Das Magnetfeld des Doppeltorschützen Shkelzen Gashi

Der FC Basel schlägt nach einer dramatischen Schlussphase im Spitzenkampf im Letzigrund den FCZ und hat neu fünf Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierten Zürcher.

Shkelzen Gashi von Basel feiert sein entscheidendes 1:2 beim Fussball Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Zuerich und dem FC Basel vom Sonntag 30.November 2014 in Zuerich. (KEYSTONE/Urs Flueeler) (Bild: URS FLUEELER)

Der FC Basel schlägt nach einer dramatischen Schlussphase im Spitzenkampf im Letzigrund den FCZ und hat neu fünf Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierten Zürcher.

Aus Urs Meier wäre auch ein guter Buchprüfer geworden. Als der Trainer des FC Zürich nach der Partie einen Blick in die Erfolgsrechnung warf, musste er konsterniert feststellen, dass «auf der Aufwandseite deutlich mehr im Buch steht, als bei den Erträgen».

Tatsächlich betrug der Ertrag des Zürcher Stadtclubs im Klassiker gegen den FC Basel exakt Null. Verantwortlich für den so plötzlichen wie dramatischen Mittelabfluss war Shkelzen Gashi, der in der 94. Minute das Spitzenspiel zugunsten des FC Basel entschied und per Kopf das 2:1 erzielte. Nach zuletzt zwei Nullnummern gegen den FCZ und sieben sieglosen Spielen in Zürich gewinnt Basel in Zürich und grüsst damit garantiert auch zu Weihnachten freundlich von der Tabellenspitze, derzeit mit fünf Punkten Vorsprung auf den FCZ.

Dramatischer Höhepunkt

Man muss Fussball nicht mögen – aber nach der Schlussphase dieser Partie dürfte man in Argumentsnotstand geraten. Selten ausgerufene sechs Minuten Nachspielzeit hatte Schiedsrichter Stephan Studer wegen zahlreicher Unterbrüche verhängt, als ahnte er, dass dem Spiel noch der je nach Lesart tragische oder gloriose Höhepunkt bevorstand.

In der 94. Minute trat schliesslich Standardspezialist Luca Zuffi zum Eckball an. Er drehte den Ball lehrbuchmässig an den weiten Pfosten, wo Gashi zwischen zwei Gegenspielern hochstieg und mit einem wuchtigen Kopfball FCZ-Hüter David Da Costa überwand. Ermöglicht haben ihm den Treffer die Zürcher Berufskollegen Etoundi und Rodriguez: Franck Etoundi verharrte an Ort und Stelle und Francisco Rodriguez verlor im entscheidenden Moment die Orientierung.

Publikum mitschuldig?

FCZ-Trainer Meier hat allerdings einen weiteren Schuldigen ausgemacht: das Zürcher Publikum. Es leuchtete jeden Angriff der Zürcher in den letzten Minuten der Partie mit roten Leuchtfackeln aus, befeuerte die Spieler und sog sie geradezu nach vorne.

Zum Leben erweckt hatte das Heimpublikum in der 88. Minute Yassine Chikhaoui, als er per Handselfmeter den verdienten Ausgleich für die Zürcher erzielte. Zuvor hatte Marek Suchy den Ball an die Hand erhalten, als er in einen Schuss von Franck Etoundi grätschte.

«Das Publikum forderte danach den Sieg, es hat jeden Angriff frenetisch bejubelt und naiverweise haben wir uns der Stimmung hingegeben», lamentierte Meier. Aus seiner Sicht hätte es ein Unentschieden und damit eine ausgeglichene Bilanz dieses intensiven Spitzenkampfs durchaus getan.

Basels Verteidiger überlaufen

Beide Mannschaften waren nur mit Mühe in die Gänge gekommen, viele kleine Fouls, viele Fehlzuspiele im Spielaufbau, auch aus der Basler Abwehr, froren das Spiel fest im kalten Letzigrund. Die Basler verfügten zwar über mehr Ballbesitz, doch der FCZ war gefährlicher. Vor allem über die Seiten überliefen die schnellen und fähigen Schönbächler und Chikhaoui immer wieder die Basler Verteidigung, allen voran Rechtsläufer Philipp Degen.

Das Basler Angriffsspiel war in der ersten Halbzeit weitgehend harmlos. Auch, weil die neue Doppelspitze des FCB, bestehend aus Breel Embolo und dem wiedergenesenen Marco Streller, gegen die robusten Zürcher Abwehrspieler die Zuspiele kaum einmal produktiv verarbeiten konnten.

Kurz vor der Pause, in der 41. Minute, überlisteten besagte zwei FCB-Angreifer dann doch noch die Zürcher Hintermannschaft, allerdings auf eher unkonventionelle Weise. Beide liessen eine Flanke von Behrang Safari durch, die so ihren Weg bis zu Shkelzen Gashi fand, der – frei in Raum und Zeit – einschoss.

Gashis Magnetfeld

Marco Streller konnte nachher glaubhaft machen, er habe den Ball absichtlich durchgelassen. Vielleicht liess ihn das magnetische Feld, das so ein Gashi abstrahlt, zurückweichen. Der Topskorer der vergangenen Saison ist auch diese Saison erstaunlich treffsicher und führt die Torschützenliste der Super League mit 11 Treffern an.

Er habe halt ein Näschen für solche Situationen, lüftete Teamkollege Philipp Degen Gashis Berufsgeheimnis. Gashi hat vor allem ein Füsschen und Köpfchen. Und beides war in der Partie strapaziert worden. Er fühle sich glücklich, hauptsächlich aber kaputt, fasste Gashi nach dem Spiel seine Gemütslage zusammen.

Auch der FC Basel hatte einen bilanzwirksamen Aufwand betrieben und zwei Spieler, Degen und Safari, durch muskuläre Probleme verloren. FCB-Trainer Sousa nahm sie aus dem Spiel, um eine Verletzung zu vermeiden, als sich Krampferscheinungen zeigten.

Der gönnerhafte Sousa

Intensiv sei es gewesen, meinte Sousa. Nach der beeindruckenden Leistung gegen Real Madrid seien einige Spieler physisch und mental gegen den FCZ an ihre Grenzen gestossen. «Zürich war ein fantastischer Gegner, sie haben viel Qualität im Angriffsspiel, haben uns zurückgedrängt und das Leben schwer gemacht», gab sich Sousa gönnerhaft. Weil er bei seiner Mannschaft mindestens soviel Qualität entdeckt hatte, vergass er ein Lob ans eigene Team nicht, das eine «wunderbare Leistung» gezeigt habe und «enorm viel gearbeitet hat».

Auch Gashi deutete in der Schlussphase nach vielen Kilometern Laufarbeit seiner Bank an, die Muskeln würden nicht mehr mitspielen. Glücklicherweise für den FC Basel hatte Paulo Sousa da schon dreimal gewechselt.

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