3:0 in Sion: Die Meisterschaft für den FC Basel mit Sternchen

Nach dem 3:0-Sieg im Wallis ist der FC Basel ein Schweizer Meister mit Sternchen. Er kann von den Luzernern nur noch eingeholt werden, wenn sie vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwei Punkte zugesprochen bekommt.

Basler Jubel vor Walliser Kulisse: Die FCB-Spieler feiern nach Spielschluss mit ihren Fans. (Bild: Keystone/LAURENT GILLIERON)

Nach dem 3:0 (0:0)-Erfolg im Wallis ist der FC Basel ein Schweizer Meister mit Sternchen. Er kann vom FC Luzern nur noch eingeholt werden, wenn die Innerschweizer vor dem Internationalen Sportgerichtshof zwei Punkte zugesprochen bekommen.

In der Schule gibt es manchmal eine 6 mit Smiley. Das ist dann ein besonderes Lob, ein Zeichen für gute Arbeit von Schülerin oder Schüler. In der Super League gibt es seit Sonntag einen Meister mit Sternchen. Es ist das Zeichen für eine abstruse Saison im Schweizer Fussball, für die der FCB am wenigstens kann.

Der Titelverteidiger hat bei fünf ausstehenden Spielen des FC Luzern 16 Punkte Vorsprung. Doch einer Meisterfeier ähnelnde Rituale verkniffen sich die Basler nach Abpfiff im Sittener Tourbillon, weil sie die beiden Punkte, die Luzern am Grünen Tisch zugesprochen werden können, vorsichtshalber mitrechnen. Denn noch immer ist vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Klage der Luzerner hängig, die ein 1:1 gegen den FC Sion in einen Forfait-Sieg umgewandelt haben wollen.

Ausser einer ausgiebigen Zelebration der Spieler vor dem Gästesfansektor im Tourbillon, einer Geste von Trainer Heiko Vogel, zu der der FCB-Trainer von den Fotografen am Spielfeldrand nach Spielschluss aufgefordert wurde, fiel die Meisterparty aus. Frühestens kommenden Sonntag, nach dem Heimspiel gegen Lausanne, werden die Basler die Korken knallen lassen.

Der FCB will kein Spielball sein

Denn wenn die Welt um einen herum aus den Fugen gerät, muss man sie sich halt selbst neu zusammenbauen. In diesem Sinne hat der FC Basel beschlossen, sich komplett von allen Rechenspielen, Gerichtsurteilen und Rekursinstanzen dieser Schweizer Fussballwelt loszusagen. Anstatt Spielball juristischer Winkelzüge zu sein, stellen die Basler eigene Regeln auf.

Vier, vielleicht fünf Minuten brauchten sie dazu nach dem 3:0-Sieg beim FC Sion. Es war eine kurze Besprechung in der Gästekabine, danach stand fest: Der FCB will sich selbst erst als Meister fühlen, wenn er auch dann nicht mehr eingeholt werden kann, wenn die Walliser bei ihrer Jagd durch die Gerichtssäle doch noch einen Richter finden sollten, der ihnen die 36 Punkte zurückgibt, die ihnen der Schweizerische Fussballverband abgezogen hat.

Dass das geschieht, ist zwar äusserst unrealistisch. Aber es geht hier um den Basler Stolz und ein wenig auch ums Prinzip. «Wir haben den Ehrgeiz und den Anspruch, dass wir Meister werden, ohne dass der Grüne Tisch irgend etwas damit zu tun hat», sagt darum Captain Marco Streller. Trainer Heiko Vogel sekundiert: «Wir können ein Zeichen setzen, indem wir nach rein sportlichen Gesichtspunkten den Titel holen.» Und Doppeltorschütze Alex Frei findet: «Daheim zu feiern ist sowieso viel schöner.» Nächster Termin: kommenden Sonntag, kurz vor 18 Uhr, nach Abpfiff der Partie gegen Lausanne.

«Basel spielt ausser Konkurrenz»

Der Entscheid, sich frühestens nach einem Sieg gegen Lausanne vom kommenden Sonntag als wahrer Meister fühlen zu wollen, entschärft aus Basler Sicht zwei zusätzliche Lustkiller. Sollte der Internationale Sportgerichtshof CAS unter der Woche entscheiden, dass der FC Luzern keinen Forfait-Sieg gegen Sion erhält, wären die Basler aus Sicht der Liga Meister. Und das irgendwo beim Abwasch, im Training oder vor der Playstation. Dasselbe gilt, wenn die Luzerner am Samstag gegen die Grasshoppers nicht gewinnen sollten. Dann würde der FCB gemäss Swiss Football League auf dem Sofa vor dem TV Meister.

Aber das wollen die Basler nicht. «Wir wollen am Sonntag mit einem Sieg gegen Lausanne den Titel holen», beharrt Streller, «dann sind wir der verdiente und der richtige Meister.» Als ob daran noch irgendwo in der Schweiz Zweifel gehegt würden. Ganz sicher nicht bei Sions Trainer Laurent Roussey. Der stellte nach der Partie fest: «Ich denke, es ist die Erfahrung im Europacup, die den FCB derzeit in der Schweiz zu einer Mannschaft macht, die ausser Konkurrenz spielt.»

Ein enormer Unterschied

Im Tourbillon liess der FCB nichts anbrennen. Wie im Cup-Halbfinal vor einer Woche spielte Radoslav Kovac in der Innenverteidigung, weil David Abraham mit gereiztem Knie als verletzt gemeldet wurde, und für Benjamin Huggel begann Granit Xhaka im zentralen Mittelfeld. Einer flauen ersten Halbzeit liess Basel  eine gute zweite folgen. Alex Frei traf zweimal, seine Saisontore Nummer 20 und 21 in der Super League, und Verteidiger Markus Steinhöfer erzielte im 43. Super-League-Spiel im Dress des FCB sein erstes Tor.

In Sion wurde das Gastspiel des alten und designierten neuen Meisters als das Spiel der letzten Chance begriffen. Nicht, dass die Walliser noch ernsthaft daran glauben, mit zusätzlichen 36 Punkten noch ins Titelrennen eingreifen zu können. Im Gegenteil: die letzte Chance, um der Barrage zu entgehen, wurde mit einem Sieg gegen den FC Basel beschworen.

Davon waren sie, je länger die Partie dauerte, desto weiter entfernt. In der Schlussphase der ersten Halbzeit drehte der Basel auf und kam zu Chancen im Minutentakt. Es war unter dem Strich ein enormer Unterschied zwischen dem alten und neuen Schweizer Meister und dem FC Sion, der rein fussballerisch betrachtet das Zeug hätte, Basel die Stirn zu bieten, der aber mit seinem streitbaren und nervensägenden Präsidenten Christian Constantin der Liga erst diese unschöne Zuspitzung einbrockt hat. Die Walliser werden nun wohl in die Barrage müssen – es geschieht ihnen recht.

Freis Heber als Attraktion

In der Anfangsphase machte noch das Standard-Situationen-Ungeheuer Vilmos Vanczak darauf aufmerksam, warum er als Verteidiger bereits neun Tore erzielt hat – und damit bester Torschütze der Walliser ist. Marco Streller, acht Tage nach seinem Mittelhandbruch mit Bandage um die operierte linke Hand auf dem Platz, klärte in der 7. Minute auf der Linie. Und in der 14. Minute setzte der limitiert wirkende Danilo einen Kopfball übers Tor.

Das war es lange Zeit mit gefährlichen Situationen, die die Sittener heraufbeschwören konnten. Yann Sommer wurde noch von Didier Crettenand bei einem Schuss aus 18 Metern gefordert – da waren bereits 73 Minuten gespielt. Eine Minute später machte Markus Steinhöfer mit dem 2:0 alles klar. Und Alex Freis Heber zum 3:0 war allein einen Teil des Eintrittsgeldes wert.

Frei hatte den FCB auch in Führung gebracht, nachdem Streller seine einzige Chance von Vanczak abgeblockt sah und Frei mal wieder goldrichtig stand, um den Abpraller mit einer trockenen Direktabnahme im Netz unterzubringen. Es war das frühe Tor zu Beginn des zweiten Durchgangs, in dem Basel die Partie so souverän beherrschte wie selten bei Auswärtsspielen im – nach der nicht exklusiven Meinung von Bernhard Heusler – schönstgelegenen Stadion der Schweiz.

Der FCB-Präsident liess sich, nachdem er im Schweizer Fernsehen nach technischen Problemen im zweiten Anlauf ein Interview gegeben hatte, anschliessend von seinem besten Freund nach Hause kutschieren. Noch nicht als Präsident mit der 15. Meisterschaft und dem ersten Titel-Hattrick der Clubgeschichte in der Tasche, aber begleitet von einem «guten Gefühl», wie er sagte: «Die Befriedigung und die Freude sind riesig.»

«Ein schöner Angriff ist einer, der mit einem Tor endet»

Die Partie war ein weiterer Beleg für die Leistungskonstanz des FCB. Die Mannschaft steht solide, solange der Gegner Anstrengungen nach vorne unternimmt, und sie setzt ihn mit ihrem variablen Spiel durch die Mitte und über die Flügel, vor allem den rechten mit Shaqiri und Steinhöfer, ständig zu. Bis sich die Lücke auftut, wie beim ersten und zweiten Tor, und bis der Gegner Fehler macht, so wie Vanczak beim 3:0.

Das einzige, an was Heiko Vogel seine Mannschaft in der Halbzeitpause beim Stand von null zu null erinnern musste: «Ein guter Angriff ist einer, der mit einem Tor endet.» Das machte sie anschliessend besser, sie kam zu ihrem achten Auswärtssieg  – bei sechs Unentschieden und einer einzigen Niederlage, die vom 20. August 2011 datiert, dem letzten Mal, dass der FC Basel verloren hat. 22 Spiele ist er nun ungeschlagen, 17 davon unter Heiko Vogel. Es ist ein Leistungsausweis, der immer beeindruckendere Formen annimmt. Gegen diesen FC Basel ist kein Kraut gewachsen, daran wird auch kein Gericht mehr etwas ändern.

Super League, 30. Runde
FC Sion–FC Basel 0:3 (0:0)
Tourbillon. – 12‘500 Zuschauer. – SR Studer.

Tore:
49. Alex Frei 0:1 (nach einem von Vanczak mit dem Arm abgeblockten Streller-Schuss trifft Frei aus zehn Metern mit flachem Direktschuss zu seinem 20. Saisontor in der Liga. Die Vorarbeit stammte von Shaqiri und Steinhöfers Rückpass auf Streller).
74. Steinhöfer 0:2 (nach schöner Vorarbeit von Streller, Zoua und Shaqiri versetzt der Rechtsverteidiger einen Gegenspieler im Strafraum, legt sich den Ball auf den linken Fuss und trifft flach aus zehn Metern in die kurze Ecke – Steinhöfers erstes Tor für den FCB).
83. Alex Frei 0:3 (Vanczaks Fehlpass landet bei Alex Frei, der nimmt vom linken Strafraumeck aus Mass, und sein Heber senkt sich in den Torwinkel – ein tolles Ballgefühl).

Verwarnungen: 24. Xhaka (Foul), 41. Basha (Foul), 53. Streller (Unsportlichkeit), 63. Serey Die (Foul), 71. Danilo (Foul).

FC Sion (4-2-3-1): Vanins; Vanczak, Adailton, Dingsdag, Bühler; Serey Di, Basha (56. Rodrigo); Wüthrich (67. Margairaz), Obradovic (56. Yoda), Crettenand; Danilo.
FC Basel (4-4-2):
Sommer; Steinhöfer, Kovac, Dragovic, Park; Shaqiri, Yapi (78. Cabral), Xhaka, Stocker (71. Zoua); Alex Frei (85. Andrist), Streller..

Bemerkungen: Sion ohne Mrdja (verletzt); FCB ohne Abraham, P. Degen, Pak, Chipperfield, Voser, Jevtic (alle verletzt).


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