stelle die Unternehmen vor existenzielle Probleme, heisst es. Die Massnahmen: Stellen streichen, Lohn kürzen, Kurzarbeit.

Brutschin: «Entwicklung wird zum Teil auch zurückgeworfen»

Die Einschätzung der Volkswirtschaftsdirektoren von Basel-Stadt und Baselland ist wenig optimistisch. Kurzfristig sei von weiteren Rationalisierungen in den Unternehmen auszugehen, sagt etwa der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin (SP): «Mittelfristig sind auch Abwanderungen nicht auszuschliessen. Die aktuelle Situation wird die positive Entwicklung der vergangenen drei Jahre nicht nur in gewisser Weise bremsen, sondern zum Teil auch zurückwerfen.»

Baut Stellen am Hauptsitz in Basel ab: Manor.

Baut Stellen am Hauptsitz in Basel ab: Manor. (Bild: sda)

Basel-Stadt bereitet sich auch darauf vor, dass die Arbeitslosenquote wegen der Rationalisierungen um 0,5 Prozentpunkte steigen könnte. Dasselbe gilt fürs Baselbiet, auch wenn Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber (SVP) vorsichtig bleibt: «Ob die Region davon überdurchschnittlich stark betroffen ist, kann im Augenblick kaum abgeschätzt werden.» Die Baselbieter gehen aber davon aus, dass es den Nordwestschweizer Arbeitsmarkt nicht stärker treffen wird als andere Schweizer Regionen. 

Nach Segmenten aufgeteilt heisst das:

  • Life-Sciences-Betriebe wie Pharma, Chemie und deren Zulieferer erachten beide Wirtschaftsdirektoren als weniger betroffen von der Frankenstärke. Dieses Segment trägt auch massgeblich dazu bei, dass die Nordwestschweiz schweizweit die höchste Exportquote hat. «Es ist davon auszugehen, dass dieser Bereich weniger stark von der Aufhebung der Euro-Untergrenze betroffen ist als andere exportorientierte Branchen», sagt der Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber.
  • Für den Detailhandel ist der Druck durch die Grenznähe allerdings deutlich ausgeprägter, wie der Basler Regierungsrat Christoph Brutschin sagt. Das zeigt letztlich auch das Beispiel des Manor-Konzerns, der die 150 Stellen am Hauptsitz abbauen will.
  • Generell bleibt die Situation für die produzierenden und exportierenden Segmente angespannt. «Die Frankenstärke stellt eine grosse Herausforderung für die Unternehmen in der gesamten Schweiz dar», sagt Brutschin. Stetige Innovationen und hohe Qualität würden zwar sicherstellen, dass Schweizer Produkte auch bei einem starken Franken wettbewerbsfähig bleiben können, «dass es jedoch schwieriger wird, bleibt unumstritten».

Hartes Pflaster für Neuansiedlungen – und die Baselbieter Wirtschaftsoffensive

Harter Franken, hartes Umfeld: Das ist auch der Baselbieter Wirtschaftsoffensive abträglich, die auf Neuansiedlungen setzt. «Mit dem Entscheid der Nationalbank dürfte sich das Umfeld für Neuansiedlungen ausländischer Unternehmungen noch weiter verschlechtern», sagt Thomas Weber. Was die Arbeit von Standortpromotion wie der Wirtschaftsoffensive oder von BaselArea deutlich erschweren dürfte.

«Keine neuen Regulationen»: Der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber (SVP).

«Keine neuen Regulationen»: Der Baselbieter Volkswirtschaftsdirektor Thomas Weber (SVP). (Bild: Hans-Jörg Walter)

Weber hält aber an der Offensive fest: «Die konsequente Weiterführung kann eine kantonale Antwort auf die aktuell ungünstigen Rahmenbedingungen sein.» Der Fokus solle dabei insbesondere auf den bereits lancierten Teilprojekten Arealentwicklung, Bestandespflege, Forschung, Bildung, Innovation und Steuerpolitik liegen.

Abwanderung, weniger Firmenzuzüge, Rationalisierung: Ein düsteres Bild, das die Volkswirtschaftsdirektoren von der Frankenstärke zeichnen. Dass die betroffenen Unternehmen handeln müssen, anerkennen die Regierungen. «Die Unternehmen müssen und werden Anpassungen vornehmen, um den Kosteneffekt der Frankenstärke zu dämpfen sowie allfällige Umsatzeinbussen durch Exportverluste auszugleichen», so Brutschin.

Deckmantel Frankenstärke: «Möglich, aber unwahrscheinlich.»

Das heisst also: Stellenabbauten, Lohnkürzungen, Kurzarbeit. Was aber, wenn die Unternehmen nun die Frankenstärke nutzen, um unliebsame Massnahmen zur Effizienzsteigerung durchzusetzen, die mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses nichts zu tun haben? Das sei möglich, aber unwahrscheinlich, meinen beide Regierungsräte. In Basel-Stadt etwa habe bis Ende Februar lediglich eine Firma Kurzarbeitsentschädigung aufgrund des starken Frankens beantragt. 

Bei der Kurzarbeit sei der Vollzug erwiesenermassen gut, heisst es in beiden Basel. Das würden auch die Erfahrungen aus dem Jahr 2011 belegen. Und in Sachen Lohnzahlungen halten beide Regierungen daran fest: Löhne sollen in Schweizer Franken ausbezahlt werden.

Entlasten, entlasten, entlasten

Die Politik könne nicht verhindern, dass Unternehmen die Frankenstärke als Deckmantel für Stellenabbau und Lohnkürzungen oder ähnliches nutzen, sagt Thomas Weber. Er gibt sich aber überzeugt: «Es beantragt kein Unternehmer Kurzarbeit, wenn er nicht muss. Dasselbe gilt für den Stellenabbau.» 

«Den Unternehmen Planungssicherheit geben»: Der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP).

«Den Unternehmen Planungssicherheit geben»: Der Basler Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP). (Bild: Hans-Jörg Walter)

Was also tun in der Not? Von Regulationen wollen beide Regierungen nichts wissen. SVP-Regierungsrat Weber hält es liberal: Es müsse darauf geachtet werden, dass keine neuen Belastungen der Wirtschaft durch kantonale und nationale Regulierungen entstünden. 

Und auch SP-Regierungsrat Brutschin sagt: «Unsere Unternehmen brauchen Planungssicherheit sowie die Sicherheit, dass vonseiten der Politik alles Mögliche getan wird, um diesen Wettbewerbsnachteil zumindest abzuschwächen.» Administrative Vereinfachungen auf Bundesebene, zum Beispiel bei der Mehrwertsteuer, könnten die Unternehmen entlasten.

Die Bundesebene wird sich auch bald damit auseinandersetzen: Am Mittwoch, 18. März, hat der Nationalrat eine dringliche Debatte zur Frankenstärke angesetzt. Unter anderem will er auch die Rolle und den Einfluss der Schweizerischen Nationalbank diskutieren, die den Euro-Mindestkurs aufgehoben hatte.


Wir widmen dem Thema Frankenstärke und Problemen des Arbeitsmarkts einen Schwerpunkt. Im entsprechenden Dossier finden Sie im Verlaufe der Woche weitere Artikel zum Thema.

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