Ausgespielt und vorgeführt – die Einzelkritiken nach der Niederlage in Bern

Bei der ersten Niederlage in der laufenden Super-League-Saison produziert der FC Basel gleich eine ganze Reihe individueller Fehler. Taulant Xhaka tritt in die Fallen, die man ihm stellt, Naser Aliji zahlt teures Lehrgeld – und selbst ein eigentlich guter Luca Zuffi findet an diesem Abend ein noch besseres Gegenüber.

Basels Marc Janko und Basels Luca Zuffi nach dem Super League Spiel zwischen dem BSC Young Boys Bern und dem FC Basel, am Mittwoch, 23. September 2015, im Stade de Suisse Wankdorf in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

(Bild: PETER KLAUNZER)

Bei der ersten Niederlage in der laufenden Super-League-Saison produziert der FC Basel gleich eine ganze Reihe individueller Fehler. Taulant Xhaka tritt in die Fallen, die man ihm stellt, Naser Aliji zahlt teures Lehrgeld – und selbst ein eigentlich guter Luca Zuffi findet an diesem Abend ein noch besseres Gegenüber.

Tomas Vaclik | Torwart

Einzelkritiknoten 3.5

Vier Gegentore in einem Spiel sind eine Schmach für Vaclik, der in den acht Ligaspielen davor nur sieben Mal hinter sich greifen musste. Eine Beteiligung an der deutlichen Verschlechterung der Bilanz kann man ihm beim vierten Gegentreffer anlasten. Dort kam er derart weit aus seinem Tor, dass er den Torschützen Gerndt am Kopfball hätte hindern müssen.

Michael Lang | rechter Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 3.5

Lang bekam es auf seiner angestammten linken Abwehrseite mit den starken Gegenspielern Gerndt und Steffen zu tun. Vermochte einige knifflige Situationen mit gutem Stellungsspiel zu entschärfen, konnte aber auch nichts am Eindruck einer insgesamt desorientierten Abwehr ändern.

Daniel Hoegh | rechter Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 3.5

Zweimal versuchte der Däne als letzter Mann sich in den Raum zwischen Ball und eigenem Tor zu werfen, aber sowohl beim Weitschuss Sulejmanis (45.) wie auch beim Kopfball Gerndts (81.) kam er zu spät. Beanspruchte in der 55. Minute einiges Glück, dass sein Rempler gegen Gerndt im eigenen Strafraum nicht mit einem Penalty geahndet wurde. 

Marek Suchy | linker Innenverteidiger

Einzelkritiknoten 4

Hätte Suchy in der Defensive dieselbe Wirkungskraft gezeigt wie in der Offensive – der FC Basel hätte wohl keine vier Gegentreffer kassiert. Assistierte erst Embolo bei dessen Tor zum 1:1 und erzielte mit dem Fuss den Anschlusstreffer (74.). Muss als Abwehrchef bei vier Gegentoren aber mit Abzügen leben.

Naser Aliji | linker Aussenverteidiger

Einzelkritiknoten 3

Der zurückgeholte Verteidiger bezahlte gegen die Berner Lehrgeld. War er gegen Sulejmani bei dessen Tor vor der Pause schlicht zu langsam, so musste er sich von Steffen später vorführen lassen wie ein Kaninchen in der Manege. Eine zahnlose Leistung des Linksaussen, die auch in Vaduz nicht zum Stammspieler reicht.

Taulant Xhaka | defensives Mittelfeld

Einzelkritiknoten 2

Seit dem Foul an Gerndt im Februar 2014 sind Partien im Stade de Suisse für Xhaka immer so etwas wie ein doppeltes Auswärtsspiel. Pfiffe bei jedem Ballkontakt und die verbalen Nadelstiche der YB-Spieler hinter vorgehaltener Hand gehören bei ihm dazu. Die Fallen waren also gelegt, aber Xhaka tappte eben auch hinein. Leistete sich den Lapsus gegen Sulejmani vor dem 0:1 – und nach zwei Tätlichkeiten, eine davon nach Spielschluss, musste Xhaka mit Rot vom Platz. Ein Abend zum Vergessen.

Zdravko Kuzmanovic | defensives Mittelfeld

Einzelkritiknoten 3.5

Trotz wenig Spielpraxis erhielt Kuzmanovic in dieser Partie Spiel das Vertrauen von Trainer Fischer. Versuchte von Anfang an das Spiel zu dirigieren, indem er gewohnt gestenreich den Ball forderte. Es blieb allerdings beim Versuch, denn in der Spielauslösung gelang ihm, auch wegen des hohen Pressings der Berner, wenig. Musste in der 62. Platz machen für Calla.

Birkir Bjarnason | rechter Flügel

Einzelkritiknoten 3.5

Der Isländer kam etwas überraschend auf der rechten Seite zum Einsatz und versuchte dort im Verbund mit Hintermann Lang, das starke Duo Steffen und Gerndt unter Kontrolle zu halten. Das gelang in der Defensive nicht schlecht, aber in Ballbesitz wirkte Bjarnason oft wild und fahrig. Sinnbildlich dafür: der verstolperte Steilpass in der 50. Minute.

Matias Delgado | offensives zentrales Mittelfeld

Einzelkritiknoten 3.5

Fischers kreative Schaltzentrale kam überhaupt nicht zur Entfaltung. Seine auffälligsten Szenen hatte Delgado, als er Flanke um Flanke der Berner aus dem eigenen Strafraum spedierte, bis er sich nach einem Zusammenprall in der 43. Minute unter Schmerzen und noch vor der Pause auswechseln lassen musste. Noch ist unklar, welche Verletzung sich Delgado zugezogen hat, ein Zwicken im Oberschenkel habe er gespürt, sagte Fischer.

Shkelzen Gashi | linker Flügel

Einzelkritiknoten 4

Sein Freistoss in der 16. Minute trug das Schlagwort «Formtief» wie einen Kometenschweif hinter sich her. Doch es wäre unzureichend, dieses Streiflicht zum Gradmesser für die übrige Leistung des linken Flügels zu machen. Gashi fasste sich ein ums andere Mal ein Herz, schoss aus allen Lagen und hatte in der 51. Minute einen Kopfball an die Torumrandung zu beklagen. Gashi wird zur Zeit nicht vom Glück verfolgt.

Breel Embolo | Stürmer

Einzelkritiknoten 4.5

In Bezug auf die Sonderbewachung, die viele Gegner dem Basler Stürmer angedeihen lassen, war in den vergangenen Wochen immer wieder ein Satz zu lesen: «Da muss er durch.» Und Embolo drückte sich auch in Bern nicht, obwohl er auch hier wieder einige Fouls der Marke «Denkzettel» einstecken musste. Embolo revanchierte sich auf seine Art – mit dem Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich in der 23. Minute.

Luca Zuffi | offensives zentrales Mittelfeld

Einzelkritiknoten 4.5

Luca Zuffi kam noch vor der Pause für Delgado ins Spiel und wurde vor allem in der zweiten Halbzeit zur personifizierten Basler Verzweiflung am Berner Schlussmann Mvogo. Was Zuffi auch versuchte – der Berner Torwart hatte immer eine bessere Antwort parat. Das Duell stand dem feinsten Western in punkto Spannung in nichts nach.

Marc Janko | Stürmer

Einzelkritiknoten 4.5

Mit der Einwechslung Jankos in der 62. Minute und dem Stand von 1:2 kam nochmals Hoffnung auf in den Basler Reihen. Janko kam, sah – und traf trocken ins rechte tiefe Eck. Allerdings erst in der 92. Minute und damit zu spät, um noch etwas an der Niederlage ändern zu können.

Davide Calla | rechter Flügel

Einzelkritiknoten 4

Davide Calla kam in der 72. Minute für Kuzmanovic und provozierte die zweite gelbe Karte für Lecjaks in der 88. Minute. Blieb abgesehen davon ohne grossen Einfluss auf das Spiel.

 
_
Bewertungsdurchschnitt: 3,7
Nicht eingesetzt: Vailati (ET), Degen, Samuel, Elneny.

Konversation

  1. Lieber Herr Faulhaber

    Ich danke für die Antwort. Ich schätze das. Trotzdem bin ich vor allem bin ich mit einzelnen Bewertungen nicht glücklich. Was kann man zum Beispiel mehr machen als Zuffi, der meines Erachtens sehr gut gespielt hat. Auch bei Suchy kann ich mit der Beurteilung ‚muss als Abwehrchef bei 4 Gegentoren mit Abzügen leben‘ nicht viel anfangen. Das tönt ein bisschen nach Sippenhaftung und ist mir zu wenig differenziert.

    Aber Sie haben schon recht: Jede Bewertung ist letztlich subjektiv; entsprechend kann man auch Gelassenheit walten lassen.

    Danke Empfehlen (0 )
  2. Der FCB hat auswärts gegen ein Team gespielt, das vor der Saison als Meisterschaftsfavorit bezeichnet worden war und diesem Anspruch gestern zum ersten Mal gerecht wurde. Der FCB hat nach einem tollen Spiel 4:3 verloren. – Die Bewertungen in der TaWo werden weder dem Spiel noch dem Gegner noch dem FCB gerecht. Auch wenn man einmal verloren hat: die Akteure des FCB haben bei weitem nicht so schlecht gespielt, wie sie hier bewertet werden. Zuffi zum Beispiel hat ein Klassepartie gemacht, die mindestens mit einer 5,5 bewertet gehört. Aus meiner Warte spiegelt eine solche Bewertung eine gewisse Überheblichkeit, die bei der Vereinsführung glücklicherweise fehlt – nach dem Motto: Ihr von YB habt gegen eine Mannschaft zu Hause ganz knapp gewonnen, die eigentlich durchgehend schlecht gespielt hat. Das war nicht der Fall, daher darf man YB ruhig zu einer sehr guten Leistung gegen einen guten FCB gratulieren.

    Danke Empfehlen (0 )
    1. Meine Herren,

      unsere Einzelkritiken sind streng, wie immer subjektiv und sollen keinesfalls die Leistung von YB schmälern. Auch wir haben die Partie gestern als hochstehendes Spitzenspiel gesehen, aus dem ein verdienter Sieger die Punkte davontrug. Unser Spielbericht unterstreicht diese Wahrnehmung deutlich.
      Trotzdem hat ein FC Basel, der bis gestern in der gesamten Rückrunde nur sieben Treffer kassierte, nun deren vier in einem Spiel erhalten. Eine gewisse individuelle, aber auch kollektive Fehleranfälligkeit in der Defensive kann nicht negiert werden. Diese kollektive Fehleranfälligkeit führte zur Niederlage und damit zu einer knapp ungenügenden Benotung unsererseits. Dass diese Bewertung zu kritisch ist, stellen wird gerne zur Diskussion – arrogant gemeint ist sie sicher nicht.

      Danke Empfehlen (0 )
    2. Herr Hafen, ich bin mit Ihnen abolut einverstanden! Die Noten, welche die TaWo hier verteilt, sind arrogant und in keinster Weise gerechtfertigt – und das nicht zum ersten Mal!

      Danke Empfehlen (0 )
  3. Ziehen wir das glückliche 1:0 (das eigentlich Offside war, weil der Ball von Suchy vor Sulejmani noch von einem YB-Spieler berührt wurde) ab, und fragen uns, ob Vaclik das 2:1 nicht doch halten muss, und ziehen noch das 4:2 (das stümperhafte Eingreifen von Vaclik war auch noch dem Kunstrasen geschuldet) ab, dann sieht die Sache anders aus.

    Fazit: YB hatte Glück und Kunstrasen. Auch das gehört zum Fussball.

    Danke Empfehlen (0 )
  4. Die Noten sind zu tief, ganz klar. Und sie wären höher gewesen, wenn der letzte Freistoss zum Ausgleich geführt hätte, soviel zur Objektivität.

    Danke Empfehlen (0 )
  5. Kuzmanovic, was hat der bis jetzt gebracht?
    Ein Flop, und noch ein teurer.
    Für mich gestern Note 1.
    Das soll der Königstransfer sein?

    Danke Empfehlen (0 )
Alle Kommentare anzeigen (7)

Nächster Artikel