FHNW: Baselbiet zahlt nun doch mehr

Angst, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Fachhochschule scheitert, muss man in der Nordwestschweiz wohl keine mehr haben. Das Baselbiet zahlt aller Voraussicht nach nun doch mehr. Bei einem Nein wäre der Kanton Baselland möglicherweise aus dem Fachhochschul-Konkordat verbannt worden.

Pädagogische Hochschulen und Fachhochschulen (hier diejenige in Muttenz) haben heute fast doppelt so viele Studenten wie vor zehn Jahren.

(Bild: Christian Aeberhard)

Angst, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Fachhochschule scheitert, muss man in der Nordwestschweiz wohl keine mehr haben. Das Baselbiet zahlt nun doch mehr.

Der Ärger war gross bei den Partnerkantonen Basel-Stadt, Aargau und Solothurn nach dem Nein des Landrates zum Globalbuget für die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW). Umso grösser dürfte nun die Freude sein. Denn der Landrat wird auf seinen umstrittenen Entscheid noch einmal zurückkommen. Für die neuerliche Debatte haben die SP und die SVP mit zwei Motionen gesorgt, die in der Parlamentsdebatte vom Donnerstag für dringlich erklärt und überwiesen wurden.

Die Forderungen der beiden Parteien liegen allerdings ziemlich weit auseinander. Die SP will erreichen, dass das Globalbudget mit den zusätzlichen Mehrkosten von 30 Millionen Franken doch noch angenommen wird. Die SVP beharrt dagegen auf dem Entscheid und pocht auf Sparmassnahmen bei der FHNW. Unter anderem fordert die Volkspartei, dass die Zulassung zu jenen Studiengängen erschwert wird, die weniger gute Berufsaussichten bieten. Zudem soll der Studierendenzuwachs gedrosselt werden. Einverstanden wäre die SP zumindest mit einer konsequenteren Ausrichtung der Studiengänge auf die Bedürfnisse der Wirtschaft und allenfalls einem Numerus Clausus.

Drastische Folgen bei einem Nein

Abgestimmt wird über die Vorschläge anfangs Dezember. Dabei stehen die Aussichten für die FHNW auf eine Beitragserhöhung deutlich besser als bei der ersten Abstimmung. Wie die Basler Zeitung berichtet hat, rücken die Grünen von ihrem Nein ab. Zum Meinungsumschwung habe der Druck verärgerter Parteikollegen aus anderen Nordwestschweizer Kantonen geführt. Damit haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Landrat nun verschoben. Gegen höhere Beiträge sind nur noch die SVP und die FDP, die auf die Unterstützung einer weiteren Partei angewiesen wären, um sich im Parlament durchzusetzen.

Die Folgen eines definitiven Neins wären unabsehbar. FHNW-Präsident Peter Schmid spricht nicht nur von Einsparungen beim Ausbau des Standortes Muttenz, sondern sogar schon von einem möglichen Austritt des Kantons Baselland aus dem Fachhochschulkonkordat.

Konversation

  1. Ich bin auch für die Finanzierung. Das ‚Hüscht und Hott‘ eines Teils der Baselbieter (Grünen) Politiker erinnert an Papandreou. Auch er verkündete etwas, dessen Folgen er sich nicht bewusst war – und krebste dann zurück. Athen in Liestal?

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  2. Als ehemaliger Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Angestelltenvertreter der FHNW, der sie von innen kennt, und als Baselbieter Steuerzahler möchte ich diejenigen unterstützen, welche die vielen Probleme an der FHNW, auch von den Medien der Öffentlichkeit vorenthalten, endlich öffentlich diskutiert haben möchten. Hier eine kleine Auswahl von Problemen:
    – An der FHNW wird die Meinungsfreiheit massiv unterdrückt. Wenn man zum Beispiel als Angestelltenvertreter intern auf Missstände hinweist oder sich deswegen an die Oberaufsichtsbehörde IPK FHNW wendet, wird man verwarnt und mit Kündigung bedroht (meine eigene Erfahrung).
    – Es gibt zu viele Studienabbrecher/innen. Wie hoch die entsprechenden Kosten sind, ist abzuklären. Es besteht der begründete Verdacht, dass viele Leute Studien beginnen, von denen sie überfordert sind, weil sie ungenügende Vorkenntnisse haben. Dies verursacht hohe, unnütze Kosten.
    – Seit der Fusion zur FHNW im Jahr 2006 ist die Anzahl der Absolventen an der Hochschule für Technik massiv zurückgegangen. Wegen des Ingenieurmangels ist dies für unsere Wirtschaft ein grosses Problem. Die Ursachen liegen im Dunkeln.
    – Die Administration ist aufgebläht. In Brugg/Windisch wird sie grosse Teile der neuen Gebäude belegen, während die darbende Hochschule für Technik in alten Gebäuden untergebracht worden ist.
    – Viele teure Masterstudiengänge werden mit der Universität Basel parallel geführt. Ob dies notwendig ist, muss abgeklärt werden.
    – 24% der Studierenden an der FHNW stammen aus Nicht-Konkordatskantonen. Dies kostet die Konkordatskantone jedes Jahr über 30 Mio. Franken. Die Nicht-Konkordatskantone bezahlen also für ihre Studierenden viel zu wenig.

    Es ist undemokratisch, ja unsinnig, diese Diskussion verhindern zu wollen und zum Beispiel den Austritt des Kantons Basel-Landschaft aus dem Konkordat an die Wand zu malen. Es ist das gute Recht des Landrates, angesichts des Entlastungspakets 12/15 auch bei der FHNW nach Sparmöglichkeiten zu suchen. Und sie sind im Übermass vorhanden. Das heisst noch lange nicht, dass man gegen Bildung ist. Wer dies behauptet, hat keine Ahnung.

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