Benjamin Steffen: «Das kann ich nicht so stehen lassen»

Die Enttäuschung sitzt tief bei Benjamin Steffen nach der verpassten Medaille im olympischen Fechtturnier. Doch der Basler kündigt im Interview mit der TagesWoche eine Trotzreaktion für den Sonntag an: Dann will er im Teamwettbewerb Verpasstes nachholen.

Switzerland's Benjamin Steffen reacts after losing against Gauthier Grumier of France in the men's epee individual bronze medal game in the Carioca Arena 3 in Rio de Janeiro, Brazil, at the Rio 2016 Olympic Summer Games, pictured on Tuesday, August 09, 2016. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

(Bild: Keystone/LAURENT GILLIERON)

Die Enttäuschung sitzt tief bei Benjamin Steffen nach der verpassten Medaille im olympischen Fechtturnier. Doch der Basler kündigt im Interview mit der TagesWoche eine Trotzreaktion für den Sonntag an: Dann will er im Teamwettbewerb Verpasstes nachholen.

Bei seiner ersten Olympia-Teilnahme hat sich der Basler Degenfechter Benjamin Steffen (34) bis ins Halbfinale gekämpft, muss dann aber zwei Niederlagen hinnehmen: erst gegen den späteren Olympiasieger Sangyoung Park aus Südkorea (9:15) und dann gegen den Weltranglistenersten Gauthier Grumier im Kampf um Bronze mit 11:15.

Steffen, der als Lehrer für Englisch und Sport am Gymnasium Bäumlihof in einem 80-Prozent-Pensum unterrichtet und wie Teamkollege Max Heinzer der Basler Fecht-Gesellschaft angehört, war die grosse Überraschung des Schweizer Trios. Als vierfacher Team-Europameister will Steffen nun am Sonntag mit Max Heinzer und Fabian Kauter im Teamwettbewerb reüssieren.

» Das Palmarès von Benjamin Steffen auf seiner Website

Benjamin Steffen, Sie fochten Ihre beste Einzelkonkurrenz an einer internationalen Meisterschaft und sind trotzdem arg enttäuscht. Ihre Einschätzung?

Benjamin Steffen: Dieses Olympia-Turnier war eine einzigartige, einmalige Gelegenheit. Umso ärgerlicher ist dieser vierte Platz. Es wäre einfacher gewesen, um Gold als um Bronze zu kämpfen.

Wieso das?

Nachdem ich gegen den Koreaner Sangyoung Park im Halbfinale verloren hatte, wusste ich: Jetzt wirds schwierig. Mein Bronze-Gegner Gauthier Grumier ist ebenfalls Linkshänder und er liegt mir nicht. Zudem focht er das erste Halbfinale und hatte somit eine längere Regenerationszeit.



2016 Rio Olympics - Fencing - Final - Men's Epee Individual Bronze Medal Bout - Carioca Arena 3 - Rio de Janeiro, Brazil - 09/08/2016. Gauthier Grumier (FRA) of France competes with Benjamin Steffen (SUI) of Switzerland. REUTERS/Issei Kato FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS.

Fechten und Fotokunst: Benjamin Steffen in seinem Bronzekapf gegen Gauthier Grumier. Mehr Bilder vom Tag auf der Planche in Rio de Janeiro in der Slideshow oben. (Bild: Reuters/ISSEI KATO)

Wie sind Sie in den Bronzekampf gestiegen?

Ich erhielt tolle Unterstützung durch die Teamleitung und durch meine Teamkollegen. Der Optimismus war da. Und mir gelang ein starker Auftakt mit dem ersten Treffer. Anschliessend traf mich Gauthier zweimal am Bein. Das hat mich ein bisschen aus dem Konzept gebracht. Ich versuchte, die Distanz zu ihm zu vergrössern, das gelang. Trotzdem hinkte ich ständig einem Rückstand hinterher. Ich konnte die Geschichte nicht drehen.

«Ich bin eine Art Trötzler, und jetzt wollen wir im Teamwettbewerb um die Medaillen kämpfen.»

Der Halbfinal hatte eine ähnliche Kampfgeschichte.

Leider, ja. Park ist ein enorm starker Fechter, dessen Angriffe ansatzlos auf einen zukommen. Nach gutem Beginn war er für mich bald etwas zu schnell.

Welches Fazit ziehen Sie nach dem Einzelturnier?

Vierter, so knapp neben der Medaille: Im Moment ist das Gefühl einer grossen Leere da, aber so etwas kann ich nicht stehen lassen. Sie müssen wissen, dass ich eine Art Trötzler bin. Jetzt steht der Teamwettkampf im Fokus. Und ich spüre grosses Vertrauen in unsere Equipe. In dieser Entscheidung wollen wir um die Medaillen kämpfen – und unsere Chancen stehen gut.

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