Seeluft schnuppern in der Rosenstadt

Viele kennen Rapperswil, weil sie früher mal im Kinderzoo waren oder als Eishockey-Fans im Stadion gejubelt haben. Dabei gibt es dort auch für Zooskeptiker und Sportbanausen vieles zu entdecken.

Die Seeluft ist überall: Rapperswiler Panorama mit Altstadt und Schloss.

(Bild: Keystone)

Viele kennen Rapperswil, weil sie früher mal im Kinderzoo waren oder als Eishockey-Fans im Stadion gejubelt haben. Dabei gibt es dort auch für Zooskeptiker und Sportbanausen vieles zu entdecken.

Bereits am Bahnhof erwartet den Besucher etwas vom Wichtigsten des Ausflugs: Der unverwechselbare Duft des Zürichsees. Frische Luft, süsses Seewasser und ja, Entenkacke gehört auch dazu. Über die Kopfsteinpflaster, am Seeufer vorbei und durch malerische Gassen, die zum «Lädälä» und «Käffälä» einladen, kommt man zur Schlosstreppe. Diese führt einen an Rosengärten vorbei bis zum Lindenhügel, wo das von Vogt Rudolf von Rapperswil Anfang des 13. Jahrhunderts erbaute Schloss thront. 

Wer eine schöne Aussicht aus dem Turm geniessen möchte, muss sich zuerst durch die polnische Geschichte lesen – im Inneren des Schlosses befindet sich das erste polnische Nationalmuseum der Schweiz. Seit dem Novemberaufstand 1830 ist die Schweiz wichtiger Zielort polnischer Flüchtlinge und das Polenmuseum in Rapperswil wurde zu einem Sammelort für polnische Erinnerungen. Hier kann man zum Beispiel das Mausoleum des in der Schweiz verstorbenen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko besuchen oder polnische Münzen mit dem Rapperswiler Schloss bestaunen.

Der Blick über den Zürichsee und die Inseln Lützelau und Ufenau (übrigens die grösste Insel der Schweiz) lässt sich aber auch schon vor den Schlosspforten bewundern. Auf der anderen Seite des Lindenhügels schmeisst man sich in die Badekleider und kann sich kostenlos in der 100-jährigen Seebadi abkühlen. Hier ist alles einfach gehalten, aber deshalb nicht weniger reizvoll. Über den Holzsteg, die Leiter runter und los gehts! Die Stimmung ist oft friedlich und es lässt sich wunderbar «sünnälä» und «bädälä».

Urbane Kleinstadt

Lädt das Wetter nicht zum Baden ein, bietet das Kunstzeughaus ausserhalb des mittelalterlichen Zentrums ein Regenwetterprogramm. Dort werden Wechselausstellungen verschiedenster Künstler gezeigt. Im Moment zum Beispiel «Y’a pas le feu au lac»: junge Kunst aus der Romandie. Nur schon wegen des Ausstellungsraums lohnt es sich – geräumig und hell ist er, als wäre man nicht im kleinen, bürgerlichen Rapperswil, sondern in einer urbanen Grossstadtgalerie.

Das sympathische Kulturzentrum liegt knapp vor der nicht mehr vorhandenen Grenze zu Jona. Seit der Fusion der beiden Gemeinden im Jahr 2005 heisst das Ganze offiziell Rapperswil-Jona – und ist die zweitgrösste Stadt des Kantons St. Gallen (nöd Züri, im Fall!). Trotzdem hat es sich ein provinzielles Flair bewahrt.



Junge Kunst in schönen Räumen: Kunstzeughaus Rapperswil

Junge Kunst in schönen Räumen: Kunstzeughaus Rapperswil. (Bild: Martina Basista)

Erdbeertörtli und Zootiere

Auf dem Weg zurück zum historischen Zentrum kann man sich nochmals der kleinstädtischen Atmosphäre hingeben. Im Café Steiner, das nicht nur wegen seiner vielen, eher unaufgeregten Namenswechsel (von «Müller» zu «Müller’s» zu «Steiner») unter Rapperswilern bekannt ist, lässt es sich gut-bürgerlich Kaffee schlürfen und Erdbeertörtli essen. Wem das zu sehr nach «Käffeli mit Oma» erscheint, kann alternativ in das neu geöffnete «Inä». Hier kann man ganz hip auf Brocki-Möbeln das selbstgebackene Brot mampfen. 

Diejenigen, die den Zoo dann doch nicht ganz wegdenken wollen, sollten ins «Himmapan» zum Abendessen gehen. Zu Thailändischen Speisen beobachtet man von der Terrasse aus die Elefanten und Giraffen, ganz ohne Eintrittsticket. Die Seeluft wird hier zwar von einem weniger idyllischen Stallgeruch übertönt – doch Charme hat das ja auch allemal.

 

– Schlafen: Mit eigenem Zelt auf der Insel Lützelau.

– Essen: Thailändisch im «Himmapan», Hausmannskost im Café Steiner, Alternativ im «Inä».

– Machen: Kunst anschauen im Kunstzeughaus.

– Hören: Musik am Blues’n’Jazz, 23.–26. Juni.

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