Ich und meine Avocado

Unser liebster Bio-Koch heisst Guy Morin.

Guy Morin kocht gerne bio. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Unser liebster Bio-Koch heisst Guy Morin.

Wo soll man nur beginnen? Diese 20 Minuten Geschnipsel und Gekoche mit Tamara Wernli und dem Basler Regierungspräsidenten Guy Morin, die man sich diese Woche auf Telebasel immer und immer wieder zu Gemüte führen durfte (musste!), die waren gross. Wernlis Blick, als sie den Senf und die Mayonnaise in die Kamera streckt und mit ungläubigem Ton in der Stimme sagt: «Sogar das ist bio!» Morins totale Überforderung beim Zubereiten von ein paar Spaghetti: das Wasser nicht gesalzen, die Spaghetti kaum angenetzt und danach hart auf dem Teller (die Jury-Köchin meinte später: «Ich probiere nur die Saucen»). Die durchaus ernsthafte Frage von Wernli, ob Morin nach seiner anstrengenden Regiererei abends jeweils seinen Biogarten ernte. Oder ob er mit seiner Frau rede. Oder ob er (der Unterton insinuierte «wie wir Normalos») auch einmal Fernsehen schaue. Nein, meinte Morin zu Frage 1, zweimal Ja zu Frage 2 und 3.

Und eben, der Bio-Fimmel. Wernli konnte kaum glauben, wie viel Bio ihr da gegenüber kochte. Seine Kleider, allesamt fairtrade und bio und aus der Region. Das Kürbiskernöl, das Olivenöl, ja womöglich sogar der Salat: bio, bio, bio. Morins Wünsche hätten den Produktesponsor arg ins Schwitzen gebracht, sagte Wernli. Sie plauderte und plauderte und merkte beinahe nicht, wie sich Morin mit dem Aushöhlen einer etwas harten Avocado für das Pesto seiner etwas harten Spaghetti abmühte. «Noch nicht ganz reif», meinte Wernli süffisant. «Dafür bio!», gab Morin schlagfertig zurück.

Die Avocado übrigens, das ergab ein freundliches Telefonat mit dem Produktesponsor der Sendung, die kommt aus Peru. Ganz bio natürlich.

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 15.06.12

Konversation

  1. Von der TagesWoche erwarten die Abonnenten detaillierte Hintergrundberichte und eben nicht solche diffamierenden Kommentare wie in der BaZ. Aber diese Kolumne und besonders die Illustration scheinen der gleichen Stategie zu folgen wie zuletzt die Blocher-Zeitung: Einen Regierungspräsidenten muss man einfach genug mit Dreck bewerfen, dann bleibt schon etwas hängen. Die BaZ veröffentlicht böse Karikaturen, die TagesWoche verunglimpft den gleichen Mann mit Avocado-Hälften. Wo bleibt der Unterschied?

    PS. Effektiv war es Tamara Wernli, die in der Sendung total überfordert war mit Kochen.

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