Die Kulturstadt Arles wächst über sich hinaus, dank dem Engagement von Maja Hoffmann

Maja Oeris Kunstengagement ist in Basel bestens bekannt. Auch ihre Cousine Maja Hoffmann sorgt als Mäzenin für Aufsehen. Im südfranzösischen Arles realisiert sie für 150 Millionen Euro ein interdisziplinäres Kulturzentrum. Im Mittelpunkt steht ein Neubau von Stararchitekt Frank O. Gehry.

Arles Kunstzentrum

(Bild: Franca Hänzi)

Maja Oeris Kunstengagement ist in Basel bestens bekannt. Auch ihre Cousine Maja Hoffmann sorgt als Mäzenin für Aufsehen. Im südfranzösischen Arles realisiert sie für 150 Millionen Euro ein interdisziplinäres Kulturzentrum. Im Mittelpunkt steht ein Neubau von Stararchitekt Frank O. Gehry.

Als «Prinzessin von Arles» wurde Roche-Erbin Maja Hoffmann von der französischen Tageszeitung «Le Figaro» bezeichnet. Sie selbst, zurückhaltend und publikumsscheu, macht mit ihrem bescheidenen Auftreten vor internationalen Medien deutlich, was ihr wichtig ist: die Kultur und der interdisziplinäre Austausch.

Dank der Mäzenin aus der bedeutenden Basler Erbengemeinschaft wird in der provenzalischen Kleinstadt Arles voraussichtlich 2018 ein Zentrum für Kunst, Forschung, Ausbildung, Förderung und Archivierung eröffnet. Damit bricht in der mit antiken Prachtbauten gesegneten Stadt eine neue Ära an.




Die Mäzenin: Maja Hoffmann ist die Ur-Enkelin des Hoffmann-La-Roche-Gründers Fritz Hoffmann. Ihr Vater Lukas, Zoologe, gilt als Retter der Camargue und ist WWF-Mitbegründer. Auch sie engagiert sich für Umweltprojekte, ihr Hauptfokus liegt aber in der Unterstützung kultureller Institutionen. (Bild: Franca Hänzi)

Um zu begreifen, was am Altstadtrand von Arles gerade entsteht, muss man seine bisherigen Vorstellungen von Museumsneubauten, Kunstförderung und konventionellem Kulturverständnis ad acta legen. Denn geplant ist ein Kulturzentrum, das Interaktionen zwischen Kunst, Künstlern und ihrem Publikum ermöglichen soll. Die Stadt, die man mit Vincent van Gogh und vor allem dem römischen Amphitheater verbindet, wächst gerade über sich hinaus. Und zwar bildlich wie auch inhaltlich.

Fotoausstellung von Weltformat

Schauplatz ist ein seit Jahrzehnten stillgelegtes Areal der SNCF entlang der Bahnstrecke Paris–Lyon–Marseille, wo einst Lokomotiven repariert und gewartet wurden. «Ich sah die Gebäude, die dem Zerfall ausgesetzt waren, und konnte das Areal kaufen», erklärt Maja Hoffmann, die der Stadt seit frühester Kindheit eng verbunden ist.




Vor dem Zerfall gerettet: die ehemaligen SNCF-Werkstätten.

Die renovierten, ehemaligen Eisenbahn-Werkstätten sind Ausstellungsort von einer der wichtigsten und grössten Fotoausstellungen überhaupt, den «Rencontres d’Arles». Seit 1969 findet die Ausstellung auf dem Werkstattgelände statt. Mit der New Yorker Architektin Annabelle Selldorf hat Hoffmann eine Spezialistin für ehemalige Industriebauten mit der Renovierung beauftragt.

Auf dem Gelände entsteht zudem ein von Stararchitekt Frank O. Gehry konzipierter Turm, der sich derzeit noch als Betonskelett präsentiert. Dieses lässt erahnen: Das 56 Meter hohe Bauwerk wird spektakulär, jedenfalls in seiner vorderen, zur Altstadt gerichteten Seite. Die Handschrift Gehrys ist unverkennbar.




Dazu kommen als Ummantelung 11’500 Backsteine aus Inox, die mittels einer Spezialvorrichtung an die Fassade geklemmt werden. Das Material, so die Vorstellung der Planer, soll den Turm in die Umgebung integrieren, Landschaft und Himmel widerspiegeln und darin verschmelzen. Das Gebäude mit verglaster Eingangshalle präsentiert sich auf seiner Rückseite funktional und nüchtern. In einem schlichten Anbau ist der eigentliche Ausstellungsbereich auf 8000 Quadratmetern untergebracht.

Willkommene grüne Lunge

Der Ausstellungsraum entspricht international geltenden Museumsnormen. So können beispielsweise Exponate dank vergrössertem Zugangsbereich zur Entladung direkt ins Gebäudeinnere gefahren werden. Falls nötig kann innerhalb von jeweils fünf Tagen eine Seitenmauer der Museumshalle ab- und wieder aufgebaut werden, was erlauben wird, besonders grosse Werke in die Ausstellung zu integrieren. Der Turm und seine Nebengebäude bieten ausserdem genügend Platz für Archive und Technik. 

Arles ist zwar mit antiken Prachtbauten gesegnet, nicht aber mit Grünflächen. Dank der Errichtung eines parkähnlichen, öffentlichen Gartens und der Pflanzung von rund 300 Bäumen erhält die Stadt eine grüne Lunge, die sie sich sehnlichst wünscht. Der belgische Landschaftsarchitekt Bas Smet bezeichnet die Planung als Herausforderung, denn aus klimatischen Gründen ist das Gelingen einer ansehnlichen Grünanlage alles andere als einfach.

So sieht das Gelände in der Visualisierung der Architekten aus. 

Der Park soll sich über den gesamten Campus und auch zwischen den Gebäuden erstrecken. Er wird öffentlich begehbar sein. Geplant ist ausserdem, dass sich die Ecole Nationale Supérieure de la Photographie ebenfalls auf dem Gelände niederlassen wird. Ein Neubau am Fuss des Gehry-Turms ist in Planung. Auch der Grossverlag Actes Sud wird aus dem historischen Zentrum wegziehen und sich in einem der Werkstattgebäude niederlassen.

Ein grosses Geschenk – vielleicht fast eine Nummer zu gross

Dem Projekt Campus mit Turm sehen sowohl Behörden als auch die Bevölkerung seit Anbeginn mit wohlwollender Neugier entgegen. Aber es gibt auch kritische Stimmen. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Arles beschäftigen in der fortgeschrittenen Bauphase grundlegende Fragen: Werden genügend neue Parkplätze geschaffen? Kommt der von der Stadtverwaltung versprochene Shuttlebus, der Altstadt und Campus verbinden soll? Wird ein vertrauenswürdiges Gärtnereiunternehmen gefunden, das mit der notwendigen Sorgfalt den künftigen Park pflegen wird?

Solche Fragen lassen sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht endgültig klären. Bei aller Aussicht auf wirtschaftliches Wachstum: Welche Mehrkosten das mit sich bringt, bereitet manchen Leuten Sorgen. Und auch den grossen internationalen Einfluss auf die Stadt sehen nicht alle positiv. 

«Es war mir von Anfang an ein grosses Anliegen, der Stadt und der Region nicht nur kulturelle Vielfalt, sondern auch wirtschaftlichen Auftrieb zu geben.»


Maja Hoffmann

«Natürlich gibt es Einwände, sie sind mir auch bekannt», sagt Maja Hoffmann auf Nachfrage. «Aber ich habe gar keine Zeit, mich auf der Strasse und in den Bistros umzuhören.» Die schüchterne Mäzenin will Arles dieses Geschenk machen – aber weniger gern, so scheint es, darüber reden. «Es war mir von Anfang an ein grosses Anliegen, der Stadt und der Region nicht nur kulturelle Vielfalt, sondern auch wirtschaftlichen Auftrieb zu geben», sagt Hoffmann.

In ihren Augen ist das ganze Projekt offenbar nicht eine Nummer zu gross für die provenzalische Kleinstadt. Engagiert und ungebremst nimmt sie ihre Möglichkeiten zur Kulturförderung wahr. Als Präsidentin der 2004 gegründeten Stiftung Luma mit Sitz in Zürich steht sie heute einem internationalen, fünfköpfigen Gremium von Kulturschaffenden und Museumsdirektoren vor. Die Arbeit für Luma Arles wurde vor sechs Jahren aufgenommen. Ziel ist es, den Campus zu einem Ort der Reflexion, Interaktion und des Austausches zu machen, wo sich sämtliche Kunstsparten begegnen.

Im Juni wurde bekannt, dass der französische Choreograf Benjamin Millepied von der Pariser Oper mit seiner Kompanie für drei Jahre in einer der Werkstätten in Arles arbeiten wird. «Für Tänzer, die normalerweise dauernd unterwegs sind», sagt Millepied, «ist dieses Angebot, für längere Zeit an einem einzigen Ort zu arbeiten, genial und selten.»

100’000 Besucher zur Fotoausstellung «Rencontres d’Arles» erwartet

Mit der Ausstellung «Systematically open?» wurde im Rahmen der jährlich stattfindenden Fotoausstellung «Rencontres d’Arles» das renovierte Gebäude der ehemaligen mechanischen Werkstätten im «Parc des Ateliers» eröffnet. Die Ausstellung ermöglicht den Künstlern Walead Beshty, Elad Lassry, Zenele Muholi und Collier Schorr eine Plattform, zeitgenössische Fotografie einem breiten Publikum zu präsentieren.

Erstmals sind nicht nur Fotografien, sondern auch Performance-Kunst mit der Kompanie L.A. Dance Project des Choreografen Benjamin Millepied zu sehen. Die 47. Ausgabe der «Rencontres d’Arles» ist dieses Jahr bis zum 25. September geöffnet. Es werden rund 100’000 Besucherinnen und Besucher erwartet. Nebst umfangreichen Ausstellungen in den ehemaligen SNCF-Werkstätten, öffnet die Stadt Arles verschiedene historische Gebäude zu Ausstellungszwecken.

Konversation

    1. Liebes „Chröttli“
      Ich gebe Ihnen gerne ein bisschen Nachhilfeunterricht, was die deutsche Sprache betrifft. Aber natürlich nur, wenn Sie das ausdrücklich wünschen sollten. 🙂

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  1. Ich muss dem gesagten beipflichten: Man kann Geld dümmer ausgeben, zumal nach dem Retter der Cammargue damit eine nachzuvollziehende gönnerische Kontiniutät in dieser aussergewöhnlichen Region durch die Familie gegeben ist.

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  2. @ menz
    Vor einem Jahr besuchte ich die letztjährige grosse Fotoausstellung, „Rencontres d’aries“,eine riesige Ausstellung in sehr vielen Gebäuden in der ganzen Altstadt und im ausrangierten Bahngelände von Arles. Die Stadt Arles lebt äwrhend des „Rencontres“ meiner Beobachtung nach ein sehr „normales“, aber eben ein südliches Stadtleben. Aber die „Rencontres“ sind natürlich auch inzwischen für die ganze Region wohl doch so etwas wie ein Lebensmittelpunkt.
    Die Ausstellung ist jeweils „riesig“, die Fotografien und die Installationen sind herausfordernd, auch gefällig, dann wieder stimmen sie Melancholie an oder auch Entsetzen über Menschliches, fotografiert.

    Diesem „Rencontres“ ermöglicht nun die von Maja Hoffmann gestiftete Kulturzentrumsanlage so etwas wie eine Art Kathedrale. Ja, das kann man glaube ich schon sagen. Wo erbst eine Art Kathedrale der Industrialisierung und des Eisenbahnwesens des späten 19. Jahrhunderts die Stadt wbneigstens teilweise beherrschte, wird nun ein riesiger Park und darin die renovierten ehemaligen mechanischen Werkstätten und daneben der Turm von Gehry die Architektur der Stadt Arles ergänzen.

    Was Sie hier nun in der Wiederholung noch von sich geben, ist vis-à-vis eines Konzepts, welches bereits eine wundersame Ausstrahlung für das Lebensgefühl vieler Menschen in der Stadt Arles und weitherum sonst noch entwickelt hat, eine BODENLOSE FRECHHEIT. Vor allem auch, weil Sie es in Ihrem eitlen Grössenwahn natürlich nicht einmal nötig finden, Ihr Kurzurteil über ein komplexes Phänomen auch nur mit einem einzigen weiterführenden Satz zu begründen.

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    1. @paul menz
      Grössenwahnsinn ein wahrlich grosser Ausdruck.
      Etwas übertrieben, Grössenwahn würde reichen
      Selbstüberschätzung, Megalomanie, Gigantomanie, phallic megalomania etc.
      nur dies trifft alles wohl kaum zu.
      Fragen sie doch mal einen Psychiater oder ihren Apotheker, wo diese Kunst
      und die Mäzenin einzustufen sind, damit sie die Tatsachen auch begründen können,
      alles andere ist UNFAIR

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    2. @rote zora

      Einen „Psychiater“ würde ich Ihnen nicht empfehlen. Die Zerreden die Tatsachen oft nach dem Motto: „Getretner Quark … wird breit … nicht stark.“
      Und das will ich jetzt hier auch nicht tun, da die Tatsache bleibt: Grössenwahnsinn feiert Urständ.

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  3. „ich grundsätzlich als Arzt der Pharmacie nicht traue“
    —Arzt— da gibt es viele Richtungen
    sie sind Psychiater, welchermit Zuhören ordentlich
    Geld verdient. Als Mediziner müssen sie den Menschen helfen
    dank der Pharmacie vom einfachen Medikament- bis zum
    Narkosemittel.
    Und ihre Branche benötigt Psychofarmaka, welche natürlich
    nicht in der Pharmacie hergestellt werden.
    Aber ihr Berufstand ist mit der Chemie verbandelt.

    http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/thurgau/kantonthurgau/tz-tg/Chefarzt-Roland-Kuhn-Wir-haben-die-Substanz-nach-und-nach-an-300-Faellen-kennengelernt;art123841,3267011

    https://ottohostettler.wordpress.com/2014/02/05/die-menschenversuche-von-munsterlingen/

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