Mit dem U-Abo könnte es bald vorbei sein

Um zu sparen, denkt die Baselbieter Regierung über teurere Pendler-Abos nach. Das könnte das Ende des erfolgreichen U-Abo-Modells bedeuten. Noch regt sich aber Widerstand.

Um zu sparen, denkt die Baselbieter Regierung über teurere Pendler-Abos nach. Das könnte das Ende des erfolgreichen U-Abo-Modells bedeuten.

Das Umweltschutz-Abonnement ist einzigartig in der Schweiz. Und es ist beliebt. Kein anderes Abo erreicht in seinem Gebiet ein so hohe Verbreitung. Dennoch soll es in seiner bisherigen Form abgeschafft werden. Die Basler Regierung drängt schon länger auf eine Abstufung zwischen ­einem möglichst günstigen Stadt-Abo und einem teureren Pendler-Abo. Im Baselbiet wehrten sich Politiker von links bis rechts lange gegen eine solche Zonierung. Die Regierung war ebenfalls kritisch.

In den Erläuterungen zum geplanten Sparpaket vertritt sie nun aber plötzlich eine andere Meinung. Dem Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW) werde der Regierungsrat «entsprechende Anträge (Zonierung und Tariferhöhung)» stellen, wird darin angekündigt. Damit wäre der Entscheid gegen das einzigartige U-Abo mit dem Einheitstarif bereits gefallen.

Pegoraro zögert

Die Ankündigung stammt aber noch vom früheren Baudirektor Jörg Krähenbühl (SVP). Seine Nachfolgerin ­Sabine Pegoraro (FDP) ist nicht ohne Weiteres bereit, den Sparvorschlag ­ihres Vorgängers umzusetzen. «Das U-Abo ist dank seines einfachen Prinzips ein Erfolgsmodell. Für Änderungen muss es gute Gründe geben», sagt sie.

Diese könnte es allerdings auch im Baselbiet geben. Denn die Regierung will sparen. Viel sparen. 180 Millionen Franken insgesamt. Zwei Millionen Franken soll eine Tariferhöhung beim Öffentlichen Verkehr bringen. Politisch hat dieses Vorhaben wohl nur eine Chance, wenn nicht alle ÖV-Passagiere gleich stark betroffen sind, sondern vor allem die Vielfahrer mehr zahlen müssen. Das jedenfalls sagt man im Basler Baudepartement. In Liestal spricht man nicht über die Umsetzung der ­Tariferhöhung. Zu heikel ist das Thema. Und zu beliebt das U-Abo.

Krähenbühl beschwichtigt

Wie gross der Widerstand gegen eine Abschaffung werden könnte, zeigte sich bereits Anfang Jahr nach ersten Berichten über eine mögliche Zonierung. Die Grünliberalen lancierten damals eine Petition «Für die Beibehaltung des Umwelt-Abos» und sammelten innert Kürze 1500 Unterschriften. Krähenbühl gab in der zuständigen Landratskommission zu bedenken, dass der Abotarif für «Pas­sagiere, die häufig längere Strecken zurücklegen (…) ausserordentlich günstig» sei. Gleichzeitig versprach er, sich für eine «Weiterentwicklung des U-Abo» einzusetzen, die nicht nur ökonomisch, sondern auch «ökologisch sinnvoll» sei.

Ein erster wichtiger Entscheid über die «Weiterentwicklung des U-Abo» fällt am 4. November an der Vollversammlung mit den Vertretern der TNW-Kantone Basel-Stadt, Baselland, Aargau und Solothurn. TNW-Direktor Andreas Büttiker möchte sich vor der Sitzung noch nicht über mögliche Zonierungen äussern: «Das Thema wird ohnehin noch für genügend Gesprächsstoff sorgen.»

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Konversation

  1. Es ist ja wieder ein Mal typisch. Sparen bei den Kleinen ist am einfachsten, weil diese sich ja nicht wehren können. Der Kanton soll lieber mal bei unwichtigeren Dingen sparen!

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  2. Es ist leider ein häufige Taktik der BL-Regiereung unangenehme Entscheide auszusitzen – siehe z.B. Budget vor den Wahlen…
    Dass man nun an allen möglichen – aus meiner Warte häufig falschen – Orten zu sparen versucht, zeigt die aufkommende Diskussionen zur Abschaffung des Vorzeigeproduktes U-Abo.
    Das löst die finanziellen Probleme des Kantons genausowenig wie die Oposition gegen die Gelder für das Theater.
    Symtom- anstatt Ursachenbekämpfung – genauso kann man die bestehende Probleme mit Sicherheit nicht lösen.

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  3. Die BL-Regierung hat sich mit Steuerreformen selbst in die ungemütliche finanzielle Lage gebracht und die Unterschicht und der Mittelstand sollen es ausbaden. Das U-Abo ist nur eines von vielen Beispielen dieser Umverteilung von oben nach unten!

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  4. Die Basis des Erfolgs ist, dass es keine Zonen und sonstige Abstufungen gibt. Einsteigen und losfahren, ohne überlegen zu müssen, ob man evtl. eine Zonengrenze passiert. Daran sollte man nicht herumschrauben.( Sagt einer, der zu mehr als 95% nur im unmittelbaren Stadtgebiet unterwegs ist.)

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