Eva Herzog: «Es ist nichts schiefgelaufen»

Neuerdings bestimmen die Finanzdirektorin und der Regierungsrat die Führungsriege der Basler Kantonalbank (BKB). Doch nun sorgt die Wahl von Priscilla Leimgruber für Kritik.

Viel Spekulation um nichts: Die «Basler Zeitung» habe aus einer Personalie eine Geschichte konstruiert, so Herzog.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Neuerdings bestimmen die Finanzdirektorin und der Regierungsrat die Führungsriege der Basler Kantonalbank (BKB). Doch nun sorgt die Wahl von Priscilla Leimgruber für Kritik.

Frau Herzog, Sie wollten die Basler Kantonalbank (BKB) erneuern, das Image der Bank aufpolieren. Jetzt stehen Vorwürfe gegen die neue Bankrätin Priscilla Leimgruber im Raum. Was ist schiefgelaufen?

Eva Herzog: Es ist nichts schiefgelaufen. Priscilla Leimgruber, die jetzt im Fokus steht, hat sich nichts zu Schulden kommen lassen. 

Leimgruber war bei der Glarner Kantonalbank (GLKB), zu dem Zeitpunkt, als die Bank faule Kredite vergab und einen Reinverlust von 57 Millionen Franken bekannt geben musste.

Tatsache ist, dass gegen Leimgruber kein Verfahren eröffnet wurde. Sie hat in dieser Sache keine Fehlentscheidungen getroffen. Sie war im Risikobereich tätig und nicht in der Kreditvergabe. Frau Leimgruber hat von der Finanzmarktaufsicht (Finma) keinen Gewährsbrief erhalten, was heissen würde, dass sie unter besonderer Beobachtung steht, und sie musste bei der GLKB nicht zurücktreten. Die Finma hatte keine Einwände gegen die zur Wahl vorgeschlagenen Bankratsmitglieder, auch nicht gegen Frau Leimgruber, das ist entscheidend.

Haben Sie denn die Personalie genauer untersucht?

Priscilla Leimgruber wurde aufgrund ihrer fachlichen Qualifikationen und Bankerfahrung in den Bankrat gewählt. Sie deckt die relevanten Führungs- und Fachkompetenzen ab und stellt daher eine gute Ergänzung des Bankrats der BKB dar. 

Die Besetzung Leimgrubers könnte das Vertrauen in die BKB erneut schädigen. Aus Bankkreisen hört man bereits von Konto-Schliessungen. Übernehmen Sie die Verantwortung für diesen Image-Verlust?

Ich vertraue darauf, dass es nicht wirklich zu einem Image-Verlust kommen wird. An der Geschichte der «Basler Zeitung» ist nichts dran. Dass Frau Leimgruber bei der GLKB gearbeitet hat, war uns bekannt, auch, dass sie nicht gehen musste, und die Finma hatte nichts gegen ihre Wahl in den Bankrat der BKB.

«Wir mussten verschiedene Fachleute finden, die allen Anforderungen entsprechen. Die Frauen waren da das kleinste Problem.»

Stossend scheint auch, dass die Headhunterin Doris Aebi nach Bankrätinnen und Bankräten suchte. Aebi selbst war beim Crash der Solothurner Kantonalbank involviert. Warum haben Sie sich an Aebi gewandt?

Wir haben verschiedene Büros angeschaut und Offerten eingeholt. Wir wussten, dass Doris Aebi Bankrätin der Solothurner Kantonalbank war. Das steht schon nur in ihrem Lebenslauf, den wir angeschaut haben. Es war alles transparent. Den Auftrag haben Herr Kuehni und Frau Aebi erhalten, beide haben Bankenerfahrung, waren sie doch Mitglieder der Direktion der Credit Suisse. Aber den Job hätte auch ein anderes Headhunter-Büro machen können. Uns hat überzeugt, dass die beiden Inhaber der Firma das Mandat persönlich betreut haben.

Das neue BKB-Gesetz schreibt vor, dass drei von sieben Bankratssitze mit Frauen besetzt werden müssen. Hatten Sie Schwierigkeiten, Frauen zu finden?

Die grosse Herausforderung war, dass die Mehrheit der Bankrat-Mitglieder neuerdings in Basel-Stadt wohnhaft sein muss. Man muss verschiedene Fachleute finden, die allen Anforderungen entsprechen. Die Frauen waren da das kleinste Problem. Die Geschlechterquote hätten wir auch eingehalten, wenn wir anstelle von Frau Leimgruber einen Mann genommen hätten.

Der neue Bankratspräsident Adrian Bult ist in 35 Verwaltungsräten vertreten. Wie soll er sich bei diesen Verpflichtungen auf die Führung der BKB konzentrieren?

Es steht fest, dass er sein Portfolio noch anpassen wird. Für mich war wichtig zu wissen, dass für ihn die BKB Priorität hat. Sein Mandat bei der Swissquote wird er abgeben, da es in einem ähnlichen Bereich liegt. Damit er genügend Zeit hat, wird er weitere Mandate bis zu seinem Amtsantritt abgeben und dies wird bei diesen Firmen im Hinblick auf die Generalversammlungen kommuniziert.

Der frühere Bankratspräsident Andreas Sturm schaffte es, die skandalgeschüttelte Bank in kurzer Zeit wieder positiv zu positionieren. Jetzt setzen Sie ihn ab – was man innerhalb der Bank übrigens nicht versteht. Wieso lassen Sie Sturm nicht weitermachen?

Ich bin sehr froh, dass er im Bankrat bleibt. Er wird weiterhin eine wichtige Funktion im Konzern innehaben. Wir wollten ein klares Signal für einen Neuanfang senden. Da Andreas Sturm und auch andere bisherige Bankräte bleiben, hat das Gremium aber auch die nötige Kontinuität.

Die BKB beantwortete keine Fragen zum neuen Führungsgremium. Das macht den Anschein, die BKB sei mehr Staatsbank denn je.

Der Regierungsrat hat den Bankrat gewählt, deshalb informieren auch wir über die Wahl. Die Bank wird weiterhin über ihre Tätigkeit selber informieren.

Konversation

  1. Insgesamt enthält das Interview 2 wichtige Fragen:

    35: Heisst das, der iebe Man.än ist professioneller Verwaltungsrat. Einem normalen Arbeitsverhältnis kann man nebenher nicht nachgegen!
    Für mich die wichtigste Frage, die anscheinend geklärt ist. Er gibt VR Mandate ab.

    Frau Leimgruber: Ich kenne die Finma und ihr Vorgegen persönlich aus einem früheren Bankenkonkusverfahren, in welches ich involviert war. Wenn Frau L. nicht strafrechtlich belangt wurde, hat sie auch nichts falsch gemacht. Die Finma guckt wirklich genau hin!

    Das Vertrauen in die Basler Regierung ist gestiegen, wie die letzte Abstimmung belegt. Das Vertrauen in die BKB ebenfalls, nach Abschluss des Verfahrens ASE, sowie Korrektur USA Geschäft. Ich auf jeden Fall vertraue der BKB wieder so gut man einer Bank vertrauen kann.

    Fehler passieren egal in welchem Geschäft. Solange kein repetitives Muster oder Vorsätzlichkeit erkennbar ist, darf man weiterhin vertrauen schenken.

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  2. @somm

    keine angst: bei der sauschweren prüfung vor den headhunters müssen die kandidaten mehr als die hälfte ihrer mandate ohne spicken auswendig nennen können – und das aktuelle muss dabei sein.
    35? – bei einer 35h-woche ergibt das locker eine stunde pro mandat. da kann doch garnicht sooo viel schieflaufen, oder?
    (er schafft schinz 40 unterschriften pro stunde: alles einkalkuliert)

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  3. Kol Simcha:
    Richtig, genau so ist es. Man sollte diese Personen in den Strassenreinigungsdienst verbanne, und nur noch frisch gebackene Uni-Absolventen einstellen, die noch nie einen Fehler in ihrer beruflichen Laufbahn begangen haben.
    Parallel dazu muss man die ganze Mannschaft des FCB mit E-Junioren Ersetzen, und sobald einer einen Penalty verursacht, muss er ins Kinderheim für Schwererziehbare.
    Ich bin völlig ihrer Meinung.

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  4. @ Seiler, nun, Sie täuschen sich. Ich habe den BaZ-Artikel gelesen – und zwar über den Link hier im TaWo-Artikel.
    Darin wird ein Rechtsanwalt Leuzinger als „Kronzeuge“ aufgeführt. Er sei ehemaliger Bankrat der Glarner Kantonalbank, wird mitgeteilt. Demnach wäre er also wohl einer der drei Bankräte, welche von der Glarner Staatsanwaltschaft mindestens befragt worden sind – also „Insider“ oder meinetwegen „Mittäter“.Der Rest der „Recherche“ besteht in nichts anderem als der Wiedergabe der Meinung dieses Herrn Leuzinger und der Zitierung – ohne genaue Quellenangabe notabene – aus zwei Jahresberichten der Glarner Kantonalbank. Mangels des Namens von Frau Leimgriber. welche in diesen berichten eben nicht vorkommt, was wohl den Grund haben dürfte, dass sie nicht vorkommen musste, da nicht beteiligt oder behelligt, wird nun mit Vermutungen kokettiert, welche mit keinem einzigen Faktum bewiesen werden. Noch einmal zum Nachlesen:, Wenn Sie diesen BaZ-Text genau lesen, stellen Sie fest, dass über das, was Frau Leimgriuber KONKRET betrifft, kein Wort zitiert wird.
    Was, wenn man solches Anklagegeschütz aufführt, wie es die BaZ getan hat, mindestens eigenartig ist.
    Dafür kommt Frau Aebi zum Zug, ersatzweise quasi, weil „man“ ja irgend etwas weiteres sagen muss, nachdem die Causa Lehmgrube offensichtlich eben keine Causa ist. Und was sagt die BaZ über Frau Aebi und ihr Headhunter-Büro ? Dass sie den ehemaligen Postchef an Leuenberger, a.Bundesrat, vermittelt habe. Komischerweise
    ernennt sie diesen Postchef auch gleich noch zum Abschaffer des service publique – was sie ja ansonsten ganz konform mit ihrem Besitzer und in Form von Somm’schen Leitartikeln jahraus und jahrein selber fordert!
    Ja und ? Was hat das mit dem Bankrat der Basler Kantonalbank zu tun? Es sind lauter on dits, welche – und da schreibe ich nun bewusst -„typischerweise“ als BaZ_Recherche erscheinen. Sollte die Geschichte weitergehen, das heisst, sollte die
    BaZ wieder einmal eine ihrer Stinkbömbchen loslassen, um die Basler Regierungsmehrheit in die Kriminalität oder in irgend so etwas wie Korruption „schicken“ zu können, kann man als einigermassen erfahrener Nachrichtenleser feststellen, dass die BaZ einmal mehr ein paar Stufen auf ihrer eh ramponierten Glaubwürdigkeitsleiter hinunterrutschen wird. Wetten wir?

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    1. Gut, wer natürlich so „blauäugig“ ist und auf einmal den Jahresberichten einer Glarner Kantonalbank Glauben schenkt, der kann schon so argumentieren.
      Der Postchef Béglé hat in kurzer Zeit soviel angestellt, dass es wohl sogar dem Genossen Leuenberger nach kurzer Zeit zuviel wurde; nur gut, dass er CVP-Mann war.
      Ganz allgemein: Die BaZ hat wie jede andere Zeitung in einer offenen Gesellschaft das Recht, jede beliebige Frage zu stellen und zu veröffentlichen. Genau so ist es gut, dass es die TaWo gibt, wo Frau Herzog ihre Sicht der Dinge darlegen kann.
      Wohin blinde Ideologie führt, sollten wir nach dem 20.Jh. eigentlich alle wissen; das schliesst nich aus, dass man die Gegenseite mal hart kritisiert oder sich sogar einen Witz erlaubt.

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    2. Herr Seiler, natürlich ist „die Gegenseite“ immer willkommen. Ohne sie wäre es langweilig, vor allem aber würde kaum eine gute Diskusssion zu Stande kommen. Dasselbe gilt für den Witz.Meiner Ansicht nach allerdings mit der Einschränkung, dass Hautfarbe und Geschlecht keine „witzigen“ Objekte darstellen, sondern bekanntlicherweise einem Menschen ungefragt gegeben sind.
      Sie dürfen mich meiner Empfindung nach ohne weiteres als „blauäugig“ bezeichnen. Weil ich nämlich tatsächlich blaue Augen habe…

      Wenn ich schon mal dabei bin: Ich wohne seit bald zwei Jahren nicht mehr in Berlin. Sie können also darauf verzichten, mich mit Berliner Ereignissen in einen gewissermassen „handlichen“ Zusammenhang zu setzen. Auf Grund meiner partnerschaftlichen Beziehung bin ich nach Barcelona umgezogen. Aber Auslandschweizer bin ich nach wie vor. Und trotzdem an vielem, was in der Schweiz geschieht, vor allem aber an dem, was in Basel geschieht, wo ich 35 Jahre lang gelebt und gearbeitet habe, interessiert. Was nun
      wiederum nicht heisst, dass Sie mir irgendwo und in irgend etwas, was ich äussere, zustimmen müssten. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Und so sind wir uns im Prinzip, was die freie Meinungsäusserung betrifft, von der Sie und ich Gebrauch machen, wohl einig. (SP-Mitglied bin ich übrigens seit über 25 Jahren nicht mehr. Das zur Vervollständigung Ihres Wissens über mich. Was nicht hiebst, dass ich die Politik der baselstädtischen SP etwa schlecht finden würde. Im Gegenteil. Aber ich bin „ungebunden“.).

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  5. @Hürlimann. Wenn natürlich ein SPler einen längeren Artikel auf einen Satz eindampft damit der Ideologie Genüge getan ist, ists die Wahrheit und nicht zu hinterfragen. Ich nehme an, Sie haben den Artikel in der BaZ nicht gelesen.

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  6. @Simcha
    Interessant zu erfahren wäre bei Ihrer hohen Be- und Verurteilungsfrequenz auf TagesWoche online, ob Sie eine Einzelperson oder eine Gruppe mit dem Ziel, geplant eigesetztes Störpotential gegenüber allen möglichen Diskussionsansätzen einzusetzen, namentlich gegenüber dem, was Sie „links“ zu nennen pflegen.
    Natürlich kann man hier so tun, als ob die BaZ-Berichterstattung zur diesem Thema einfach die „reine Wahrheit“ sei. Dann ist selbstredend das, was Frau Herzog dazu sagt, nicht richtig. Nur: Ist das, was die BaZ geschrieben hat, nicht richtig, dann wäre Ihre hier dargestellt Schlussfolgerung Bindeteens auch nicht einfach „richtig“, bezogen auf die zur
    Rede stehenden Fakten. Für viele einigermassen informierte Leute allerdings ist das, was die BaZ so an „Aufklärung“ in ihre Zeilen bringt, aus vielerlei gemachter Erfahrung mit diesem Blatt, nicht einfach „wahr“. Zu oft waren es zahlreiche kleine oder auch grössere Unwahrheiten, welche eine Wahrheit hätten kreieren sollen.

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