Die Baslerin Helen Joss will nachhaltige Kellen für Lagerküchen

Helen Joss aus Basel ist Teil des dreiköpfigen Teams von Young Caritas Schweiz. Dort weibelt sie für eine nachhaltige Ferienlagerküche und engagiert sich für ein Freizeitprogramm für Asylsuchende. Diesen Samstag wirkt sie bei der Vergabe des Young Caritas-Awards in Zürich mit.

Helen Joss: «Mir ging es primär darum, eine Diskussion über Nachhaltigkeit in der Küche anzustossen.»

(Bild: Alexander Preobrajenski)

Helen Joss aus Basel ist Teil des dreiköpfigen Teams von Young Caritas Schweiz. Dort macht sie sich für das soziale Engagement von Jugendlichen stark: Beim Weibeln für eine nachhaltige Ferienlagerküche ebenso wie im Mitgestalten eines Freizeitprogramms für Asylsuchende. Diesen Samstag wirkt sie bei der Vergabe des Young Caritas-Awards in Zürich mit.

Nachhaltig Kochen im Ferienlager? Helen Joss aus Basel weiss, wie das funktioniert: Als Juniorin bei Young Caritas, dem Jugendbereich von Caritas Schweiz mit Sitz in Luzern, hat sie diesen Sommer das Projekt «Faires Lager» geleitet – mit dem Ziel, in Deutschschweizer Jugendorganisationen eine nachhaltige Lagerküche zu etablieren.

Egal ob Pfadi, Jungwacht oder Blauring: Im Rahmen eines öffentlich ausgeschriebenen Wettbewerbs motivierte Young Caritas – zusammen mit dem Fastenopfer, der Katholischen Kirche der Stadt Luzern sowie der Jubla und der Pfadi Luzern – die Lagerköche, ihr Essen mit der nachhaltigen Kelle anzurühren.

Fokus auf die Menu-Planung

Nachhaltigkeit, das Wort der Stunde. Was genau ist darunter zu verstehen? Helen Joss unterscheidet zwischen ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit: «Es ist wichtig, saisonal und regional einzukaufen, um lange Transportwege zu vermeiden. Wenn möglich bio. Das Lager-Budget soll aber trotz Verzicht auf Billigprodukte nicht überstrapaziert werden. Gefragt ist eine durchdachte Menu-Planung, eine gute Resteverwertung und cleveres Sponsoring.»

Schliesslich solle beim Kauf von Produkten aus dem Ausland auf die Labels des fairen Handels geachtet werden.

Diese Grundsätze versuchte Helen Joss im Frühling an diversen J&S-Ausbildungskursen zu vermitteln. «Da die Jugendverbände für solche Anliegen ohnehin ein offenes Ohr haben, wurde das Thema äusserst positiv aufgenommen.» Widerstand bildete sich einzig in Fragen der Finanzierung und des Fleisch-Konsums: Weniger Fleisch ist zwar nachhaltiger, doch wollen viele Lagerküchen nicht gänzlich aufs Fleisch verzichten.

Leitfaden für nachhaltiges Kochen

«Lieber einmal ein Bioplätzli statt dreimal Fleisch am Tag – das schmeckt doch so oder so besser, oder nicht?», kommentiert Helen Joss diese Diskussion. Die Sensibilisierung der Jugendverbände für eine nachhaltige Lagerküche geschieht auch mit Hilfe eines Leitfadens von «Faires Lager», der Schritt für Schritt in die Kunst des nachhaltigen Lagerhaushalts einführt.




Helen Joss: «Es ist wichtig, saisonal und regional einzukaufen, um lange Transportwege zu vermeiden.» (Bild: ALEXANDER PREOBRAJENSKI)

In den Sommerlagern selbst lag es dann an den Jugendverbänden, diese Inputs in Tat umzusetzen: Wer am Wettbewerb teilnehmen wollte, hatte ein nachhaltiges Lieblings-Kochrezept zu kreieren. Wie und was gekocht wurde, sollte dann kreativ dokumentiert werden – etwa in Collagen-, Film- oder Textform.

Kochsendung der Pfadi Möhlin

Bis Ende August wurden 23 Beiträge eingereicht: Von Pfadis, Jublas, Cevis, von der Pro Natura und von der Stiftung für junge Auslandschweizer. Bei der Jubla Gelterkinden etwa gab’s Schweinsschulter im Heu, bei der Jubla Werthenstein wiederum eine vegetarische Spätzlipfanne. Und die Pfadi Möhlin war sich nicht zu schade, ihr Raclette-Rezept in Form einer Livesendung aus dem Kochstudio zu präsentieren.

Diesen Samstag wird im Rahmen der Young Caritas-Award-Verleihung im Jugendkulturhaus Dynamo in Zürich aus allen Einsendungen ein Sieger erkoren. Für Helen Joss geht damit ein Projekt zu Ende, welches sie seit diesem Frühjahr wesentlich mitgetragen hat. «Mir ging es primär darum, eine Diskussion über Nachhaltigkeit in der Küche anzustossen.»

Eigene Einkaufsgewohnheiten überdenken

Was ist denn nun sinnvoller: Bio-Gemüse in der Plastikverpackung oder herkömmliches Gemüse, dafür frisch vom Bauernhof? «In solchen Fragen gibt es kein richtig oder falsch. Wichtig scheint mir, dass über alte Einkaufsgewohnheiten nachgedacht und dabei ein Bewusstsein für nachhaltiges Einkaufen und Kochen entwickelt wird.»

Nebst dem Projekt «Faires Lager» hat sich Helen Joss auch für andere Young Caritas-Anliegen ins Zeug gelegt – etwa an Schulbesuchen, an Mitglieder-Events oder eben bei der Mitarbeit am Young Caritas-Award: «Dieser Award wird alljährlich an Jugendliche vergeben, die ein Projekt im sozialen Bereich umgesetzt haben.»

Recycling-Party und Poesie-Tag in Basel

Heuer wurden 19 Projekte nominiert. Die Bandbreite der eingereichten Projekte ist gross: Öffentlich zugängliche Kühlschränke in Bern, ein Theaterprojekt mit Flüchtlingen in Lyss, eine Recycling-Party an der Uni Basel oder ein Tag der Poesie, zur Vermittlung der dichterischen Sprache, ebenfalls in Basel. Wer das Rennen macht, erfahren wir am Samstag.

Im März 2016 geht Helen Joss‘ Zeit bei Young Caritas zu Ende. Die 25-jährige Baslerin erzählt von einer «einmaligen Chance, einmal hinter die Kulissen eines grossen Hilfswerks zu blicken.» Fasziniert war sie insbesondere vom Engagement der Jugendlichen, beim Projekt «Faires Lager» ebenso wie bei den sozialen Projekten für den Award.

Freizeitprogramm für Asylsuchende

Vorher gibt Helen Joss aber nochmals Vollgas: Nach der Preisverleihung wartet mit der Aktion «Zeit schenken» nämlich bereits das nächste Projekt. Ziel ist, im Asylzentrum in Grünenwald, Kanton Schwyz, ein von einheimischen Jugendlichen gestaltetes Freizeitprogramm für Asylsuchende auf die Beine zu stellen.

Auch an diesem Projekt arbeitet Joss mit Begeisterung mit, zumal «die Asyl- und Flüchtlingsfrage aktueller ist denn je». Migration – ein Thema, das sie auch nach ihrer Zeit bei Young Caritas beschäftigen wird: Im kommenden September will sie ihr Master-Studium in Migrationswissenschaften an der Uni Neuchâtel aufnehmen. Gut möglich, dass sie vor Semesterbeginn noch bei einem Sommerferienlager mitwirkt – als nachhaltige Lagerköchin, versteht sich.

Konversation

  1. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ muss für vieles herhalten.
    Oft muss er erhalten, um etwas zu verschleiern oder das schlechte Gewissen zu beruhigen.
    Die Wirtschaft von heute, ist grösstenteils das Gegenteil von Nachhaltig. Nachhaltig würde ja auch bedeuten, die Produkte so langlebig wie möglich herzustellen. Das korrumpiert aber dann wieder das Wirtschaftswachstum.

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  2. Jetzt hört doch auf. Wörter haben eine Bedeutung, die sich herleiten oder erklären lässt. Was heisst nachhaltig?

    Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem die Bewahrung der wesentlichen Eigenschaften, der Stabilität und der natürlichen Regenerationsfähigkeit des jeweiligen Systems im Vordergrund steht.

    Also nix von Importen in ein 16 Millionen-Land von sehr weit her, damit es „Bio“ oder so ist. Denn die Hochseeschiffahrt und die industrielle Landwirtschaft sind nicht nachhaltig, fertig, weil sie von Speichern abhängen, die sich nicht regenerieren.

    > «In solchen Fragen gibt es kein richtig oder falsch.

    Doch, gibt es, wenn es NACHHALTIG sein soll. NACHHALTIG ist das Gemüse, das auch in 1000 Jahren noch verkauft werden könnte.

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