Die Antworten auf die sieben drängendsten Fragen

Zum geplanten Ausbau des Autobahnabschnitts Osttangente kursieren Behauptungen, Gerüchte und Vorwürfe. Wir haben recherchiert, was wirklich Sache ist.

Die Osttangente auf Höhe Gellert – wenn gerade kein Stau ist. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Zum geplanten Ausbau des Autobahnabschnitts Osttangente kursieren Behauptungen, Gerüchte und Vorwürfe. Wir haben recherchiert, was wirklich Sache ist.

Bis auch nur ein Stein bewegt ist auf der neuen Osttangente, wird noch viel Zeit verstreichen. Wie lange es noch dauert, bis die Erweiterung des Autobahnabschnitts um zwei Spuren angegangen wird, ist nicht abzusehen.  Und doch erwecken die Diskussionen der letzten Woche den Anschein, als sei das bereits morgen der Fall.

Den Anstoss zu dieser Debatte hat Verkehrsministerin Doris Leuthard gegeben, als sie den Basler Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels bezichtigte, das Projekt zu verschleppen. Kurz darauf schlugen die ­regionalen Wirtschafts- und Autoverbände in dieselbe Kerbe. Sie sprachen von geheimen Plänen, von einer schlechten Infor­mationspolitik und einer untauglichen Basler Lösung. So viele Behauptungen stehen im Raum, dass  keiner mehr weiss, was eigentlich Sache ist. Deshalb: die sieben wichtigsten Fragen zum Ausbau – und die Antworten darauf.

Auto um Auto – Alltag auf der Osttangente

1) Es gibt doch eh zu viel Verkehr, weshalb braucht es einen Ausbau?

Die Kapazitätsgrenze hat der Autobahnabschnitt zwischen Gellertdreieck und Badischem Bahnhof längst überschritten. Gedacht für 80’000 Fahrzeuge, befahren heute in Spitzenzeiten täglich 150 000 Autos und Lastwagen den Autobahnabschnitt. Bis 2030 rechnet das Bundesamt für Strassen (Astra) mit Stauzeiten von bis zu vier Stunden pro Tag.  Der Transitverkehr macht nur die Minderheit aus: 70 Prozent des Aufkommens ist lokal gebundener Verkehr.

2) Warum macht Basel nicht endlich vorwärts?

Der Vorwurf von Bundesrätin Doris Leuthard stand am Anfang der ganzen Debatte. Christoph Buser, Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer, hat ihn unlängst wiederholt. Roger Reinauer, Leiter des Tiefbauamts des Kantons Basel-Stadt, sagt: «Das ist Quatsch, der Ball liegt eindeutig in Bern.» Auch das Astra hat bestätigt, alle relevanten Informationen aus Basel erhalten zu haben. Bis im Herbst will das Astra Ergebnisse vorlegen .

3) Welche Varianten werden denn nun geprüft?

Ursprünglich war eine oberirdische Erweiterung um je eine Spur pro Richtung geplant. Diese Variante gilt aus Kostengründen nach wie vor als Favorit des Astra. Nach einer breit gestützten Petition  von 2011 lieferten die Basler Planer eine zweite Option nach: Die Osttangente soll künftig komplett unterirdisch verlaufen. Auch diese Lösung ist mittlerweile vom Tisch.  Seit März 2013 prüft das Astra gemäss Auskunft von Roger Reinauer nur noch eine Ausbaumöglichkeit. Wie auf der Karte rot eingezeichnet, soll ein zweispuriger Tunnel in Süd-Nord-Richtung die ­Autobahn entlasten, die sogenannte Bypassvariante. Der restliche Verkehr soll wie bisher oberirdisch verlaufen.

Regionale Wirtschaftsverbände werfen dem zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement vor, es gebe noch eine zweite, geheime Variante. Reinauer sagt dazu: «Das ist kompletter Unfug.» Die Alternative der Wirtschaftslobby, einen längeren Transittunnel zu graben, verwirft er: «Viel zu wenige Fahrer würden diesen nutzen, da sie nicht zwischendurch abfahren können.»

Diese drei Tunnelvarianten sind auf dem Tisch. Geprüft wird allerdings nur die rote, die von den Basler Planungsbehörden eingereicht wurden. Die grünen Routen sind wohl chancenlose Alternativvorschläge der Wirtschaftsverbände.

Diese drei Tunnelvarianten sind auf dem Tisch. Geprüft wird allerdings nur die rote, die von den Basler Planungsbehörden eingereicht wurden. Die grünen Routen sind wohl chancenlose Alternativvorschläge der Wirtschaftsverbände. (Bild: Hans-Jörg Walter)

4) Ist ein Bypass-Tunnel zu teuer?

Das behaupten die Wirtschaftsverbände, weshalb sie den oberirdischen Ausbau wieder ins Spiel bringen, allerdings überdacht. «Wir haben es durchgerechnet», sagt Roger Reinauer, «für eine Milliarde ist der Tunnel zu ­haben.» Das liegt im Kostenrahmen des Bundes. Den oberirdischen Ausbau hält Reinauer für unrealistisch. Einsprachen der Anwohner würden diese Variante ­jahrelang stoppen. Eine Einhausung, 
wie von den Lobby-Verbänden vorgeschlagen, hält er städtebaulich für nicht vertretbar: «Schon jetzt trennt die Osttangente Stadtquartiere – viel schlimmer würde es, wenn sich ein noch breiterer gläserner Lindwurm durch die Stadt schlängeln würde.»

5) Weshalb werden die Wirtschaftsverbände nicht informiert?

Ein weiterer Kritikpunkt von Gewerbeverband, Handelskammer und Co. Tatsache sei, sagt Reinauer, dass sämtliche Verbände, die zur Verkehrsliga gehören,  jedes halbe Jahr über den neusten Stand der Planungen informiert werden.

Der Autobahnabschnitt Basel-Osttangente ist seit Jahren übernutzt und zählt für den Bund zum dringlichsten Projekt in der Engpassbeseitigung.

Der Autobahnabschnitt Basel-Osttangente ist seit Jahren übernutzt und zählt für den Bund zum dringlichsten Projekt in der Engpassbeseitigung. (Bild: Hans-Jörg Walter)

6) Wenn alle Vorwürfe Unfug sind – was steckt denn hinter der Kritik?

Gute Frage. Vielleicht ist Leuthard falsch informiert worden, mutmasst Reinauer. Vielleicht geht es auch darum, nochmals die Verbreiterung aufs Tapet zu bringen. Vielleicht geht es auch schlicht ums Geld. Warum die Wirtschaftsverbände jetzt fordern, man müsse den Varianten­fächer nochmals öffnen, versteht Reinauer nicht: «Wer ein Projekt verzögern will, der bringt laufend neue Vorschläge ins Spiel.»  Wahrscheinlich stecken hinter der Kritik politische Motive. Die Wirtschafts- und ­Autoverbände wollen wieder die Verkehrspolitik diktieren.

7) Wars das dann mit dem Autobahnausbau?

Eher nicht. Das Astra prüft auch die zweite Ausbauetappe, die einen ­Autobahnring rund um die Stadt vorsieht – inklusive Westumfahrung und Gundeli­-Tunnel. 

Konversation

  1. Als Ingenieur sehe ich folgendes:

    Auf der A2 von Schweizerhalle bis Schwarzwaldtunnel:

    Wer in Basel zu Stosszeiten einfährt, dem fällt sofort auf das es bei der Verzweigung Hagnau zwar 4 Spuren hat, aber nur 2 in die Stadt führen, einer davon führt in die Ausfahrt Basel-City. Grund dafür ist ja die zu kurz geratene Auffahrt der H18 auf die A2. Lösung wäre wenn man die Ausfahrt Basel-City so gestaltet wie die Ausfahrt Basel-Wettstein vor der Schwarzwaldbücke und so könnte man eine Spur für den Transit mehr haben. Weiter könnte man die Auffahrt der H2 verlängern. So kann man kurzfristig die Hauptstauursache Hagnau vermindern. Längerfristig ist der 3-Spurausbau vor und beim Breitetunnell bis zur Ausfahrt Bad. Bhf. baulich durchaus realisierbar, wobei die notwenidige Verlängerung Auffahrt der H18 noch ein bisschen heurausfordernder ist. Die Schwarzwaldbrücke besitzt ja bereits 10 Spuren wobei man wohl baulich problemlos eine der Autobahn übergeben kann. Vor dem Schwarzwaldtunnel bei der Ausfahrt Bad. Bhf. müsste man halt die Auffahrt von der Wettsteinalle her auflösen oder seitlich an den Schwarzwaldtunnel tunneln um 3 Spuren zu ermöglichen. Das käme zumindest billiger als die duchgehende Tunnellösung unter dem Rhein durch.

    Auf der A2 von Schwarzwaldtunnel bis nach Hagnau:

    Auch Hier die Ausfahrt zut Wettsteinallee der auuflösen oder umbauen (Tunneln vom Schwarzwaldtunnel her) um 3. Spuren zu ermöglichen. Auf der Schwarzwaldbücke kann man leicht eine Spur der Autobahn übergeben. Die Auffahrt von der Schwarzwaldbrücke auf die Autobahn anderst lösen oder auflösen, da es ja bereits eine Auffahrt in der Baldeggerstrasse existiert. 3 Spuren vom Autobahndreick zu Hagna wird baulich schwieriger aber wohl auch nicht unlösbar.

    Fazit: Ein Tunnelbau ist unnötig. Auch einer Verbreiterung der Autobahn ist an fast allen Stellen unnötig. Mit Streckenänderungen besonders bei den Auf- und Ausfahrten ist viel möglich um 6 Spuren zu ermöglichen, ohn das Anwohnerklagen zu befürchten sind, da die Autobahn so nicht zunimmt.
    Weiter müsste Basel bezüglich Autobahnspange bei Rheinfelden ein Wort mit den Deutschen Nachbarn reden, um den Durchgangsverkehr nach Deutschland dort abzuwickeln.

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