Sieben Antworten zum zweiten Halbfinal

Ist das alles noch erklärbar? Wie singen die Argentinier? Und was mache ich, wenn ich gerade keinen dieser praktischen Freistoss-Sprays zur Hand habe? Unsere Antworten zum zweiten Halbfinal (22.00 Uhr, MESZ).

Brasilien, das ist Fussball, Fussball, Fussball. Und – Tränen. (Bild: AP Photo/Bruno Magalhaes)

Ist das alles noch erklärbar? Wie singen die Argentinier? Und was mache ich, wenn ich gerade keinen dieser praktischen Freistoss-Sprays zur Hand habe? Unsere Antworten zum zweiten Halbfinal (22.00 Uhr, MESZ).

Wie rhythmusfest zeigen sich die Argentinier vor dem Halbfinal gegen die Holländer?

Sehr, wie dieses Video aus der feudalen Garderobe des Estádio Nacional de Brasília Mane Garrincha nach dem Halbfinaleinzug beweist.

Gerne liefern wir auch den Text des Liedes, der die Brasilianer nach dem ersten WM-Halbfinal noch etwas härter treffen wird.

Brasil, decime qué se siente
tener en casa a tu papá.
Te juro que aunque pasen los años
nunca nos vamos a olvidar,
que el Diego te gambeteó,
que Cani te vacunó,
que estás llorando desde Italia hasta hoy.
A Messi lo vas a ver.
La Copa nos va a traer.
Maradona es más grande que Pelé.
Brasilien, sag mir, wie es sich anfühlt
im eigenen Haus herumkommandiert zu werden.
Ich schwöre dir, egal wie viele Jahre vergehen,
nie werden wir vergessen,
dass Diego (Armando Maradona) dich übertrumpft hat,
dass Cani (Claudio Caniggia) dich überrascht hat,
dass du noch immer weinst seit 1990 (WM Italien).
Du wirst Messi sehen.
Den Pokal werden wir uns holen.
Maradona ist grösser als Pelé.

Die Argentinier machen sich also über die armen Brasilianer lustig. Gibt es vielleicht auch ein Video, das sich die Holländer vor dem heutigen Spiel mehr als einmal anschauen?

Aber natürlich. Die Bilder, wie Dennis Bergkamp 1998 den Viertelfinal zwischen Holland und Argentinien entscheidet, dürften sich heute in den Niederlanden besonderer Beliebtheit erfreuen. Bei uns natürlich auch, ist schliesslich eine Augen- und in diesem Video auch Ohrenweide:

Arjen Robben hat seinen Ruf als fliegender Holländer an dieser WM auf sicher. Aber gibt es jemanden, der ihm auf dem Gebiet der leicht übertriebenen Darstellung eines angedeuteten Foulspiels das Wasser reichen kann?

Nun, der arme Neymar fällt zwar auch leicht, für den Rest dieser WM aber aus. Was er nach dem 1:7 seiner Brasilianer gegen Deutschland vielleicht nicht einmal bedauert. Wir haben aber trotzdem jemanden gefunden, der Robben fast schon wie einen Anfänger aussehen lässt.

 

Wie kann man sich behelfen, wenn man kein Freistossspray zur Hand hat?

Dieses Freistossspray hat bei der WM ja so etwas wie einen Siegeszug hinter sich. Während die Torlinientechnologie nach ein, zwei durchaus hilfreichen Einsätzen in der Vorrunde völlig aus dem Fokus geraten ist, ist der sich nach ein paar Augenblicken in Nichts auflösende Spray schon gar nicht mehr wegzudenken. Sind gespannt, ob das Zeugs auch demnächst in der Super League zum Einsatz kommen wird, wo doch der Erfinder, ein Brasilianer mit dem schönen Namen Heine Allemagne herausgefunden hat, dass dieses Hilfsmittel für den Schiedsrichter zur Einhaltung des Abstandes von 9,15 Metern zwischen Tatort, Ball und Abwehrmauer die Dauer der Ausführung eines Freistosses von durchschnittlich 48 Sekunden auf 20 Sekunden zwischen Pfiff und Kick verringert. Ergo: «Das Spiel wird dynamischer», sagt der Erfinder des Sprays.

Der Erfinder des Freistosssprays: Der Brasilianer Heine Allemagne.

Der Erfinder des Freistosssprays: Der Brasilianer Heine Allemagne.

Seit 2000 besitzt Heine Allemagne ein Patent auf das Produkt, über das man auf der Website 9.15 Fair Play mehr erfährt. Allemagne bezeichnet sich übrigens als «Idealist ohne kommerziellen Ehrgeiz», weshalb er der Fifa für die WM 320 Sprühdosen (Stückpreis: 3,50 Franken) kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

Bis zu Uwe Hofmann kamen diese Sprühdosen noch nicht, aber als er jetzt als Schiedsrichter für das mittelsächsische Pokalendspiel angesetzt wurde, da hatte er unter dem Eindruck der Bilder von der WM die Idee, einfach eine Dose Rasierschaum zum Einsatz zu bringen. Einmal vor und zweimal nach der Pause geschah es, die Spieler hätten sich, erzählt Hofmann, brav an die Linien gehalten und einer der Trainer sprach von einer «Weltklasseaktion». Wie Schiri Hofmann darauf reagierte, das der Schiedsrichter-Chef ein Nachspiel für ihn angekündigt hat – weiterlesen bei der Frankfurter Allgemeinen.

Nochmals zurück zu gestern Abend. Ein 1:7 in einem WM-Halbfinal, das ist unerklärlich und historisch zugleich, oder?

Letzteres stimmt absolut, was ein Blick auf die Rekorde zeigt, die an diesem Dienstag aufgestellt worden sind.

Brasilien hat

  • die höchste WM-Niederlage einer Gastgebernation erlitten.
  • die höchste WM-Niederlage der eigenen Geschichte eingefahren.
  • das erste Mal seit 1975 Zuhause ein Pflichtspiel verloren.
  • zum ersten Mal sieben Gegentore an einer WM erhalten.
  • zum ersten Mal seit 1954 an einer WM vier Gegentore erhalten.

Deutschland hat

  • als erste Nation in einem WM-Halbfinal sieben Tore geschossen.
  • als erste Nation zum achten Mal einen WM-Final erreicht.
  • mit nun insgesamt 223 erzielten WM-Toren einen Rekord aufgestellt.
  • mit Miroslav Klose den erfolgreichsten WM-Torschützen der Geschichte (16 Treffer).
  • mit Miroslav Klose den ersten Spieler, der in vier WM-Halbfinals gespielt hat.

Zum ersten Teil der Frage: Ein klein wenig kann man schon erklären, warum es für Brasilien zu einer derart rabenschwarzen Nacht geworden ist. Vielleicht reicht dazu der Blick auf die Bewegungsradien von zwei Spielern.

Erst Mittel(kreis)stürmer Fred:

Dann noch der sogenannte Innenverteidiger David Luiz:

Und wer sich fragt, wie es sich anfühlt, als André Schürrle gegen Brasilien zu spielen, der muss unbedingt dieses grandiose Spiel versuchen.

Welche Informationen aus der Fifa-Pressemappe werde ich heute garantiert vom TV-Kommentator meines Vertrauens vorgelesen erhalten?

  • Argentinien hat von den bislang acht Begegnungen mit Holland bloss eine gewonnen. Das allerdings war die wichtigste von allen, der WM-Final von 1978, den die Argentinier 3:1 nach Verlängerung für sich entschieden.
  • Holländer und Argentinier sind sich ausser 1978 in noch drei weiteren WM-Spielen gegenüber gestanden. Holland gewann 1974 (4:0) und 1994 (2:1), 2006 gab es in der Gruppenphase ein 0:0.
  • Argentinien ist die einzige Mannschaft an dieser WM, die alle ihre fünf bisherigen Spiele gewonnen hat. Damit hat Argentinien den eigenen WM-Rekord an Siegen in Serie aus dem Jahr 1986 eingestellt.
  • Die Argentinier haben von ihren drei bisherigen WM-Halbfinals alle gewonnen.
  • Holland hat an Weltmeisterschaften eine äusserst gute Bilanz gegen Teams aus Südamerika: In zwölf Spielen gab es sieben Siege, drei Unentschieden und bloss zwei Niederlagen.

Jetzt aber Butter bei die Fische: Wie geht das Spiel aus?

Das ist einfach: Gemäss unserem Razinger-Index, der im ersten Halbfinal insgesamt bloss sieben Tore daneben lag, gewinnt Argentinen gegen Holland mit einem Tor Unterschied.

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Konversation

  1. Lieber Herr Hage, ich kann nur sagen: «Upps, it dit it again!» Jetzt hat der Index auch noch für das Endspiel ein 0:1 gegen Deutschland und für Argentinien voraus gesagt. Trotzdem weise ich wie immer jede Schuld von mir. It was the index!

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  2. Was ich Ihnen noch mitgeben wollte Herr Razinger… Sie sollten den nach Ihnen benannten „Razinger-Index“ in zukunft vor jenen Spielen, an welchen Deutschland beteiligt ist, in „Raz-Faz“ Index oder ähnlich umbenennen- dann kommen Sie erst gar nicht mehr in die Versuchung zu glauben, Deutschland köne Torlos 0:1 verlieren- geschweige denn gegen Brasil… ;-))

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