Ohne Chemie wäre Basel bloss eine Provinzstadt

Basel und Pharma gehören zusammen. Doch spannungsfrei ist das Verhältnis nicht. Fragen und Antworten zu den Beziehungen zwischen der Stadt und ihrem wichtigsten Wirtschaftszweig im Laufe der Zeit.

Basel und Pharma gehören zusammen. Doch spannungsfrei ist das Verhältnis nicht. Fragen und Antworten zu den Beziehungen zwischen der Stadt und ihrem wichtigsten Wirtschaftszweig im Laufe der Zeit.

In Basel gibt es die Tendenz, sich nicht über Chemie und Pharma zu definieren und keine Company Town sein zu wollen. Das heisst: Sich die hohe Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs schlicht nicht oder zu wenig bewusst zu machen.

Dazu passt, dies sei vorweg gesagt, dass sich die historische Forschung in Basel bisher kaum mit dieser Leitindustrie befasst hat, obwohl aufschlussreiche und zugängliche (!) Archive gleichsam vor ihrer Haustür liegen.

Die Stadt will kein Anhängsel der auf ihrem Territorium gewachsenen Giganten sein. Sie verfügt über genug Eigenständigkeit, um einfach sich selber zu sein. Dies in der Meinung, dass es Basel schon vor seiner Chemie gegeben habe und dass die Stadt als eigene Grösse unabhängig von der Chemie bestehe. Dem stand allerdings etwa ein 1978 präsentierter Befund eines universitären Betriebsökonomen entgegen: Ohne Chemie wäre Basel bloss eine Provinzstadt in der Grössenordnung von Winterthur.

Es ist bezeichnend, dass es in Basel zwar eine Euler-, eine Socin- und eine Bernoullistrasse gibt, aber keine Geigy- oder Koechlin-Strasse.

Das Basler Selbstbild ist einseitig auf das Kulturelle ausgerichtet. Überlegt man sich, was den Ruf Basels im internationalen Leben ausmacht, denken manche eher an Erasmus, die Fasnacht und die Art, nicht an Chemie und Pharma. Bezeichnend ist, dass es in Basel zwar eine Euler-, eine Socin- und eine Bernoullistrasse gibt, aber keine Geigy- oder Koechlin-Strasse.

Bei Firmenjubiläen wurde freilich – dem Anlass entsprechend – engste Verbundenheit beschworen und die gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck gebracht. Handelskammer-Präsident Hans Franz Sarasin erklärte 1958 anlässlich der 200-Jahr-Feier der Firma Geigy: «Wir können uns Basel ohne die chemische Industrie gar nicht vorstellen; ohne sie würde unsere Stadt zu einem bedeutungslosen Flecken herabsinken.»

Nicht untypisch für die Unternehmensseite, für die Firma und den Firmenchef, bemerkte Geigy-Verwaltungsratspräsident Carl Koechlin: «Es bestand immer ein enger, aktiver Kontakt verschiedener Chefs des Hauses mit dem öffentlichen politischen und wirtschaftlichen Leben unserer Stadt und unseres Landes.» Das hat sich mit dem Einzug von obersten Verantwortungsträgern aus dem internationalen Management freilich etwas geändert, aber nicht grundlegend.

Die noch in den 1960er-Jahren wahrnehmbaren Geruchsemissionen waren Teil der lokalen Identität.

Im Alltag war Basels Schlüsselindustrie entweder bloss ein selbstverständliches oder ein positives Element der Stadt. Selbst die noch in den 1960er-Jahren wahrnehmbaren Geruchsemissionen waren Teil der lokalen Identität und führten zu dem im Volksmund verbreiteten Spruch: «Wenns in Basel emol nimme stinkt, derno stinkts.»

In jüngster Zeit – Chemie war inzwischen zu Pharma geworden – kam es zu einer frappanten Variante dieser Einsicht. Jetzt gings aber nicht mehr um Luft, sondern um Architektur: Guy Morin, Basels grüner «Stapi», gab unruhig gewordenen Anwohnern zu verstehen, «dass es zum Wohl der gesamten Stadt ist, wenn Roche diesen Turm baut. Geht es Roche gut, dann geht es der gesamten Schweiz gut.»

Basel und Chemie/Pharma gehören zusammen. Unvorteilhaften Rahmenbedingungen in Frankreich (Lyon und dem nahen Elsass) ausweichend, hatte sich die junge Industrie um 1850 ans Rheinknie verschoben, da an die florierende Textilindustrie angeknüpft und wurde in der Folge zum stärksten Wirtschaftszweig.

Kein Wanderzirkus

Hätte diese Industrie nicht, wie sie gekommen war, auch wieder wegziehen können? Seit den 1970er-Jahren war Abwanderung ein Thema. Dann und wann gaben Industriehäuptlinge neben drohendem Geraune auch beruhigende Erklärungen von sich. So tönte 1990 aus von der Spitze der Ciba-Geigy: «Wir sind kein Wanderzirkus, der seine Zelte kurzfristig ab- und aufbauen kann.»

Und auf der anderen Seite, wo mit der Schaffung günstiger Rahmenbedingungen Tatbeweise zu erbringen waren, mahnten Politiker, dass man ein Huhn, das goldene Eier legt, nicht schlachten sollte. Selbst in den aktuellen Debatten um die Unternehmenssteuerreform USR III gibt es Anklänge dieser Art.

Warum wurde gerade Basel zum wichtigsten Zentrum der Chemie/Pharma-Branche der Schweiz und warum nicht – beispielsweise – Winterthur? Mehrere Standortfaktoren waren da im Spiel: die bereits vorhandene und bereits erwähnte Textilindustrie (die es in der Umgebung von Winterthur ebenfalls gab); sodann sicher Vater Rhein, der eine günstige Zufahrt für Kohle und einen praktischen Kanal für Abwasser bildete. Und überhaupt die vorteilhafte Verkehrslage.

Vorteil Grenzlage

Dazu die Grenzlage, die für einmal kein einengender und darum negativer Faktor war, sondern es möglich machte, auf günstigere Produktionsbedingungen im unmittelbaren Ausland (Grenzach, Hüningen etc.) auszuweichen. Besonders offensichtlich war das beispielsweise 1991 bei der Lancierung des von Ciba-Geigy geplanten Biotechnikums für die gentechnische Marktproduktion des Blutgerinnungsmittels Hirudin. Die Bewilligung in der Schweiz war unsicher, also ging man nach Huningue.

Die Stammhäuser wurden unabhängig davon mehr und mehr zu Organisations- und Verwaltungszentren, die eigentliche Produktion wurde wegen des EU-Zugangs, wegen der  Kostenvorteile und aus Gründen der Flexibilität ausgelagert, bei Sandoz etwa ein Teil der Produktion nach Irland.

Die Bedeutung der Uni für die Pharma ist nicht so gross, wie sie allgemein veranschlagt wird.

Welche Rolle spielte die Universität? Ihre Bedeutung – muss leider festgestellt werden – war und ist alles in allem nicht so gross, wie sie allgemein veranschlagt wird. Klar, gab und gibt es sogenannte Win-win-Situationen. In dieser Kombination war aber die Universität die grössere Gewinnerin als die Industrie, die auch im eigenen Haus Pionierforschung betrieb.

Ciba-Präsident Robert Käppeli fand 1959 anlässlich des 75-Jahre-Jubiläums der Firma trotzdem würdigende Worte: Es gebe Wissenschaftszentren ohne bedeutende Industrie, und es gebe mächtige Konzentrationen industriellen Potenzials ohne die wissenschaftliche Tradition. Basel habe aber beides produktiv zu verbinden gewusst.

War und ist die Bevölkerung ein Standortfaktor? Qualifizierte wie unqualifizierte Arbeitskräfte vor Ort sind dies. Die boomende Industrie sorgte aber dafür, dass ihr Bedarf an Human Resources auch zuwanderte, sowohl aus der trinationalen Region mit den Grenzgängern wie auch aus aller Welt.

Wegen der Pharma leben heute schätzungsweise 5000 bis 7000 zumeist hochqualifizierte Fachkräfte mit nichtschweizerischer Staatsbürgerschaft (vereinfachend als Expats bezeichnet) aus mindestens 100 Nationen temporär oder dauerhaft im Kanton Basel-Stadt. Die Niederlassungen in der basellandschaftlichen, solothurnischen und aargauischen Region sind da nicht mitgerechnet.

Eine Art Selbstläufer

Die Konsequenzen für Stadt und Region? Aufgrund bestehender Sensibilität muss man betonen, dass diese Zuwanderung ohne Schwierigkeiten verläuft und von der einheimischen Bevölkerung kaum als problematisch empfunden wird. Positiv gedacht, kann sie sich als gesellschaftliche Bereicherung auswirken. Kritisch kann man ein allzu anonymes Leben der Zugezogenen in separaten Welten der modernen City- und Agglomerationsgesellschaft monieren.

So wichtig für Zuzüger die Existenz einer privaten International School sein kann, es gibt den erfreulichen Trend, Kinder in die öffentlichen Schulen zu schicken, wie auch bei diesen Schulen eine ebenfalls erfreuliche Bereitschaft, auf deren besondere Bedürfnisse einzugehen.


Von einem bestimmten Entwicklungsstadium an war die Branchenkonzentration in der Region am Rheinknie so etwas wie ein Selbstläufer. Starke Unternehmen vor Ort ziehen neue Unternehmen der gleichen Branche an, kleine Firmen können von dem durch die Grossen geschaffenen Standort-Brand sowie von Personalabgängen bei den Grossen profitieren.

So bildete sich mit einer Vielzahl chemisch-pharmazeutischer Firmen in und um Basel eine Clusterstruktur mit stimulierenden Austauschbeziehungen. Neben den Big Two (Novartis und Roche) gibt es eine ganze Reihe von kleineren und doch gewichtigen Unternehmen der gleichen Branche, neben den ausgelagerten Syngenta und der Ciba Spezialitäten Chemie beispielsweise auch Lonza und Actelion sowie Teile von BASF,  Bayer etc.

Es gab Phasen, in denen Kritik und Ablehnung so laut wurden, dass sie dominant erschienen.

War und ist die positive Einstellung der Bevölkerung ebenfalls ein Standortfaktor? Negative Einstellungen wären ein negativer Faktor – und waren es zeitweise tatsächlich auch, wobei ein erheblicher Teil der Verantwortung dafür bei der Industrie selber lag.

Das Verhältnis zwischen Industrie und Stadt war nicht völlig stabil und offenbarte zuweilen auch ein ambivalentes Potenzial: Bejahung und Verbundenheit einerseits, Ablehnung und Distanziertheit andererseits. Die selbstverständliche und verwobene Koexistenz wurde, wenn es überhaupt auf eine Beurteilung hinauslief, nicht immer nur positiv bewertet. Es gab Momente und Phasen, in denen Kritik und Ablehnung so laut wurden, dass sie dominant erschienen.

Zwei heftige Erschütterungsmomente ragen heraus: das Grossfeuer von Schweizerhalle von 1986 und die Grossfusion von 1996. Der Brand von 1986 wurde – sozusagen «jubiläumsbedingt» – kürzlich eingehend rekapituliert. Er war ein Moment des Entsetzens innerhalb einer längeren Phase der hohen Problematisierung dieses Wirtschaftszweiges. Bloss einen kürzeren kritischen Moment bildete dagegen die Sandoz-Ciba-Fusion zu Novartis von 1996.

Signale eines gestörten Verhältnisses

Die kleinere Elefantenhochzeit von 1970 zwischen Ciba und Geigy war noch auffallend kritiklos hingenommen worden. Der Megazusammenschluss zu Novartis war dagegen ein Schock. Die Chronik des Basler Stadtbuchs hielt fest: «Die Basler Chemie stürzte die Stadt in ein Wechselbad der Gefühle.»

Und vom fernen Zürich aus nahm Oskar Reck, ehemaliger Chefredaktor der «Basler Nachrichten», liberaler Publizist, in der (alten) «Weltwoche» kein Blatt vor den Mund: «Direkt oder indirekt betroffen sind Tausende im Stadtstaat Basel, wehrlose Werktätige, die im Gefühl gesicherter Arbeit das ihre taten, bis sie, wenn auch mit gebührendem Bedauern, wegrationalisiert wurden. Da hilft kein Psychiater, sondern bestenfalls das Sozialamt.»

Es folgten weitere Signale eines gestörten Verhältnisses. Peter Facklam (dessen Vater einst für Geigy tätig gewesen war), der lange Jahre als Sekretär des Basler Volkswirtschaftsbundes amtete und für die LDP von 1980 bis 1992 in der Regierung sass, kritisierte Ende 1997 einen als anmassend empfundenen Auftritt: Das Unternehmen könne, wenn es mit der Basler Bevölkerung unzufrieden sei, in der weiten Welt eine andere, bessere, suchen, es werde aber auch dort an Grenzen stossen. Die neue Mentalität führe nicht nur bei der Belegschaft der Chemieunternehmen, sondern auch darüber hinaus zu einer wachsenden Entfremdung: «Die Bevölkerung bis weit in bürgerliche Kreise hinein nimmt merklich/unmerklich, langsam, doch Schritt für Schritt Distanz zur ‹Wirtschaft›. Es ist nicht mehr ‹ihre› Wirtschaft, auf deren Leistung sie einmal stolz war.»

Die Volksinitiative für die Abschaffung der Vivisektion wurde 1985 in Basel-Stadt überdurchschnittlich hoch abgelehnt.

Nach 1945 war Öffentlichkeitsarbeit zu einer wichtigen Nebenaufgabe der Unternehmen geworden. Es wurden jetzt aussagekräftigere Jahresberichte publiziert, Pressekonferenzen abgehalten und später «Tage der offenen Tür» durchgeführt. Als erfreulich fortschrittlicher Akt und Premiere gefeiert, führte Ciba-Geigy 1974 einen solchen Besuchstag durch, den über 50’000 Männer, Frauen und Kinder genutzt haben sollen, «um durch die Fabrikanlagen zu streifen und einen Eindruck von der Arbeit in der Chemie zu gewinnen».

Für das grosse Publikum wurde die Chemie-Präsenz auch an der Mustermesse wichtig, zum Beispiel mit dem auf dem Messeplatz aufgestellten gigantischen und entsprechend fast unvergesslichen Sandoz-Pavillon von 1970.

Die Basler Bürger (ab 1966 auch die nun zugelassenen Bürgerinnen) mussten ihre Chemiefreundlichkeit nicht in kantonalen Abstimmungsvorlagen beweisen. Es gab aber mehrere gesamtschweizerische Volksabstimmungen, die durchaus Chemie- und Pharmainteressen tangierten: Die Volksinitiative für die Abschaffung der Vivisektion wurde im Dezember 1985 in Basel-Stadt mit 74,6 Prozent Nein-Stimmen überdurchschnittlich hoch abgelehnt.  

Auch die weiteren Volksinitiativen, die erhebliche Einschränkungen der Forschung im Bereich der pharmazeutischen Chemie zur Folge gehabt hätten, waren keine Basler Produkte, und sie wurden in Basel weniger stark unterstützt als im gesamtschweizerischen Durchschnitt. Allerdings belasteten sie auch in der Region die Beziehungen zwischen Gesellschaft und Unternehmen. Es waren: 1992/1993 zwei weitere Tierschutzinitiativen, 1998 eine Initiative zum Genschutz sowie 2001 eine Initiative zu den Arzneimittelpreisen.

Der Bau 52 von Roche war so unumstritten, dass man während der Bauzeit noch drei zusätzliche Stockwerke draufsetzen konnte.

Die Einstellung der Bürger zur Chemie beziehungsweise Pharma kann auch an den Reaktionen auf herausfordernde Bauvorhaben abgelesen werden. Das in den 1950er-Jahren errichtete, heute kleine und damals doch recht grosse, 18-stöckige Roche-Hochhaus (Bau 52) war damals völlig unumstritten, sodass man während der Bauzeit sogar noch drei Stockwerke draufsetzen konnte, die in der ursprünglichen Baueingabe gar nicht enthalten waren.

Keine Opposition meldete sich beim 1960–1962 bei der Münchensteinerbrücke errichteten Lonza-Hochhaus und beim 1967 bezogenen Ciba-Hochhaus am Brückenkopf der Dreirosenbrücke. Einsprachen gab es erstmals in den frühen 1970er-Jahren gegen den Roche-Bau 74 an der Grenzacherstrasse 124.

Der in den letzten Jahren durchgeführte Ausbau der Stammsitze der beiden grossen Basler Pharmaunternehmen mit dem abgegrenzten Novartis-Campus und dem in die Höhe schiessenden Roche-Turm löste da und dort zumindest gemischte Gefühle aus. Man konnte dieses Bauen als Bekenntnis zum Basler Standort sehen, aber auch als Hang zu einer Dominanz ausdrückenden Selbstmanifestation.

Üben die starken Unternehmen ungebührlichen Einfluss auf die Politik aus? Das dürfte wahrscheinlich gar nicht nötig sein.

Was tat Basel für seine Schlüsselindustrie und was hatte es davon? Präzise Angaben sind da nicht möglich. Uns kommen zuerst Steuervergünstigungen in den Sinn, die nicht konkret ausgewiesen sind. Hinzu kommen etwa im Bedarfsfall günstige Zonenpläne, massvolle Vorgaben im Bereich der Sicherheits- und Umweltvorschriften, speditive Abwicklung von Arbeitsbewilligungen.

Üben die starken Unternehmen ungebührlichen Einfluss auf die Politik aus? Das dürfte wahrscheinlich gar nicht nötig sein, weil die Gegenseite im vornherein deren Bedürfnissen einigermassen Rechnung trägt. Bei der Grösse der Basler Chemieunternehmen entsprach es einer statistischen Wahrscheinlichkeit, dass einige Mitglieder des Basler Milizparlaments hauptberuflich für die Chemischen tätig waren und dass auch einige Regierungsmitglieder zuvor in dieser Branche gearbeitet hatten. Es ginge aber zu weit, daraus eine billige Interessenkollision abzuleiten.

Gewissermassen auf der Einnahmenseite gibt es neben den Steuern der Grossen auch noch die Abgaben der zahlreichen mittleren und kleineren Unternehmen der Branche. Und ausser den Erträgen von juristischen Personen fallen die beträchtlichen Steuerleistungen der gut bezahlten Privatpersonen an, die als potente Konsumenten ihr Geld wiederum weitergeben, auch mit ihren Besuchen kultureller Veranstaltungen. Nicht zu unterschätzen ist schliesslich die Wohlstandswirkung, die sich aus den Aufträgen an die Zulieferer ergibt.

Goldene Eier

Zu den goldenen Eiern gehören die oft als selbstverständlich erwarteten Vergabungen, das Sponsoring und das Mäzenatentum. Basel profitiert in hohem Mass vom Reichtum, der mit den erfolgreichen Unternehmen auf dem Stadtgebiet anfällt. Auf der Liste der Vergaben finden sich wenig beachtete Leistungen, zum Beispiel für Behindertentransporte. Sponsoring fällt, zum Beispiel beim FCB, naturgemäss eher auf.

Im Vordergrund der Wahrnehmung und der Anerkennung steht zu Recht das private Mäzenatentum insbesondere im Bereich der bildenden Kunst (Emanuel Hoffmann-Stiftung und Laurenz-Stiftung). Grosszügige Förderung erleben aber auch das Musikleben (Paul Sacher Stiftung und Jazz Campus), die Museen (insbesondere die Antikensammlung), der Wohnbau von Habitat und anderes mehr.

Die Liste ist lang, vieles muss unerwähnt bleiben. Nicht verschwiegen sei jedoch, dass hinter der TagesWoche die Stiftung für Medienvielfalt steht, die von der Roche-Erbin Beatrice Oeri ermöglicht wurde.

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Georg Kreis hat zusammen mit Beat von Wartburg den imposanten Doppelband «Chemie und Pharma in Basel» herausgegeben. Bd. 1 von Mario König, 344 S., Bd. 2 mit 30 Beiträgen, 419 S., mit zahlreichen Illustrationen; Christoph Merian Verlag, November 2016, 78 Franken.

Konversation

  1. „Ohne ….. wäre…“ ist ein interessantes Gedankenspiel, was bringt uns dieses Spiel aber? Nichts. M.E. haben wir es zu akzeptieren, dass es so ist wie es ist, trotz verdankenswerter Zurkenntnisnahme der Vorgeschichte. Erst dann können wir unsere Verantwortung wahrnehmen.
    Ich bin froh, dass es die Pharma gibt. Dass heißt aber nicht, dass die manchmal Scheisse machen: Mobbing, Bossing und Medikamente, die es besser nicht gäbe, wie die sogenannten „Psychopharmaka“, die ich lieber Neuropharmaka nenne, weil sie nicht die Psyche = Seele heilen, sondern nur unser Gehirn beeinträchtigen.. Wer will dies aber schon wissen?

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  2. Lieber Alex – sie haben wohl gar keine Ahnung ein in der ganzen Region das Geld fliesst dank Pharma. Früher hatten wir noch etwas Banken/Finanzen, diese sind mittlerweile grösstenteils in Zürich. Pharma hält hier sah fast alle Klein- und Mittelbetriebe wie Zulieferer am leben. Handelsunternehmen profitieren in Basel und Grenznähe. Zudem Geldflüsse in die Kultur – Theater, FCB, Konzerte, Ballett, Museen, Ausstellungen. Hätten wir diese zwei grossen nicht wäre Basel nicht Provinz sondern Moloch wo niemand gerne freiwillig wohnt und/oder hingeht.

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  3. Lieber Alex, wer oder was hindert Sie denn dran, nach Sulzburg (Baden), Titisee-Neustadt oder gar nach Abländschen hinter dem Jaunpass auszuwandern? Auch zwingt Sie ja niemand – hier oder dort – Kopfwehtabletten gegen Föhn-Attacken oder Rennies gegen saures Aufstossen zu kaufen. Ich bin überzeugt, dass es mir im heutigen Basel besser geht.

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  4. @ seiler
    wir erinnern uns an dieser stelle gerne auch an die biz – weitestgehend steuerbefreit (und bundesseitig subventioniert) … man scheut für sein image quasi keine kosten.
    auf wessen kosten genau?

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  5. Ich glaube nicht, dass man darauf stolz sein muss und darf, dass einer Player im Gnetech- und Patent(un)wesen wie Syngenta den Hauptsitz in Basel hat.
    Im Übrigen muss man, um beim Bild von G. Kreis zu bleiben, einem Huhn, das goldene Eier legt, nicht gerade den Hals umdrehen, aber ihm die Flügel stutzen ganz bestimmt!

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    1. das ist mal ein kluges bild, herr @müller!
      (und die goldfasane lassen sie fliegen, nur um sie später abzuknallen … irgendwo hier in der regio)

      man sollte mE auch nicht den lieben langen tag mit dem einen standbein rumlaufen – sowas empfiehlt sich beim alpinen melcherschemel vielleicht, wo man sich das einzige standbein zur sicherheit gleich an den allerwertesten schnallt … standortstabilität garantiert bekanntlich der 3beiner
      pharma
      plus?
      plus?

      und das möchte ich nicht als pauschalkritik an der pharma verstanden wissen – im gegenteil
      (ich für meinen teil bin froh, dass unser klumpenrisiko nicht aus einer ruag besteht, einer idyllischen jumbojet-bude oder dem tretminen-konzern xy)

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    2. Die Goldfasane der IG Farben wurden auf alle Fälle herzlichst willkommen geheissen und leider auch nach 1945 grösstenteils nicht abgeschossen…

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    3. Die ersten chemischen Unternehmen flüchteten nach Basel, weil es damals in der Schweiz noch keinen Patentschutz gab und sie einfach fremdes geistiges Eigentum kopieren konnten. Worauf die Nachbarn mit Importverboten reagierten. Worauf das Patent(un)wesen auch in der Schweiz Einzug hielt.
      Uebrigens sind Patente ein Vertrag zum Nutzen der Gesellschaft: der Staat garantiert den Schutz einer Erfindung bis zu 18 Jahren und ermöglicht Lizenzgebühren. Im Gegenzug veröffentlicht der Erfinder seine Erfindung und alle anderen Forscher können damit weiter arbeiten. Vor dem Patent(un)wesen waren die geistigen und finanziellen Investitionen des Erfinders nicht geschützt. Und darum wurden Erfindungen geheim gehalten. So musste das Rad mindestens 10x erfunden werden, statt Fortschritte zu machen.

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