Basler Fan-Frust über Pariser Behörden-Willkür

Lediglich 800 Tickets stellt Paris St-Germain dem FC Basel für den Champions-League-Match am 19. Oktober zur Verfügung. Deshalb, und weil der Verkauf der Tickets mit strikten Auflagen verbunden ist, ruft die Muttenzerkurve zum Boykott auf.

Britain Soccer Football - Arsenal v FC Basel - UEFA Champions League Group Stage - Group A - Emirates Stadium, London, England - 28/9/16 General view of FC Basel fans Action Images via Reuters / Andrew Couldridge Livepic EDITORIAL USE ONLY.

(Bild: Reuters/Andrew Couldridge)

Lediglich 800 Tickets stellt Paris St-Germain dem FC Basel für den Champions-League-Match am 19. Oktober zur Verfügung. Deshalb, und weil der Verkauf der Tickets mit strikten Auflagen verbunden ist, ruft die Muttenzerkurve zum Boykott auf.

Zum zweiten Mal in diesem Jahr bekommen der FC Basel respektive seine reisefreudigen Anhänger die Folgen des Ausnahmezustandes in Frankreich zu spüren, der seit den Terroranschlägen von Paris am 13. November 2015 unverändert in Kraft ist. Beim Europa-League-Spiel in St-Etienne am 18. Februar waren überhaupt keine FCB-Fans willkommen, und der Gästesektor im Stade Geoffroy-Guichard blieb leer.

Das könnte nun auch im Pariser Parc des Princes passieren. Zwar haben die Behörden in Paris nach langem Hin und Her Gästefans zugelassen– allerdings nur 800 an der Zahl und verbunden mit Auflagen.

Nachdem der FCB am Freitag das Ergebnis der Gespräche und Verhandlungen mit seinem gegnerischen Verein, Paris St-Germain, der Uefa sowie der Préfecture von Paris auf seiner Website kommuniziert hatte, dauerte es nicht lange, bis die in der Muttenzerkurve organisierten Fans sich meldeten. Sie kritisieren einerseits das «rätselhafte Kontingent» von 800 Karten und das «schikanöse Prozedere», mit dem die Tickets abgegeben werden.

Muttenzerkurve ruft zum Boykott auf

Der Protest schlägt sich in zwei Konsequenzen nieder: Es wird keine organisierte Fahrt der Fans geben, und die Kurve ruft zum Boykott auf.

Was die FCB-Anhänger auf die Palme bringt, ist einerseits eine Ungleichbehandlung: Dem Arsenal FC wurden zum Auftakt dieser Champions League für das Spiel in Paris noch circa 2000 Tickets für seine Supporter bereitgestellt. Das entspricht ungefähr den fünf Prozent, die in der Regel den Gastvereinen bei internationalen Spielen zustehen.



Football Soccer - Paris Saint-Germain v Arsenal - UEFA Champions League Group Stage - Group A - Parc des Princes, Paris, France - 13/9/16 Arsenal fans before the match Reuters / Benoit Tessier Livepic EDITORIAL USE ONLY.

Der Gästesektor im Prinzenpark beim Champions-League-Spiel von Arsenal bei Paris St-Germain. Rund 2000 Anhänger der Gunners waren damals in Paris; dem FC Basel werden nun lediglich 800 Tickets zugestanden. (Bild: Reuters/Benoit Tessier)

Zum anderen lehnen die FCB-Fans die von den französischen Behörden verlangte Personalisierung beim Ticketkauf ab. Die Auflagen sehen vor, dass Fans in Basel unter Angabe von Name und Geburtsdatum Gutscheine erwerben (online noch möglich bis Mittwoch, am Ticketschalter bis Freitag; Ticketpreis: 40 Franken plus Gebühr) und in Paris einlösen. Gegen Vorlage eines amtlichen Ausweispapiers erhält man das Ticket und einen Handgelenkbändel, ohne den der Zutritt in den Prinzenpark nicht möglich ist.

Die Fans nennen das Prozedere «eine Farce»

Dieses Prozedere nennen die FCB-Fans eine «Farce», zumal Ort und Umtauschzeitpunkt für die Voucher von den Pariser Behörden noch nicht bekannt gegeben wurden. Die Fans fühlen sich erinnert an den gescheiterten Versuch von 2002, in der Schweiz einen Fanpass einzuführen, und an Spiele gegen die AS Roma, als ähnliche Vorgaben im Raum standen.

«Die Massnahmen haben zum Ziel, die wilde Komponente der Fankultur europaweit kaputt zu machen.»
Stellungnahme der Muttenzerkurve

Alles in allem, so heisst es in einem Statement auf der Website der Muttenzerkurve, «haben die Massnahmen zum Ziel, die wilde Komponente der Fankultur europaweit kaputt zu machen». Gerade in Paris, so heisst es, würden sowohl Verein als auch Behörden die Fanszene in der Stadt seit Jahren bekämpfen.

Deshalb will die Muttenzerkurve ihren Boykott auch als Signal verstanden wissen: «Je weniger Fans diese Massnahme mittragen, desto stärker ist das Zeichen.»

Die vergeblichen Bemühungen des FC Basel

Nach einer Flut von Reaktionen auf das Verkaufsprozedere sah sich der FC Basel am Montag zu einer schriftlichen Stellungnahme auf seiner Website veranlasst. Darin drückt er unter anderem sein fehlendes Verständnis dafür aus, dass dem FCB lediglich 800 Tickets zur Verfügung gestellt werden: «Wir bedauern das sehr.» 

Dass es seit der Auslosung am 25. August so lange gedauert hat, bis reisewillige FCB-Fans über die Modalitäten informiert wurden, erklärt der FCB mit den langwierigen Gesprächen und Verhandlungen.



Britain Soccer Football - Arsenal v FC Basel - UEFA Champions League Group Stage - Group A - Emirates Stadium, London, England - 28/9/16 FC Basel players after the match Reuters / Stefan Wermuth Livepic EDITORIAL USE ONLY.

Die FCB-Spieler bedanken sich in London bei ihren Fans für die Unterstützung. Für die Partie in Paris ruft die Muttenzerkurve nun zum Boykott auf, um gegen Behörden-Willkür zu protestieren. (Bild: Reuters/Stefan Wermuth)

«Seither war der FCB ununterbrochen sehr bemüht, seine Ticketforderungen durchzubringen», heisst es. Eine FCB-Delegation sei eigens nach Paris gereist, um sich mit den Behörden auszutauschen. Die Uefa sei informiert worden. Mehrfach habe man interveniert und schlussendlich als «generelle Begründung» der Restriktionen den Hinweis auf den Ausnahmezustand im Land zu hören bekommen.

Der Ausnahmezustand und der Leumund der FCB-Fans

Die Hoffnung der FCB-Clubleitung, am 19. Oktober in Paris nichtsdestotrotz von 800 mitreisenden Fans «lautstark unterstützt» zu werden, wird durch den Boykott-Auftruf der Muttenzerkurve getrübt.

Warum die Pariser Préfecture nur 800 Gästefans erlaubt und diesen einen erhöhten Aufwand zumutet, darüber kann – nebst dem für alles als Argument dienenden Ausnahmezustand – nur spekuliert werden. Eine entsprechende Anfage etwa der TagesWoche an die Préfecture in St-Etienne im Februar dieses Jahres blieb unbeantwortet.

Möglicherweise kommt dem FC Basel nicht entgegen, dass seine Fans sich in den vergangenen Jahren einiges aufs Kerbholz geladen haben. Ob das nun im einen oder anderen Fall unbegründet, weniger gravierend oder übertrieben erscheint – mit einem angekratzten Leumund reist es sich schwieriger durch Europas Fussballstadien. Im Emirates Stadium in London liessen es sich einige Leute im Gästeblock denn auch nicht nehmen, bengalische Fackeln zu zünden.



Britain Soccer Football - Arsenal v FC Basel - UEFA Champions League Group Stage - Group A - Emirates Stadium, London, England - 28/9/16 FC Basel fans with flares Action Images via Reuters / Andrew Couldridge Livepic EDITORIAL USE ONLY.

Fackeln im Emirates: FCB-Fans beim Gastspiel in London gegen den Arsenal FC. (Bild: Reuters/Andrew Couldridge)

Konversation

  1. Da ist es ja wohl selbstverständlich, dass jeder Paris-Fan auch zur „Persona non grata“ deklariert wird. Den Gästesektor im St. Jakob-Park nehmen die Basler sicher gerne in Anspruch. Wenn das so weitergeht, wird es bald überhaupt keine Fussball-Reisende mehr geben. Was vielleicht gar nicht so schlimm ist.

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  2. Ich schliesse mich @Seiler an:

    Nach den Erfahrungen mit ASSE und dem unsäglich arroganten Versuch der Franzosen, die FCB-Fans als Terroristen vom Spiel fern zu halten habe ich folgenden Vorschlag:

    Aus hygienischen Gründen sind jegliche PSG-Fans mit Landesverweis bzw. Einreiseverbot zu belegen!

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  3. Da treffen sich ja die echten „Fans“ aus der Kurve welche Prügel suchen und bieten. Für die, die es noch nicht bemerkt haben – Fussball und Prügeln sind zwei separate Dinge die nicht gleichzeitig oder am selben Ort stattfinden solllen.

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