Basler Fans in Zürich: Ganz schön sachlich

Sorry, keine Bad News: Am Fanmarsch der Basler zum Zürcher Letzigrund und zurück benahmen sich die FCB-Anhänger – wie auch die Polizei – entgegen etwaigen Befürchtungen. Eine Inaugenscheinnahme.

Die Fans des FC Basel auf dem Weg zum Stadion Letzigrund vor dem Fussball Meisterschaftsspiel der Super League zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel am Sonntag, 10. Mai 2015, im Stadion Letzigrund in Zuerich. (KEYSTONE/STR) (Bild: Keystone)

Sorry, keine Bad News: Am Fanmarsch der Basler zum Zürcher Letzigrund und zurück verhielten sich die FCB-Anhänger – wie auch die Polizei – entgegen etwaigen Befürchtungen. Eine Inaugenscheinnahme.

Um Enttäuschungen von Beginn weg vorzubeugen, folgender Lesehinweis: Sorry, am Fanmarsch der Basler durch Zürich ist nichts Relevantes passiert. Auch während des Spiels am Sonntagnachmittag nicht. Nichts ist in die Brüche gegangen, die Polizisten blieben auf Distanz, die Fans friedlich. Hier gibts keine Bilder und Leser-Videos von enthemmter Wut. Keine Beschreibungen von sogenannt «kriegsähnlichen Zuständen». Keine Neuigkeiten, eigentlich.

Also vielleicht doch News?

Der Marsch beginnt, kaum hat der Zug in Altstetten gehalten. Hunderte Fans formieren sich in wenigen Minuten in einen breiten Zug, vorne junge Männer, Einheitstenue Schwarz. Hinten wirds bunter und familiärer. Ein, zwei Böller begleiten den Start, genervt kommentiert von einigen Fans, weil die Dinger schmerzhaft laut sind, wenn sie in der Nähe hochgehen. Dann wird gelaufen, es wird gesungen, es wird geklatscht und gerufen. Was Fussballfans an guten Tagen halt so zu tun pflegen. Und das wars dann.

Wenn Befürchtungen nicht Realität werden

Während des Spiels: courant normal, wenn man so will. Bunter Rauch steigt aus dem Basler Gästesektor auf, die Südkurve, erst merkwürdig verhalten, antwortet mit ein paar Fackeln und Durch-Mark-und-Bein-Böller. Aus den Laustsprechern schallt ein halbes Dutzend Mal eher beiläufig die Unterlassungsansage vom Band.

Der Rückweg zum Bahnhof Altstetten? Fast dasselbe, aber die Böller blieben aus. Einmal rennen einige maskierte FCB-Ultras in die Innenhofarkaden des Shoppingcenters Letzipark. Die Aktion dauert ein paar Sekunden, ein Effekt ist nicht zu erkennen. Ach ja: Und eine Tür wollte nicht schliessen am Extrazug.

Welche Erkenntnisse bleiben? Vielleicht, dass es sich in jedem Fall lohnt, dabei zu sein. Und dass es nötig ist, auch dann zu berichten, wenn Befürchtungen nicht Realität werden. Denn die gab es, und sie waren unterfüttert: In der Vergangenheit kam es wiederholt zu wüsten Szenen, als Basler Ultras durch Zürich zogen. Oder zu unverhältnismässigen Aktionen der Zürcher Polizei. Es sei hier exemplarisch an den «Duttweiler Kessel» erinnert.

Aufgeladen war der Besuch in Zürich zudem durch die Vorkommnisse vom 12. April in Basel, als Anhänger des FC Zürich nach dem Spiel im St.-Jakob-Park und am Bahnhof Pratteln ihrem Frust freien Lauf liessen. Da schien noch eine Rechnung offen. Zusätzliches Konfliktpotenzial wurde für den Fall erwartet, dass Basel seinen Meister ausgerechnet beim Erzrivalen in Zürich macht. Das hatte sich schon vor dem Anpfiff im Letzigrund durch das Ergebnis in Bern erledigt.

Zurückhaltende Zürcher Polizei

Anders als in der Vergangenheit verhielt sich auch die Zürcher Polizei. Sie blieb während der gesamten Dauer des Fanmarsches auf Distanz, riegelte bloss die Zufahrtstrassen zur Hauptroute ab. Früher begleitete jeweils ein gewaltiges Aufgebot an Polizisten in Riot-Montur die Ultras in wenigen Metern Abstand.

Auch das eine angenehme Überraschung.

Nach all der Aufregung in den letzten Wochen um Fangewalt und Diskussionen um mögliche und unmögliche Reaktionen war der Basler Fanmarsch angenehm sachlich. Lehren kann man vermutlich keine daraus ziehen, weil es auch wieder anders kommen kann.

Ausser vielleicht dieser: Dass es auch nötig ist zu berichten, wenn das Ritual von Eskalation und Empörung ausbleibt. Das hält das Urteilsvermögen frisch.

Zum Thema – Fanmarsch in Luzern

Aus unserer Community (siehe Kommentare) kommt der Hinweis, dass sich das Portal «zentralplus» in Luzern mit dem Marsch der Basler Fans im 21. März des Jahres unaufgeregt beschäftigt hat und die Situation in der Sicherheitsdebatte in der Stadt in einem weiteren Beitrag vertieft beleuchtet. Lesenswert.

Konversation

  1. Das klingt in der Tat ganz schön friedlich, bravo!
    Aber wehe die Zürcher, Berner oder Luzerner wollten selbiges in der Fussballhauptstadt tun. Dann kommen sie ganz schön schnell zur Sache die schwarz-uniformierten Landbüebli und hauen dem Gegner eins ans Rüebli. Denn in „ihrer“ Stadt sind Fanmärsche ganz sicher nicht erlaubt. Sowas darf nur der Meister auswärts.
    Viel Spass am Cupfinal, wenn die Horde Walliser durch Basel schlendert. Bleiben die Basler dann auch friedlich, oder sind „maskierte FCB-Ultras“ bereits in Stellung?

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    1. Oh, oh,

      1. Wenn das meine Französisch-LehrerInnen (bei denen es quasi nie für eine genügende Note gereicht hat) spitzkriegen…
      2. Ich habe das dem Kollegen Beck reinredigiert (seinen Französischkenntnisse muss ich überprüfen, sobald er wieder in der Redaktion aufschlägt)
      3. Ist korrigiert

      Wie immer: Danke, Frau Grossmann

      (Ärger, Knirsch

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  2. Scheinbar ist es leider wirklich so, dass man von Fussball-Fans nur dann etwas hört, wenn sie negativ auffallen – und dass sich dieses Bild dadurch als Erstes aufdrängt, wenn man vom Spiel Basel-Zürich hört. Auch mir ging es gestern so, ich habe Ausschreitungen bereits erwartet und möchte mich hiermit bei den FCB- (und auch FCZ-) Fans entschuldigen. Schön, dass wenigstens die TagesWoche über das Nicht-Ereignis schreibt – bis jetzt habe ich noch keinen anderen Artikel diesbezüglich gesehen.

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    1. Danke, Mike Anderhalden,

      für diesen Hinweis. Wir haben den von Ihnen empfohlenen Beitrag und einen weiteren zum Thema von «zentralplus» in unserem Artikel verlinkt (siehe Box).

      Gruss zurück an den See

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  3. Nur ein paar Böllerchens?
    Die lauten Dinger können einem ein ungeahntes Souvenir hinterlassen: Dauer-Tinnitus und Hörschäden.
    Im Gegensatz zu anderen Souvenirs wird man das aber eher nie mehr los. Es bedeutet das definitve Ende der Stille.
    Von der Seite wäre Eingreifen doch nötig gewesen.
    Gut, eigentlich müsste man die Banntage auch verbieten, denn Vögel erschrecken gehört hoffentlich noch nicht zum patriotischen Handeln.
    (Für die, die es noch nicht wissen: da wird herumgeschossen, um sich seiner selbst zu vergewissern.)
    Man muss ja schon mit wenig zufrieden sein….

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    1. … und dann erst die Fasnacht, dieses elendigliche Gequitsche und Gerumsse nicht zu sprechen von all den Pauken und Trompeten. Alles verbieten, sofort! Alle in den Knast.

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  4. Leider trifft diese eingeschränkte Sichtweise und Berichterstattung auch auf sehr viele andere Lebensbereiche zu. Eingang in die Medien finden nur die kriminellen Ausländer, die IV- und Sozialhilfe-Schmarotzer, die jugendlichen Raser etc. Dass aber die grosse Mehrheit der Ausländer, IV- und Sozialhilfebezüger oder Jugendlichen sich nie etwas zu Schulden kommen lassen, wird (auch von Fussball-Fäns) nicht wahrgenommen.

    Merken tut man es erst, wenn man von solchen künstlich aufgebauschten Verallgemeinerungen und Vor(ver)urteil(ung)en selber betroffen ist.

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