Fetz bibbert nicht vor dem «Profilierungskandidaten» Wüest-Rudin

Anita Fetz nimmt die Kandidatur von David Wüest-Rudin gelassen entgegen. Sie habe damit gerechnet, dass es noch dazu kommen werde, sagt sie. Für die bürgerlichen Parteien ist es undenkbar, den Kandidaten der Grünliberalen zu unterstützen.

Anita Fetz total entspannt: «Ich bin gespannt, welche Bundesthemen David Wüest-Rudin hat.»

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Anita Fetz nimmt die Kandidatur von David Wüest-Rudin gelassen entgegen. Sie habe damit gerechnet, dass es noch dazu kommen werde, sagt sie. Für die bürgerlichen Parteien ist es undenkbar, den Kandidaten der Grünliberalen zu unterstützen.

David Wüest-Rudin wagt das Unmögliche und tritt als Gegner von Anita Fetz (SP) bei den Ständeratswahlen an. Der 45-Jährige wurde am Mittwochabend an einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung als Kandidat der Grünliberalen nominiert. Mit seiner Kandidatur wolle er der Bevölkerung eine Auswahl bieten, sagte Wüest-Rudin.

Fetz reagiert relativ kühl auf ihren Gegenspieler. «Ich habe immer damit gerechnet, dass es noch zu einer Profilierungskandidatur kommen wird.» Wüest-Rudins Bewerbung für die kleine Kammer überrasche sie deshalb nicht. Ihren Kontrahenten kennt die 58-Jährige nicht wirklich: «Ich habe keine Ahnung, was er zu den Bundesthemen zu sagen hat.»

Sie wisse einzig, dass er Mitinitiant der Initiative «Energie- statt Mehrwertsteuer» gewesen sei – und diese Initiative sei ja «alles andere als klug gewesen». Die Initiative wurde vergangenen März mit 92 Prozent Nein-Stimmen vom Stimmvolk abgelehnt. Fetz sagt angesichts dessen: «Ich bin gespannt, welche Themen er hat und freue mich auf den Wahlkampf und die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm.»

Für LDP ist Wüest-Rudin keine Alternative

Wüest-Rudins Kandidatur wird wohl von keiner bürgerlichen Partei unterstützt. LDP-Präsidentin Patricia von Falkenstein sagt: «Wir haben nicht mit David Wüest-Rudin darüber geredet – er hat uns auch nicht angefragt.» Aber eine Unterstützung sei mit grosser Wahrscheinlichkeit keine Option für die LDP. «Er gilt für uns nicht als Bürgerlicher. Ich sehe deshalb nicht ein, wieso wir ihn unterstützen sollten.» Von Falkenstein sieht Wüest-Rudin auch nicht als Alternative zu Fetz: «In vielen Bereichen sind sie derselben Meinung – vor allem bei Themen wie Umweltschutz oder Verkehr.»

Auch die CVP, die mit der GLP bei den Nationalratswahlen sogar eine Listenverbindung eingeht, äussert sich ähnlich. «Wir stehen der Ständeratskandidatur von David Wüest-Rudin wertneutral gegenüber», sagt Parteipräsidentin Andrea Strahm stellvertretend. Aber er sei nun mal kein gemeinsamer Kandidat der Bürgerlichen, was eine Unterstützung unwahrscheinlich mache. Die Zusammenarbeit bei den Nationalratswahlen verpflichte die CVP auch nicht dazu, die GLP nun zu unterstützen. «Wir haben klar abgemacht, dass wir sonst in allen anderen Bereichen freie Hand haben.» Auch für SVP und FDP kommt eine Unterstützung der GLP nicht in Frage, wie die beiden Parteien bereits gegenüber der «Basler Zeitung» klarmachten.

Die bürgerlichen Parteien FDP, LDP, CVP und SVP haben es wieder einmal nicht geschafft, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen. Der LDP-Erziehungsdirektor Christoph Eymann sagte vor Kurzem als Ständeratskandidat ab, weil ihn offenbar nicht alle bürgerlichen Parteien unterstützen wollten. Von Falkenstein bedauert das, trotzdem ist sie gegen einen Plan B: «Es macht keinen Sinn, jetzt noch einen Kandidaten zu bringen, nur damit wir einfach einen gebracht haben. Wir haben es einfach nicht fertig gebracht. Punkt.»

Konversation

  1. Interessant ist die Aussage von Patricia von Falkenstein. Offenbar ist es aus Sicht der LDP nicht möglich in Umweltfragen fortschrittliche Positionen zu vertreten und gleichzeitig als bürgerlich zu gelten. Tatsächlich ist bei den Bürgerlichen die Erkenntnis, dass ein florierende Wirtschaft auch eine gesunde Umwelt als Grundlage braucht, nach all den vielen Jahren, in denen dieser Zusammenhang aufgezeigt worden ist, immer noch nicht angekommen. Die Zusammenarbeit von FDP, LDP und SVP wird offensichtlich zu Recht auch als „Bürgerblock“ bezeichnet: Blöcke haben eben Mühe sich zu bewegen.

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  2. Allein schon nur die LDP hätte die Auswahl an mindestens einem halben Dutzend fähiger Köpfe für die Ständeratskandidatur. Aber offenbar gilt dort (wie auch bei den anderen bürgerlichen Parteien) die Maxime, lieber nicht kandidieren, als zu verlieren. Traurig!
    Der Dank hingegen gilt David Wüest für sein Engagement. Jetzt haben wir wenigstens eine Auswahl.

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  3. Bei zwei Bewerbungen für den Ständerat, besteht wenigstens eine Wahl, das gilt auch für die bürgerliche Wählerschaft. Zum Glück sind wir nicht Parteisoldaten der ParteipräsidentInnen oder in Nordkorea wo immer nur ein Kandidat zur Wahl steht. 🙂

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