Die Regierung soll bedrohte Helvetia-Häuser retten – mit einem Kauf

Überraschende Wendung im Fall der bedrohten Steinengraben-Häuser: Die Regierung muss sich mit der Frage befassen, ob die Häuser durch einen Kauf gerettet werden könnten.

Wäre allenfalls ein Kauf der Helvetia-Häuser am Steinengraben eine Option? Die Basler Regierung muss sich mit dieser Frage auseinandersetzen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Überraschende Wendung im Fall der bedrohten Steinengraben-Häuser: Die Regierung muss sich mit der Frage befassen, ob die Häuser durch einen Kauf gerettet werden könnten.

Sie wirken wie ein Fremdkörper oder ein Relikt aus einer anderen Zeit: die vier putzigen alten Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert am Steinengraben 30 bis 36, die zwischen zwei wenig attraktiven, aber viel höheren Bürobauten eingeklemmt sind.

Die Mieterinnen und Mieter der günstigen Wohnungen wehren sich schon seit längerer Zeit gegen die Pläne der Helvetia Versicherungen, welche die Häuser abbrechen und einen Büroneubau erstellen möchten.

Bislang vergebens. Doch jetzt kommt mit dem Kanton Basel-Stadt ein neuer Player ins Spiel. Mit einer Petition forderten die Mieterinnen und Mieter den Kanton dazu auf, den Abriss der Liegenschaften zu verhindern. Das ist aber nicht so einfach, wie die Petitionskommission des Grossen Rats feststellen musste.

Rechtlich bestehe keine Möglichkeit, den Abbruch der Liegenschaften zu verhindern, heisst es im Bericht der Kommission – zumal die Denkmalpflege die Häuser als stückhaftes Überbleibsel einer früheren Bebauung der Ringstrasse als nicht schützenswert eingestuft hat.

Helvetia kann zwar nicht verpflichtet werden zum Verkauf, prüfen soll die Regierung die Option trotzdem.

Die Petitionskommission sprach sich aber mit Stichentscheid der ehemaligen Präsidentin (Brigitta Gerber vom Grünen Bündnis) für eine weitere Option zur Rettung der Häuser aus: Immobilien Basel-Stadt solle doch prüfen, ob «ein allfälliger Kauf der Liegenschaften Steinengraben 30–36 sowie Leonhardstrasse 27 in Frage kommen könnte».

Eine Mehrheit im Grossen Rat beschloss mit 45 gegen 42 Stimmen, die Petition der Regierung zur Stellungnahme zu überweisen. Die Bedenken der bürgerlichen Grossräte, dass man die Hauseigentümerin Helvetia ja nicht zum Verkauf verpflichten könne, wurden erst einmal beiseite geschoben. Die Regierung wird sich also zumindest einmal theoretisch mit einem allfälligen Kauf der bedrohten Häuser auseinandersetzen müssen. 

Konversation

  1. sicher scheen sinn die Hyser scho n u m m e !!!!! wenn dr Kanton die kauft
    wieviel muess är denne no inveschtiere fir d Renovation d e n n….bsunder
    pflägt luege sie nit dry……so oder so viel Erfolg und wenn s guet goht umso
    besser

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    1. Richtig – diese Häuser müssen wohl komplett saniert werden. Fassade, Isolation, Fenster, Heizung, Elektro, Sanitär, Dach – also locker mal soviel Geld ausgeben wie für einen Neubau. Und diese Investition muss ja dann genauso wie der Kaufpreis wieder langfristig amortisiert werden durch die Mieter/Käufer. Der m2-Preis wird/muss also so oder so steigen und der billige Wohnraum ist eh weg

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  2. Mag sein. Auf der anderen Seite wird die Helvetia wohl eine andere Liegenschaft an einem anedern Standort bauen. Aus steuerlicher und wirtschaftlicher Sicht in Basel.
    Ich persönlich finde diese alten Häuser nun nicht besonders schützenswert (ist letztlich Geschmackssache) und Wohnraum wird letztlich auch nicht reduziert.
    Der einzige Punkt welcher wirklich ein Problem darstellt ist dass die Mieter keine entsprechende neue günstige Wohnung finden könnten – aber das ist eigentlich auch eine andere Schlacht, beziehungsweise ein inherentes Problem in einer Stadt welche halt sehr attraktiv ist.
    Ich erachte es allerdings als wenig Sinnvoll im Hinblick auf Verdichtung und niedriger Leerstandsquote genau an einer Hauptverkehrsachse alte Häuser zwischen grösseren Gebüden zu erhalten.
    Das Problem mit günstigem Wohnraum wird man nicht dort lösen können und sollte es auch nicht tun. Man soll dort die Schlachten schlagen wo auch ein Sieg wahrscheinlich ist.
    Das Kapitel günstiger Wohnraum is zwar mit diesem Verknüpft, aber wenn man dort etwas machen wollte ist es bei einem allfälligen Kauf diese alten Häuser abbreisen und durch mehr, grösseren und ökologischeren Wohnraum ersetzen. Leider wird man aber auch dann wieder nicht günstig mit den Mieten sein können. Bekanntlich ist das mit Minergie und günstig so eine Sache…

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  3. Wir wohnen schräg visàvis und erleben die Geschichte der 4 Häuser seit Jahren. Uns erfreut der Anblick der in unseren Augen schönen „putzigen alten Wohnhäuser aus dem 19. Jahrhundert, die zwischen zwei wenig attraktiven, aber viel höheren Bürobauten eingeklemmt sind.“

    Abgesehen vom traurigen Aspekt, dass die jetztigen BewohnerInnen diesen günstigen Wohnraum offensichtlich so oder so verlieren, z.T. bereits ausgezogen sind, gäbe es eine spannende Möglichkeit, einerseits die Häuser zu erhalten und andererseits mehr dringend benötigten Wohnraum in unserer Stadt zu schaffen. Dafür verweise ich gerne auf diesen TaWo-Artikel:

    Stadtentwicklung
    Wohnungsknappheit: Juso will Gebäude aufstocken
    27.5.2016
    http://www.tageswoche.ch/de/2016_22/basel/720232/
    Statt Neues aus dem Boden stampfen lieber Bestehendes aufstocken: Diese Strategie zur inneren Verdichtung fordert die Arbeitsgruppe Stadtentwicklung der Juso Basel-Stadt. Unter dem Titel «Das Basler Dach» hat sie dazu kürzlich ein Ideenpapier veröffentlicht. Einen Blick reinzuwerfen lohnt sich!
    http://bs.juso.ch/wp-content/uploads/sites/12/2016/05/Basler-Dach_Brosch%C3%BCre-2016_web.pdf

    Sollte der Kanton Basel-Stadt als neuer Player ins Spiel kommen und die 4 Häuser tatsächlich kaufen, könnte doch ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Lukas Gruntz, Architekt und Leiter der Juso-Arbeitsgruppe Stadtentwicklung würde sich sicher freuen.

    Übrigens, ausser den Stosszeiten ist der Steinengraben eine ruhige Durchgangsstrasse, ruhiger als manche explizite Wohnstrasse. Bei diesen Häusern kommt dazu, dass man von der Hinterseite in eine grosszügige Grünoase mit tollem Baumbestand gelangt. Und für die Vorderfassade gibt es ja die gängigen Schallschutzfenster …

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    1. Sie können die beiden hässlichen Liegenschaften ja erwerben, dann können sie sie abreissen und etwas anderes schöneres hinstellen. Meinen Segen dazu ahben sie.

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