Die kuriosesten Argumente zur Fusion

Seit einem Tag sammeln die Initianten der Fusionsinitiative Unterschriften für ein vereintes Basel. Die Meinungen, die sind aber schon lange gemacht. Argumentiert wird mit Autoschildern, dem kommunistischen Russland und mit der unschlagbaren Logik von Primzahlen.

In der Sowjetunion, da hat es auch Probleme gegeben mit all den Fusionen und Abspaltungen. (Bild: YURI KOCHETKOV)

Seit einem Tag sammeln die Initianten der Fusionsinitiative Unterschriften für ein vereintes Basel. Die Meinungen, die sind aber schon lange gemacht. Argumentiert wird mit Autoschildern, dem kommunistischen Russland und mit der unschlagbaren Logik von Primzahlen.

Die Initiative zur Fusion der beiden Basel ist ein lächerlicher Blödsinn – bestenfalls. Sie könnte nämlich auch gefährlich werden. Sehr gefährlich sogar. Und warum? Ganz simpel: Weil die Städter und die Landschäftler schlicht nicht zusammenpassen, wie ein Leser in unserer Kommentarspalte festgestellt hat: «Ein Waldenburger und ein Riehener sind einfach unterschiedlich. Ein Kleinbasler und ein Prattler auch», schrieb er.

Achtung, Auto-Nummern

Darum wird es einen gemeinsamen Kanton Basel nie geben. Darf es ihn nie geben! Zu gross wären die logistischen Probleme, gerade bei den autovernarrten Oberbaselbietern. Ein gewisser Herr M. hat in den Kommentarspalten der BZ festgehalten: «Sollte etwa auf unserer schönen BL-Nummer ein BS stehen? Sicher nicht! Da gründen wir lieber einen Kanton Raurach!»

Abgesehen davon, dass mit dem Kanton Raurach das Auto-Problem (RA? RU? RR?) nicht wirklich gelöst wäre, darf man die Dringlichkeit des Problems nicht unterschätzen. So hat Peter Schmid, der feingeistige Baselbieter alt Regierungsrat und einer der Promotoren von «Ein Basel» bereits eine Lösung präsentiert: Er würde künftig mit seinem Döschwö (wir raten) ein «BA» für Basel spazieren fahren.

Sollte sich weder «RU» (vielleicht hätte Putin etwas dagegen) noch «BA» durchsetzen, könnten sich konsequente Baselbieter am Beispiel von Ruedi Schmidli, einem Laufner und militanten Pro-Berner, orientieren. Der eröffnete nach der verlorenen Kantonswechsel-Abstimmung ein Büro im solothurnischen Büsserach, um nicht mit der – in diesem Kontext – verhassten BL-Nummer herumfahren zu müssen.

Achtung, Primzahlen

Abgesehen von der Nummernschild-Geschichte gibt es allerdings noch weit gewichtigere Argumente gegen oder für eine Wiedervereinigung der beiden Basel. In den Kommentarspalten von bazonline.ch wird in diesem Zusammenhang beispielsweise auf das Trennungsjahr verwiesen: 1833. Das sind heute – also im Jahre 2012 – 179 Jahre her. Womit dem Leser wahrscheinlich schon alles klar ist. Der Vollständigkeit halber reichen wir hier aber dennoch die Erklärung nach: 179 ist eine Primzahl, das heisst sie ist nur durch sich teilbar und – genau! – durch eins! Wenn das kein Beweis ist für die Einheit der Region! Und gleichzeitig auch für seine Grösse. 179!

Doch aufgepasst. Möglichst gross heisst nicht automatisch auch: möglichst gut. Das Verdienst, auf diese Widersprüchlichkeit in einem absolut dialektischen Sinne aufmerksam gemacht zu haben, kommt dem Baselbieter SVP-Präsidenten Oskar Kämpfer zu. Im verbalen Zweikampf mit der Fusionsbefürworterin Elisabeth Schneider (CVP) wählte er in der Basler Zeitung drastische Worte dafür (online leider nicht verfügbar): «Die Fusionsturbos gehen davon aus, dass ein grösseres Gebilde effizienter und besser ist. Dieser Irrglaube hat in der UdSSR und im ehemaligen Jugoslawien nach jahrzehntelanger Diktatur zu sehr schmerzhaften Trennungswirren geführt.»

Achtung, schwierige Vergleiche

Gut, die ewigen Besserwisser werden nun einwenden, solche Vergleiche seien nur bedingt sinnvoll, weil der Balkan eine fast noch etwas kompliziertere Geschichte hinter sich habe als unsere Region und die Sowjetunion etwas grösser gewesen sei als sie, selbst wenn man neben der Landschaft auch noch Basel dazuzähle. Aber das sind nichts weiter als Spitzfindigkeiten. (In etwa ähnlich spitzfindig wie, der kleine Exkurs sei erlaubt, die Argumentationslinie von Thomas de Courten. Der Baselbieter SVP-Mann, dessen Partei den Staatsapparat eigentlich klein, kleiner, kleinstmöglich! zusammenstreichen möchte, argumentierte kürzlich in einem Gastkommentar bei uns, dass bei einer Fusion 8000 Staatsangestellte auf die Strasse gestellt werden müssten. Aber eben: spitzfindig.)

Entscheidend ist und bleibt, dass die «Mentalitäten und Kulturen» in den beiden Basel «diametral unterschiedlich» sind, wie auch Oskar Kämpfer feststellt. Ein Punkt, auf den man nicht oft genug hinweisen kann. Basler und Baselbieter sind anders. Sind anders. Sind wirklich anders. Man denke da nur an die Riehener und die Waldenburgener. Oder die Kleinbasler und die Prattler. Eine Aufzählung, die man nun beliebig lange fortsetzen könnte. Ein Voltaplätzler ist anders als ein Ammeler, ein Bettinger als ein Bottminger, ein Kleinhüninger als ein Grossbasler …

Hoppla, da ist jetzt offenbar etwas ein bisschen durcheinandergeraten mit den Baslern und den Baselbietern.

Konversation

  1. Im einzigen deutschschweizer Kanton zu wohnen, der tendendiell eher links wählt und abstimmt, hat bisweilen etwas Tröstliches. Die Auswanderungsgelüste nach diversen Abstimmungen wurden und werden meist ein bisschen gedämpft durch den Gedanken, wenigstens im eigenen Kanton zur Mehrheit zu gehören. Das aufgeben für so eine lausige halbe Standesstimme? Nimmermehr! 🙂

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