Interaktive Grafik: So viel erbt die Schweiz

Wie viel erben Schweizerinnen und Schweizer pro Sekunde? Wie viel Steuern zahle ich, wenn ich ein Vermögen erbe? Alle Fakten zur Erbschaftssteuerinitiative finden Sie in unserer interaktiven Grafik.

Wie viel erben Schweizerinnen und Schweizer pro Sekunde? Wie viel Steuern zahle ich, wenn ich ein Vermögen erbe? Alle Fakten zur Erbschaftssteuerinitiative finden Sie in unserer interaktiven Grafik.

Die Zahlen laufen heiss im Abstimmungskampf um die Erbschaftssteuerinitiative (Abstimmung am 14. Juni). Welche Rolle spielen Erbschaften in der Schweizer Volkswirtschaft? Was passiert, wenn die Initiative angenommen wird? Unsere interaktive Grafik versucht, diese Fragen auf vier Folien zu beantworten.

1. Wie viel erbt die Schweiz?

Es gibt wenige Zahlen, die die Erbschaften in der Schweiz aufzeigen. Vor einigen Tagen sorgte eine unveröffentlichte Studie des Ökonomen Marius Brülhart (Universität Lausanne) für Aufsehen. Die Studie bietet Anhaltspunkte für die Entwicklung der Erbschaften in der Schweiz. Für 2011 errechnet Brülhart ein Erbvolumen von insgesamt 61 Milliarden Franken; das sind 13 Prozent des Volkseinkommens in diesem Jahr, was einem Rekordwert entspricht.

Schon publiziert und doch noch immer lesenswert: Während der Feiertage bis ins neue Jahr publiziert die TagesWche herausragende Artikel mit dem Vermerk «Best of 2015» nochmals. Wir wünschen gute Unterhaltung.

Wenn man die Zahlen für 2015 hochrechnet, kommt man auf 76 Milliarden, erklärte Brülhart gegenüber dem «Schweizer Fernsehen». Die erste Folie unserer Grafik zeigt das Verhältnis von Volkseinkommen (beziehungsweise Brutto-Inland-Produkt), den erwirtschafteten Löhnen (Arbeitnehmerentgelt) und den Vermögen, die in einem Jahr vererbt werden.

2. Was ist der Unterschied zwischen einer nationalen und kantonalen Erbschaftssteuer?

Zurzeit kennen alle Kantone ausser Schwyz eine kantonale Erbschaftssteuer. Im Kanton Basel-Stadt machen die Erbschaftssteuern in der Jahresrechnung etwa 36 Millionen Franken aus (Durchschnitt der letzten acht Jahre). Wenn die Initiative angenommen wird, würde der Bund eine nationale Erbschaftssteuer einführen. Zwei Drittel der Einnahmen aus dieser neuen Steuer würden in die AHV fliessen, die Kantone erhielten einen Drittel.

Wenn man die Hochrechnungen der Erbschaften als Ausgangspunkt nimmt, würden mit der neuen Steuer etwa sechs Milliarden Franken pro Jahr in die Staatskassen fliessen; der Ökonom Brülhart hält diese Rechnung für realistisch. Die Kantone erhielten von den sechs Milliarden rund zwei Milliarden. Das heisst: Der Kanton Basel-Stadt würde mit der nationalen Erbschaftssteuer etwa 56 Millionen Franken pro Jahr einnehmen. Diese Rechnung basiert auf der Vermögensstatistik des Bundes. Es ist ein Durchschnittswert, denn die Erträge aus Erbschaftssteuern würden mit Annahme der Initiative stark schwanken.

3. Was hat die AHV damit zu tun?

Die Initiative sieht vor, dass zwei Drittel der Einnahmen in die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) fliessen. Von den Gesamteinnahmen von sechs Milliarden Franken würden damit vier Milliarden an die AHV gehen. Zurzeit wird die AHV grösstenteils durch Beiträge von Versicherten und Arbeitgebern finanziert (29 Milliarden Franken). Ein weiterer Teil der AHV-Gelder kommt vom Bund (etwa acht Milliarden) sowie von den Erträgen der Mehrwertsteuer (2,3 Milliarden).

Insgesamt fliessen jedes Jahr rund 40 Milliarden Franken in die AHV, mit einer nationalen Erbschaftssteuer wären es etwa vier Milliarden mehr. Diese Einnahmequelle könnte andere Beiträge entlasten, so das Argument der Initianten.

4. Wie viel Erbschaftssteuern zahle ich?

Die Erbschaftssteuer ist in allen Kantonen unterschiedlich geregelt. In Basel-Stadt gibt es beispielsweise einen Freibetrag von 2000 Franken, in Neuenburg liegt der Freibetrag bei 50’000 (Enkel) und 10’000 (nicht verwandte Personen).

Die Höhe des Steuersatzes hängt bei den kantonalen Steuern vom Verwandtschaftsgrad der Erben sowie dem vererbten Vermögen ab. Wenn der wohlhabende Onkel keine Kinder hat und sein Vermögen in Höhe von 100’000 Franken an einen Neffen vererbt, muss dieser in Basel-Stadt 10’000 Franken an den Kanton zahlen (der Steuersatz beträgt in diesem Beispiel zehn Prozent). Ein nicht verwandtes Göttikind müsste in diesem Beispiel 22’500 Franken Steuern zahlen.

Mit einer nationalen Erbschaftssteuer wären alle Nachlässe unter zwei Millionen von der Steuer befreit. Die Nachlässe über zwei Millionen würden mit einem einheitlichen Satz von 20 Prozent besteuert; egal ob die direkten Nachkommen, der Neffe oder das nicht verwandte Göttikind erben. Der Freibetrag wird jeweils abgezogen – bei einem Nachlass von 10 Millionen würden 8 Millionen zu 20 Prozent besteuert; der Staat erhielte dann 1,6 Millionen Franken. 

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In den nächsten Tagen erweitern wir den Steuerrechner um weitere Kantone.

Konversation

  1. @maya
    Ich denke wenn ich Chf 160’000 erhalte ohne dafür einen Finger krumm gemacht zu haben ist es doch ein stolzes Sümmchen, oder?
    Im weiteren ist eine Situation wie Sie beschrieben haben sicherlich im Bereich des Möglichen aber doch eher die Ausnahme oder sogar Unwahrscheinlich.
    Dass gerade so viele Leute bei einem solch ‚kleinen‘ Betrag erben.. Na ja.

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    1. @Roland Stucki
      Ich hab ja einfach beschrieben, dass die 2 Mio die ganze Erbengemeinschaft und nicht die einzelnen Erben betrifft.
      Ja, das wird sicher etliche beschäftigen, dass da weggeht.

      Bei mir geht sowieso, sollte ich mal erben, fast alles an den Staat.
      Als alleinerziehende Mutter mit schlechten Verdienstmöglichkeiten und wenig Alimenten und sauteurer Tagesmutter, war ich sehr froh, dass die Fürsorge die Löcher gestopft hatte, wenn es wieder mal nicht reichte.
      Und da ich so schlecht verdiente, gabs nie eine zweite Säule. So bekomme ich jetzt Ergänzungsleistungen. Und sollte ich nie erben, bekomme ich einfach weniger von diesen Leistungen und die Fürsorge will sicher auch zurück.
      So könnte ich dann, zumindestens indirekt, doch helfen, dass die Staatlichen Leistungen weiter entrichtet werden können für die Menschen in finanziellen Dingen ganz unten.

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  2. Jemand der 2 Millionen oder mehr erbt und davon 20% abgeben muss und das ungerecht findet, muss ein krankes oder vielleicht gar kein Hirn haben.
    Ich würde vorschlagen das Geld essbar zu machen, dann können sie es essen und niemandem was abgeben.

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    1. @Roland Stucki
      Es geht hier nicht darum, was der Einzelne erbt.
      Mit den 2 Mio ist die ganze Erbschaft für die ganze Erbengemeinschaft gemeint.
      Also, wenn das Erbe z.B. unter 10 Menschen aufgeteilt wird, bekommt der Einzelne „nur“ 200’000 und muss davon die 20% bezahlen. Das ist 40’000. Das sieht dann schon ein wenig anders aus.
      Das sehen sicher gewisse Menschen als Problem an. Mir ist es egal.

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  3. Das Argument, dass eine Erbschaft schon mehrfach versteuert wäre, ist deshalb nicht stichhaltig, weil dabei zu Unrecht vom Standpunkt der Verstorbenen aus gedacht wird. Diese sind natürlich nicht mehr steuerpflichtig. Es sind die Erben, die in den Genuss kommen eines Einkommens (ähnlich einem gebratenen Hühnchen oder einem Fruchtsalat im Schlaraffenland). Nur diese können die Erbschaftssteuer bezahlen, die eigentlich eine Art Einkommenssteuer ist, und in diesem Zusammenhang durchaus zum ersten Male anfällt.

    Es ist eine Binsenwahrheit, dass alles Geld, das fliesst, mehrfach besteuert wird. Es kommt nur darauf an zu unterscheiden, ob mehrmals die selbe Person, oder jeweils eine andere davon betroffen ist.

    Die „Doppelbesteuerung“ über Einkommen und Vermögen ist vielleicht dadurch zu rechtfertigen, dass Einnehmen und Horten zwei grundverschiedene Sachen sind. So gesehen wäre es keine Doppelbesteuerung.

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  4. Hmm, Leopard29, und wie steht es mit den Kapitalverlusten? Nehmen Sie eine beliebige Pensionskasse, die sich mit einer Unterdeckung rumplagen muss. Hängt sehr wahrscheinlich mit Kapitalverlusten an der Börse zusammen. Aber ist es wirklich ein effektiver Verlust oder nur einer auf dem Papier, ein Buchverlust also? Fragen über Fragen. Aber eines ist klar: im Folgejahr wird der Kapitalgewinn als Vermögen versteuert, ausser er wird sogleich verprasst. Aber das wäre dann OK, weil das Geld so quasi unter die Leute käme, oder?

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  5. Im Initiativtext steht, dass Schenkungen «rückwirkend ab 1. Januar 2012 dem Nachlass zugerechnet» würden. Das heisst: Es betrifft nur Schenkungen ab 2012, keine Erbschaften. Die Schenkungen würden nicht sofort besteuert, sondern «dem Nachlass zugerechnet»; also erst bei nach einem Todesfall besteuert.

    Die Rückwirkungsklausel ist in der Tat heikel, das Parlament beschliesst jedoch immer wieder rückwirkende Gesetze. Letztes Beispiel war die Unternehmenssteuerreform II, mit der Ausschüttungen aus Kapitaleinlagen rückwirkend steuerbefreit wurden.

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  6. Lustig finde ich, dass auf Argumente der bereits verprassten Erbe und der Rückwirkung null eingegangen wird.

    Bei der Rückwirkung mache ich ein anderes Beispiel, das zeigt, wie absurd und rechtsstaatlich unhaltbar rückwirkende Gesetze sind:

    Man wird mit Tempo 88 ausserorts geblitzt und gebüsst. Nun beschliesst 2 Jahre später der Gesetzesgeber rückwirkend auf 3 Jahre, dass man ab Tempoüberschreitungen über 5 km/h den Ausweis neu abgeben muss. Wäre so etwas gerech bzw. rechtlich haltbar? Nein.

    Aber bei der Erbschaftssteuer ist es dann OK.

    Es ist bedenklich wie die SVP und Linke mittels Volksinitiativen versuchen den Rechtsstaat abzuschaffen und auszuhöhlen, nur alleine aus parteiprogrammatischen Profilierungsgründe.

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  7. Und was ist mit dem Erben des Erben des Erben? Auch schon alles hundertfach versteuert?

    Tja, wo fängt die Gerechtigkeit an? Beim Tüchtigen, oder beim Nutzniesser des Tüchtigen?

    Wir dürfen raten.

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