«Milchhüsli»: Wieder alles in Butter?

Im «Milchhüsli» soll die Kultur eine grössere Rolle spielen: Bereits finden wöchentlich Konzerte statt. Gastro-Unternehmer Roger Greiner will jetzt einen Verein gründen, damit noch mehr solche Ideen realisiert werden – und er sich mittelfristig wieder aus dem operativen Geschäft zurückziehen kann.

Roger Greiner will einen Verein gründen, der das «Milchhüsli» mit Ideen füttert.

(Bild: Marc Krebs)

Im «Milchhüsli» soll die Kultur eine grössere Rolle spielen: Bereits finden wöchentlich Konzerte statt. Gastro-Unternehmer Roger Greiner will jetzt einen Verein gründen, damit noch mehr solche Ideen realisiert werden – und er sich mittelfristig wieder aus dem operativen Geschäft zurückziehen kann.

Auf der Landkarte der Gegenwart – aka Google Maps – ist es verschwunden, das Basler «Milchhüsli». Das Kultlokal an der Missionsstrasse gibt es aber noch immer. Zwar nicht mehr als verrauchte Knille, in der Hansjörg Schneiders Kommissär Hunkeler gerne mal auf einen Absacker einkehrte, sondern als Café ohne vergilbte Vorhänge – und vor allem auch ohne den Mief der älteren und den Beef der jüngeren Vergangenheit.

Wir erinnern uns: Unter dem Namen Caffè Bologna lancierten Studierende der Uni Basel 2013 das renovierte «Milchhüsli» für ihresgleichen. Doch standen sie in kurzer Zeit vor einem Schuldenberg. Sie wollten zu viel und hatten zu wenig – zu wenig Erfahrung in Betriebswirtschaft und in Gastronomie. Monatlich verbuchte das Caffè Bologna Verluste in fünfstelliger Höhe! 

Vom Schuldenberg zu Gratis-Gipfeli

Gastro-Unternehmer Roger Greiner erfuhr durch Artikel wie diesen von den Geldproblemen, mit denen die Studentische Körperschaft (Skuba) zu kämpfen hatte. Der Co-Geschäftsführer der Confiserie Beschle klopfte mit 100 gesponserten Croissants an, um die unglücklich agierenden Studis aufzumuntern. «Da fand gerade eine Krisensitzung statt und sie fragten mich, ob ich dieser beiwohnen wolle. Da ich betriebswirtschaftliche Erfahrung hatte, hörte ich zu – und sagte danach, wie ich die Kosten senken und das Konzept der Realität anpassen würde.»

Vor zehn Monaten drehte die Uni Basel den Geldhahn ganz zu, und die Skuba verabschiedete sich von ihren Gastroträumen. Greiner kaufte das Intérieur des Lokals und führte den Betrieb über die Rheingarten GmbH weiter, mit der Idee, den «Bologna»-Absturz vergessen zu machen und wieder auf den vertrauten Namen «Milchhüsli» zu setzen – mit bescheideneren Ansprüchen, neuen Synergien und als soziales Projekt, wo Studierende Erfahrungen sammeln können. Daher sei auch sein eigenes Engagement ehrenamtlich, sagt Greiner.

Mit Ideen und Engagement zu neuem Leben

In den letzten Monaten hat er mit zahlreichen Leuten und Betrieben Kontakte geknüpft, um eine mögliche Zusammenarbeit genauer anzuschauen. So etwa mit Bernhard Ley, dem Leiter des Basler Jazzcampus, der einen alten Flügel ausgeliehen hat. Ein Jazzstudent sorgt seit letztem Herbst dafür, dass im «Milchhüsli» die Musik spielt: Bassist Daniel Somaroo kümmert sich um das Musikbooking. «Genau solche engagierten Leute braucht es, damit wir das ‹Milchhüsli› wieder stärker beleben können», sagt Greiner. «Wir können Jazzformationen aus dem Umfeld des Campus eine Bühne bieten. Und dem Publikum junge Talente präsentieren», sagt er.

Dreimal wöchentlich spielt im Milchhüsli die Livemusik. Im Bild: Das Marco Mazzotti Trio.

Dreimal wöchentlich spielt im Milchhüsli die Livemusik. Im Bild: Das Marco Mazzotti Trio.

Das trägt an manchen Abenden bereits Früchte und führt zu einem vollen Haus. Am vergangenen Mittwoch etwa sang Gina Eté, während die Crew 90 Burger verkaufte, ein Drittel vegetarisch. «Wir hatten alle Hände voll zu tun», freut sich Greiner. Das «Milchhüsli» schreibe im Moment eine schwarze Null. 

Bier aus dem «Milchhüsli»

Um die Risiken zu minimieren, lagert Greiner die Küche aus, lässt sich die Burger von Food Truck und Vegiman liefern. Und setzt auch sonst viel stärker auf Synergien. So gibt es etwa ein Bier zu trinken, das zwei Studenten im Leimental brauen – und zwar im Milchhüsli Hofstetten. 

Mit solchen Kooperationen bettet sich das Lokal wieder ein, in das Quartier, in die Stadt, in die Region. Das scheint sich auszuzahlen – auch ältere Quartierbewohner kehren zurück; die Durchmischung findet stärker statt. Und mit Spezialanlässen wie einem «Hunkeler»-Filmabend scheint man sich auch auf die marketingträchtige Geschichte zurückzubesinnen. Gute Idee.

Ein Verein soll die Zukunft mitbestimmen

Jetzt, mitten im Turnaround, denkt Greiner an eine engere Kooperation mit Unifakultäten und engagierten Studierenden nach. So kann er sich etwa die Einführung eines «Sunday Brunchs» zu klassischer Livemusik vorstellen, wobei Pianisten der Musikakademie Auftrittserfahrungen sammeln. An Projekte, bei denen Masterstudenten Credit Points sammeln können.

Als nächsten Schritt gründet Greiner im Februar einen Verein. Dieser soll das «Milchhüsli» mit Ideen füttern. Damit will er auch den Betrieb breiter abstützen und engagierte Leute ins Boot holen. Sei es für Ideen, was das Kulturprogramm angeht, oder auch die Gastronomie. «Mein Ziel ist es mittelfristig, den Stab wieder abzugeben und das ‹Milchhüsli› in verantwortungsbewussten jungen Händen zu wissen», sagt Greiner. Dem 38-jährigen Unternehmer selber würde es nicht langweilig, ist er doch weiterhin bei Beschle, dem Caffè con Letras und der Buvette am Bollwerk engagiert. 

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Das Milchhüsli ist von Montag bis Freitag geöffnet, an Samstagen kann es für Privatanlässe gemietet werden.
Das Kulturprogramm findet man auf der Webseite milchhüsli.ch.

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