SP-Basis steht hinter BastA!-Kandidatur, aber nicht alle sind glücklich

Die SP beschwört an der Delegiertenversammlung die Linke-Einheit, aber hinter vorgehaltener Hand sind nicht alle glücklich über die Strategie für die Regierungsratswahlen.

(Bild: Hans-Jörg Walter)

Die SP beschwört an der Delegiertenversammlung die Linke-Einheit, aber hinter vorgehaltener Hand sind nicht alle glücklich über die Strategie für die Regierungsratswahlen.

Es herrscht offenbar Friede, Freude, Eierkuchen in der baselstädtischen SP. Freude über die Strategie für die Regierungsratswahlen. Diese hat die Parteileitung den Medien längst bekanntgegeben, am Mittwochabend im Volkshaus nun aber auch noch offiziell ihren Delegierten vorgestellt.

«Es ist ein Glück, dass unsere bisherigen Regierungsräte Eva Herzog, Hans-Peter Wessels und Christoph Brutschin im Herbst ein weiteres Mal antreten», sagte Parteipräsidentin Brigitte Hollinger, und die Genossen klatschten. Keiner nahm die Gelegenheit wahr, Vorbehalte zu deponieren, obwohl Hollinger ihre Parteifreunde mehrmals dazu aufforderte.

Leises Murren im Hintergrund

Doch nur weil niemand öffentlich protestiert, bedeutet das nicht, dass es keine Vorbehalte gäbe. Mehrere SP-Mitglieder sagten der TagesWoche hinter vorgehaltenen Hand, sie seien nicht nur glücklich mit der Strategie.

Da wäre das Alter: Auf allen wichtigen Posten in der SP sitzen altgediente Parteimitglieder: Herzog, Brutschin, Wessels im Regierungsrat, Anita Fetz im Ständerat und Silvia Schenker und Beat Jans im Nationalrat.

Deshalb werden jüngere SP-Mitglieder mit Aspirationen auf ein prestigeträchtiges Amt langsam ungeduldig, wie auch das «SRF-Regionaljournal Basel» berichtete. Sie hatten gehofft, dass wenigstens einer der amtierenden Regierungsräte abtritt.

Plattform für BastA! zu gross

Da wäre die Regierungsratskandidatur der BastA!, die einen Sitz in der Regierung will. Zusammen mit der grünen Kandidatur für den frei werdenden Sitz von Guy Morin stellt Rot-Grün insgesamt Anspruch auf fünf Regierungsräte.

Offiziell steht die SP hinter dem Begehren ihrer Bündnispartner. «Wir müssen mit BastA! und den Grünen zusammenstehen», sagte Hollinger am Mittwoch. «Wenn wir die Wahl gewinnen wollen, darf kein Blättchen zwischen uns und unseren Bündnispartnern stehen.»

Doch nicht alle SP-Mitglieder haben Freude daran, dass die Genossen der BastA! eine so grosse Plattform geben, um sich zu profilieren. Man habe selber genug gute Kandidaten, finden einige.

Die «bz Basel» schrieb sogar, die SP halte sich offen, allenfalls einen vierten Kandidaten zu stellen. Damit würde sie den Anspruch der BastA! oder der Grünen auf einen Sitz angreifen.

Vierter Kandidat unwahrscheinlich

Dass sich dann noch ein Sprengkandidat in den Weg der drei bisherigen Sozialdemokraten stellt oder plötzlich ein vierter SP-Kandidat auftaucht, ist nicht zu erwarten. Michela Seggiani, Vizepräsidentin der Partei, sagt denn auch: «Das ist ausgeschlossen.»

Zu erwarten ist vielmehr, dass die Genossen an der Delegiertenversammlung im März die drei Bisherigen nominieren und die Kandidaten der BastA! und der Grünen unterstützen. Ausserdem erhebt Rotgrün Anspruch auf das frei werdende Regierungspräsidium von Guy Morin.

Artikelgeschichte

In der ersten Version des Artikels stand fälschlicherweise, die SP erhebe Anspruch auf das Regierungspräsidium. Es sollte heissen, Rotgrün erhebe Anspruch auf das Regierungspräsidium. Das wurde geändert.

Konversation

  1. da möchte ich ganz gern partei ergreifen:
    ohne die bastA! wäre die sp ihre letzte links-kritische parteilichkeit bald los.

    der lustige transporter auf dem bildli würde subito zum sparsamen öko-suv für arrivierte – der braucht doch dringend seine last.

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  2. Naja, vielleicht sollten sich diejenigen SP-Mitglieder, die der BastA! „keine so grosse Plattform geben, um sich zu profilieren“ kurz überlegen, dass einerseits die SP-KanditatInnen auf jede Stimme angewiesen sein werden (Majorzwahl!) und andererseits die BastA immerhin eine von 5 NationalrätInnen stellt! Quand-même ça liebe SP-GenossInnen :-)!
    Und abgesehen von all dem stellt die Linke ja nicht unbedingt den Anspruch auf 5 Sitze, sondern sie bietet eine Auswahl an wählbaren KandidatInnen und die WählerInnen können sich dann selber entscheiden, wen bzw. wieviele Linke (naja) sie ins Rathaus delegieren wollen.

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