Zwölf Kandidaten für die Kultur

Seit zehn Jahren engagiert sich das unabhängige Komitee Kulturstadt Jetzt für die Basler Alternativkultur und gegen bürokratisierte Bewilligungsverfahren. In der Bar Rouge blicken die Mitglieder zurück und stellen ihre Kandidaten für die Grossratswahlen vor.

Die Spuren von zehn Jahren kulturpolitischer Arbeit: Initiativen, Petitionen und Referenden. (Bild: Kulturstadt Jetzt)

Seit zehn Jahren engagiert sich das unabhängige Komitee Kulturstadt Jetzt für die Basler Alternativkultur und gegen bürokratisierte Bewilligungsverfahren. In der Bar Rouge blicken die Mitglieder zurück und stellen ihre Kandidaten für die Grossratswahlen vor.

Während auf dem Messeplatz die Basler Architekturgrössen Herzog & de Meuron mit schwerem Gerät an der kulturellen Aufwertung der Stadt arbeiten, bittet viele Meter weiter oben ein Komitee mit ganz ähnlichem Ziel zur Medienkonferenz. Das parteiunabhängige Komitee Kulturstadt Jetzt nimmt das zehnjährige Jubiläum zum Anlass, Rückschau zu halten. Und eröffnet gleichzeitig den Wahlkampf für die Basler Grossratswahlen vom 28. Oktober 2012.

Zwölf Kandidaten von SP bis FDP empfiehlt Kulturstadt Jetzt, man kennt die meisten davon aufgrund ihrer Tätigkeiten für die Basler Alternativkultur: Sebastian Kölliker (SP) präsidiert das Jugendkulturfestival, der bisherige SP-Grossrat Tobit Schäfer amtet unter anderem als Geschäftsleiter des Rockfördervereins und der freisinnige Gastronom Martin Stächelin ist Besitzer und Geschäftsführer der Bar Rouge.

Einiges erreicht, noch vieles zu tun

Den Beginn macht Komitee-Gründungsmitglied Patrik Aellig, Kandidat der SP-Grossbasel West, mit einem Rückblick auf die letzten zehn Jahre Tätigkeit von Kulturstadt Jetzt. Eine Diashow zeigt eine Vielzahl an Initiativen, Referenden und Petitionen, die zugehörige Medienmitteilung spricht von Meilensteinen. Angefangen hat alles 2002 mit der Petition Kulturstadt Jetzt. Der Erfolg dieser Petition, 15 000 Unterschriften, hat dann zur Gründung des gleichnamigen Komitees geführt.

Es folgten zahlreiche weitere Aktionen, zu reden gab zuletzt vor allem die geforderte grosszügige Öffnung des Kasernenareals zum Rhein hin. Die Schlagworte wiederholen sich über die gesamten zehn Jahre, die Rede ist vom öffentlichen Raum, von Alternativ- und Jugendkultur und von Bewilligungsbürokratie. Aellig sieht in dieser Wiederholung die Aktualität seiner Themen bestätigt. «Zurückblicken heisst die Erfolge zu feiern, gleichzeitig müssen wir aber auch feststellen, dass Vieles noch nicht erreicht ist.»

Die bisherigen Kandidaten Mirjam Ballmer (Grüne), Kerstin Wenk (SP), Tobit Schäfer (SP) und Daniel Stolz (FDP) bleiben in der Bar Rouge im Hintergrund. Präsentiert werden die thematischen Schwerpunkte der aktuellen Wahlkampagne von den neu antretenden Kandidaten. Elias Schäfer, auf der Liste der FDP Grossbasel West und Bruder von Tobit Schäfer, spricht gewohnt wohlformuliert über die Nutzung des öffentlichen Raumes. Dieser soll der Begegnung dienen und Schauplatz urbanen Lebens sein, auch Konflikte würden dazu gehören. Deren Lösung sei ein kreativer Prozess. Schäfer wird deutlich: «Es ist nicht die Aufgabe der Verwaltung, mit Verboten und Reglementen die Allmend stillzulegen».

Impulse fehlen

Um die Nutzung brachliegenden Raumes geht es auch dem Sozialdemokraten Daniel Jansen, Betriebsleiter bei der Aktienmühle. Sein Thema sind die Zwischennutzungen. Diese sieht Jansen als kreative Impulsgeber, «Impulse die seit der missglückten Besetzung des Kinderspitals und der beendeten Zwischennutzung des NT-Areals Mangelware sind». Deshalb fordert das Komitee eine Vereinfachung und damit einhergehende Beschleunigung des Bewilligungsverfahrens solcher Zwischennutzungsprojekte.

SP-Kandidat Sebastian Kölliker spricht die fehlenden Werbeflächen für Kulturveranstalter an. Aktuell gebe es in der Innenstadt Platz für knapp 80 Kleinplakate, das sei viel zu wenig. Doch Kölliker ist voller Hoffnung, denn «der Regierungsrat hat einen entsprechenden Grundsatzentscheid für den Herbst in Aussicht gestellt.»

Für die Regierungsratswahlen verzichtet das Komitee auf eine gemeinsame Wahlempfehlung, keiner der Kandidaten für diese Wahl ist Mitglied bei Kulturstadt Jetzt.

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