Steuern direkt von Lohn abziehen? In Basel-Stadt wohl bald Realität

Wer in Basel-Stadt arbeitet und lebt, soll einen Teil seines Lohnes künftig direkt der Steuerverwaltung abliefern. Die Regierung schlägt dem Grossen Rat eine entsprechende Gesetzesänderung vor – wenn auch nicht ganz freiwillig.

Wer in Basel-Stadt arbeitet und lebt, soll einen Teil seines Lohnes künftig direkt der Steuerverwaltung abliefern. Die Regierung schlägt dem Grossen Rat eine entsprechende Gesetzesänderung vor – wenn auch nicht ganz freiwillig.

Der direkte Steuerabzug vom Lohn rückt in Basel-Stadt der Umsetzung näher: Die Basler Regierung unterbreitet dem Grossen Rat eine Vorlage zur Teilrevision des Steuergesetzes, wie aus einer Mitteilung vom Dienstag hervorgeht. Zuvor hatte die Regierung die geplante Systemänderung bei Firmen in die Vernehmlassung geschickt. 

Freiwillig will die Regierung den direkten Steuerabzug für Arbeitnehmer allerdings nicht einführen. Sie setzt damit eine Motion von SP-Grossrat Ruedi Rechsteiner um, die 2015 vom Parlament überwiesen wurde, obwohl die Regierung selber gegen das Anliegen war. Die Idee hinter Rechsteiners Motion: Durch den automatisierten Steuerabzug könnten soziale Probleme und Betreibungen verhindert werden, da die Steuerrechnung für viele Menschen zur Schuldenfalle wird.

Gemäss der vom Finanzdepartement vorgeschlagenen Variante sollen die Angestellten zwischen 3 bis 10 Prozent ihres monatlichen Lohnes an die Steuerverwaltung abliefern – den Betrag sollen die Arbeitnehmer selber bestimmen können.

25’000 Personen betroffen

Vom neuen System betroffen wären 25’000 Personen – und zwar all jene, die zugleich in Basel wohnen und arbeiten (nicht mitgezählt sind Selbstständige). Wie viele Firmen in Basel für ihre Angestellten die Steuern direkt vom Lohn abziehen müssten, ist unbekannt. Für Arbeitnehmer würde keine Pflicht bestehen, sich ihre Steuern direkt vom Lohn abziehen zu lassen, Arbeitgeber müssten bei diesem Systemwechsel hingegen mitmachen – sofern sie kein Kleinstbetrieb sind (nicht mehr als 300’000 Franken Lohn pro Jahr auszahlen).

Die Vorlage geht nun in die vorberatende Wirtschafts- und Abgabekommission. Bis der Grosse Rat darüber berät, dauert es noch eine Weile. Die Chancen stehen trotz Widerstand des Arbeitgeberverbandes aber nicht schlecht, dass das Anliegen von Rechsteiner durchkommt. «Ich bin zuversichtlicher als auch schon, zumal sich die Mehrheitsverhältnisse im Grossen Rat seit der letzten Legislatur verändert haben. Es werden aber viele Gespräche nötig sein», sagt Ruedi Rechsteiner.

Konversation

  1. Finde ich gut ABER es sollte für alle hier arbeitenden gelten. Momentan wird dies schon für Grenzgänger aus Frankreich so gehandhabt.

    Für nicht in Basel wohnende (aber hier arbeitende) sollte die Höhe der ‚Weiterleitung‘ der Steuer-Einnahmen an die Wohngemeinde davon abhängig gemacht werden, wie viel diese Gemeinde die Zentrumsleistungen (Kultur, Gesundheit, Bildung) von Basel-Stadt beansprucht und wie viel sie jetzt schon daran bezahlt. Damit bekäme die Diskussion mit Basel-Land eine andere Dynamik und wir könnten der Kündigung der Uni und der Spital-Verträge gelassen entgegen sehen bzw diese beschleunigen.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. @ M. Seiler
      so aufwändig ist die Rechnerei nicht. Sie müssen nur die Beweislast umkehren – dh die Gemeinden, die Geld haben wollen, sollen – via vorhandene Statistiken – erhärten, dass ihnen effektiv Geld zusteht.

      Ob ihnen (oder den Franzosen) dies gefällt, ist mir als BS Steuerzahler ziemlich egal.

      Dass Expats drei Jahre keine Steuern bezahlen ist mir neu. Woher haben Sie diese Information?

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    2. Die Aufrechnerei mit BL würde die Administration nur weiter aufblasen, der Gewinn für BS wäre bei den staatlichen Löhnen und Pensionskassenbeiträgen garantiert ein Verlustgeschäft.
      Haben Sie mal die Franzosen gefragt, ob ihnen das heutige System schmeckt ?
      Wenn schon, dann könnte man ja die vielen Expats, die mindestens die ersten drei Jahre garantiert keine Steuern bezahlen, aber vordergründig durch das kulturelle Angebot angelockt werden, mal ordentlich besteuern. Aber halt, da wären ja die Firmen, denen heute schon zuviel durchgelassen wird, betroffen; da könnten ja Arbeitsplätze verlorengehen…

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  2. Genau wie das Abschaffen von Bargeld zielt dieser Vorschlag auf die Errichtung einer sozialistischen Diktaur mit Kontrolle ALLER Einahmen und Ausgaben der einfachen Bürger. Später wird dann noch ausgefiltert, dass man zuviele schädliche Lebensmittel kauft, per Benzinkauf zuviel autofährt etc..
    Neben dem Abwürgen von Spontankäufen, die eigentlich nicht im Budget liegen würden, aber mit ein paar Monaten sparen wieder drin sind, zeigen solche Ansätze nur eines: Es soll weiter eine unnütze Admisistration aufgebaut werden, die nichts als Kosten und in der Endabrechnung keinerlei Gewinn für Staat und Bürger bringt.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  3. Das System des Abzuges beim Lohn sollte schweizweit eingeführt werden. Ein gewisser Prozentsatz einfach. Das Ausfüllend er Steuererklärung sollte freiwillig werden und nur jene die wirklich aussergewöhnliche Zugewinne gehabt haben oder spezielle Abzüge machen wollen sollten diese abgeben müssen. Das würde sehr vieles massiv vereinfachen.

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
    1. Das System macht meiner Ansicht nach grossen Sinn. Allerdings,- blind vertrauen würde ich der Steuerbehörde nicht wollen. Um den von ihr errechneten Betrag zu kontrollieren, bzw. nachzuvollziehen, müsste man die Steuererklärung quasi einfach nachträglich erstellen.

      Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
  4. @ Fritz Weber – wo dieser dann wohnt ist ja nicht relevant, aber bezahlt wird er vom Steuergeld in Basel Stadt, eben genau von diesen 25’000 Bürgern die hier noch Steuern zahlen und den verbliebenen Unternehmen. Vermutlich zu 80% von Novartis/Roche. Und ei andern 175’000 Mitbürger sind Kinder/Rentner/Hausfrauen und Sozialhilfe- und IV Bezüge. Das sind unglaubliche Zahlen, die einem zu Denken geben sollten !

    Zum Antworten anmelden Danke Empfehlen (0 ) Antworten
Alle Kommentare anzeigen (10)

Nächster Artikel