MCH Group: Machtlos gegen Lohndumping

Der Neubau des Basler Messezentrums war überschattet von zahlreichen Lohndumping-Fällen. Wochenlang sahen die Verantwortlichen dem Treiben tatenlos zu. Die Basler Regierung erklärte sich für nicht zuständig.

Im Fokus der Gewerkschaften: die Messe Basel und ihr Neubau. (Bild: Anthony Bertschi)

Der Neubau des Basler Messezentrums war überschattet von zahlreichen Lohndumping-Fällen. Wochenlang sahen die Verantwortlichen dem Treiben tatenlos zu. Die Basler Regierung erklärte sich für nicht zuständig.

Die Schwierigkeiten der Messe Basel (MCH Group) begannen, als sie sich zu Grossem aufmachte. Ein schicker Neubau von für Basel ungewöhnlichen Dimensionen musste her, mitten in der Stadt, an der Stelle der alten Messehalle und über dem Messeplatz. Am Bauwerk arbeiteten zu Spitzenzeiten bis zu 1000 Arbeiter gleichzeitig. Der Ausbau der Messe, für satte 430 Millionen Franken, wurde vom Volk finanziert.

Dabei haben die Messe und der von ihr eingesetzte Generalunternehmer den Überblick verloren. In der vielgliederigen Subunternehmerkette wurden zu tiefe, manchmal auch gar keine Löhne ausbezahlt. Gegen 50 Elektriker arbeiteten zwei Monate, und am Schluss standen sie ohne Lohn da – das Geld war irgendwo verschwunden. Der Liftbauer Schindler stellte seine polnischen Monteure zu einem Praktikanten­lohn an. Keine Woche verging, ohne dass nicht ein neuer Fall von Lohndumping aufgeflogen wäre.

Messe kam für Lohnausfälle auf

Lange weigerten sich sowohl die Messe wie auch die zuständigen Regierungsräte Eva Herzog und Christoph Brutschin, Verantwortung für den Skandal zu übernehmen. Der Kanton Basel-Stadt ist grösster Aktionär des Unternehmens. Nach Wochen des Mauerns verkündete schliesslich Verwaltungsratspräsident Ueli Vischer (LDP), die Messe würde für Lohnausfälle auf ihrer Baustelle aufkommen.

Zuvor schoben Politik und ­Unternehmen die Verantwortung konsequent ab – an den Generalunternehmer oder auch mal tief runter in die Subunternehmerkette. Dabei sitzen mit Brutschin und Herzog gleich zwei Basler Regierungsräte im Verwaltungsrat, VR-Präsident Vischer wurde von ihnen eingesetzt.

Artikelgeschichte

Erschienen in der Wochenausgabe der TagesWoche vom 20.12.13

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