Griechische Sparer schicken ihr Geld in die Schweiz

Aus Angst vor dem Grexit und Kapitalkontrollen verstecken die Griechen ihr Geld unter der Matratze oder schicken es etwa in die Schweiz

Vor jeder Verhandlungsrunde heben Griechen ihr Geld ab – aus Angst vor Kapitalkontrollen. Das Bild zeigt eine Szene vor einer Bank in Athen Mitte Februar. (Bild: Keystone)

Aus Angst vor dem Grexit und Kapitalkontrollen verstecken die Griechen ihr Geld unter der Matratze oder schicken es etwa in die Schweiz

Das haben die Griechen schon einmal erlebt: Keine drei Jahre ist es her, da waren politische Unsicherheit und Wirtschaftskrise so gross, dass die Bankkonten im Land geleert wurden. Jetzt geht das wieder so. Die ergebnislosen Verhandlungen in den vergangenen Monaten zwischen der Regierung der Linkspartei Syriza und den internationalen Gläubigern sind so beunruhigend für den Teil der Griechen, der noch Geld auf der Bank hat, dass das Kapital aus dem Land geschafft oder zu Hause versteckt wird.
 
Laut der neusten Prognose gehen die Einlagen in Griechenland Ende Mai auf das Rekordtief von umgerechnet 134 Milliarden Franken herunter. Der höchste Stand war am Anfang der Krise 2009 mit 239 Milliarden. «Was wir sehen ist ein Bank Run in Zeitlupe. Weil griechische Banken keinen Zugang zu den Kapitalmärkten haben, bedeutet die kontinuierliche Abwanderung von Einlagen, dass sie zunehmend von der Notfall-Liquiditätshilfe ELA abhängig sind», beschreibt Hung Tran, der Geschäftsführende Direktor des Washingtoner Wirtschaftsinstituts IIF in den USA, die Situation.

Angst vor dem «Grexit»

Zwei Parlamentswahlen innerhalb von nur zwei Monaten im Jahr 2012 haben den Griechen Angst vor einem Euro-Austritt des Landes gemacht, den sogenannten «Grexit». Allein im Mai jenes Jahres haben Einleger 9,5 Milliarden Franken aus dem griechischen Bankensystem weggeschafft. In den vergangenen Monaten kam zum «Grexit»-Gespenst ein weiterer Schreck dazu – jetzt sorgen sich die Griechen auch über die Einführung von Kapitalkontrollen, ähnlich wie 2013 auf Zypern.
 
Noch vor der vorgezogenen Parlamentswahl im Januar begann der Geldabfluss aus dem Land. «Seit Anfang der Krise ist die Einlagenbasis des griechischen Bankensystems schmaler geworden. Die Geldabhebungen sind zwischen den zwei Wahlen 2012 schneller geworden», erklärt Panos Tsakoglou, Wirtschaftsprofessor an der Universität von Athen. Dann habe sich aber die Lage beruhigt. Über 15,6 Milliarden Franken flossen sogar zurück. «Im vergangenen November, als es offensichtlich wurde, dass Syriza die Wahl gewinnen wird, begann die Einlagenabwanderung von Neuem», erklärt Tsakoglou.

Milliarden verschwinden

Laut Angaben der Griechischen Notenbank sind im Dezember 2014 etwa 4,4 Milliarden Franken von griechischen Bankkonten abgehoben worden. Im Januar hat sich die Lage noch zugespitzt: Weitere 13,3 Milliarden verliessen die Banken. Im März wurde es ruhiger – nur rund 3 Milliarden verschwanden. Im Mai erwartet man eine Verlangsamung – aber nicht etwa, weil das Vertrauen der Griechen in die Regierung und ihre Zukunft gestiegen sei. «Diejenigen, die ihr Geld aus dem Land schaffen wollten, haben es bereits getan», erklärte Nikolaos Georgikopoulos dem österreichischen «Kurier» (online nicht verfügbar) aus dem Athener Wirtschaftsinstitut KEPE.
 
Die Kontobewegungen folgen den Wenden in den Verhandlungen zwischen Athen und den Gläubigern. Augenzeugen erzählen, dass eine Zeit lang manche ihr Geld am Freitag abgehoben haben – aus Angst vor Kapitalkontrollen. Als über das Wochenende keine eingeführt wurden, hat man das Geld am Montag wieder aufs Konto eingezahlt.

Versteck unter der Matratze

Beträchtliche Beträge haben Griechenland aber endgültig verlassen. Wie viel ist schwer abzuschätzen. Es sind überwiegend private Personen, die ihr Geld zu retten versuchen, zeigen die Statistiken der Griechischen Notenbank. «Es scheint, als ob die Firmen ihr Geld ins Ausland gebracht haben, damit sie weiter arbeiten können, egal, was im Land passiert», sagt Tsakoglou.

Kleinere Einleger mit ein paar Tausend Euro auf der Bank verstecken es entweder in Bankfächern, oder bringen es einfach mit nach Hause. Wohlhabende Griechen dagegen schicken ihre Euros nach Luxemburg oder in die Schweiz, aber auch anderswo in Europa. «Man will nicht, dass die Kapitalbewegungen verfolgt werden, also sind jetzt Staatsanleihen von Ländern wie etwa Österreich und Deutschland sehr gefragt», sagte Georgikopoulos. Laut der Deutschen Bundesbank haben in den ersten drei Monaten des Jahres griechische Anleger in Deutschland per saldo 756 Mio. Euro angelegt.

Beliebter Schweizer Fonds

Die Statistiken der Schweizerischen Nationalbank weisen auf 6,6 Milliarden flüssiger griechischer Anlagen in Schweizer Geldinstituten hin. Allerdings stammen die Daten von Ende 2013. Mittlerweile könnte sich die Summe griechischer Geldanlagen in der Schweiz wesentlich erhöht haben. Griechischen Medienberichten zufolge haben einheimische Anleger unter Anderem grosses Interesse am «Pictet-Sovereign Short-Term Money Market Eur» ein Investment-Fonds der privaten Schweizer Bank Pictet Group.

Pictet will die Informationen nicht kommentieren, da sie die Angelegenheiten aller Kunden vertraulich behandle. Ein Pressesprecher der Bank erklärte aber, dass der genannte Investment-Fonds von Menschen bevorzugt werde, die in volatilen Zeiten ihr Geld irgendwo zu anlegen suchen.
 
Auch wenn sich Athen und die internationalen Gläubiger endlich über die weitere finanzielle Hilfe einigen sollten, heisst es lange noch nicht, dass die Einleger ihre Euros gleich zurück in die Heimat schicken. «So etwas würde nur nach und nach passieren, und zwar wenn die Griechen zuversichtlich sind, dass sich das Risiko einer Rückkehr zur Drachma wesentlich verringert hat», sagt Wirtschaftsprofessor Tsakoglou.

Konversation

  1. Dann lägen in der Schweiz ja wieder unversteuerte Gelder!
    Obs da wieder CDs gibt dafür?

    …oder hat man bei den Griechen einfach vergessen, nachzufragen, ob sie das Geld ordentlich versteuert hätten?

    Maus bleibt Maus, Schweizer Bank bleibt Schweizer Bank….

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  2. …was soll denn die Aufregung – die Reichen Griechen (Reeder, Grossgrundbesitzer etc.) haben ihre Moneten schon seit Jahrzehnten auf Schweizer Banken. Geld, das sie dem Staat vorenthalten, z. T. gestohlen, aber nirgends versteuern müssen. Schweizer Banken als Vorreiter vom Griechischen Konkursdesaster. Und viele wussten das. Aber ja – die Schweiz ist ja sooo neutral…

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    1. …Jo wägeli,am A… ischs finschter- diä bekümme demnächscht ändlig ä Tritt ins Fudi uuse us UNSEREM vu uns Finanzierte €URO in dän die sich damols iinebetroge hän !
      Un das Gäld vu dem SIE Fantasiere, isch längscht doppelt un dreifach gflosse- in Form vu EU Subventione indem Griecheland sitt ebbe anne 1982… bis Hütte NEHMER-Land isch und mir Dütsche sitt je her GEBER Land… Rächne Sie mol diä Milliarde gege… DÄNN ischs Finschter am Fudi vu wäge no mehh !- Hänn Sie das jetze ??? Un Ihre Gäld zum Fänschter uusewärfe chönne sie wie Sie luschtig sin- aber vu UNS hän SIE nit z erwarte- Compris? Und Aadie !

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    2. Tritte ins Fudi verteilt hier nur der Dienstchef und zwar für solche Äusserungen, Herr Hage. Gelbe Karte! Nicht für Ihre inhaltliche Position, aber für den Ton, den Sie hier anschlagen.

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    3. @Daniel Hage
      billig sehr billig, nur diese atake interessiert
      wohl niemand- bleiben sie sachlich
      und bitte schreiben sie doch in schriftsprache,
      damit dies auch unsere ausländer lesen können

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    4. @Hage:
      Sie können natürlich Ihre Biertisch-Meinung äussern. Vielleicht wäre es aber eine gute Idee, diese an en paar Fakten zu kalibrieren:

      Deutschland hat bekanntlich den Krieg verloren, dafür die Nachkriegszeit ökonomisch gewonnen.

      Dies hat m.E. mit folgenden Zusammenhängen zu tun:
      * D musste bei Null anfangen, bekam sogar eine nagelneue Verfassung.
      * Als Anschubhilfe kam der Marshallplan, mit dem D zum zuverlässigen Handelpartner der USA wurde: win-win!
      * Das Wirtschaftswunder beruhte auch darauf, dass in allen umgebenden Ländern ein hoher Investitionsbedarf vorlag, denn diese Länder hatten im Krieg militärisch statt zivil investiert
      * D war schon immer stark in Technologie, konnte also viel des im Krieg erworbenen Know-hows neu für zivile Produkte einsetzen: Der neue Konsumismus konnte angeleiert werden.
      * Die EU wurde als friedliche, solidarische Wirtschaftsgemeinschaft konzipiert, hat aber noch grösste Mühe, eine konsistente Steuer- und Sozialpolitik zu realisieren, auch nicht in der Migrationsfrage. Die Heterogenität verunmöglicht es auch, notwendige Regulierungen, z.B. im Finanzbereich durchzusetzen.
      * Dennoch muss die EU den Spagat mit Griechenland machen, denn zu grosse soziale Gefälle sind ganz einfach gefährlich. Schuldzuweisungen helfen uns gar nichts; Griechenland ist ein Teil des Systems, und war von innen her zu schwach um mit demokratischen Mitteln die Korruption und den Geldabfluss zu stoppen.
      * D wird nach wie vor nur mit und nicht gegen die EU profitieren können. Die Zauberformel heisst Solidarität, so schräg uns dabei gewisse Ungerechtigkeiten und politische Stümperei ins Auge springen! Immerhin steht doch die Bildung einer EU-Armee ztur Diskussion, da wird D einen tollen Markt erschliessen können – wieder dank der EU. Keine Hetze gegen D: Auch die Schweizer Rüstungsindustrie würde sich darüber sehr freuen…
      * Die Schweiz erlebt und erleidet diese Konfliktlein andauernd. Sie zu ertragen und verträglich zu machen ist die Kunst.

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  3. Wieder ein Beispiel für die kriminellen Geschäfte der Banken. Die lernen nie und ruinieren weiter die Griechen. Wann endlich werden die Bankster eingebuchtet und die Banken nicht mehr gebüsst sondern geschlossen.

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