Ein Schild für die Katz

«Absteigen!» heisst es vor dem Hotel Trois Rois – Velofahrer müssen schieben. Die wenigsten machen es jedoch. Wir haben ein paar Stimmen dazu eingefangen.

Das Absteigegebot für Velofahrer wird meist ignoriert. (Bild: Michael Rockenbach)

Die Tramgleis-Erneuerungen am Blumenrain sind eine Herausforderung für die Sicherheitskräfte. Die Velofahrer müssten absteigen und schieben. Das Absteigegebot wird jedoch weitgehend ignoriert. Wir haben ein paar Stimmen dazu eingefangen.

Vor dem Hotel Trois Rois am Blumenrain stehen parkierte Autos. Tram und Bus fahren vor der besten Adresse Basels vorbei. So sieht das gewohnte Bild aus.

Und doch ist dieser Tage nichts normal an dieser Stelle. Diesen Sommer werden die Tramgleise im Abschnitt vom Brückenkopf der Mittleren Brücke auf Grossbasler Seite bis zur Predigerkirche am Totentanz erneuert. Seit Wochen ist auf diesem Gebiet Baustellenbetrieb.

Die Arbeiten im derzeit bearbeiteten Abschnitt sollten bis Mitte September abgeschlossen sein, sagt die Sprecherin der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) Dagmar Jenny. Dann wird zwar bis Ende November noch gebaut werden, jedoch sollte das die Velofahrer weniger beeinflussen.

Absteigen und schieben

Für die öffentlichen Verkehrsmittel bedeutet das, dass sie aneinander vorbeizirkeln müssen – mithilfe von Sicherheitsleuten. Und die Velofahrer werden durch Schilder darum gebeten, abzusteigen und zu schieben.

Dieser Bitte kommen aber nur gerade 10 Prozent nach, schätzt ein Sicherheitsmann der Bewa an der Schifflände. 90 Prozent scheren sich nicht darum und fahren vor dem Trois Rois durch. So auch eine junge Velofahrerin, die etwas verlegen wird, als wir sie fragen, warum sie nicht absteigt, obwohl es doch angeschrieben steht. «Ich fahre dafür etwas langsamer», sagt sie entschuldigend.

Kein Problem für Hotelgäste

Andere fahren zügig durch. Die Sicherheitsleute kümmern sich nicht um die Unfolgsamen: «Wir müssen auf so viel anderes ein Auge haben. Da sind die Velofahrer das kleinste Problem», sagt der Bewa-Mann.

Trotzdem sei es noch nie zu einer Konfliktsituation oder gar zu einem Zusammenstoss mit Hotelgästen gekommen, sagt der Portier des Trois Rois. Auch beschwert hätten sich die Gäste nicht. Unangenehm sei die Baustelle vor allem, weil sie das Wegfahren der Gäste-Autos etwas schwieriger mache.

Eine Frage der Sicherheit

Ein gewisses Verständnis für die Velofahrer hat Jenny: «Ich bin selbst Velofahrerin und verstehe, dass solche Situationen blöd sind», sagt sie. Jedoch sei das Ganze eine Frage der Sicherheit – in doppeltem Sinne: Einerseits seien die BVB dazu verpflichtet, das Streckennetz instand zu halten, um die Sicherheit der Trams zu gewährleisten. Andererseits sei das Gelände, über das die Velofahrer nun gehen müssten, nicht Allmend, sondern Privatgrund des Hotels Trois Rois. «Velofahrer gehören auf die Strasse, und wenn es da keinen Platz hat, dann müssen sie schieben.» Jenny wünscht sich diesbezüglich Verständnis der Velofahrer.

Es gibt denn auch Leute, die sich das Fahrverbot zu Herzen nehmen und absteigen. So ein älterer Herr im dunkelgrünen T-Shirt. Er hat kein Verständnis für die Nicht-Absteiger: «Das Trottoir gehört den Fussgängern», sagt er. Er habe Enkel und da gelte es schliesslich auch, ein Vorbild zu sein. Zudem, sagt er, komme mit dem Alter auch Gelassenheit: Es bringt nichts zu hetzen, auch langsam findet man ans Ziel. 

Konversation

  1. Seit Beginn dieser Baustelle bin ich immer wieder mit dem Velo da durchgefahren. Es war nie nötig auf das Trottoir vor dem Troi Rois auszuweichen – dort ist immer noch ein schmaler Streifen Strasse befahrbar. Und wieso sollte man auf diesem absteigen?

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  2. Jetzt wo Sie darauf aufmerksam machen: Stimmt eigentlich, das mit dem „hingepappten A2-Plakat“. Aber trotzdem: Wenn jemand, aus was für Gründen auch immer, ein selbst geschriebenes Schild aufstellt um auf eine Gefahr aufmerksam zu machen, zum Beispiel ein plötzlich entstandenes Loch in der Fahrbahn, ehe das „offiziell Beschildert“ wäre, würden Sie einfach zu- und „in die Grube fahren“?

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  3. Wäre ein Schild, welches anzeigt, dass Fussgänger den Vortritt geniessen nicht angebrachter? Als Velofahrer wäre man angehalten das Tempo anzupassen, gegebenenfalls abzusteigen, könnte aber bei niedrigem Verkehrsaufkommen, bspw. in der Nacht legal durchfahren. Wünschenswert wäre auch eine Umfahrung, oder gleich eine Öffnung für die Radfahrer vom Marktplatz herkommend via Stadthausgasse. Ansonsten gibt es doch gar keinen fahrbaren Weg mehr in diese Richtung..

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  4. Ich fahre viel Velo in der Stadt und beachte die Verkehrsregeln. Mir käme jedoch nie in den Sinn, auf irgend ein hingepapptes A2-Plakat zu achten. Das ist keine offizielle Verkehrsbeschilderung und daher zu ignorieren. Würde ich aufgrund einer solchen Ausschilderung eine Busse fassen, wurde ich sofort rekurrieren! Sonst fange ich auch an, vor meinem Haus private Verkehrsschilder anzubringen, z.B. Tempolimit 20 km/h, parkieren für Auswärtige verboten und dergleichen.
    Dieses Beispiel ist für das wohl beabsichtigte Velofahrerbashing à la BaZ völlig ungeeignet.

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    1. Guten Tag Herr Boesiger,

      um Velofahrerbashing geht es der TagesWoche keineswegs. (Ich bin selber Velofahrerin und finde solche Verkehrssituationen lästig.) Es ging uns vor allem darum, einen Augenschein von der Siuation am Blumenrain zu nehmen und diese zu schildern. Dann kann sich jeder selber seine Meinung dazu bilden.
      Ich persölich finde ein Schild, das nicht beachtet wird, ist unsinnig. Dabei kann man die Schuld dafür nicht einfach den Velofahrern zuschieben. Wie aus Ihrem und auch aus anderen Kommentaren ersichtlich wird, ist auch das Schild selber unglücklich gewählt…

      Mit freundlichen Grüssen
      Noëmi Kern

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  5. Phil Boesiger hat es auf den Punkt gebracht: es ist kein offizielles Verkehrsschild, daher nicht verbindlich. Diese Tatsache braucht man nicht mal zu emotionalisieren.

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  6. Wieso genau soll ein Velo an dieser Stelle eine Gefahr darstellen? Wenn es den selben Platz wie ein PW oder ein Bus einnimmt, sich also nicht daneben quetscht.
    Eben war ich 8 Tage in Hamburg. Da wird Fahrrad gefahren dass es eine Freude ist. Auf dem Bürgersteig (Trottoir), in Einbahnstrassen, mit Fussgängern, neben Fussgängern, etc. Um Fussgänger wird sachte herumgekurvt. Es gibt kaum Unfälle, es gibt noch weniger gegenseitige Gehässigkeiten, nicht einmal die Autofahrer hupen die Fussgängerstreifen benützenden Velos an. Es gibt sogar explizite Fahrradampeln neben den Gehmännchen für die Fussgänger. Unterführungen haben meistens zur Treppe verlaufend eine mit Rädern befahrbare Rampe, so können die Velofahrer stark befahrene Ausfallstrassen einfach unterqueren.
    In Basel dagegen wird Lust und schwungvolles Velofahren immer noch kleinkariert unterbunden.

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  7. Da bin ich kürzlich auch vorbei g e f a h r e n!
    Das ist nicht meine übliche Strecke und fuhr schon lange nicht mehr da durch. Aber ich wusste von früher her, dass man da fahren könne.
    Da, vor mir ein Bus, ein Bus von der Gegenrichtung und weiss nicht noch was. Ich fuhr hinter dem Bus her, sah die Abschrankungen und das Schild Baustelle und das Velo auf dem Plakat. Weiter konnte ich mich nicht mehr darauf konzentrieren. Der Verkehr beanspruchte meine volle Aufmerksamkeit. Da ich den Text deshalb nicht beachtete, sah ich das als Einladung zum fahren.
    Ich fuhr aber gleich neben dem Schild und so, glaube ich wenigstens, war ich doch nicht auf privatem Grund.
    Nun, sollte ich da in nächster Zeit wieder mal durchfahren, werde ich das genauer ansehen und hoffe, dass mir dann ein Bus nicht jede Sicht versperrt.

    Abgesehen davon, gibt es viel gefährlichere Stellen für Velofahrer.

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  8. Doch was soll’s? Mann und Frau beachte zwar nicht alle, aber doch gewisse Kommentare anlässlich der Wochendebatte von Mitte Mai mit dem Titel: „Wird in Basel genug für die Velofahrer getan?“

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