Hysterie und Sorgen um Cristiano Ronaldo

Portugal hofft auf Tore seines Superstars Cristiano Ronaldo gegen Deutschland. Der WM-Titel wäre die Krönung für den König, doch sein Knie beschäftigt eine ganze Nation.

Fast hätte sie IHN erreicht, den grossen Star der WM: Cristiano Ronaldo. Der Security-Mann konnte die Anhängerin aber doch noch im Camp stoppen, aber es zeigt: Selbst die Brasilianer schwärmen für ihn. (Bild: STRINGER/BRAZIL)

Portugal hofft auf Tore seines Superstars Cristiano Ronaldo gegen Deutschland. Der WM-Titel wäre die Krönung für den König, doch sein Knie beschäftigt eine ganze Nation.

Nein, es hat sich nicht etwa Mädchenschwarm Justin Bieber in der wenig reizvollen Industriestadt Campinas nahe São Paulo verlaufen. Dass seit Tagen aber geradezu eine Hysterie unter der weiblichen Bevölkerung ausgebrochen ist, hat einen anderen – millionenschweren – Grund: Cristiano Ronaldo. Der König unter den Fussballern, der mit der portugiesischen Nationalmannschaft sein Quartier in Campinas aufgeschlagen hat und für einen in der Stadtgeschichte wohl nie dagewesenen Ausnahmezustand sorgt.

Start in der Gruppe G: Deutschland – Portugal, 18 Uhr, Arena Fonte Nova, Salvador.

Jeder Schritt, jede Handlung des Weltfussballers wird von den unzähligen Journalisten und Fotografen genauestens verfolgt, jedes Lachen, jedes Augenzwinkern von der Damenwelt mit einem lauten Kreischen goutiert, wie jüngst beim öffentlichen Training vor über 10’000 Zuschauern geschehen. Für Brasiliens fussballbesessene Medien ist Ronaldo der absolute Superstar der WM, der selbst jeden brasilianischen Nationalspieler inklusive Neymar in den Schatten stellt.



An artisan paints the wall of a house with a picture of Portugal's national soccer player Cristiano Ronaldo, in Kolkata June 12, 2014. The 2014 World Cup soccer tournament will be held in 12 cities in Brazil from June 12 to July 13. REUTERS/Rupak De Chowd

Beschäftigt Menschen rund um den Globus: Cristiano Ronaldo. Einige malen sich sein Bildnis sogar aufs Haus. (Bild: RUPAK DE CHOWDHURI)

Und so ist den Ronaldo-Beobachtern und -Bewunderern auch nicht entgangen, dass sich der Mann von Champions-League-Sieger Real Madrid immer wieder mal an das linke Knie fasst. Es ist – zumindest bei den Anhängern der portugiesischen Nationalmannschaft – das meistbeachtete Körperteil des Ausnahmefussballers. Denn seit Wochen plagt sich «CR7» – so lautet das eingetragene, aus seinen Initialen und der Rückennummer gebildete Markenzeichen des Weltfussballers – nach einer langen, kraftraubenden Saison neben Oberschenkelbeschwerden mit einer Reizung der Patellasehne herum. Alles sei kein Problem, heisst es seit Tagen aus dem portugiesischen Lager. Bilder von Ronaldo mit einem Eisbeutel am Knie bereiten aber in der Heimat sehr grosse Sorgen.

Portugal's Cristiano Ronaldo wears a bandage below his left knee during a training session at the Arena Fonte Nova stadium ahead of their 2014 World Cup against Germany in Salvador, June 15, 2014.    REUTERS/Marcos Brindicci (BRAZIL  - Tags: SPORT SOCCER

Aber schon im Finale lief es nicht mehr so rund. Der Portugiese lieferte eher eine mittelprächtige Vorstellung ab, was ihn aber nicht daran hinderte, nach einem verwandelten Elfmeter in der 120. Minute beim längst entschiedenen Spiel gegen Stadtrivale Atletico (4:1) das Trikot von sich zu reissen und seinen täglich im Fitnesscenter geformten Adonis-Körper zur Schau zu stellen. Vor Freistössen stellt er sich wie ein Pistolero, der zum Duell antritt, in Pose.

Es ist diese Selbstverliebtheit, für die er sich Kritik von Spielern wie etwa Englands Raubein Wayne Rooney anhören muss. «Man sieht, wie er tickt. Er will seine persönlichen Momente. Ich brauche das nicht. Mir ist es wichtig, Erfolg mit dem Team zu haben», ätzte Rooney. Beste Freunde waren die beiden Stürmer noch nie. Während der gemeinsamen Zeit bei Manchester United hatte Rooney dem Portugiesen auch schon einmal körperliche Unannehmlichkeiten angedroht, nachdem dieser im WM-Viertelfinale 2006 die Rote Karte des Engländers erfolgreich eingefordert hatte.



Portugal's Cristiano Ronaldo trips as he breaks in on the goal while playing Ireland in the first half during their international friendly soccer match, ahead of the 2014 World Cup, in East Rutherford, New Jersey, June 10, 2014.  REUTERS/Ray Stubblebine

Bis jetzt endete jeder Versuch auf einen Titel mit der Nationalmannschaft unsanft für Cristiano Ronaldo. (Bild: RAY STUBBLEBINE)

Am Ende war aber auch für Portugal der Weg zu einem grossen Titel versperrt. Ein Titel mit der Nationalelf wäre «die Krönung», wie Ronaldo betont, trotz aller Erfolge mit seinen Vereinen. 2004 war der auf der Blumeninsel Madeira geborene Ronaldo ganz nah dran, doch am Ende weinte er nach dem 0:1 gegen Griechenland im Finale in Lissabon bittere Tränen. 2006 blieb nach einer Niederlage gegen Deutschland im kleinen Finale nur Platz vier.

Und auch bei den Europameisterschaften 2008 und 2012 gab es für die Portugiesen Niederlagen gegen die DFB-Auswahl. «Das zählt alles nicht mehr. Wichtig ist nur das Spiel am Montag», sagt Ronaldo, den Portugals Medien auch gerne als Kommandant bezeichnen. Fehlt zum grossen Glück dann nur noch ein eigener Treffer, der garantiert mit einer ausgefallenen Jubelshow vom 29-jährigen Beau zelebriert werden würde. Und auch bei einem Tor gegen Deutschland würde er es sich nicht nehmen lassen, zur Torfeier alle Teamkollegen zu sich zu bestellen.

Die Ronaldo-Show gegen Schweden in der Barrage:

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Mehr zur WM 2014 in unserem Dossier. Die Gruppe G mit den USA, Ghana, Portugal und Deutschland in der Übersicht.

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