Ein letztes Mal nach Moskau rollen

Die Zugverbindung Basel-Moskau ist nicht mehr. Am Freitagabend verliess der letzte Wagon mit Fahrziel Russland den Bahnhof SBB. Der Abschied war kurz und ruppig.

Ein Schild fürs Bahnmuseum, die Linie ist ab sofort Geschichte. (Bild: Simon Jäggi)

Die Zugverbindung Basel-Moskau ist nicht mehr, die Verbindung wird eingestellt. Am Freitagabend verliess der letzte Wagon mit Fahrziel Russland den Bahnhof SBB. Der Abschied war kurz und ruppig.

«No photo, no english!» Der russische Schaffner verwirft die Arme. Er will partout keine Fragen beantworten und noch weniger möchte er für ein Bild herhalten. Dabei hätte der Mann ein prächtiges Abschiedssujet abgegeben, wie er mit seiner Schirmmütze mit russischem Adler und dem weiten Mantel auf dem Perron stand.

Pünktlich um 18.26 rollte der Waggon los in Richtung Moskau, als Appendix des Nachtzugs nach Kopenhagen. Am Sonntag um 10.33 kommt er nach Fahrplan in Moskau an. Danach ist Schluss. Die Verbindung D50472 ist nach diesem Sonntag Geschichte. Als Ersatz verbindet in Zukunft ein Nachtzug ab Paris Mitteleuropa mit der russischen Hauptstadt.

Immer voll

Dann muss sich auch Nadja, eine im französischen Jura lebende Russin, überlegen, wie sie in Zukunft nach Minsk zu ihren Verwandten fährt. Auch sie ist am Freitagabend zum letzten Mal in Basel in den Nachtzug gestiegen. An den Passagierzahlen könne es nicht liegen, dass die Linie gestrichen wird, sagt sie.

Auf ihren bisherigen drei Fahrten sei das Abteil bei Ankunft in Kopenhagen ausnahmslos bis auf den letzten Platz besetzt gewesen. Sie möchte auch in Zukunft ungern ins Flugzeug umsteigen, wegen dem vielen Gepäck. Vorerst rollt sie noch einmal durch die Nacht in den hohen Norden. пока́!

Wenn Sie noch ein wenig weiter auf Schienen in die Ferne schweifen wollen, lesen Sie unsere Reportage zur Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn zwischen Moskau und Irkutsk.

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