Kostenexplosion bei der Joggelihalle diskret bewilligt

Die Erneuerung der St. Jakobshalle kostet 10 Millionen Franken mehr als geplant. Die Regierung hat das Parlament vor vollendete Tatsachen gestellt: Das Geld ist längst verbaut.

120 Millionen Franken werden für die Sanierung der St. Jakobshalle aufgewendet. 

Zehn Millionen Franken zusätzlich wird der Umbau der St. Jakobshalle kosten, das meldet die Basler Regierung. Zehn Millionen: Mit diesem Betrag liessen sich etwa die Familienzulagen an den Mietzins verdoppeln. Oder man könnte das Historische Museum ein Jahr lang betreiben. Oder die Stipendien für Studierende verfünffachen.

Viel Geld, das zu den bereits hohen Renovationskosten dazukommt. Die Modernisierung der St. Jakobshalle wird bei ihrer offiziellen Eröffnung anlässlich der kommenden Swiss Indoors fast 120 Millionen Franken gekostet haben.

https://tageswoche.ch/politik/sanierung-der-st-jakobshalle-wird-fast-10-millionen-franken-teurer-als-geplant/

Ein so hoher Betrag, dass die Regierung das Parlament ausgetrickst hat? Das deuten Grossräte in der Finanzkommission zumindest an. Sie wurden letzte Woche vor vollendete Tatsachen gestellt.

Gesandte aus dem Bau- und Verkehrsdepartement sowie dem Erziehungsdepartement hatten darüber informiert, dass die Regierung die Mehrkosten ohne parlamentarische Beratung bewilligen wolle. Als Grund dafür wurde die Dringlichkeit genannt: Fliesst kein Geld, müsste ein Baustopp angeordnet werden und die Halle könnte nicht anlässlich der Swiss Indoors feierlich eröffnet werden.

Die Finanzkommission willigte in den von der Regierung angeordneten Zuschuss ein. Das bestätigt das Hochbauamt. Wofür das Geld aufgewendet wird, hält das Hochbauamt in einer Aufzählung fest: neu entdeckte Werkleitungen, neue Anforderungen an den Brandschutz, Schadstoffe im Aushub. Auch die Veranstalter hätten neue Wünsche angebracht, so etwa einen zusätzlichen Lift für behinderte Hallenbesucher.

«Der Ablauf war unschön»

Wie sich die Zusatzkosten im Detail verteilen, kann das Hochbauamt nicht sagen. Auch nicht, wann sich wo welche Finanzierungslücke aufgetan hat. Fest steht alleine: Das meiste Geld ist längst verbaut. Die Kostenkontrolle wurde nicht laufend vorgenommen, die Verantwortlichen rechneten die Ausgaben erst im Sommer durch.

SP-Grossrätin Sarah Wyss, Mitglied der Finanzkommission, sagt dazu: «Ich stehe hinter dem Entscheid, das Geld zu sprechen. Aber der Ablauf war schon sehr unschön.» Kommissionskollege und CVP-Präsident Balz Herter sagt, dass die Mehrkosten nachträglich detailliert aufgearbeitet würden. Er sagt auch: «Es muss sich etwas ändern bei Basler Bauprojekten. Wir brauchen künftig ein sorgfältiges Monitoring.»

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