Ab in die Berge, Teil 2: La Grande Boucle in den Alpen

Beim Mann in Gelb fährt auch bei der 102. Tour de France der übliche Verdacht mit – der Tour selbst ist das aber egal. Sie biegt heute in die entscheidende Bergregion ab: die Alpen. Ein Blick auf die nächsten vier Tage, die Streckenführung und das Profil, das für sich schon ein Faszinosum bleibt.

Beim Mann in Gelb fährt auch bei der 102. Tour de France der übliche Verdacht mit – der Tour selbst ist das aber egal. Sie biegt heute in die entscheidende Bergregion ab: die Alpen. Ein Blick auf die nächsten vier Tage, die Streckenführung und das Profil, das für sich schon ein Faszinosum bleibt.

Der Mittwoch – Merckx’ Schicksalsberg

Den Anfang macht der Abschnitt von Digne-les-Bains in den Alpes-de-Haute-Provence. Auf den 161 Kilometern hinein in die Alpes Maritimes sind vier Bergwertungen zu erledigen, unter anderem der Col d’Allos der zweithöchsten Kategorie 1 und mit 2250 Metern der höchste Punkt dieser Grossen Schleife. Zum Schluss gehts in die Skistation Pra Loup auf 1620 Metern, ein Berg der zweiten Kategorie und erst zum dritten Mal und nach 30 Jahren wieder Zielort der Tour. Dafür einer mit Geschichte: 1975 endete hier die Vorherrschaft von Eddy Merckx. Der fünfmalige Tour-Gewinner verlor im Paradies der nordischen Wintersportler sein Gelbes Trikot an den späteren Sieger Bernard Thévenet.

Aufs Dach der Tour: Erst der Col d’Allos, dann hinauf nach Pra Loup – der Mittwoch bei der Tour:




» Wo es genau langgeht: Die Karte zur 18. Etappe als PDF

Der Donnerstag – Das kleine Alpe d’Huez


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Noch einmal 186,5 Kilometer haben sich die Tour-Macher für den Donnerstag ausgedacht – von Gap nach Saint-Jean-de-Maurienne. Fünf Bergwertungen warten inklusive der Passhöhe des Col du Glandon auf 1924 Metern, der von seiner einfacheren Seite genommen wird, aber dennoch ein Berg der höchsten, der Hors Catégorie ist. Und dann kommt kurz vor dem Ziel Lacets de Montvernier, eine der kuriosesten Serpentinenstrassen der Alpen und mit seinen 17 Kehren auf knapp vier Kilometer verteilt so etwas wie das kleine Alpe d’Huez. Und das folgt dann noch am Samstag.

Die eindrücklichen Kehren hinauf nach Lacets de Montvernier zum Mitfahren:

Der Freitag – Zum Frühstück ein Neuling

Gleich zu Beginn gibt es einen Neuling: Den 1533 Meter hohen Col du Chaussy (14 Kilometer, Durchschnittssteigung 7 Prozent), erstmals befahren in der Geschichte der Tour – und dabei hatte man doch eigentlich angenommen, dass in den 101 Grossen Schleifen zuvor kein Passsträsschen ausgelassen worden sei. Anschliessend rollts erst mal, ehe es zum Croix de Fer hinauf geht, 22 Kilometer, 6,9 Prozent Steigung, höchste Schwierigkeitsstufe.




» Wo es genau langgeht: Die Karte zur 19. Etappe

Zum Schluss der 138 Kilometer wartet La Toussuire, die viertgrösste Skistation Frankreichs und nach 2012 schon wieder und ein zweites Mal Zielort. Man scheint die PR der Fernsehbilder nötig zu haben und scheut das Investment von rund 100’000 Euro an die Tour-Organisatoren nicht.




Der Samstag – Das wahre Alpe d’Huez

Verweilen wird der Tour-Tross in La Toussuire nicht, sondern 30 Kilometer weiter zum Start der Königsetappe zügeln: Modane. Am Samstag der dritten Tour-Woche geht es nach Alpe d’Huez. Einen solchen Showdown, mit einer Bergankunft am Vorabend von Paris, hat sich die Tour erst zweimal gegönnt: 2009 am Mont Ventoux und 2013 in Annecy-Semnoz.

Das Schlussbouquet der 102. Tour de France:




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Wegen eines Erdrutsches am Lac du Chambon musste erst Ende Juni die Streckenführung des vorletzten Abschnitts geändert werden. Es bleibt bei 110,5 Kilometern. Die legendären Anstiege zum Col du Télégraphe (1566 Meter) und Galibier (2645), der eigentlich das Dach der Tour darstellen sollte, fallen jedoch aus. Dafür gehts noch einmal über den Col der la Croix de Fer – diesmal von der Seite, die das Peloton am Vortag runtergefahren ist. Heisst: 29 Kilometer rauf bei 5,2 Prozent Steigung und in Spitzen über 10 Prozent.

Dann wartet der letzte Anstieg dieser Tour – die 21 Kehren hoch nach Alpe d’Huez. 13,8 Kilometer Radsportgeschichte, in die sich Fausto Coppi 1952 als erster Sieger eintrug.




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Wie es zugeht in den Bergen: «Arte» hat zwei Dokumentationen in der Mediathek. Im Ton reichlich Heldenverehrung, aber dennoch sehenswert (Trailer):

» Noch mehr zur Tour auf Arte: Die Königsetappen 

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