Zionisten kritisieren Basel wegen Absage der Jubiläumsfeier

Die Feier zum 120-Jahre-Jubiläum des ersten Zionistenkongresses wird definitiv nicht in Basel stattfinden. Nun beklagt sich die Weltzionistenorganisation deshalb über die Basler Regierung.

Die Weltzionistenorganisation ist unzufrieden mit Basel. Die Stadt lässt sich aber nichts vorwerfen.

Die Absage der Feier zum Jubiläum des ersten Zionistenkongresses in Basel ist in Israel noch nicht verdaut. Die Basler Regierung hatte die Planungen für den Grossanlass wegen Sicherheitsbedenken und ungenügendem Planungsstand Anfang Juni abgebrochen. Das hat nun die israelische Seite aufgebracht.

Das wichtige Jubiläum finde nicht statt, weil die Basler Regierung die Anfrage verschlampt habe und weil für Basel die Kostenfrage nicht geklärt gewesen sei, so die Sicht der Weltzionistenorganisation (WZO) und von inoffiziellen Stimmen aus israelischen Regierungskreisen. Das berichtet die israelische Zeitung «The Israel Times».

Die WZO, offizielle Veranstalterin der Feier, ist überzeugt, die Planung mit den Basler Behörden früh genug begonnen zu haben. «Unser Detailprogramm wurde von Basel gutgeheissen», behauptet der WZO-Vorsitzende Avraham Duvdevani in der «Israel Times», «aber dann brauchte Basel doch noch Informationen.» Ausserdem habe Basel nach der Aufteilung der Sicherheitskosten gefragt, obwohl die nötigen Zusagen der israelischen Regierung bereits vorgelegen hätten.

Die Basler Regierung habe alle Informationen gehabt und mit einer Reaktion auf sich warten lassen, so Duvdevani. Im Juni sei dann die Absage der Feier in Basel erfolgt.

Diesen Schuh zieht Basel nicht an

Guy Rueff, Präsident der Israelitischen Gemeinde Basel (IGB), kann diese Kritik nicht verstehen. «Der Fehler, soweit wir das mitbekommen haben, lag nicht bei der Basler Regierung.» Rueff ist sicher, dass in Basel keine Dokumente oder Anfragen liegen geblieben sind. «Dass die Planung nicht voranschritt, lag an der WZO.»

Die Basler Regierung teilt diese Meinung. «Wir haben unser Möglichstes getan und sind uns daher keiner Fehler bewusst», sagt Regierungssprecher Marco Greiner. Den Vorwurf schickt er zurück an den Absender: Die WZO habe wichtige Planungsdetails nicht fristgerecht geliefert. Daher zog die Regierung die Reissleine. «Die Enttäuschung der WZO können wir aber sehr gut verstehen», so Greiner.

Die Regierung habe der WZO gegenüber stets klargemacht, dass die Vorbereitungszeit knapp sei. «Vielleicht sind sich die Israelis in ihrer Heimat andere zeitliche Abläufe gewohnt», mutmasst Greiner.

Von einem Streit um die hohen Kosten will Greiner nichts wissen. «Der Kanton kalkulierte grob mit zehn Millionen Franken, und am runden Tisch diskutierten die Beteiligten nur generell über eine Aufteilung der Kosten, nicht über konkrete Beträge», sagt er. Zu einem detaillierten Budget sei es gar nie gekommen.

Feier in Jerusalem – mit oder ohne Basel

Das Angebot, die Feier zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen, schlägt Duvdevani definitiv aus. Die WZO plane eine Feier im September mit mehreren Zehntausend Teilnehmern, inklusive Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, auf dem Herzlberg in Jerusalem. «Es wird riesig – nicht gross, riesig!», lässt sich Duvdevani in der «Israel Times» zitieren.

Guy Rueff bedauert, dass das Jubiläum nicht in Basel stattfindet. «Es wäre ein symbolträchtiger Anlass geworden, der die historische Bedeutung Basels für den Staat Israel herausgestrichen hätte.» Die Israelitische Gemeinde begrüsse aber die Alternativfeier in Jerusalem. «Es kann gut sein, dass eine Delegation aus unserer Gemeinde am Fest teilnimmt.»

Konversation

  1. Die Sache um diese Feier, bei der es ja auch um die sogenannte „Befreiung“ (Klartext Annexion) Jerusalems, dem zentralen Ort der zionistischen Begehrlichkeiten, gehen soll, macht immer mehr den Eindruck eines gewollten Verwirrspiels. Nun, die Zeiten (seit 1997) haben sich geändert und, sollte ein solches Jubeltheater in Basel durchgeführt werden, wird das nicht ohne angemessenen Reaktionen des Protests gehen.

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  2. @ adam – Ihnen ist wohl mehreres entgangen: a) Es gibt eine Vertretung der Schweiz in Ramallah, mit Botschafter und Konsul usf. Man kann also sagen, dass sich die Schweiz auf so einen Staat vorbereitet hat. b) Es ist Konsens der meisten Staaten, die in der UNO vertreten sind, dass sich Israel völkerrechtswidrig verhält, was die Siedlungen in Samaria und Judea anbetrifft. Geht ein bisschen Völkerrecht anerkennen also auch? Der Skandal – oder das Glück – ist der Umstand, dass jemand fortgesetzt das Völkerrecht ignorieren darf, ohne dafür zu Rechenschaft gezogen zu werden.

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  3. Etwas, was wir auch immer wieder durch den Kopf geht:
    Irgendwo im AT steht: „Und sie werden sich in alle Winde zerstreuen.“ Kein Volk ausser dieses ist nach so langer Zeit immer noch als Volk vorhanden ohne eigenen Staat.
    Im AT wird auch immer vom „Volk Gottes“ gesprochen.

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  4. Es kann doch nicht sein, dass alle bloss über Geld reden, und die völkerrechtswidrige Politik der Zionisten in Israel unkritisiert bleibt! Bin ich froh, dass diese das politische Klima in Basel nicht vergiften können! Die Devise muss bleiben: BDS für Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel, bis diese auch das Völkerrecht anerkennen!

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    1. Israel annerkennt sehr wohl das Voelkerrecht – Sie, Paul jud, meinen da wohl etwas anderes … wenn Sie schreiben >… gegen Israel, bis diese auch das Voelkerrecht annerkennen.<
      Im uebrigen hat die Schweiz einer Beobachterrolle der Palaestinenser bei der UNO zugestimmt – einen 'Staat Palaestina' hat die Schweiz nicht annerkannt … LOL

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    1. Lieber Piet Westdijk, Sie schreiben von „einer solchen wichtigen historischen Feier“. Mit einer „historischen Feier“ meinen Sie vermutlich- so interpretiere ich Ihremn Kommentar – eine Jubiläumsfeier.
      Im Persönlichen feiert man im allgemeinen den 50. Geburtstag, dann manchmal den 65. (Pensionierung), dann den 70. den 75 und so weiter. Bei „historischen“ Gedenktagen beginnt man meistens mit dem 50. Jahrestag. Manchmal bekommt ein 75. Jahrestag ein paar Bemerkungen in den Medien oder, je nach Aktualität gesellschaftlicher,politischer oder auch wissenschaftlicher Art ein Fest. Immer gefeiert wird der 100. Gedenktag. Dem folgt manchmal der 125., meistens der 150. und dann wieder etwas pompöser der 200. Gedenktag. Und so weiter. Haben Sie je einmal gehört oder mitbekommen, dass ein historisches Ereignis an seinem 120. Gedenktag „gefeiert“ wurde. Ich habe so etwas noch nie mitbekommen.

      Da stellt sich also schon die Frage, was diese 120-Jahre-WZO-Feier in Basel denn hätte werden sollen. Vor allem, wenn dabei der gegenwärtige israelische Premierminister Netanyahu mitsamt seinem Sicherheitstross in Basel eingefahren wäre. Und das auf Kosten des Kantons Basel-Stadt. Dieser letzte Satz tönt natürlich etwas aufreizend. Ich kann mir gut vorstellen, dass da in einigen WZO-Köpfen gleich die „Antisemitismuskeule“ ausgepackt werden möchte. Ich habe den Satz trotzdem in meinen Kommentar aufgenommen. In der heutigen „Sicherheit“-Welt – und zwar gerade auch dort, wo es durchaus auch viele Opfer zionistischer Überhöhungen gibt, in der Nachbarschaft Israels also, in Jordanien, in Ägypten, in Gaza, auf der Westbank usw., vom Libanon oder von Syrien zu schweigen – würde das Geld, welches die Baslerinnen und Basler für die „Sicherheit“ des Herrn Netanyahu ausgeben müssten, rasch ein paar Millionen Franken ausmachen. Geld, welches um der Gerechtigkeit willen beim Wiederaufbau von immer wieder durch israelische militärische Aktivitäten gegen Häuser, gegen Schulen, gegen Krankenstationen, gegen Olivenbäume und vor allem gegen das Leben vieler Menschen gerichtete Zerstörungsgewalt meiner Ansicht nach sinnvoll eingesetzt werden könnte. Kurz: Der 120igste Jahrestag ist nirgendwo ausser im Feld sektiererischer Rechthaberei ein Tag, den man jubelnd begeht. WZO und Netanyahu hin oder her.

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    2. Lieber Herr Huerlimann, Ihr Argument des vielen Geldes, das das Kommen eines Herrn Netanyahu kosten würde, ist nicht einfach zu entgegnen. Andererseits wann und wie soll man dann überhaupt etwas feiern? Ich bin im holländischen Calvinismus aufgewachsen, wo der Zionismus einen zentralen Platz hat(te?). Das Leiden im zweiten Weltkrieg einer Anne Frank und vieler anderer Juden war in der Erziehung sehr im Vordergrund, und nicht nur die Verantwortung der Nazis, sondern auch überhaupt unsere Verantwortung des Abendlandes. Gegen diesen Hintergrund ist die Tatsache, dass Juden ihr eigenes Land Israel haben, etwas zum feiern, etwas großes zum feiern. Ich könnte noch vieles dazu schreiben, auch über die im Nahen Osten seltenen demokratischen Werte Israels, aber ich befürchte, dass ich nur Reaktionen provoziere, die ich nicht mag..

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