Tettamanti holt Gysin und Peter Wyss zur BaZ

Tito Tettamanti kauft die «Basler Zeitung» von Rahel Blocher. Im Verwaltungsrat der BaZ-Holding sitzen namhafte Persönlichkeiten aus der Region, darunter Hans Rudolf Gysin und Wirt Peter Wyss. Mehr über die Hintergründe des Blocher-Tettamanti-Deals in der Analyse von Richard Aschinger in der gedruckten TagesWoche vom Feitag, 16. Dezember.

Tito Tettamanti: Wieder bei der BaZ. (Bild: Hans-Jörg Walter)

Was die Bundeshaus-Reporter der TagesWoche und weitere Medien heute morgen als Gerücht vermeldeten, hat sich nun bestätigt: Blocher-Tochter Rahel verkauft ihre Anteile an der «Basler Zeitung», kaum hat sie sie erhalten, schon wieder. Der Käufer ist ein alter Bekannter: Der Tessiner Financier Tito Tettamanti. Tettamanti gründet, wie er jetzt vor den Medien in Zürich erklärt, eine neue Holding, die sich «MedienVielfalt Holding AG» nennt. Dahinter stehen neben Hauptaktionär Tettamanti weitere Investoren. 

Blocher deckt Verluste der Druckerei

Tettamanti hat laut eigenen Angaben im Oktober den Kontakt zu Christoph Blocher gesucht. Seither habe sich die Situation des Unternehmens laufend verschlechtert. Tettamanti habe drei Bedingungen gestellt, um die Firma zu übernehmen: 1. Es müsse ein Sanierer, namentlich FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger, engagiert werden. Leutenegger war bereits am Ausverkauf des mittlerweile zerschlagenen Verlagshauses Jean Frey («Beobachter», «Weltwoche», «TVStar» und «Bilanz») beteiligt. 2. Blocher müsse garantieren, dass der industrielle Teil der Firma saniert wird. 3. Blocher dürfe nicht an der MedienVielfalt Holding beteiligt sein.

Doch SVP-Impressario Christoph Blocher wird weiterhin eine wichtige Rolle beim wirtschaftlich schwer angeschlagenen Medienkonzern spielen. Gemäss Tettamanti übernimmt Blocher die Verluste der Druckerei. Gegenleistung sei gewesen, dass er – Tettamanti – die Zeitung kaufe. Zur Finanzierungskonstruktion sowohl der neuen Holding wie auch des Kernunternehmens will Tettamanti keine Auskunft geben. 

Bekannt ist einzig: Tettamanti hält 18,8 Prozent des Aktienkapitals der neuen Holding, das 40 Millionen Franken beträgt. Deutlich grösser sind seine Stimmrechte (53,6 Prozent). Zweitgrösster Aktionär ist Georges Bindschedler, ein Berner Rechtsanwalt, der einst Verleger der wirtschaftsliberalen Zeitschrift «Schweizer Monat» war. Dort publiziert auch Tettamanti regelmässig.

Zudem beteiligt sich der Tessiner Anwalt Giangiorgio Spiess als Aktionär. Spiess, der bis 2008 Mitglied des Exekutivkomitees der Uefa war, ist eine umstrittene Figur. In Italien wurde er 2007 wegen Beihilfe zum betrügerischen Konkurs des Lebensmittelkonzerns Parmalat verurteilt.

Prominenz im Verwaltungsrat

Sitz der neuen Holding ist Zug. Präsidentin wird die ehemalige Tessiner Finanzdirektorin Marina Masoni. Im Verwaltungsrat der untergeordneten BaZ-Holding sitzen Filippo Leutenegger als Präsident sowie einige namhafte Personen aus der Region: Der Basler Wirt Peter Wyss, der frühere FDP-Nationalrat Hans Rudolf Gysin, Adriana Ospel, die junge Frau des Basler Bankers Marcel Ospel, der Riehener SVP-Einwohnerrat Karl Schweizer, und der Binninger Immobilienverwalter Urs Gribi. Chefredaktor Markus Somm und Geschäftsführer Roland Steffen bleiben im Amt.

Leutenegger will drei Jahre bleiben

Der neue starke Mann bei der BaZ heisst aber Filippo Leutenegger. Zu seinen konkreten Sanierungsplänen befragt, bleibt er vage. Die BaZ müsse wieder auf eigenen Füssen stehen, um unabhängig zu sein, sagt er. Deshalb sei eine Beteiligung Blochers an der Holding nicht infrage gekommen. Viel Zeit, den Turnaround zu schaffen, gibt sich der frühere Arena-Moderator nicht: «Ich gehe davon aus, dass mein Auftrag in drei Jahren erfüllt sein wird.»

Gegen «Political Correctness»

Tettamanti sagt, er halte die Pressekonferenz bewusst in Zürich ab, weil die Holding nichts mit Basel zu tun habe. Den Namen der Holding erklärt er damit, dass Medienvielfalt wie ein gutes Orchester sei. Dieses könne nicht immer dieselbe Musik spielen. Eine Gruppe von Leuten, die Aktionäre, seien seiner Meinung.

Tettamanti sagt, er und seine Mit-Aktionäre glauben, dass «unser Gesellschaftsmodell versagt hat». Darüber müsse man diskutieren. Und dazu wiederum brauche es Querdenker, die sich auch trauen würden, Tabus zu brechen. «Diese Debatte wird durch die heutige Kultur der Political Correctness verhindert.» 

Er sei zur BaZ zurückgekehrt, um seine Fehler beim ersten Engagement zu korrigieren. «Ich bin zurück und ich bin nicht allein», so Tettamanti in bester Westernmanier. «Das letzte Mal war es just another Deal, jetzt ist es auch Leidenschaft.»

Der Tessiner kommt auch auf die TagesWoche zu sprechen: «Dank Beatrice Oeri hat die Basler Zeitung nicht mehr ein Monopol. Das ist eine Erleichterung. Das erlaubt uns nicht, eine fanatische Zeitung zu machen, aber das erlaubt uns profilierter zu sein. Denn, wenn es den Lesern nicht gefällt, können sie sich verabschieden.» Die Ähnlichkeit des Namens der BaZ-Holding zur Trägerstiftung der TagesWoche, der Stiftung für Medienvielfalt, sei «reiner Zufall». 

Bewegte Vorgeschichte

Tettamanti besass die Zeitung schon einmal und zwar zusammen mit dem Basler Anwalt Martin Wagner. Diese beiden hatten das Medienunternehmen im Februar 2010 dem Verleger Matthias Hagemann abgekauft. Im November 2010 zogen sie sich dann zurück und verkauften die Zeitung offiziell an Crossair-Gründer Moritz Suter. Die eigentlichen Eigentümer blieben aber im Dunkeln. 

Der Finanzjongleur aus Lugano fand sich nie in der Stadt Basel zurecht, wo ihm mit offenem Widerstand begegnet wurde. In einem Interview mit dem Tessiner Radio RSI beklagte er sich, dass eine militante Minderheit in der Stadt, die sich rühme, weltoffen zu sein, Basel in eine scheinheilige Provinzstadt verwandelt habe. Tettamanti verglich die Situation mit dem Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Am Rheinknie herrsche eine «geistige Monokultur», meinte er.

Nichts von der Pressekonferenz wusste man bis vor Kurzem auf der Redaktion der BaZ am Hauptsitz Aeschenplatz. Die Belegschaft wurde weder von den neuen Eigentümern noch dem Chefredaktor über die erneute Wende bei ihrem Arbeitgeber informiert.

Konversation

  1. Die leidige Geschichte der BAZ ist nur EIN Schauplatz des Versuches mit viel Geld und Einfluss unseren Staat längerfristig umzubauen. Unklar ist nur das Motiv: Macht und Geld, oder Angst vor Verlust.
    Anstatt viel zu schreiben sei auf den höchst interessanten Artikel von Kaspar Sutter in der WOZ vom 22.12.2012 verwiesen. Dort werde Akteure und Schauplätze dieses Megapolis einfach und klar dargestellt. Ob es da wohl noch Andere fröstelt? Der Link zu besagtem Artikel lautet
    http://www.woz.ch/artikel/2011/nr51/schweiz/21573.html

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  2. Der Name MedienVielfalts Holding AG verrät schon, auf wessen demagogischem M… – eh BODEN die Idee gewachsen ist. Blocher behauptet ja weiterhin stur und fest, er will nur zur Medienvielfalt beitragen. Aber über die Glaubwürdigkeit von Blocher wissen wir Basler schon zur Genüge Bescheid. Wieviel minimale Ehrlichkeit braucht’s eigentlich für einen Parlamentarier?

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  3. @Linder
    Zitat aus Abschiedsbrief Moritz Suter: „Danach hätte ich die BaZ-Gruppe weiterhin saniert und vor allem das Eigenkapital durch eine substanzielle Kapitalerhöhung erhöht und den heute 78’000 Abonnenten und der breiten Öffentlichkeit in der Region die Mehrheit der Aktien der BaZ Holding AG zur Zeichnung angeboten.“

    Wieso überlies man nicht gleich Moritz Suter das gesamte Packet? Ich bin überzeugt, dass viele Basler/innen bereit gewesen wären diese Aktien gegen zu zeichnen. Dies hätte Arbeitsplätze gesichert und die Zeitung wieder in Basler Hände gebracht.

    Aber NEIN(!!) der machtsüchtige Papa und Tochter Blocher hatten diesen Vorschlag nicht akzeptiert und haben nun die BaZ an die MedienVielfalt Holding AG verkauft. Und auch hier zieht Blocher weiterhin die Fäden. Hier wird auf dem Rücken der Mitarbeiter/innen ein ganz fieses verlogenes Spiel gespielt, wie wir es zur Genüge von diesem Herrn kennen.

    Fazit: Diesem Herrn und seiner Konsorte geht es in erster Linie, bzw. schon gar nicht um Arbeitsplatzerhaltung, sondern schlicht und einfach um „MACHT“ (War wohl zulange in Nordkorea in den Ferien!!). Für in sind Menschen, bzw. Mitarbeiter/innen einfach nur ein Spielbälle (Siehe BR Wahlen).

    Soll ich ein solches Treiben etwa noch mit einem Abonnement unterstützten????

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  4. Offensichtlich besteht in Basel und Umgebung ein grosses Bedürfnis nach einer Tageszeitung, die auf die Region zugeschnitten ist. Ebenfalls offensichtlich erfüllt die Baz seit geraumer Zeit die Anforderungen der Kundschaft an eine solche Zeitung nicht mehr. Und obwohl die Kundschaft ihren Unmut mit Leserbriefen und Onlinekommentaren und zuletzt mit Kündigungsbegründungen mitgeteilt hat, hat die Baz nicht darauf reagiert. Im Gegenteil. Es wird stur auf der bekannten Linie weitergefahren. Nun wieder unter Tettamanti, der aus seinem Sendungsbewusstsein keinen Hehl macht. Ein letztes Druckmittel haben
    diese Personen jedoch immer in der Hand: Es werden Arbeitsplätze verloren gehen. Da die Bevölkerung unserer Region jedoch eine Tageszeitung will, spricht nichts dagegen, eine solche neu aufzubauen. Das Bedürfnis ist ja da. Die Tageswoche hat einen Anfang gewagt und getan. Die Basler können sehr wohl wieder zu Ihrer Zeitung kommen, wenn dieses neue Projekt genug unterstützt wird, so dass daraus dann auch eine Tageszeitung entstehen kann (falls die TageswöchlerInnen das wollen). Verlorene Arbeitsplätze werden so wieder aufgebaut. Braucht eben etwas Geduld. Schliesslich und schlussendlich können wir nicht die Verantwortung dafür übernehmen, dass die Baz und vor allem auch die Druckerei (welche auf dem Platze Basel auch etlichen kleinen Firmen ganz oder fast das Leben kostete) in den Sand gefahren wurden. Man darf sich vom vielen Geld der anderen nicht erpressen lassen, auch wenn’s manchmal hart ist. Mut zum Neuen. Das brauchts.

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  5. Wenn ich mir die Truppe so anschaue, die Tettamanti um sich geschart hat, fällt mir nur eine Beschreibung dazu ein: „das letzte Aufgebot“. Schade um eine einstmals gute Zeitung, schade um die Tradition der National Zeitung, tragisch für die MitarbeiterInnen.

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  6. Natürlich ist es so, dass der Leserstamm entscheidet ob eine Zeitung gekauft wird oder nicht, ob sie Berechtigung hat auf dem Markt oder nicht. Obwohl ich die kritischen Anmerkungen teile, würde ich nicht direkt dazu aufrufen, eine Zeitung zu kündigen. Das soll jede/r selbst entscheiden. Am Schluss hängen daran auch Arbeitsplätze, und Journalisten, die einen guten Job machen. Ich vermute, diejenigen Leute, welche solche Kündigungsaufforderungen machen, sind dann auch diese, die dann demonstrieren, wenn in der Druckerei Leute entlassen werden müssen wegen Unterbeschäftigung, aber nicht merken, dass das Eine mit dem Anderen etwas zu tun hat.

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  7. Die Macher der Tageswoche sollten sich in dieser Situation noch einmal das publizieren einer täglichen Papierzeitung überlegen.

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  8. Seien wir doch froh, dass die Anhäufung von ewig Gestrigen in einem Blatt am wursteln sind. Wer das Abo noch laufen hat, kann es abbestellen und so die Quittung ausstellen. Die Einzigen, die mir Leid tun, sind die Angestellten, die um ihre Stelle bangen müssen. Ihnen wünsche ich viel Glück.

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  9. Ich kann Ihre Wahrnehmung nur bestätigen. Ich habe schon etliche Kommentare auf bazonline verfasst. Erschienen ist noch keiner. Und ich denke, meine Beiträge sind weder angriffig noch verletzend. Nun äussere ich mich eben hier bei der TagesWoche, denn hier scheint man noch Wert auf die Meinung der LeserInnen zu legen – ob sie nun der Philosophie und Meinung der Redaktion entsprechen oder nicht.

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    1. Wir haben keine politische Mission, müssen niemanden von unseren persönlichen Meinung überzeugen. Alles, was wir wollen ist: informieren und zum Selberdenken anregen. Deshalb sind wir auch so interessiert an Kritik, Widerspruch und Diskussionen.

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