Mehr Läden gibts nur gegen 700 ­Veloparkplätze

Die SBB müssen am Basler Bahnhof neue Veloabstellplätze realisieren – ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Nicht nur das Veloparking unter dem Centralbahnplatz am Basler Bahnhof SBB ist dauerbesetzt. Beim Badischen Bahnhof sieht's gleich aus. (Bild: Keystone)

Die SBB müssen am Basler Bahnhof neue Veloabstellplätze realisieren – ein ziemlich schwieriges Unterfangen.

Es ist ein Entscheid, der den SBB starke Kopfschmerzen bereitet. Ein Entscheid, der die SBB-Planer fast verzweifeln lässt. Konkret: Im Mai 2010 beschloss der Grosse Rat, dass die SBB ihren Bahnhof in Basel künftig mehr kommerziell nutzen dürfen als bisher. Gemäss Bebauungsplan können neu auch in der Schalterhalle und im Osten des Bahnhofsgebäudes Verkaufs-, Dienstleistungs- und Gastro­nomie­flächen eingerichtet werden. Eigentlich Grund zur Freude für die SBB – wenn es da bloss nicht diese, für sie lästige, Ergänzung gäbe: Der Grosse Rat verdonnerte den Staatsbetrieb nämlich gleichzeitig dazu, zusätzliche 700 Veloparkplätze am Bahnhof zu realisieren. Besonders mühsam für die SBB: 500 davon müssen unterirdisch sein.

Nach dem Willen des Parlaments gibt es also nur mehr Verkaufsflächen, wenn es auch 700 neue Veloparkplätze gibt. Von diesem Ziel sind die SBB aber auch anderthalb Jahre nach dem Grossratsbeschluss noch weit entfernt: «Die Auflage bereitet uns grosse Mühe. Sie ist für uns nicht einfach zu erfüllen», sagt SBB-Sprecherin Lea Meyer der TagesWoche. Die SBB haben denn auch Rekurs gegen den Entscheid eingereicht, dieser ist momentan hängig.

SBB befürchten hohe Kosten

Grund für den Unmut bei den SBB: «Einerseits gibt es grosse bauliche und logistische Herausforderungen, da es sich um ein denkmalgeschütztes, dauernd in Betrieb stehendes Areal handelt, das kaum Platz für zusätzliche Nutzungen bietet», sagt Meyer. Und andererseits erfordere eine unter­irdische Anlage an diesem Ort «über­mäs­sige finanzielle Investitionen». Ein einziger unterirdischer Veloabstellplatz kostet laut der SBB-Sprecherin etwa das Zehnfache eines oberirdischen ­Veloparkplatzes.

Wo und bis wann die Parkplätze zu stehen kommen, kann Lea Meyer deshalb noch nicht sagen. «Zurzeit ist die Machbarkeitsstudie des Projekts in Bearbeitung. Diese wird im Laufe des Frühjahres 2012 fertig sein und entsprechende Ergebnisse liefern.» Unterstützung bei der schwierigen Angelegenheit erhalten die SBB von der Basler Verwaltung. Klar ist, dass kein Weg an den 700 Parkplätzen vorbeiführt, auch wenn das Bahnhofsareal im Besitz der SBB ist. «Sobald der Grossratsbeschluss rechtskräftig wird, sind die SBB verpflichtet, 700 Veloparkplätze zu realiseren», sagt Marc Février vom Bau- und Verkehrsdepartement. Die Auflage sei bestimmt nicht einfach zu erfüllen, aber nicht unmöglich.

Auch für die Polizei ein Problem

Derselben Meinung ist Stephanie Fuchs, Geschäftsleiterin des VCS beider Basel. Wäre es nach ihr gegangen, hätten die SBB sogar 1500 zusätzliche Veloparkplätze erstellen müssen. Und zwar sofort. «Die heutige Situation ist höchst unbefriedigend. Die SBB müssen dringend handeln», sagt Fuchs. Das Veloparkangebot am Bahnhof SBB lässt tatsächlich zu wünschen übrig. Rund 3000 Parkplätze gibt es derzeit. Viel zu wenige. Die 730 Abstellplätze unter der Passerelle sind dauerbesetzt, die 1640 unter dem Centralbahnplatz ebenfalls, und rundherum herrscht das reine Chaos.

Trotzdem sah das Unternehmen offenbar nie Handlungsbedarf. In den letzten sechs Jahren hätten die SBB keine neuen Veloparkplätze geschaffen, sagt Meyer. Gehandelt hat stattdessen der Kanton: Seit der Eröffnung des Veloparkings im 2002 hat er etwa 700 neue Abstellplätze realisiert. Über mehr Parkplätze würden sich nicht nur die Velofahrer, sondern auch die Polizisten freuen. «Die jetzige Situation ist problematisch und unbefriedigend», sagt Sprecher Klaus Mannhart. So müsse die Polizei jeden zweiten Tag wild parkierte Velos am Bahnhof SBB einsammeln.

 

Artikelgeschichte

Erschienen in der gedruckten TagesWoche vom 23/12/11

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