Tagxy-CEO: «Im Silicon Valley gibt es weniger Neidgenossen»

Die Basler Augmented-Reality-App Tagxy ermöglicht es, Smartvote-Infos auf dem Wahlplakat von Nationalratskandidaten darzustellen. Ein Gespräch mit Jonas Schwarz, dem CEO der Firma, die von der Steinenvorstadt aus die Welt erobern will.

Die Basler Augmented-Reality-App Tagxy arbeitet mit Smartvote, um Wahlplakate mit digitalen Informationen anzureichern.

Die Basler Augmented-Reality-App Tagxy ermöglicht es, Smartvote-Infos auf dem Wahlplakat von Nationalratskandidaten darzustellen. Ein Gespräch mit Jonas Schwarz, dem CEO der Firma, die von der Steinenvorstadt aus die Welt erobern will.

Jonas Schwarz, können Sie kurz erklären, was die Idee hinter Tagxy ist?

Die Tagxy-App ist eine Art Soziales Netzwerk mit Augmented Reality. Objekte und Standorte können von allen mit digitalen Inhalten wie Bildern, Videos, Beschreibungen angereichert werden. Zweck: Persönliche und echte Information dorthin zu bringen, wo der Kontext ist und somit für uns alle einen Wert hat.

Die soziale Komponente müssen Sie etwas näher erläutern, bei der Nutzung der App hat sich mir das nicht erschlossen.

Sozial bedeutet bei uns folgendes: Einerseits kommt der Inhalt in der App von den Usern, gemixt mit Business content oder Kampagnen, wie jetzt mit Smartvote. Andererseits sind alle unsere Inhalte interaktiv. Man kann sie kommentieren, liken und auf Facebook oder Twitter teilen. Zudem kann man sich bei Tagxy ein Profil einrichten, wenn man mit anderen Nutzern interagieren oder selber Tags erstellen möchte.

Das sind eine Menge unterschiedlicher Funktionen, die Sie unter einen Hut bringen wollen. Läuft man nicht Gefahr, eine eierlegende Wollmilchsau zu werden, die alles ein bisschen, aber nichts richtig gut kann?

Absolut. Im Moment sehen wir Reduktion als die Hauptaufgabe in der Produktentwicklung an. Wir wollten einen ersten Wurf veröffentlichen, der etwas Einzigartiges beinhaltet, das so noch nie umgesetzt werden konnte. Und das ist, dass jedermann sofort Orte und Objekte mit digitaler Information anreichern kann. In anderen Augmented-Reality-Konzepten ist immer alles businessgetrieben und als User muss ich mich darauf beschränken, das Vorhandene zu konsumieren.

Und Sie wollen den Nutzern eine Spielwiese zur Verfügung stellen.

Ja, wir wollen Augmented Reality öffnen und für jedermann nutz- und erlebbar machen. Unsere Vision: In naher Zukunft wird es selbstverständlich sein, dass Objekte und Standorte mit nützlichen digitalen Informationen angereichert sind. Im Moment wird vor allem noch ausprobiert. Es werden Objekte getaggt und geschaut, ob man auf dem Produkt dann tatsächlich etwas sieht. Andere nutzen die App auf Reisen: Sie merken sich damit Cafés, Parks, Restaurants oder halten ein Foto oder Video an einem Ort fest.

Im Moment sind erst wenige Bewertungen im App-Store abgegeben worden. Wie sieht Ihre Zwischenbilanz in Bezug auf die Nutzerzahlen aus?

20’000 ist unser Ziel, davon haben wir 10 Prozent erreicht. Darauf lässt sich aufbauen.



Tagxy-CEO Jonas Schwarz.

Tagxy-CEO Jonas Schwarz.

Was sind die grössten Schwierigkeiten bei einem solchen Unterfangen?

Es gibt zwei grosse Herausforderungen: Erstens musst man die richtigen Leute finden, die technisch fähig sind, ein solches Projekt umzusetzen und gleichzeitig bereit sind, das Start-up-Leben gegenüber einem gutbezahlten Job vorzuziehen. Zweitens muss man sich auf kleine Zwischenziele und Schritte einstellen, wenn kaum Geld vorhanden ist, um die grosse Marketingkeule zu schwingen.

Wieso habt Sie das Unternehmen in Basel gegründet? Unsere Stadt ist nicht gerade als Technologie-Hub der Schweiz bekannt.

Nein – ganz und gar nicht. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, dass die «Szene» überschätzt wird. Und in der Schweiz sind die Wege kurz, ob nach Zürich oder Genf. Wenn schon, dann müssten wir uns überlegen, ob wir nicht nach San Francisco oder nach Berlin gehen sollten. Das steht nun möglicherweise sogar an – eine spannende Anfrage haben wir aus dem Silicon Valley.

Wäre das ein Traum?

Ich würde sagen ja – der Start-up-Garten dort ist wirklich fruchtbar. Und es gibt weniger Neidgenossen.

Sie haben aktuell ein Projekt mit Smartvote am Laufen. Worum geht es da?

Wir wollen auf einen Blick eine einfache visuelle Darstellung des politischen Profils des Kandidaten ermöglichen. Wir haben uns gedacht, es wäre klasse, wenn man die Smartspider dorthin bringen könnte, wo sie möglichst viele Informationen für den Betrachter liefern. Das ist – gerade im Hinblick auf die aktuelle Flut an Wahlwerbung – auf dem Plakat oder auf dem Flyer der Kandidaten.

Wollt ihr damit den QR-Code endlich begraben?

Ja, der doofe QR-Code… Der muss extra gedruckt werden und ich kenne niemanden, der den verwendet. Ausser jene, die ihn draufpappen mussten. Mit unserem Tool nimmst Du den Flyer, legst ihn auf den Tisch, öffnest Tagxy und hast sofort den Vergleich.

Wie sind die Reaktionen auf diese Aktion?

Bisher durchaus positiv. Es ist ein Pilotprojekt und wir mussten den Umfang eingrenzen, daher sind vorerst nur die Kandidierenden in acht Kantonen mit den Informationen versehen. Und davon nur diejenigen, die einen Smartspider und ein brauchbares Foto hatten. Dazu die Ständerats-Kandidaten aus der deutschsprachigen Schweiz. Im Moment kommen bei uns täglich Anfragen von Kandidierenden, die das Angebot auch nutzen wollen.

Kann man das irgendwo ausprobieren, wenn man kein Wahlplakat zur Hand hat?

Ja, auf unserer Website.

Vielen Dank für das Gespräch.

_
Das Interview wurde via Skype-Chat geführt und der besseren Lesbarkeit halber leicht redigiert. Tagxy gibt es sowohl für Android, als auch für iOS: Apple App Store / Android Play Store.

Weitere Informationen zum Unternehmen finden Sie in diesem Artikel des «Tages-Anzeigers».

Konversation

Nächster Artikel