Entspannen in der apulischen Abgeschiedenheit

Olivenhaine, so weit das Auge reicht und menschenleere Strände – viel mehr hat die Region um Maruggio nicht zu bieten. Braucht man aber auch nicht, um sich richtig zu erholen. Denn die Landschaft ist wunderschön und die in der Nebensaison spärlichen Konsummöglichkeiten erhöhen den Erholungsfaktor sogar.

(Bild: Mara Wirthlin)

Olivenhaine, so weit das Auge reicht und menschenleere Strände – viel mehr hat die Region um Maruggio nicht zu bieten. Braucht man aber auch nicht, um sich richtig zu erholen. Denn die Landschaft ist wunderschön und die in der Nebensaison spärlichen Konsummöglichkeiten erhöhen den Erholungsfaktor sogar.

In den Ferien einfach nichts tun – das ist leicht gesagt, dann aber jagt man oft von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten und ist damit beschäftigt, das Ferienbudget nicht schon in den ersten Tagen überzustrapazieren. Nicht so in Maruggio. Die ruhige Gegend eignet sich bestens für alle, die im Urlaub wirklich einmal ganz abschalten wollen. Das Dorf liegt in Apulien, genauer an der Innenseite des Absatzes des italienischen Stiefels. Trotz nahegelegener Küste und wunderschöner Natur ist Maruggio herrlich verschlafen und authentisch italienisch.

Im Oktober hat sich das Dorf offenbar schon in einen touristischen Winterschlaf begeben. Wo knapp fünfeinhalbtausend Einwohner leben, gibt es nur eine einzige sporadisch geöffnete Gelateria. Souvenirs für Touristen wie Magnete mit Ortsnamen oder auch nur simple Postkarten sucht man im überschaubaren Dorfkern vergebens.

Palmen in der Altstadt Maruggios. (Bild: Mara Wirthlin)

Auch die Restaurants und Bars, die einen Besuch wert sind, lassen sich an einer Hand abzählen. Diese beschränkten Konsummöglichkeiten sind für einen Urlaub in Italien etwas ungewohnt, machen unseren Aufenthalt aber sehr entspannt. Vor allem, wenn man mit Teenies oder Kindern unterwegs ist, kann es erholsam sein, wenn die unzähligen «Darf-ich-etwas-kaufen» wegfallen.

Fast unangetastete «Italianità»

Da wir es uns von Feriendestinationen wie Sardinien gewöhnt sind, manchmal mehr Baseldytsch als Italienisch zu hören, ist es einfach schön, in Maruggio ein Stück fast unangetastete «Italianità» zu geniessen. Jeden Mittwoch findet ein grosser Markt an der Via Fratelli Bandiera statt, eine schöne Abwechslung zum sonst sehr ruhigen Dorfleben. Auch das Schlendern durch die hübsche, palmenbewachsene Altstadt macht Spass. Oder ein Besuch auf der Piazza San Giovanni in der Ilary Bar, um Kaffee und italienische Backwaren zu geniessen.

 

Auf diesem Platz befinden sich täglich einige Marktstände, vor allem mit Gemüse und Obst aus der Region. Das Preis-Leistungsverhältnis ist überwältigend: So bezahlt man etwa für drei Kilo der köstlichen regionalen Mandarinen nur einen Euro. Sowieso könnte man sich hier nur von Gemüse und Früchten ernähren – die Flora in und um Maruggio ist paradiesisch: Auch noch im Oktober gedeihen Auberginen neben Peperoni, Granatäpfel und – Oliven, Oliven, Oliven. Letztere würde ich zwar nicht gerade vom Baum pflücken, aber die bitteren Früchte gibt es auch in praktisch jedem Laden in geniessbarer, sprich eingemachter Form.

Mobil sein ist wichtig

Der Strand liegt in einigen Kilometern Entfernung von Maruggio. Für Badelustige empfiehlt es sich deshalb, in irgendeiner Form mobil zu sein. Ein Auto ist ein sicherer Wert. Eine zuverlässige Autovermietung gibt es vor Ort, und man integriert sich somit bestens in die Kultur: Die Einwohner von Maruggio nehmen für jede noch so kleine Besorgung das Auto, etwa, um in einer 100 Meter von zu Hause entfernten Bäckerei Brot zu kaufen.

Menschenleere Küsten… (Bild: Mara Wirthlin)

Etwas schwieriger aufzutreiben, aber nicht minder empfehlenswert, ist ein Fahrrad. Die holprigen Wege, die zum Strand führen, sind wunderschön, und allgemein bietet das Velo eine spielerische Möglichkeit, die Gegend rund um Maruggio zu erkunden.

Inmitten von Olivenhainen mit ihrer rotbraunen Erde prägen die für Apulien typischen «Trulli» die Landschaft. Das sind einfache Rundhäuser, die aus aufeinander gestapelten Steinen mit Spitzdach errichtet werden. Wegen ihrer simplen Bauweise waren Trullis einst sehr beliebt, heute dienen sie oft als Unterstände für Hirten, manchmal aber auch als Wohnhäuser.

Ferien-Geisterdorf am Strand

Während der Nebensaison empfiehlt es sich, ein Picknick an den Strand mitzunehmen: In der kleinen Ortschaft Campomarino, die auf der Höhe von Maruggio direkt am Meer liegt, treffen wir bei unserem Besuch nur auf geschlossene Restaurants und Bars. Im Sommer soll Campomarino eine begehrte Destination sein, hauptsächlich für Touristen aus dem Inland. Viele italienische Auswanderer haben hier an der Küste einen Bungalow gebaut, in dem sie den Sommer verbringen.

In der Nebensaison aber sieht man hier nur leerstehende Ferienhäuser mit geschlossenen Fensterläden, so weit das Auge reicht. Kaum ein Mensch ist auf der Strasse anzutreffen. Campomarino wirkt wie ein Ferien-Geisterdorf. Ein skurriler, fast etwas unheimlicher Anblick – vor allem, da wir das Fernbleiben von Touristen einfach nicht verstehen können, im klaren, angenehm warmen Meerwasser und bei strahlender Sonne.

Maruggio eignet sich aber nicht nur zum Baden und Nichtstun – es ist auch ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in der Region. So kann man etwa am Dienstag den Markt in Manduria, der nächsten grösseren Ortschaft, besuchen. Dieser ist um ein Vielfaches grösser als der Mittwochsmarkt in Maruggio und bietet von Haushaltsgeräten über Unterwäsche bis hin zu Früchten alles Mögliche. Vor allem aber lohnt sich der Besuch wegen der Wühltische mit Secondhandkleidern, die sich gefühlt kilometerlang erstrecken, und auf denen sich echte Schnäppchen finden lassen. Sehr unterhaltsam ist auch der professionelle Eifer, mit dem die einheimischen Frauen die Kleiderberge durchforsten. Blitzschnell werden die Stoffe durch die Hand gebürstet, mit ernster Miene und ohne, dass daneben noch Zeit für nette Schwätzchen wäre.




Mauerblümchen in Oria. (Bild: Mara Wirthlin)

Auch die Stadt Oria, zirka eine Stunde mit dem Auto von Maruggio entfernt, ist einen Abstecher wert. Die Altstadt erstreckt sich auf einem Hügel, vor allem aus der Ferne ein spezieller Anblick. Die Stadt bietet zudem eine etwas morbide Sehenswürdigkeit: In der Kathedrale befindet sich die «Cripta delle Mummie», in der sich echte Mumien aus dem 19. Jahrhundert bestaunen lassen.

Man muss Maruggio aber auch nicht zwingend verlassen: Langweilig wurde uns – mit guten Büchern für Schlechtwettertage gewappnet – kaum. Hier, wo der Puls der Zeit sich zu verlangsamen scheint, kann man sich bestens vom ruhigen Dorfleben treiben lassen. Der Ort hat nicht besonders viel zu bieten und damit gerade genug, um sich richtig zu entspannen. 

  • Absteigen: Ein Aufenthalt in «Borgo Surìi» ist wärmstens zu empfehlen. Die fünf Ferienhäuschen mit Gemeinschaftsküche wurden vor drei Jahren von einem Basler Paar gekauft und ausgebaut. Sie befinden sich zwar etwas ausserhalb von Maruggio, aber in etwa 15 Minuten mit dem Velo oder fünf mit dem Auto ist man im Dorf oder am Meer. Fahrräder können zu günstigen Tarifen zu den Hütten dazu gemietet werden. Und die Abgeschiedenheit lohnt sich: Idyllischer könnte die Lage kaum sein, inmitten von schönster Natur und mit Blick aufs Meer. Wer es aber mag, wenn etwas mehr los ist, dem sei im Dorfkern Maruggios das charmante Bed and Breakfast «Nu Suennu» empfohlen, vor allem wegen der hübschen Aussicht vom Balkon auf den kleinen Dorfplatz.
  • Anstossen: Gleich unterhalb des oben erwähnten B&B, an der Via Umberto, befindet sich eine der wenigen Bars in Maruggio, «Fico D’India». Hier gibt es neben einer beachtlichen Getränkeauswahl auch leckere traditionelle Gerichte. 
  • Anbeissen: Im «Il Noce», einer Landwirtschaftskooperative mit tollem, regionalem Essen. Zudem kann man hier unter dem Label «agriturismo» Tiere streicheln oder Felder und andere Ecken des Bauernhofs erkunden, was auch für Kinder toll ist. Im Sommer ist im «Il Noce» Hochbetrieb, haben wir uns sagen lassen, mit Live-Bands und voll besetzter Terrasse. Im Oktober sind wir die einzigen Gäste. 
  • Anschauen: Klassische Sehenswürdigkeiten gibt es in Maruggio kaum – dafür kann man sich an der Landschaft und den menschenleeren Stränden kaum sattsehen. Mehr zu bieten in punkto Sightseeing haben die Städte in der Umgebung, etwa der Markt in Manduria oder die «Cripta delle Mummie» in Oria.

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